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Gedanken zum Sonntag

Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr

Die ganze Schöpfung seufzt. Predigt-Anspiel mit Pfarrerin und Konfirmanden vom Sonntag, 12.11.2023

 

Pfarrerin:

Hallo miteinander! Herzlich willkommen zu unserem Konfirmandenunterricht. Kommt ihr bitte auf eure Plätze? (Konfirmanden kommen nach vorne und stellen sich neben Pfarrerin).

 

Pfarrerin:

Heute haben wir das Thema Taufe. Dazu habe ich euch letzte Wochen einen Text zum Auswendiglernen aufgegeben: Den Auftrag zur Taufe. Wir sagen jetzt alle zusammen den Text auf:

 

Konfirmanden (auswendig):

Jesus Christus spricht: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

 

Pfarrerin:

Wunderbar, das klappt ja prima! Mir gefällt dieser Text, weil Jesus Christus hier verspricht, dass er immer bei uns ist: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Ich finde, das ist ein großartiges Versprechen! Auch den anderen Bibelspruch zur Taufe finde ich wunderschön: So spricht Gott, der Herr, der dich geschaffen hat: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ Gefällt euch dieser Bibelspruch auch so gut?

 

Konfirmanden (schweigen, runzeln die Stirn, schütteln den Kopf)

 

Pfarrerin:

Der Bibelspruch gefällt euch nicht so gut? Könnt ihr sagen, warum?

 

Konfirmandin 1: Erlöst- was bedeutet das eigentlich?

 

Konfirmand 1: Du bist mein, das gefällt mir nicht. Ich bin doch ich. Ich gehöre nicht jemand anderem.

 

Pfarrerin:

Das sind gute Fragen, die ihr habt. Martin Luther hat das so übersetzt. Aber vielleicht verstehen wir das heute besser, wenn wir es in unserer Konfirmandenbibel nachlesen. Das ist ja eine neuere Übersetzung. Wer könnte bitte mal vorlesen? Jesaja 43,1.

 

Konfirmandin 2 (liest aus der Bibel vor):

Jetzt aber spricht der HERR, der Jakob geschaffen und sein Volk Israel gebildet hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich befreit. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir:

 

Konfirmandin 1: Ach so. „Erlöst“- das bedeutet: „befreit.“

 

Konfirmand 1: Und „Du gehörst zu mir“ finde ich auch viel besser als „Du bist mein.“

 

Pfarrerin:

Super. Jetzt habt ihr euch wirklich eine Pause verdient. In fünf Minuten machen wir weiter. (Pfarrerin geht.)

 

Konfirmandin 3:

Wow. Hätte ich nicht gedacht, dass man einen Bibeltext so viel besser verstehen kann, wenn man ihn in unserer Konfirmandenbibel liest.

 

Konfirmand 2:

Den Bibeltext, der am Sonntag im Gottesdienst vorgelesen wurde, den habe ich auch nicht verstanden.

 

Konfirmandin 2: Um was ging es denn in dem Bibeltext am Sonntag?

 

Konfirmand 2:

Das weiß ich ja nicht genau. Aber über Manches, was da drinstand, hätte ich gerne mehr gewusst.

 

Konfirmand 1:

Irgendwie ging es da um die Hoffnung und das Verhältnis zu der Herrlichkeit. Und dass wir alle Brüder und Schwestern sind.

 

Konfirmandin 3: Ja, stimmt. Und die Tiere auch.

 

Konfirmand 1: Nein, die Tiere kamen da nicht vor in dem Bibeltext.

 

Konfirmandin 3: Doch, die Tiere, die Pflanzen und die ganze Umwelt. Die Schöpfung eben.

 

Konfirmand 1: Echt jetzt?

 

Konfirmandin 2:

Wir könnten es mal in unserer Konfirmandenbibel nachlesen. Vielleicht verstehen wir es in der neuen Übersetzung ja besser. Ich schau mal, ob ich es in der Bibel finde. (blättert in der Bibel und schlägt Römer 8, 18-25 auf). Ah ja, hier steht es (Konfirmandin 2 liest aus der Bibel vor):

Ich bin überzeugt: Das Leid, das wir gegenwärtig erleben, steht in keinem Verhältnis zu der Herrlichkeit, die uns erwartet. Gott wird sie an uns offenbar machen. Die ganze Schöpfung wartet doch sehnsüchtig darauf, dass Gott die Herrlichkeit seiner Kinder offenbart. Denn die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen –allerdings nicht durch eigene Schuld. Vielmehr hat Gott es so bestimmt. Damit ist aber eine Hoffnung verbunden: Denn auch die Schöpfung wird befreit werden aus der Sklaverei der Vergänglichkeit. Sie wird ebenfalls zu der Freiheit kommen, die Gottes Kinder in der Herrlichkeit erwartet. Wir wissen ja: Die ganze Schöpfung seufzt und stöhnt vor Schmerzwie in Geburtswehen – bis heute. Und nicht nur sie: Uns geht es genauso! Wir haben zwar schon als Vorschuss den Geist Gottes empfangen. Trotzdem seufzen und stöhnen auch wir noch in unserem Innern. Denn wir warten ebenso darauf, dass Gott uns endgültig als seine Kinder Konfirmandin 3immt. Dabei wird er auch unseren Leib von der Vergänglichkeit erlösen. Denn wir sind zwar gerettet, aber noch ist alles erst Hoffnung. Und eine Hoffnung, die wir schon erfüllt sehen, ist keine Hoffnung mehr. Wer hofft schließlich auf das, was er schon vor sich sieht? Wir aber hoffen auf etwas, das wir noch nicht sehen. Darum müssen wir geduldig warten.

 

Konfirmand 2: Ja, stimmt. Das war der Bibeltext am Sonntag. (Konfirmand 2 dreht sich zu Konfirmandin 3.) Aber die Tiere kommen da wirklich nicht vor.

 

Konfirmandin 3:

Doch, da steht es: „Die Schöpfung wird befreit aus der Sklaverei der Vergänglichkeit.“ Die Schöpfung, das sind doch auch die Tiere. Die müssen dann auch nicht mehr sterben, wenn wir bei Gott im Himmel sind.

 

Konfirmandin 2:

Das erinnert mich daran, wie mein Hund gestorben ist. Das war so traurig für mich. (Konfirmandin 2 dreht sich zu Konfirmandin 3.) Glaubst du, dass ich meinen Hund im Himmel wiedersehen werde?

 

Konfirmandin 3: Gute Frage. Vielleicht schon, oder?

 

Konfirmandin 1: Dann sollten wir wohl besser Vegetarier sein.

 

Konfirmand 1: Ich esse aber gerne ein gut angebratenes Steak, mit Salzkörnern obendrauf.

 

Konfirmandin 3: Meine Cousine ist Vegetarierin.

 

Konfirmandin 2: Ich esse schon Fleisch, aber nicht so viel. Für die Umwelt ist es besser mit weniger Fleisch. Sonst wird es noch schlimmer mit der Klimaerwärmung.

 

Konfirmandin 3: „Die ganze Schöpfung seufzt und stöhnt vor Schmerz.“ So steht es in dem Bibeltext. Das passt leider echt gut in unsere Zeit.

 

Konfirmand 2: Glaubt ihr, dass wir die letzte Generation sind?

 

Konfirmand 1: Quatsch. Die letzte Generation, das sind doch diese Klimakleber, die den Straßenverkehr blockieren.

 

Konfirmandin 2: Weil sie halt denken, dass nach ihrer Generation die Erde nicht mehr bewohnbar ist, wenn sich nichts ändert.

 

Konfirmand 1: Lass mich bloß damit in Ruhe. Als ob wir nicht genug andere Sorgen hätten: Eltern, die sich streiten. Mobbing in der Schule. Stress mit den Schulnoten. Da kann man sich nicht auch noch wegen der Klimaerwärmung Sorgen machen.

 

Konfirmandin 1: Ich mach mir auch Sorgen wegen den Kriegen in Israel und in der Ukraine.

 

Konfirmand 2: Also, in dem Bibeltext heißt es jedenfalls: „Ich bin überzeugt: Das Leid, das wir gegenwärtig erleben, steht in keinem Verhältnis zu der Herrlichkeit, die uns erwartet.“

 

Konfirmand 1: So überzeugt davon wäre ich auch gerne.

 

Konfirmand 2: Das ist die Hoffnung, dass wir alle Brüder und Schwestern sind und gut miteinander umgehen.

 

Konfirmandin 3: Und auch mit den Tieren und der Umwelt.

 

Konfirmandin 2: Okay. Aber das Verhältnis zu der Herrlichkeit habe ich nicht verstanden. Ist das, wenn wir sterben und bei Gott im Himmel sind? Oder können wir jetzt schon was sehen von dieser Hoffnung?

 

Konfirmand 2: Hoffnung kann man nicht sehen. Das steht doch in dem Bibeltext. Deswegen sollen wir geduldig warten.

 

Konfirmand 1: Ich habe aber keine Geduld. Und ich will jetzt schon Hoffnung haben. Nicht erst irgendwann mal, wenn ich im Himmel bin.

 

(Pfarrerin kommt zurück.) Pfarrerin: So, unsere Pause ist vorbei. Wir machen weiter mit dem Konfirmandenunterricht. (Pfarrerin schaut zur Wand, wo jetzt ein Regenbogen zu sehen ist.)

 

Pfarrerin: Oh, schaut mal! Was für ein schöner Regenbogen!

 

(Alle schauen den Regenbogen an.)

 

Pfarrerin:

Im Regenbogen zeigt uns Gott seine himmlische Schönheit. Der Regenbogen erinnert uns an die Hoffnung, die Gott uns schenkt: Gott hat seine Welt nicht vergessen. Gott denkt an uns und Gott hilft uns- den Menschen und den Tieren, ja der ganzen Schöpfung.

 

Konfirmand 1: Also kann man die Hoffnung doch sehen.

 

Konfirmandin 2: Und die Herrlichkeit auch.

 

Konfirmand 2: Und nicht erst, wenn wir schon im Himmel sind, sondern schon jetzt, hier und heute.

 

Pfarrerin:

Ja, das stimmt. Gott schenkt uns die Hoffnung, auch in den schweren Tagen unseres Lebens. Und Gott schenkt uns schöne Tage in unserem Leben. Und manchmal schenkt uns Gott einen Glücksmoment, der so großartig ist, dass wir schon einen Vorgeschmack bekommen auf Gottes Herrlichkeit im Himmel. Dafür können wir Gott Danke sagen. Danke für das Schöne. Danke auch für das Schwere. Danke für die Sonnentage und die Regentage in unserem Leben. Beides gehört zusammen. Denn wenn ich noch nie etwas Schweres erlebt habe, dann kann ich mich an dem Schönen gar nicht richtig freuen. Das ist so ähnlich wie beim Regenbogen. Ein Regenbogen entsteht nur, wenn Sonnenschein und Regen zusammenkommen. Da fällt mir gerade ein: Da gibt es doch dieses Lied, das dazu passt. Das singt ihr doch so gerne im Konfirmandenunterricht- wie heißt das Lied nochmal?

 

Konfirmandin 3: Danke für die Sonne, danke für den Regen. Das steht in dem neuen Liederbuch, Nummer 113.

 

Pfarrerin:

Ja, super! Das singen wir jetzt miteinander. Und alle dürfen mitsingen: Danke für die Sonne, danke für den Regen, im neuen Liederbuch, Nummer 113.

 

(Konfirmanden und Pfarrerin singen alle 3 Strophen von „Danke für die Sonne, danke für den Regen.“ Die Gemeinde singt mit.)

 

Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

 

 

 

 

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Landesbischof

Liebe Schwestern und Brüder,

 

am frühen Sabbatmorgen der letzten Woche haben Terroristen der Hamas Israel überfallen. Über 1.200 Israelis – junge wie alte – wurden brutal ermordet. Tausende wurden verletzt. Eine unbekannte Anzahl wurde entführt – darunter Familien mit Kindern. Israel kämpft um seine Existenz. Das Land ist im Krieg.

 

Wir sind erschüttert über diesen beispiellosen Terrorakt. Die menschenverachtende Brutalität der Terrorristen ist kaum auszuhalten.  Als Christinnen und Christen, als ganze Evangelische Landeskirche, stehen wir an der Seite Israels und trauern mit den Menschen. Wir beten für die Entführten, für die Verletzten und die Angehörigen aller Opfer. Und wir klagen Gott unsere Sorge um die Zukunft und den Frieden. Vieles, was uns jetzt bedrückt, bringen wir vor Gott. Das Gebet ist der Ort dafür – auch das verbindet uns mit Israel.

 

Voller Sorge nehmen wir Hass und Antisemitismus auch in unserer Gesellschaft wahr. Jede und jeder von uns, aber auch wir als ganze Kirche sind aufgerufen hier klar Position zu beziehen. Der Wochenspruch aus dem Jakobusbrief für diesen Monat schärft uns das ein, wenn der Apostel schreibt: „Seid Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst.“ (Jak 1,22)

 

Lasst uns also gemeinsam handeln, wie es Christen und Christen gut ansteht. Auf diesen Terrorangriff bezogen, heißt das für mich:

Wir treten jeder Form des Antisemitismus entgegen. Antisemitismus ist Sünde. Wer Juden hasst, wendet sich gegen Gott selbst. Antisemitismus zeigt sich etwa in Demonstrationen, die diesen Terrorakt feiern oder in Äußerungen, die Verständnis dafür äußern. Die Hamas ist der Täter. Israel ist Opfer. Nichts rechtfertigt dieses Morden.

 

Ich bin Ihnen dankbar, wenn Sie Ihre Möglichkeiten nutzen, um ihre Solidarität mit den Menschen in Israel zu zeigen und der Relativierung dieses Verbrechens zu begegnen.

 

Großer Gott,

wir klagen Dir das große Leid in Israel.

Du siehst den Schmerz und die Tränen der Menschen.

Die vielen Toten und Verletzten, die Entführten – Kinder, Frauen und Männer.

Beende das Töten und den Terror. Stehe Du den Menschen bei.

Amen.

 

 

Stuttgart, 12. Oktober 2023

 

 

Ernst-Wilhelm Gohl

Landesbischof

 

 

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16. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zum 16. Sonntag nach Trinitatis, 24. 09. 2023

Hebr. 10, 35-39: Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber habt ihr nötig, auf dass ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt. Denn nur noch eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und wird nicht lange ausbleiben. Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben. Wenn er aber zurückweicht, hat meine Seele kein Gefallen an ihm. Wir aber sind nicht solche, die zurückweichen und verdammt werden, sondern solche, die glauben und die Seele erretten.

Liebe Mitchristen!

Vertrauen lohnt sich- Werft euer Vertrauen nicht weg! So sagt es uns unser Predigttext. Aber wir kennen da auch andere Sprüche: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Dahinter steht die Erfahrung von enttäuschtem Vertrauen. Wie schwer ist es in der heutigen Zeit noch jemandem zu vertrauen. So oft wurde Vertrauen enttäuscht; so oft haben vertrauenswürdige Institutionen versagt. Christsein hat etwas mit Vertrauen zu tun. Aber auch unser Vertrauen wurde enttäuscht- von der eigenen Kirche, von anderen Gläubigen – vielleicht auch von Gott? Worauf können wir noch vertrauen? In einer Zeit mit so vielen Unsicherheiten wie der unsrigen. In einer Zeit, in der es nicht mehr selbstverständlich ist, dass die Ländergrenzen zum Nachbarland respektiert werden. Wo ein Nachbarvolk das andere überfällt, Gebiete erobert und die Bevölkerung drangsaliert. So wie in der Ukraine, wo seit eineinhalb Jahren ein grausamer Krieg tobt. So wie jetzt auch noch in Berg Karabach. In einer Zeit, in der auch in unserem Land die Grundrechte nicht mehr selbstverständlich sind, wo das Grundrecht auf Asyl oft nicht mal mehr sein Papier wert ist, wenn Schutzsuchende an den Außengrenzen Europas abgewiesen und zurückgedrängt werden. Können wir da noch auf Grundwerte und Grundrechte vertrauen? Können wir darauf vertrauen, dass wir in unserem Land weiterhin in Frieden, Freiheit und Demokratie leben werden, wo das gesellschaftliche Klima kälter und die Angst vor einer ungewissen Zukunft größer wird? Können wir darauf vertrauen, dass es einen Weg gibt für unsere Kirchen und Gemeinden, in Zeiten, wo immer mehr Menschen der Kirche den Rücken kehren? Und doch: Vertrauen lohnt sich.

Werft euer Vertrauen nicht weg, heißt es im Bibeltext. Ich möchte diesen Satz stark machen. Denn ohne Vertrauen geht es nicht. Vertrauen brauchen wir, von Anfang an. Die Erzieherinnen in unserem Johannes- Kindergarten wissen das in besonderer Weise: Ohne Vertrauen kann kein Kind gedeihen, kann kein Mensch heranwachsen. Wenn die Kinder neu in den Kindergarten kommen, dann müssen sie erst Vertrauen fassen zu den Erzieherinnen als ihren Bezugspersonen. Damit dies gut gelingt, gibt es die Eingewöhnungsphase. In dieser Phase ist anfangs noch ein Elternteil mit dabei im Kindergarten, bis das Kind so weit ist, dass es den Erzieherinnen vertraut. Es ist wichtig, dass wir uns in unserem Kindergarten diese Zeit nehmen. Auch wenn es manchmal dauert. Auch wenn es Geduld braucht. Aber erst wenn das Kind Vertrauen gefasst hat, kann es sich wohlfühlen und seine Fähigkeiten und Möglichkeiten entwickeln.

Wir alle brauchen dieses Vertrauen- in der Familie, bei der Arbeit, in der Gemeinde. Wir brauchen es, dass da vertraute Personen sind, auf die wir uns verlassen können. Und wenn unsere Pfarramtssekretärin im Gemeindebüro seit nunmehr 40 Jahren ihre Arbeit tut, dann ist sie auch so eine Vertrauensperson. Eine, die uns allen vertraut ist und für viele Menschen in Freud und Leid die erste Ansprechperson, das Gesicht unserer Gemeinde ist. Ja, nur wenn Vertrauen da ist, kann menschliches Zusammenleben gelingen. Nur wenn Vertrauen da ist, können wir gemeinsam am Reich Gottes bauen. Vertrauen braucht es immer- für jede zwischenmenschliche Beziehung und auch für die Beziehung zu Gott. Vertrauen braucht es auch für diese ganz besondere Beziehung, die zu leben Gott uns geschenkt hat: Die Beziehung zu dem einen, einzigen Menschen, mit dem ich mein Leben teilen will. Auch da muss erst das Vertrauen wachsen, wenn zwei sich kennenlernen. Auch da braucht es Zeit, bis die Gewissheit gewachsen ist: das ist der oder die Richtige, mit diesem Menschen will ich mein Leben lang zusammenbleiben. Ich denke an das junge Paar aus unserer Gemeinde, das nächsten Samstag vor den Traualtar tritt. Zwei Menschen, die sich trauen, die Gott um ihren Segen bitten für ihre Ehe. Ja, Vertrauen lohnt sich- werft euer Vertrauen nicht weg!

Vertrauen braucht Geduld- in zwischenmenschlichen Beziehungen und in der Beziehung zu Gott. „Geduld habt ihr nötig“, schreibt auch der Verfasser des Hebräerbriefs. Dieses Bibelwort schein direkt in unsere Zeit hinein gesprochen zu sein, in der die Kirchen kleiner werden und die Christen weniger. Aber auch die Christen damals, zur Zeit des Hebräerbriefs, hatten keine leichte Zeit. Die erste Euphorie, als sich ihre Gemeinde gegründet hatte, war längst vorbei. Jetzt hieß es dranbleiben am Glauben- dranbleiben trotz aller Schwierigkeiten: Die Christen damals mussten Benachteiligungen hinnehmen wegen ihrem Glauben, sie wurden verfolgt und manche sogar getötet. Was hat ihnen geholfen, Geduld zu haben? Worauf haben sie geduldig gewartet? „Denn nur noch eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll und wird nicht lange ausbleiben.“ So geht unser Predigttext weiter. Was ist damit gemeint? Die ersten Christen haben ganz fest daran geglaubt, dass Jesus bald wiederkommen wird. Dann wird er die Welt beenden und ein neues Reich Gottes aufbauen. Das war die Hoffnung der ersten Christen. Es ist eine Hoffnung, die die Christenheit durch die Jahrhunderte hindurch nie aufgegeben hat. Wir leben immer noch in der Hoffnung, dass Jesus wiederkommt. Dabei haben wir uns daran gewöhnt, dass es noch lange dauern wird, bis Jesus wiederkommt. Manchmal vergessen wir, dass es auch bald sein könnte. Und dass Jesus dann endlich das tut, was wir uns alle so wünschen: alle Tränen abwischen und den Tod besiegen, so dass der Tod keine Macht mehr über uns hat. Sein gutes Friedensreich aufrichten mit uns, mit allen Menschen aus allen Völkern, mit der ganzen Schöpfung. Nur noch eine kleine Weile oder eine etwas größere Weile dauert es.

Geduld brauchen wir, um dieses Vertrauen auf Gott nicht zu verlieren – das Vertrauen, dass alles gut werden wird. „Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben.“ So heißt es im Predigttext. Für Martin Luther war das ein ganz wichtiges Bibelwort, dieses Leben aus dem Glauben, oder man könnte auch sagen: Leben aus dem Vertrauen. Gerecht sind wir, wenn wir aus Glauben leben, wenn wir vertrauensvoll leben. Wenn wir in diesem Vertrauen auf Gott leben, dass er wiederkommen wird. Dass er alles gut machen wird, und dass all die Anfechtungen, das Schwierige im Leben zur Seite geräumt wird und keine Macht und Bedeutung mehr hat. Deswegen sollen wir unser Vertrauen nicht wegwerfen. Wir sollen dieses Vertrauen in Händen halten und bewahren, denn es lohnt sich wirklich- jetzt in unserer Welt und in Ewigkeit.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

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16. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zum Familiengottesdienst am Sonntag, 17. 09. 2023

 

1.Mose 15, 1-6: Nach diesen Ereignissen kam das Wort des Herrn in einer Vision zu Abram: »Fürchte dich nicht, Abram! Ich selbst bin dein Schild. Du wirst reich belohnt werden.« Abram erwiderte: »Herr, mein Gott! Welchen Lohn willst du mir geben? Ich werde kinderlos sterben, und Elieser aus Damaskus wird mein Haus erben.« Weiter sagte Abram: »Du hast mir keinen Nachkommen gegeben, deshalb wird mich mein Verwalter beerben.« Da kam das Wort des Herrn zu Abram: »Nicht Elieser wird dich beerben, sondern dein leiblicher Sohn wird dein Erbe sein.« Dann führte er Abram nach draußen und sagte: »Betrachte den Himmel und zähle die Sterne –wenn du sie zählen kannst!« Er fügte hinzu: »So zahlreich werden deine Nachkommen sein.« Abram glaubte dem Herrn, und das rechnete ihm Gott als Gerechtigkeit an.

 

Liebe Mitchristen!

 

Abraham und Sara waren beide ganz traurig, weil sie keine Kinder hatten. Auch wenn sie einen wirklich guten Diener hatten, den Elieser, der sich um ihre Schafe gekümmert hat. Aber das war für sie kein Ersatz für ein eigenes Kind. Traurig sind die beiden schlafen gegangen. In ihrem Gute- Nacht- Gebet bittet Sara Gott noch einmal um ein Kind. So oft hat sie das schon gemacht. Aber Gott hat ihr diese Bitte nie erfüllt. Trotzdem betet sie weiter. Abraham lässt das alles keine Ruhe. Er kann nicht schlafen. Hat Gott ihn und seine Frau Sara wirklich vergessen? Aber Abraham bleibt nicht allein in seiner Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit. Gott ist da. Gott sagt ihm: Abraham, steh auf! Du musst nicht traurig bleiben. Und Abraham hört auf Gottes Stimme.

 

Vielleicht können wir Gottes Stimme manchmal auch hören in unserem Leben, wenn wir ganz genau hinhören? Für mich ist das dann so ähnlich wie bei Abraham. Auch wenn ich die Worte von Gott nicht so genau verstehe wie Abraham. Aber trotzdem habe ich das so ähnlich schon erlebt. Da bin ich traurig gewesen und wusste nicht mehr weiter. Ich liege in meinem Bett und kann nicht schlafen. Aber aufstehen will ich auch nicht. Dazu bin ich zu traurig. Dazu fehlt mir die Kraft. Aber dann bekomme ich auf einmal wieder Kraft. Dann schaffe ich es, aufzustehen. Ich stehe am Fenster und sehe den Sternenhimmel. Er sieht wunderschön aus. Und ich weiß: Das alles hat Gott gemacht. Ja, auch mich hat Gott gemacht. Mein Leben ist ein Geschenk von Gott. Und dann spüre ich und kann darauf vertrauen: Auch wenn es manchmal schwere Wege gibt in meinem Leben, Gott ist für mich da. Gott lässt mich nicht im Stich. Er begleitet mich durchs Leben, und er hilft mir auch.

 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie das auch so erfahren dürfen in Ihrem Leben- an jedem Tag Ihres Lebens, an den guten Tagen und an den schwierigen. Schön, wenn Sie sich darauf einlassen, auf den Glauben an Gott, dem wir unser Leben verdanken und der uns begleitet! Denn es ist ein Wunder, dass uns das Leben geschenkt ist. Wir haben das nicht in der Hand. Nur Gott kann dieses Wunder bewirken. Jeder neue Tag, den wir erleben dürfen, ist sein Geschenk an uns.

 

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

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Predigt zum 10. Sonntag nach Trinitatis (Israelsonntag)

5. Mose 4, 5-8: Sieh, ich habe euch gelehrt Gebote und Rechte, wie mir der Herr, mein Gott, geboten hat, dass ihr danach tun sollt im Lande, in das ihr kommen werdet, um es einzunehmen. So haltet sie nun und tut sie! Denn darin zeigt sich den Völkern eure Weisheit und euer Verstand. Wenn sie alle diese Gebote hören werden, dann müssen sie sagen: Was für weise und verständige Leute sind das, ein herrliches Volk! Denn wo ist so ein herrliches Volk, dem Götter so nahe sind wie uns der Herr, unser Gott, sooft wir ihn anrufen? Und wo ist so ein großes Volk, das so gerechte Ordnungen und Gebote hat wie dies ganze Gesetz, das ich euch heute vorlege? 

Liebe Mitchristen,

Kennen Sie Menschen, die im jüdischen Glauben aufgewachsen und beheimatet sind? Als Kind und Jugendliche kannte ich keine solchen Menschen. Als ich dann mit der Schule fertig war, bin ich für ein halbes Jahr nach Frankreich gegangen für ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem evangelischen Krankenhaus bei Paris. Dort sind mir zum ersten Mal Menschen jüdischen Glaubens begegnet: Die junge Mutter auf der Entbindungsstation, die ich zum Krankenhausgottesdienst einladen wollte. Und die älteren Menschen im jüdischen Viertel von Paris. Die haben sich im Restaurant von uns weggesetzt, weil sie es nicht ertragen konnten, dass wir deutsch reden. Das unendliche Leid, das wir Deutschen den Juden angetan haben, bekam durch diese kleine Begebenheit in einem Pariser Restaurant auf einmal ein Gesicht für mich. 

Jüdinnen und Juden haben ein Gesicht. Sie wohnen hier ganz in der Nähe. Vielleicht sind sie sogar unsere Nachbarinnen oder Kollegen. Es sind nur wenige, die ich hier kenne- auf dem Heuberg oder in Rottweil. wo es ja auch eine Synagoge gibt. Aber es gibt sie. 1990 lebten 30.000 Jüdinnen und Juden in Deutschland. Heute sind es rund 200.000. Die meisten von ihnen sind aus der ehemaligen Sowjetunion zu uns nach Deutschland gekommen- manche erst vor einigen Monaten aus der Ukraine. Ich habe großen Respekt vor dem Vertrauen, das diese Menschen unserem Land entgegenbringen: Das Vertrauen darauf, dass wir Deutschen aus den dunklen Kapiteln unserer Geschichte gelernt haben und dafür Sorge tragen, dass es nie wieder so weit kommt. Werden wir diesem Vertrauen gerecht? 

Wie geht es uns mit den Jüdinnen und Juden, die hier bei uns leben? Haben wir sie überhaupt schon bemerkt, oder noch gar nicht wahrgenommen? Sind sie für uns einfach Andersgläubige oder können wir in ihnen unsere älteren Geschwister im Glauben erkennen- die, ohne dies unseren christlichen Glauben nicht gäbe? Und wie geht es den Jüdinnen und Juden hier in unserem Land? Ich denke an einen Mann jüdischen Glaubens hier in unserer Gegend. So wie viele Christinnen und Christen eine Halskette mit einem Kreuz tragen, so hat er eine Kette mit einem Davidsstern. Gerne möchte er die Kette so tragen, dass andere sie sehen können. Er will zu seinem Glauben stehen und ist bereit, mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen. Aber oft legt er die Kette dann doch ab oder trägt sie nur verdeckt. Es ist anstrengend, sich in unserem Land zum jüdischen Glauben zu bekennen. Und manchmal ist es sogar gefährlich. Die Gewalttaten gegen Menschen jüdischen Glaubens nehmen zu in unserem Land. Das ist ein Skandal. 

Gerade wir als Christinnen und Christen sind hier gefordert, uns dafür einzusetzen, dass Jüdinnen und Juden ihren Glauben in unserem Land ohne Angst und für alle erkennbar leben können. Denn die Bibel sagt uns: Dieses Volk Israel ist für die anderen Völker- also für uns- ein Vorbild im Glauben. In der Rede des Mose in 5. Mose 4, 5-8 heißt es: „Sieh, ich habe euch gelehrt Gebote und Rechte, wie mir der Herr, mein Gott, geboten hat, dass ihr danach tun sollt im Lande, in das ihr kommen werdet, um es einzunehmen. So haltet sie nun und tut sie! Denn darin zeigt sich den Völkern eure Weisheit und euer Verstand. Wenn sie alle diese Gebote hören werden, dann müssen sie sagen: Was für weise und verständige Leute sind das, ein herrliches Volk! Denn wo ist so ein herrliches Volk, dem Götter so nahe sind wie uns der Herr, unser Gott, sooft wir ihn anrufen? Und wo ist so ein großes Volk, das so gerechte Ordnungen und Gebote hat wie dies ganze Gesetz, das ich euch heute vorlege?“

Zwei Dinge werden hier genannt, die schon in vorchristlicher Zeit Menschen aus anderen Völkern beeindruckt haben, so dass sie sich als Gottesfürchtige gemeinsam mit dem Volk Israel dem Glauben an den einen Gott angeschlossen haben. Die erste Besonderheit ist die enge und persönliche Beziehung, die das Volk Israel zu seinem Gott hat- zu dem einen, dem einzigen Gott. Die zweite Besonderheit sind Gottes gute Regeln für ein gelingendes Leben- die 10 Gebote. Gott ist für die Menschen da. Gott wird erfahrbar in seinem Wort und in den Geboten, die er schenkt. Dieser Glaube verbindet uns – Christen und Juden. In der Bibel gibt es eine Geschichte, die in besonderer Weise für diesen Glauben steht: Die Geschichte, wie Gott sein Volk Israel aus Ägypten aus der Sklaverei befreit hat. Die Geschichte, wie Gott sein Volk durch die Wüste führt in das versprochene Land, und wie er ihnen unterwegs am Berg Sinai oder Horeb ganz nahekommt und ihnen die 10 Gebote schenkt. So etwas vergisst man nicht. So eine großartige Erfahrung der Befreiung und Begleitung erzählt man weiter; die Eltern ihren Kindern, von Generation zu Generation. 

Und so kommt auch Mose voll Begeisterung ins Erzählen, als er sich in seiner Rede an das Volk Israel wendet: Von lodernden Flammen am Berg Horeb, bis in den Himmel hinein. Von den Worten, die Gott dort am Berg zu seinem Volk gesprochen hat. Vom ewigen Bund, den Gott mit seinem Volk Israel geschlossen hat. Von den Gebotstafeln mit den 10 Geboten für ein gutes Leben in Gottes Welt. Mehr als all das braucht es nicht, sagt Mose. Denn was könnte es noch mehr geben als dieses großartige Versprechen: Ich, der eine und einzige Gott; ich will euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein! Großartig, dass Gott seinem Volk Israel dieses Versprechen gegeben hat. Großartig, dass er seinem Volk die Treue hält bis zum heutigen Tag; ja, auch den Jüdinnen und Juden, die in unserem Land wieder Heimat gefunden haben. Großartig, dass wir, die Völker, mit hineingenommen sind in dieses Versprechen, durch Jesus Christus, Gottes Sohn, der ein Jude war. 

So müssen wir unser Heil nicht anderswo suchen. Es steht nicht in den Sternen und den astrologischen Horoskopen, wie unser Schicksal sein wird. Unser Leben steht allein in Gottes Hand. Er, der Gott Israels ist der eine und einzige Gott. Und durch unseren Herrn Jesus Christus haben wir, die Völker, von diesem Gott erfahren dürfen. Tragen wir diesen Glauben an den einen und einzigen Gott weiter. Und suchen wir das Gespräch mit unseren Mitmenschen, die auch an den einen Gott glauben- auch mit den Jüdinnen und Juden in unserer Nachbarschaft. Setzen wir uns dafür ein, dass auch sie ihren Glauben frei und offen leben können- ohne Angst vor Anfeindungen und Gewalt. Das wäre mein Wunsch: Dass der jüdische Mann, den ich hier in unserer Gegend kenne, seine Halskette mit dem Davidsstern mit derselben Selbstverständlichkeit offen und für alle sichtbar tragen kann wie wir als Christinnen und Christen eine Halskette mit einem Kreuz tragen. 

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

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8. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zum 8. Sonntag nach Trinitatis, 30. Juli 2023

Mt 5, 13-16: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Liebe Mitchristen!

Fahren Sie in Urlaub jetzt in den Sommerferien? In die Berge vielleicht, oder ans Meer? Ganz besondere Erlebnisse kann man machen, wenn man im Urlaub ist- in der Ferne oder auch hier bei uns in der schönen Gegend, in der wir leben:  Nach der anstrengenden Wanderung stehe ich oben auf dem Berg und schaue in die Weite. Grüne Wiesen, dunkle Wälder und das silberne Band eines Flusses liegen vor mir. Bis zum Horizont geht mein Blick. Hier oben habe ich den Überblick. Hier bin ich in Sicherheit. Kein Wunder, dass unsere Vorfahren Burgen gebaut haben auf solche Bergeshöhen. Und um manche dieser Burgen herum wurde eine ganze Stadt gebaut, mit festen Mauern und weithin sichtbar: „Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.“

Oder ich mache Urlaub am Meer. Da ist der Horizont ganz weit; Wind und Wellen, Sonne und Sand. Ich schmecke das Saltz auf den Lippen. Hier am Meer wird besonderes Salz hergestellt. An der Atlantikküste gibt es Salzgärten, wo das Meersalz nach jahrhundertealter Tradition getrocknet wird. Die oberste und feinste Schicht ist etwas ganz Besonderes: Fleur de sel, die Blume des Salzes. Eine Delikatesse, die alle Speisen verfeinert. „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen?“

Im Urlaub nehme ich Vieles bewusster wahr, auch die Tageszeiten. Meistens schlafe ich länger als sonst. Aber manchmal mache ich es auch genau umgekehrt und stehe ganz früh auf. Es ist dunkel. Die Welt schläft noch. Vorsichtig tastend gehe ich nach draußen, hoch auf den Berg oder vor zum Strand. Heute will ich den Sonnenaufgang erleben. Es ist still um mich herum. Dunkel ragen die Bäume in den Himmel. Die Felsen sehen aus wie unheimliche Gestalten. Vom Horizont her wird es langsam heller. Der Morgenstern verblasst. Die Nacht jagt davon mit dunklen Wolkentürmen. Mit dem Licht kommen die Farben. Die Wiese, die vorher ein Meer aus grauen Halmen war, ist nun übersät mit bunten Blumen. Der Himmel ist ein Feuerwerk aus Gelb und Rot. Die Sonne geht auf: Licht, Wärme Farben. Ein neuer Tag bricht an. „Ihr seid das Licht der Welt. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Urlaubserlebnisse. Sie weisen uns hin auf tiefe Wahrheiten, die wir in unserem Alltag oft übersehen oder für selbstverständlich halten: Ohne Licht ist die Welt grau und trist. Ohne Salz fehlt der Geschmack; ist das Leben fad. Ohne Berge fehlt der Blick ins Weite, der Überblick, die Perspektive, die vor uns liegt. Salz, Licht und die Stadt auf dem Berg- davon erzählt Jesus in der Bergpredigt. Gut, dass es das alles gibt, sagt Jesus. Und gut, dass es euch gibt. Denn ihr seid das alles: Salz der Erde, Licht der Welt, die Stadt auf dem Berg. Viele Menschen sind gekommen, um von Jesus Trost und Hilfe zu bekommen für ihr Leben. „Ihr seid das Licht der Welt,“ sagt Jesus ihnen.

Die Menschen, die zu Jesus gekommen sind, sind keine leuchtenden Gestalten. Das sind nicht die Stars, die beim Hollywood Walk of Fame einen Stern auf dem Boden bekommen würden. Das sind nicht die, zu denen man aufschaut wie zu der Stadt oben auf dem Berg. Es sind Leute wie Du und ich. Ja, viele von ihnen sind sogar Leute, mit denen wir nicht so gerne etwas zu tun haben- die aus den sozialen Brennpunkten, Arme und Entwurzelte. „Ihr seid das Licht der Welt. Ihr seid die Stadt auf dem Berg. Ihr seid das Salz der Erde.“ Jesus sagt das gerade zu den Menschen, die das nicht oft zu hören bekommen.

Im Wehinger Amtsblatt der letzten Woche standen die Namen der Hauptschülerinnen und Hauptschüler, die an der Wehinger Schlossbergschule in diesem Schuljahr eine Belobigung oder einen Preis bekommen haben. Ich habe mich gefreut, die Namen dieser Mädchen und Jungen zu lesen, denn ich weiß: Viele Kinder und Jugendliche sind enttäuscht, dass nur für die Hauptschule gereicht hat. Oft sind es benachteiligte Kinder und Jugendliche. Denn ob man in unserem Bildungssystem erfolgreich ist, hängt immer noch stark davon ab, ob man aus einem gut situierten Elternhaus kommt oder aus einem sozialen Brennpunkt. Das ist ein Skandal.

„Lasst euer Licht leuchten! Stellt es nicht unter den Scheffel!“ Das sagt Jesus gerade zu denen, denen das nicht in die Wiege gelegt wurde. Schön also, das Licht unserer Hauptschülerinnen und – schüler leuchten zu sehen im Amtsblatt! Und es leuchten auch die, die keine Belobung und keinen Preis bekommen haben. Auch die, die nach der Zeugnisvergabe enttäuscht waren. Auch die, die im nächsten Schuljahr eine Klasse wiederholen müssen. „Ihr seid das Licht der Welt,“ sagt Jesus über sie. Schärfen wir also unseren Blick für die Begabungen unserer Mitmenschen, die sich nicht in Zeugnisnoten und Leistungsnachweisen messen lassen: Ein offenes Ohr für die Sorgen der Anderen; ein gutes Wort, das tröstet; eine neue Idee, die Perspektiven für die Zukunft eröffnet; tatkräftige Hilfe für Menschen in Not.

Gute Werke, nennt Jesus das. Und oft geschieht das im Verborgenen. Und wenn ich die Menschen danach frage, wie sie das alles schaffen und warum sie das machen: Die Pflege der dementen Mutter, die langjährige Unterstützung für das Patenkind in Afrika, die tatkräftige Hilfe für die Flüchtlingsfamilie – dann bekomme ich von diesen Menschen, die sich für andere einsetzen, oft die Antwort: Das ist doch selbstverständlich, dass ich das mache. Ich helfe ja gern, wo ich kann.

Nein, möchte ich dann antworten. Es ist nicht selbstverständlich. Dass Du da bist für diese Menschen, mit denen andere lieber nichts zu tun haben wollen. Dass du nicht sagst: Das geht mich nichts an! Oder: Sollen das doch andere machen! Dass du unsere Welt ein bisschen heller und wärmer machst in einer Zeit, in der das soziale Klima kälter wird und die Unmenschlichkeit so salonfähig geworden ist, dass manche sogar das Asylrecht hinterfragen. Ein Skandal ist das, und du setzt ihm etwas entgegen.

Es ist großartig, dass du das machst. Auch wenn dir niemand dafür einen Orden gibt. Auch wenn du dafür keinen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame bekommst- Du bist es, die Licht und Farbe in unsere Welt bringt. Deine Hilfe ist wie der Sonnenaufgang an einem Urlaubsmorgen, wie der Blick ins Weite auf einem Berggipfel, wie der Geschmack von Saltz auf den Lippen am Meeresstrand. Ohne Menschen wie dich wäre unsere Welt grau und trist und unser Leben fad. Mach weiter so! Lass dich nicht entmutigen von denen, die sagen: Das ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Setz dich weiter ein für Gerechtigkeit und Menschlichkeit, im Großen wie im Kleinen. Denn so hat Jesus es uns aufgetragen- Jesus, der unser Leben hell macht, der Farbe in unser Leben bringt und Würze. Er ist die Quelle, aus der wir die Kraft schöpfen, um für andere da zu sein. Er ist der Fels, auf dem wir stehen und der uns festen Halt gibt im Leben. Bei Jesus hat jede und jeder von uns Würde und Wert. Mit ihm wollen wir unseren Vater im Himmel preisen, in dieser Welt, die uns anvertraut ist, und in Ewigkeit.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

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5. Sonntag nach Trinitatis

 

Predigt zum 5. Sonntag nach Trinitatis

Joh 1, 36-46: Als Jesus vorbeiging, schaute Johannes ihn an und sagte: »Seht doch! Das ist das Lamm Gottes!« Die beiden Jünger hörten diese Worte und folgten Jesus. Jesus drehte sich um und sah, dass sie ihm folgten. Da fragte er sie: »Was wollt ihr?« Sie antworteten: »Rabbi«– das heißt übersetzt »Lehrer« –»wo wohnst du?« Er forderte sie auf: »Kommt und seht selbst!« Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte. Sie blieben den ganzen Tag bei ihm. Das geschah etwa um die zehnte Stunde. Andreas war einer der beiden Jünger, die Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Er war der Bruder von Simon Petrus. Andreas traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: »Wir haben den Messias gefunden« –das heißt übersetzt »der Christus«. Er brachte Simon zu Jesus. Jesus sah ihn an und sagte: »Du bist Simon, der Sohn des Johannes. Dich wird man Kephas nennen« –das heißt übersetzt Petrus und bedeutet »Fels«. Am nächsten Tag wollte Jesus nach Galiläa aufbrechen. Da traf er Philippus. Jesus sagt zu ihm: »Folge mir!« Philippus kam aus Betsaida, das ist die Stadt, aus der auch Andreas und Petrus stammten. Philippus sucht Natanael auf und sagt zu ihm: »Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz geschrieben hat und den die Propheten angekündigt haben. Es ist Jesus, der Sohn Josefs. Er kommt aus Nazaret.« Da fragte ihn Natanael: »Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen?« Philippus antwortete: »Komm und sieh selbst!«

Liebe Mitchristen!

„Komm mit!“ sagt der Junge zu seinem neuen Klassenkameraden. „Ich zeige dir mein Geheimversteck!“ Der Neue nickt mit dem Kopf. Zusammen gehen die Kinder über die Wiesen hinauf zum Waldrand, wo sich der Junge ein Lager gebaut hat. Eine neue Freundschaft entsteht. „Kommen Sie doch noch auf einen Kaffee bei mir vorbei!“ sagt die ältere Dame zu ihrer neuen Bekannten, die sie in letzter Zeit immer mal wieder beim Spazierengehen getroffen hat. „Ich wohne hier ganz in der Nähe.“ Die andere ist einverstanden. Gemeinsam ist der Kaffeetisch schnell gedeckt. Die beiden Frauen kommen ins Erzählen. Es tut gut, die Lebenserfahrungen miteinander auszutauschen. „Kommt und seht selbst!“ sagt Jesus. „Ich zeige euch, wo ich wohne. Auch wenn es vielleicht nur eine Bleibe für eine Nacht ist. Kommt, schaut es euch an. Seid heute meine Gäste.“ Andreas und sein Begleiter lassen sich einladen. Den ganzen Tag bleiben sie bei Jesus. Sie haben viele Fragen: „Wer bist du, Jesus? Ist es wahr, was Johannes der Täufer von dir sagt: Du bist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt? Ist es wahr, dass du der Sohn Gottes bist, der von Anfang an dabei war, seit es die Welt gibt?“ Jesus gibt Antwort auf ihre Fragen. So vergeht die Zeit wie im Flug, wie sie so im Haus beieinander sitzen und reden. Am Ende des Tages sind sich die beiden ganz sicher: Jesus ist der Messias. Jesus ist der Retter, den Gott uns versprochen hat. Voller Freude erzählen sie es weiter. Ihre Freude, ihre Begeisterung ist ansteckend. Simon Petrus, der Bruder von Andreas, lässt sich von der Begeisterung anstecken. Und am nächsten Tag kommt Philippus dazu und bringt seinen Freund Nathanael mit.

„Kommt und seht selbst!“ Nur so finden Menschen zusammen. Nur so finden Menschen zu Gott: Komm und sieh selbst. Probiere es einfach mal aus. Und wenn es nur für einen Tag ist, nur für heute. Nur für heute. Mit diesen Worten beginnt jede der 10 Lebensregeln, die Papst Johannes XXIII sich vorgenommen hat: „Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben – ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen. Nur für heute werde ich größten Wert auf mein Auftreten legen und vornehm sein in meinem Verhalten: Ich werde niemanden kritisieren; ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern -nur mich selbst. Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin – nicht nur für die andere, sondern auch für diese Welt. Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen. Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist eine gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele. Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen, und ich werde es niemandem erzählen. Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe. Sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass niemand es merkt. Nur für heute werde ich fest daran glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten –, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt. Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist – und ich werde an die Güte glauben. Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen. Und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.“

Vielleicht kommt Ihnen das schon wieder viel zu viel vor- gleich 10 Lebensregeln an einem Tag verwirklichen zu wollen. Was mich aber beeindruckt an diesen Regeln, ist das Prinzip, das dahintersteht: Nur für heute nehme ich es mir vor, so zu leben. Heute probiere ich es mal aus. Heute lasse ich mich mal ein auf dieses Abenteuer, aus den üblichen Bahnen auszuscheren und etwas Neues zu versuchen. So wie der Junge, der seinem Klassenkameraden folgt an seinen Lieblingsort, in sein Geheimversteck. So wie die ältere Dame, die sich von ihrer neuen Bekannten nach dem Spaziergang noch zum Kaffee einladen lässt. So wie Andreas und sein Begleiter, die sich zu Jesus in seine Bleibe einladen lassen. Alles nur für heute. Alles ohne die Verpflichtung: Das muss immer so sein und bleiben. Ohne Zwang, in völliger Freiheit. Nur für heute. Lassen Sie sich einladen: Nur für heute der Kirche und dem Glauben eine neue Chance geben. Nur für heute es einmal auszuprobieren, wie es sich lebt mit dem Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes, den Retter der Welt. Nur für heute einmal darauf vertrauen, dass Gott die Welt in Händen hält- dass Unheil, Krieg und Not nicht das letzte Wort haben. Nur für heute sich festmachen an Jesus Christus, dem Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt. Nur für heute sich ganz in seine Hand legen und alle Sünde, alles Belastende bei ihm ablegen. Nur für heute hier diesen Gottesdienst mitfeiern, in dem wir ein Kind taufen und uns alle unter Gottes Segen stellen. Nur für heute auch die eigenen Zweifel und Fragen ernst nehmen- so wie Nathanael, der sich fragt: „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?“

Was kann aus der Kirche, was kann aus dem christlichen Glauben Gutes kommen? Nur für heute stelle ich diese Frage nicht ganz allgemein, sondern lasse sie wirklich an mich heran und überlege: Was steht mir im Weg, wenn ich an Jesus Christus glauben und ihm nachfolgen will? Sind es meine eigenen Erfahrungen und Verletzungen? Sind es meine Überzeugungen, die mir nicht vereinbar scheinen mit dem, was in der Kirche gelehrt und gelebt wird? Sind es die Unzulänglichkeiten, Fehler und Vergehen von Menschen, die für die Kirche stehen und sprechen? Nur für heute stelle ich mich diesen Fragen und bringe das alles vor Gott und vor Jesus: Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

Nur für heute. Was passiert, wenn ich mich darauf einlasse, auf Gott zu vertrauen und an Jesus zu glauben, wenn ich es einfach mal versuche – nur an diesem einen, heutigen Tag? Komm und sieh selbst! Schmecke und sieh, wie freundlich Gott ist! Lass dir und deinen Kindern Gottes Segen zusprechen, in der Taufe und in jedem Gottesdienst! Ein Selbstversuch mit offenem Ausgang ist das, es einfach mal zu probieren für einen Tag. Aber damals bei den Jüngern von Jesus ist es nicht bei diesem einen Tag geblieben. Und wir alle, die wir uns zum christlichen Glauben bekennen, könnten unsere eigene Geschichte dazu erzählen- warum wir drangeblieben sind am Glauben. Was uns weitergetragen hat in Zeiten des Zweifels und der Krise. Wie es dazu gekommen ist, dass wir sonntags in die Kirche gehen. Eines Tages war es so weit, und wir haben uns gesagt: Es ist nicht mehr nur für heute. Ich möchte dabeibleiben. Ich möchte dranbleiben am Glauben. Ich möchte im Glauben leben und ihn weitergeben an die nächste Generation. Erzählen wir davon! Denn Glaube ist ansteckend.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

 

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Predigt zum 4. Sonntag nach Trinitatis, 02.07.2023

1.Petrus 3,8-11.15-17 Endlich aber seid allesamt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt. Denn »wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen. Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und das mit Sanftmut und Ehrfurcht, und habt ein gutes Gewissen, damit die, die euch verleumden, zuschanden werden, wenn sie euren guten Wandel in Christus schmähen. Denn es ist besser, wenn es Gottes Wille ist, dass ihr um guter Taten willen leidet als um böser Taten willen.

Liebe Mitchristen!

Kennen Sie Christine Prayon? Christine Prayon hat im ZDF in einer Satiresendung mitgespielt, in der Heute Show. Da war sie die Kunstfigur Birte Schneider und hat damit viele Menschen zum Lachen gebracht. Manchmal habe ich diese Sendung auch angeschaut. Satiresendungen finde ich eigentlich lustig und unterhaltsam, und immer wieder auch gut zum daran Weiterdenken, wenn da unsere Welt und unsere Gesellschaft mit ihren Irrungen und Wirrungen aufs Korn genommen wird. Unsere Welt und unsere Gesellschaft mit ihren Irrungen und Wirrungen aufs Korn zu nehmen, das ist die Aufgabe einer solchen Satiresendung. Da geht es um schräge Vögel und um Entscheidungen, die haarscharf am Ziel vorbeigehen. Da geht es um die gesellschaftlichen Probleme vom Klimaschutz über das Heizungsgesetzt bis zu Waffenlieferungen in den Ukraine- Krieg. Das alles sind Themen, zu denen niemand eine einfache Lösung präsentieren kann. Und so mühen sich alle Verantwortlichen in Politik, Kirche und Gesellschaft, hier irgendwie das Bestmöglich zu entscheiden, zu unterstützen und nach außen zu vertreten. Der Schmerz, den uns das allen bereitet, dass wir mehr oder weniger ratlos vor diesen Problemen stehen und unsere Lösungsversuche eigentlich zur zeigen, wie hilflos wir sind- dieser Schmerz braucht Abhilfe. Eine Satiresendung kann eine solche Abhilfe sein. Da kann ich lachen über das, was mich so belastet und beschwert. Lachen hilft. Lachen ist gesund. Lachen befreit. Wenn ich eine Satiresendung anschaue, kann ich lachen über unsere Welt und Gesellschaft, über so manche Entscheidung von „denen da oben,“ über so manch Eigenwilliges und Unverständliches. 

Muss es aber sein, dass ich dabei Menschen der Lächerlichkeit preisgebe? Muss es sein, dass ich Stimmung mache gegen Andersdenkende? Das fragt sich die Kabarettistin Christine Prayon offenbar schon seit Längerem. Und wenn Jan Böhmermann während der Corona- Pandemie in seiner Satiresendung über Nicht- Geimpfte redet und zwei Stinkefinger zeigt, dann ist das für sie keine Satire mehr, sondern Spaltung. Aus solchen und ähnlichen Gründen macht sie nun nicht mehr mit in der ZDF- Heute- Show. Ich möchte mich in meinen Ausführungen nicht an der Person von Christine Prayon festmachen, auch nicht an Meinungen, die sie vertritt, und die ich so nicht teilen kann. Aber hinter ihrem Rücktritt von der Heute Show steht für mich eine Grundfrage, die mich nicht loslässt, unabhängig von diesem Vorfall: Wie gehen wir miteinander um, in unserer Zeit und in unserer Gesellschaft, ja auch in unserer Kirche? Wie gehen wir mit Menschen um, die anders sind und anders denken als wir?

Die frühe christliche Gemeinde hat ihre ganz eigene, leidvolle Geschichte mit dieser Frage gehabt. Damals lebten sie in einer Gesellschaft, in der bis vor Kurzem alle eine einzige große Glaubensgemeinschaft gewesen waren. Heidnische Opferfeste wurden gefeiert, und die jeweiligen Herrscher wurden mehr oder weniger als Götter verehrt. Bei allen Unterschieden, die es zwischen den Menschen gab, war man sich in diesen Punkten doch einig. Niemand wollte hier aus der Reihe tanzen und sich von den anderen absondern. In dieser Zeit entstand die christliche Religion, und damit gab es eine Veränderung: Die Christen, das waren diejenigen, die sich jetzt auf einmal absonderten. Sie trafen sich in ihren Häusern und brachen miteinander das Brot, das für sie der Leib des von ihnen als Gott verehrten Herrn war und ihnen Anteil  an seinem Tod und seiner Auferstehung gab. Vor allem aber weigerten sie sich, den jeweiligen Herrscher wie einen Gott zu verehren. Und untereinander lebten sie einen Liebeskommunismus. Sie teilten alles, was sie hatten und kümmerten sich um die Hilfsbedürftigen, Armen und Alten in ihrer Gemeinschaft. Für die damalige Gesellschaft wurden sie so zum Fremdkörper, der bekämpft werden musste. 

Für die ersten Christen war es eine Zerreißprobe, in einer solchen Gesellschaft zu leben. Diese Zerreißprobe machte auch vor ihrer eigenen Gemeinde nicht Halt. So kam es zu Spannungen und Konflikten in ihrer Gemeinschaft. Und trotz aller Liebe, die sie miteinander leben wollten, gebrauchten manche dabei Worte, die mehr Schaden als Heil anrichteten. Dabei kam es auch zu Verleumdungen gegenüber der nichtchristlichen Umwelt. Je mehr von diesen Konflikten nach außen drang, umso mehr schaute die weltliche Umgebung auf die Christen: War da nicht dieses Verbrechen, das nie aufgeklärt worden war? Sind daran nicht vielleicht die Christen schuld? Ein Teufelskreis war das. Eine Abwärtsspirale, die die Existenz dieser frühen christlichen Gemeinde gefährdete. Dieser Teufelskreis musste durchbrochen werden. Was tun? Auf Petrus werden sie hören. So dachte der Schreiber unseres Briefes und berief sich für sein Schreiben an die Gemeinden auf die Autorität des Petrus: Auch wenn Petrus zu diesem Zeitpunkt längst verstorben war: So hätte Petrus gewollt, dass wir miteinander umgehen. Das will der Schreiber des Briefs damit sagen. 

Heute ist unsere Situation im Manchem ganz ähnlich wie die der damaligen jungen christlichen Gemeinde. Viele Menschen in unserem Umfeld stehen dem christlichen Glauben kritisch gegenüber. Menschen treten aus der Kirche aus, gerade auch junge Menschen. Das schmerzt uns. Unter gerade aus der Kirche Ausgetretenen hat es neulich eine Umfrage gegeben. Eine der Fragen war, ob die Befragten es wichtig finden, dass es die Kirche gibt. Und obwohl alle Befragten innerhalb der letzten 4 Wochen aus der Kirche ausgetreten waren, hat eine große Mehrheit von ihnen angegeben, dass sie es wichtig finden, dass es die Kirche gibt. „Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist,“ heißt es im 1. Petrusbrief. Erzählen wir davon, warum es wichtig ist, Kirchenmitglied zu sein: Kirchensteuer wirkt! Sie wirkt hinein in unsere Gemeinden, die nur dann mit Leben gefüllt werden, wenn die Finanzierung gesichert ist. Sie wirkt hinein in unsere Gesellschaft, durch Kindergärten, durch Tafelläden und Beratungsstellen und vieles mehr. 

Wie gehen wir miteinander um? Kann man daran, wie wir miteinander umgehen, erkennen, dass wir Christinnen und Christen sind, oder zeigen wir denen, die anders ticken als wir, auch nur den Stinkefinger, wie Jan Böhmermann in seiner Satireshow? Schaffen wir es, unsere Meinungsverschiedenheiten und Differenzen miteinander in fairer Weise auszutragen und auszuhalten, ohne persönliche Beleidigungen und Verletzungen von unserem Gegenüber, so verquer der uns auch vorkommen mag mit seinen anderen Ansichten und Lebensentwürfen? Diese Frage stellt uns der 1. Petrusbrief- auch und gerade in einer Zeit, in der das soziale Klima kälter geworden und Mobbing über soziale Medien an der Tagesordnung ist. „Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist!“ Sagt den Menschen eurer Umgebung, warum ihr weiterhin Kirchenmitglied seid. Sagt ihnen, dass Gott mehr ist als ein von Menschen erfundenes Wort. Sagt den Menschen, dass euer Glaube in Jesus Christus gründet, den Gott zum Heil auf diese Erde gesandt hat. Er ist es, der auch heute noch unter uns wirken kann und will, dass wir versöhnt und in Frieden miteinander leben können.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

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2. Sonntag nach Trinitatis

 

Predigt Sonntag, 18.06.2023 (Noah)

Die Geschichte von Noah und der Arche, erzählt vom Evang. Johannes- Kindergarten im Familiengottesdienst am 18. Juni in der Wehinger Christuskirche

Hallo! Ich bin Joshua die Taube und ich habe etwas wirklich Aufregendes erlebt. Was ich euch heute erzähle ist schon sehr sehr lange her. Damals lebte ein Mann namens Noah hier auf der Erde mit seiner Familie. Wie an jedem Tag besuchte ich Noah. Noah ist mein Freund. Er ist ein sehr guter und netter Mann. Ich bekomme immer ein paar Brotkrumen von ihm. Er erzählt mir immer Geschichten von Gott und ich höre ihm zu. Doch an diesem Tag ist alles anders. Noah baut irgendetwas. Das sieht aus wie ein Boot. Was macht er denn da? Das schaue ich mir etwas genauer an. Noah hat mir dann erklärt, dass Gott traurig ist, weil niemand sich für Gott interessiert. Nur Noah und seine Familie leben wie es Gott gefällt.

Die Menschen sind gemein zueinander. Sie lügen, betrügen und streiten. Deshalb möchte Gott einen Neuanfang. Es wird ganz viel regnen. Alles wird überschwemmt werden. Alle, die auf Gott hören bekommen einen Platz im Boot, das Noah gerade baut. Es gibt dort auch Platz für ganz viele Tiere. Zwei von jeder Art soll Noah mitnehmen. Noah erzählt mir, Gott habe Ihn beauftragt dieses Boot zu bauen. Dieses Boot heißt Arche. Das erzähle ich gleich meiner Freundin Frieda. Sie möchte auch mit auf die Arche sagt sie.

Wie immer fliege ich jeden Tag bei Noah vorbei und schaue wir er mit der Arche vorankommt. Die anderen Menschen wundern sich, was Noah da macht und lachen ihn aus. Sie sagen er sei verrückt geworden und denke sich das alles nur aus. Noah ist das ganz egal. Er vertraut auf Gott und baut jeden Tag an seiner Arche weiter. Aber auch ich wundere mich. Es hat bisher nicht einen Tropfen geregnet. Was ist, wenn Noah sich doch irrt? Viele Wochen vergehen. Noah hat jeden Tag an der Arche weitergearbeitet und sie ist ein riesiges Schiff geworden. Eines Tages sehe ich ganz viele Tiere! Sie gehen aller zur Arche. Es sind immer zwei. Ich sehe 2 Zebra, zwei Giraffen, zwei Elefanten, zwei Schweine, zwei Schafe und noch viele mehr. Am Himmel ziehen dunkle Wolken auf und es beginnt zu stürmen. Auf einmal fällt ein Regentropfen auf meinen Schnabel. Noah hatte Recht! Der Regen kommt! Ich muss schnell zu Frieda und es ihr sagen. Ich fliege eilig zu meiner Freundin Frieda und fliege mit ihr zur Arche. Wir bekommen sicher auch einen Platz, wenn wir uns beeilen.

Puh, wir haben es geschafft! Draußen regnet es in Strömen. Aber hier im Inneren der Arche sind wir sicher. Es regnet und regnet. Bald gibt es so viel Wasser, dass unser Boot anfängt zu schwimmen. Bald kann man keine Häuser mehr sehen und keine Berge oder Bäume. Nur noch Wasser. Wir sind viele Tage auf der Arche. Es regnet und stürmt. Drinnen ist es eng und stickig. Noah schickt immer wieder Vögel los. Sie sollen Zeichen suchen, dass die Flut endet. Vielleicht schaut ein Baum aus dem Wasser hervor und sie finden einen Zweig. Aber jeden Tag kommen sie zurück und haben nichts gefunden.

Heute bin ich dran. Ich bin schon ganz aufgeregt. Überall ist nur Wasser. Weit und breit nichts als Wasser. Ich bin traurig und möchte schon zurückfliegen. Doch da! Was ist das? Dort ist etwas Grünes, das aus dem Wasser schaut. Es ist ein Baum. Ich fliege hin und pflücke einen Zweig mit meinem Schnabel ab um ihn Noah zu bringen. Vielleicht ist das der Beweis das die Flut nun zu Ende geht. Ich fliege schnell zurück und gebe Noah den Zweig. Noah freut sich sehr darüber. Er sagt das sei ein Zeichen von Gott das nun die Flut zu Ende geht.

Plötzlich kracht es und alles wackelt. Die Arche bleibt stehen. Oh nein wir sind irgendwo dagegen gefahren. Ich muss mir das genauer ansehen. Tatsächlich die Arche steht auf einem Berg. Das Wasser geht zurück und endlich ist es soweit. Wir können die Arche verlassen. Alle freuen sich und danken Gott, dass er so gut auf uns geachtet hat. Er hat sein Versprechen gehalten. Dort wo der Sturm der Sonne begegnet entsteht Plötzlich ein bunter Bogen aus Licht. Da hören wir Gottes Stimme: Ich verspreche euch, ich werde die Erde nie zerstören. Seht ihr den Regenbogen? Immer wenn ihr so einen Regenbogen am Himmel seht, dann erinnert euch, dass ich es gut mit euch meine.

Was für eine beindruckende Geschichte oder? Gott hat sein Wort gehalten und uns sein Versprechen gegeben. Von nun an können wir uns immer freuen, wenn wir einen Regenbogen am Himmel sehen und Gott danken!

(erzählt nach 1. Mose 6,5 – 9,17)

 

 

 

 

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1. Sonntag nach Trinitatis

 

Predigt zum 1. Sonntag nach Trinitatis, 11. Juni 2023

 

1.Joh 4, 16-21: Gott ist Liebe. Und wer in der Liebe lebt, ist mit Gott verbunden, und Gott ist mit ihm verbunden. Darin hat die Liebe bei uns ihr Ziel erreicht: Am Tag des Gerichts werden wir voller Zuversicht sein. Denn wie Jesus Christus mit dem Vater verbunden ist, so sind es auch wir in dieser Welt. In der Liebe gibt es keine Furcht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe. Bei dem, der sich fürchtet, hat die Liebe ihr Ziel noch nicht erreicht. Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Wer behauptet: »Ich liebe Gott!«, aber seinen Bruder und seine Schwester hasst, ist ein Lügner. Denn wer seine Geschwister nicht liebt, die er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht. Dieses Gebot hat uns Gott gegeben: Wer ihn liebt, soll auch seine Geschwister lieben.

 

Liebe Mitchristen!

 

Stellen Sie sich vor, Ihr Kind fragt Sie nach Gott: „Wo ist Gott? Warum kann ich ihn nicht sehen? Wie sieht Gott aus?“ Was würden Sie auf diese Kinderfragen antworten? Mit welchen Worten und Bildern würden Sie Ihrem Kind erklären, was Gott Ihnen bedeutet und wo Sie ihn selber erfahren haben in Ihrem Leben?

 

An Pfingsten haben wir die Geschichte vom Heiligen Geist gehört: Wie Gott zu den Jüngern kommt mit Feuerflammen und Sturmgebraus, und auf einmal hält sie nichts mehr in ihrem Haus. Sie gehen raus zu den Leuten und erzählen von ihrem Glauben an Gott und an Jesus. Gott kann man erfahren, auch wenn man ihn nicht sehen kann. So haben es die Menschen damals erlebt. Und so erleben wir es auch heute. Hier in diesem Gottesdienst sind wir zusammengekommen, um gemeinsam unseren Glauben zu leben: Wo ist Gott? Wo kann ich ihn finden? Hier in der Kirche fühlen wir uns Gott nahe. Wenn wir miteinander singen und beten. Wenn wir feierliche Gottesdienste feiern mit Taufen oder Abendmahl. Und wenn wir auf Gottes Wort hören, wie es in der Bibel aufgeschrieben ist. Dort in der Bibel ist uns eine ganz kurze und prägnante Antwort geschenkt auf alle Fragen zu Gott: „Gott ist Liebe,“ heißt es im 1. Johannesbrief: Wo ist Gott? Da, wo die Liebe ist. Wie sieht Gott aus; kann ich ihn sehen? Ich sehe Gott nicht in den vielen Bildern, die Menschen von ihm gemalt haben; nicht in den Kirchen und Kathedralen, die Menschen für Gott gebaut haben. Wirklich sehen kann ich Gott da, wo die Liebe ist. Da weht Gottes Geist in unsere kalte Welt hinein wie ein warmer Sommerwind. Da scheint Gottes Licht in unsere dunkle Welt hinein wie die Sonne an einem Sommermorgen.

 

Ein jüdischer Weiser fragt seine Schüler: »Wie kann man den Augenblick bestimmen, wo die Nacht zu Ende ist und der Tag anbricht?« Der erste Schüler fragt: »Ist’s, wenn man in der Ferne einen Feigenbaum von einer Palme unterscheiden kann?« Der Rabbi antwortet: »Nein, das ist es nicht.« Der zweite Schüler meint: »Wenn man ein Schaf von einer Ziege unterscheiden kann, dann wechselt die Nacht zum Tag.« »Auch das ist es nicht«, ist die Antwort des Weisen. »Aber wann ist denn der Augenblick gekommen?« fragen die Schüler. Der Rabbi antwortet: »Wenn du in das Gesicht eines Menschen schaust und darin den Bruder oder die Schwester erkennst, dann ist die Nacht zu Ende, dann bricht der Tag an.«

(P. Heinz Perne, in: Manfred Dömrös, Siebzigmal siebenmal)

 

Die Nacht ist zu Ende, und der Tag bricht an, wenn wir unseren Mitmenschen in Liebe begegnen. Gott ist Liebe. Wo kann ich Gott sehen? Ich sehe Gott im Gesicht meines Mitmenschen, dem ich in Liebe begegne. Da ist Gott ganz nah. Da kann ich Gott erleben. Eltern wissen das. Sie wissen, wie das ist, wenn einem Gott begegnet im Gesicht eines anderen Menschen: Im Gesicht ihres Partners, den sie lieben. Im Gesicht ihrer Kinder, die Gott ihnen geschenkt hat in seiner Liebe. Gott ist Liebe. Alles verdanken wir ihm. Ohne Gott wären wir nichts. Denn die Liebe hat uns ins Dasein gerufen. Kein Mensch kann sich selbst ins Leben rufen. Und ob sich ein Kinderwunsch erfüllt oder nicht, dazu können wir heutzutage Einiges beitragen, aber letztlich in der Hand ahben wir es nicht. Unser Leben und das Leben unserer Kinder ist ein Geschenk von Gott, allein aus Liebe. Wird die Liebe bleiben in unseren Familien? Werden wir es schaffen, unsere Kinder in Liebe zu erziehen? Werden wir als Eltern in Liebe beieinander bleiben? Vieles macht uns Sorgen und Angst, wenn wir an die Zukunft denken. Was sagt Gott dazu, der die Liebe ist? Im 1. Johannesbrief lesen wir: In der Liebe gibt es keine Furcht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe. Bei dem, der sich fürchtet, hat die Liebe ihr Ziel noch nicht erreicht. So leben wir oft: Viel zu sehr in Furcht und Sorgen. Sorgen um unsere Kinder. Sorgen um unsere Zukunft: Wird genug da sein für alle? Wird unsere Erde bewohnbar bleiben für unsere Kinder? Wird sich die Klimaerwärmung aufhalten lassen? Wann wird der Krieg in der Ukraine ein Ende nehmen? Wie viele Dammbrüche, Verbrechen und Katastrophen muss es dort noch geben, bis endlich ein Weg zum Frieden gefunden wird? Und was wird aus den Menschen, die Zuflucht suchen in unserem Land? Wird man sie zukünftig drei Monate lang wegsperren an den Außengrenzen der EU, bis man darüber entschieden hat, ob sie zurück müssen in die schwierigen Lebensumstände in ihrem Herkunftsland, oder ob sie bleiben dürfen?

 

»Wenn du in das Gesicht eines Menschen schaust und darin den Bruder oder die Schwester erkennst, dann ist die Nacht zu Ende, dann bricht der Tag an,« sagt der jüdische Rabbi. Werden wir es schaffen, so zu leben- jetzt und in Zukunft? Damit wir unseren Kindern ein Vorbild sind in der Liebe. Damit unsere Welt lebens- und liebenswert bleibt. Gott ist Liebe. Und in der Liebe ist keine Furcht. Die Liebe vertreibt die Furcht: „Fürchtet Euch nicht!“ So steht es in der Bibel immer wieder geschrieben. Meistens ist es Gottes Engel, der so spricht. Ja, es braucht wohl einen Engel von Gott, der uns das immer wieder sagt in dieser Welt, die wir oft als furchtbar empfinden: „Die Liebe vertreibt die Furcht. Wenn sie das erreicht hat, dann hat die Liebe ihr Ziel erreicht.“ Eines Tages wird es so weit sein. Eines Tages wird alles gut sein. Gott und die Menschen werden miteinander versöhnt sein. Und alles Elend, alle Not und Gewalt wird aus der Welt geschaffen sein. Die Bibel hat ein Wort für diesen Tag, auf den wir hoffen. Sie nennt ihn den Jüngsten Tag; den letzten aller Tage, bevor Gottes Ewigkeit anbricht. Den Tag des Gerichts. Es ist der Tag der Gerechtigkeit. Alles Unrecht wird Gott dann aufarbeiten, um es aus der Welt zu schaffen.

 

Müssen wir Angst haben vor diesem letzten aller Tage? Nein, sagt uns der Predigttext aus dem 1. Johannesbrief. Wir dürfen voller Zuversicht sein. Warum? Wir alle wissen um die Fehler, die wir im Leben gemacht haben. Manche lassen sich wieder gut machen. Aber andere nicht. Manche Wunden bleiben, die wir geschlagen haben. Uns und die, die wir verletzt haben, begleiten sie ein Leben lang. Warum dürfen wir also voller Zuversicht sein? Nicht wegen uns selbst ist das so. Es ist so wegen Jesus Christus. Er hat unsere Sünden auf sich genommen durch seinen Tod am Kreuz. Der Weg zu Gott ist frei. Die Lasten der Vergangenheit dürfen wir bei Jesus ablegen. Wenn wir auf ihn vertrauen, brauchen wir keine Angst mehr zu haben. Weder vor unserer Zukunft noch vor der unserer Kinder. Und auch nicht vor diesem letzten Tag, an dem diese Welt einmal enden wird. Gott ist Liebe. In Jesus Christus wird dies deutlich. Aus Liebe ist er am Kreuz gestorben für uns. Durch Jesus Christus bleiben wir mit Gottes Liebe verbunden. Leben wir aus dieser Liebe, und tragen wir dieses Bekenntnis zu Jesus weiter- zu unseren Kindern und in unsere Welt!

 

 

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer