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Über den Kirchturm hinaus

19.09.2025 Ökumenisches Friedensgebet

Friedensgebet Sept.25.jpg
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24.08.2025 Israelsonntag

Gottesdienst zum Israelsonntag am 24. August um 09.30 Uhr in der Predigerkirche

Der jährliche Israelsonntag in der evangelischen Kirche ist immer elf Wochen nach Pfingsten und soll die christliche Gemeinde an Israel erinnern. Im Kirchenjahr der Evangelischen Kirche in Deutschland hat das Fest insbesondere das besondere Verhältnis zwischen Christen und Juden zum Thema. In der Schweiz und in der römisch-katholischen Kirche nennt der Sonntag sich „Dies judaicus“.  Die Liturgie steht seit 2018 unter der Überschrift ‚Christen und Juden – Freude an Israel‘. Pfarrer Andreas Wiedenmann und seine Band möchten an diesem Tag mit der Gemeinde in der Predigerkirche Rottweil am 24. August um 9.30 Uhr einige wichtige jüdische, hebräische, neuhebräische und deutsche Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch und aus dem neuen Liederbuch „Wo wir doch loben, wachsen neue Lieder – plus“ (München 2018) der Gemeinde vorstellen und dann zum gemeinsamen Singen anleiten. 

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Gedanken zum Sonntag

7. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zum 7. Sonntag nach Trinitatis, 3. August 2025

Liebe Mitchristen!

„Ich bin das Brot des Lebens,“ sagt Jesus in unserem Predigttext (Joh 6,30-35). Einen Tag zuvor hatte Jesus 5.000 Menschen satt gemacht, obwohl nur fünf Brote und zwei Fische da waren. „Ich bin das Brot des Lebens.“ Jesus sagt diese Worte zu Menschen, die Hunger haben: Menschen sind hungrig. Sie haben Mangel. Es fehlt ihnen an Nahrung, an Wasser. Sie suchen, sie fragen. Und sie hören: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“

In unserem Gottesdienst erbitten wir heute eine Spende für unser Weltmissionsprojekt im Sudan und Südsudan. Der fortschreitende Klimawandel verschärft die ohnehin schwierigen Lebensbedingungen in diesen Ländern. Der EJW-Weltdienst ermöglicht Menschen im Sudan und Südsudan den Zugang zu sauberem Trinkwasser. Das ist nicht nur lebenswichtige Grundlage, sondern verbessert die Hygiene und hilft Krankheiten zu vermeiden. Mit IAS (International Aid Service), dem Partner unseres Weltmissionsprojekts vor Ort, werden Brunnen gebohrt, Hand und Solar-Pumpen installiert und Hygieneschulungen durchgeführt. Neben den Brunnen werden christliche Gemeinden unterstützt und Schulen mitfinanziert. Die Mitarbeiter vor Ort tun ihre Arbeit aus der tiefen Überzeugung heraus, dass es unser Auftrag ist, Gottes Liebe

an andere Menschen in Wort und Tat weiterzugeben.

 

Auch für Theresa, eine junge Frau aus dem Sudan, haben sich so die Lebensbedingungen verbessert:  Theresa sucht sich einen Schattenplatz. Jetzt am Morgen ist die Sonne noch erträglich, im Lauf des Tages wird sie die Erde und die Luft aufheizen, im Sommer nicht selten auf 50 °C. Gerade kommt sie vom Wasserholen zurück. Für ihre Familie braucht sie 40 Liter Wasser für einen Tag. Die vollen Kanister vom Brunnen zu holen, ist zwar immer noch anstrengend, aber seit es den neuen Brunnen im Dorf gibt, ist es kein Vergleich mehr zu früher! Damals war die nächste Quelle einige Kilometer entfernt. Jetzt ist es sogar möglich, dass sie abends noch mal Wasser holt, um ihr jüngstes Kind zu baden.

 

Menschen brauchen Wasser. Menschen brauchen Nahrung. Auch in unserem Land ist die Versorgung mit dem Lebensnotwendigsten für viele keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Herausforderung. Menschen mit wenig Geld können sich die Lebensmittel im Supermarkt oft kaum leisten. Tafelläden lindern diese Not. Dort können arme Menschen zu vergünstigten Preisen einkaufen. Auch wir als Kirchengemeinde sammeln Spenden für den Tafelladen in Trossingen, die immer donnerstagnachmittags und montagvormittags im Pfarramt abgegeben werden können- jetzt im Sommer noch bis 11. August. Dann macht der Tafelladen Sommerpause, und die Spenden werden erst wieder am 8. September abgeholt. Auch Supermärkte beliefern den Tafelladen- mit Lebensmitteln, die nur noch ein sehr kurzes Mindesthaltbarkeitsdatum haben, aber trotzdem noch genießbar sind. Nicht alle dieser Lebensmittel landen allerdings im Tafelladen. Viele werden auch einfach weggeworfen- nicht nur aus den Kühlschränken der Supermärkte, auch aus unseren heimischen Kühlschränken.

 

Was sind unsere Lebensmittel uns wert- unser tägliches Brot? Von einem englischen Journalist wird erzählt, er habe sich mit einem Laib Brot an belebte Straßenecken verschiedener Städte gestellt. Er forderte die Passanten auf, für dieses Brot eine Stunde zu arbeiten. In Hamburg wurde er ausgelacht, in New York von der Polizei festgenommen. Im afrikanischen Lagos wahren mehrere Personen bereit, für dieses Brot drei Stunden zu arbeiten. Im indischen Delhi hatten sich rasch hundert Personen angesammelt. Sie wollten für dieses Brot einen ganzen Tag arbeiten.

 

Brot haben- zu Essen, zu Trinken, ein Dach über dem Kopf- das sind die menschlichen Grundbedürfnisse. Wir haben das alles, ja die meisten von uns kennen es nicht anders. Gott sei Dank hat es schon lange keine Kriegs- und Hungerzeiten mehr gegeben in unserem Land. Vieles davon nehmen wir für selbstverständlich: Brot- das wesentliche Lebensmittel, das wir oft so gering schätzen. Und doch: Menschen sind hungrig. Hungrig nach mehr als nur nach Brot. Das ist nicht nur bei uns so. Das war auch schon bei den Menschen zur Zeit Jesu so- obwohl die den Hunger nach Brot besser gekannt haben. Trotzdem sind sie Jesus in diese einsame Gegend am anderen Ufer des Sees Tiberias gefolgt, wo es nichts zu essen gab (Joh 6). Warum? Weil sie Hunger nach mehr hatten als nur nach Brot. Denn nicht nur der Körper braucht Verpflegung, sondern auch die Seele.

 

Nahrung für die Seele- wo finden wir sie? Wir finden sie in Veranstaltungen, wo wir zusammenkommen und unseren Glauben feiern. Ich denke an den ökumenischen Gottesdienst an Pfingstmontag. Oder an das Zeltlager mit den Konfirmanden, auf dem ich vor einigen Wochen war: Zusammen mit 200 anderen Konfirmanden und Mitarbeitern haben wir dieses Wochenende verbracht. Ein Wochenende mit Spiel und Spaß, mit Gebet und Gesang. Ich bin sicher, es wird allen, die dabei waren, in Erinnerung bleiben. Ein Wochenende voller Begegnungen. Begegnungen mit anderen Menschen, Begegnungen mit Gott. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung,“ sagt Martin Buber.

 

Der Hunger will gestillt sein- nicht nur der Hunger nach Brot. Auch der andere, tiefere Hunger, der Hunger nach Leben- nach wirklichem, erfülltem Leben. „„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ Es ist ein großes Versprechen, das Jesus hier gibt. Ein Versprechen, das uns allen gilt in unseren Hungerzeiten. Ja, manchmal geht es uns so wie den Menschen dort bei Jesus: Da war dieser eine großartige Tag- ein Gottesdienst wie der am Pfingstmontag, oder ein Wochenende wie das Zeltlager mit den Konfirmanden. Und dann am nächsten Tag? Alles geht so weiter, als ob nichts gewesen wäre. Was ist jetzt mit meinem Hunger nach Leben, nach Sinn? „Wir brauchen wieder so ein Wunder wie gestern, als alle Menschen bei dir satt geworden sind, Jesus!“ sagen die Menschen. „Immer wollen wir satt sein. Nie wieder Hunger haben.“ Jesus verspricht ihnen das nicht. Wir haben keinen Anspruch auf ein langes Leben ohne Hunger, Krankheit und Leid.

 

Bevor ich nach Wehingen kam, war ich Pfarrerin in Haigerloch. Dort gab es vor dem 2. Weltkrieg eine größere jüdische Gemeinde. Ein Geschäftsmann aus Haigerloch erzählte mir von folgender Begegnung: Er war beruflich viel auf Messen unterwegs und kam dort mit internationalen Kunden in Kontakt. Einmal kam er in diesem Zusammenhang mit einem Kunden ins Gespräch, der ein frommer Jude war. Dieser Jude kannte Haigerloch, und so kamen die beiden Männer ins Gespräch über das schreckliche Schicksal der Juden in Nazi-Deutschland. „Manchmal zweifelt man an Gottes Güte,“ sagte der Geschäftsmann. Sein jüdischer Kunde antwortete ihm: „Nein, an Gottes Güte kann man nie zweifeln. Jeder Tag, den man leben darf, ist ein Geschenk Gottes, ein Grund, Gott zu danken.“ Diese Antwort hat den Geschäftsmann beeindruckt.

 

Nicht für immer satt sein an Leib und Seele, nie mehr Hunger und Entbehrung- nicht das verspricht uns Jesus Christus. Er lehrt uns zu beten: Unser tägliches Brot gib uns heute. Nur für den heutigen Tag sollen wir bitten, nicht für morgen. Aber Jesus Christus verspricht uns: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ Jesus Christus verspricht: Er macht uns satt. Er gibt uns, was wir brauchen. Nicht immer sofort und nicht immer so, wie wir denken. Aber immer genug. Er legt uns nicht mehr auf, als wir tragen können.

 

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

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Gedanken zum Sonntag

8. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zum 8. Sonntag nach Trinitatis, 10. August 2025 (nach einer Vorlage von Claudia Neuguth)

 

Liebe Mitchristen!

 

Heute ist ein schöner, sonniger Sommersonntag. Was werden Sie heute noch machen an diesem Tag? Vielleicht die Koffer packen, weil es morgen in den Urlaub geht? Oder vollends alles vorbereiten für das Grillen heute Abend? Bestimmt auf jeden Fall die Beine hochlegen auf dem Balkon oder im Liegestuhl im Garten. Vielleicht auch noch die Nachrichten sehen oder lesen? Oder doch lieber nicht- denn dann sind sie wieder da, die Bilder. Während hier – Gott sei Dank! die Menschen den Sommer genießen können, fliegen anderen Kugeln um die Ohren, laufen andere um ihr Leben, stürzen Gebäude und Träume ein, fehlt es an Wasser und Brot, nehmen andere schon wieder Abschied von denen, die sie lieben. In diesen sonnigen und friedlichen Sommertag hinein brechen die Bilder aus den Nachrichten. Kaum zu glauben, wie sich die Welt in den letzten Monaten und Jahren verändert hat: Zeitenwende sagen wir dazu.

 

Eigentlich möchte ich sie gerne wegschieben, diese Zeitenwende. Ich möchte vergessen, wie viel Grauen sich in unserer Welt ereignet- in der Ukraine, im Gazastreifen und an so viel anderen Orten. Ich möchte von diesen schlechten Nachrichten auch mal Urlaub haben: Mal eine Auszeit von der Angst, dass Krieg auch in unserem Land wieder zur Realität werden könnte. Aber die Nachrichten sind da. Die Bilder von Krieg und Zerstörung bleiben in meinem Gedächtnis. Die Glocke von Hiroshima, die daran erinnert, welches Grauen Atomwaffen anrichten, gellt in meinen Ohren.

 

In dieser Zeit der Zeitenwende, in der die Atomwaffenverträge auslaufen und nicht erneuert werden, in der wir in Europa wieder diskutieren über Verteidigungshaushalt und Wehrpflicht und in der Abermilliarden in die Rüstung fließen- in dieser Zeit lese ich den Predigttext aus dem Jesajabuch: „Am Ende der Tage wird der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen, und viele Völker werden hingehen und sagen. Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des HERRN, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn vom Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem. Und er wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!“ (Jesaja 2, 2-5)

 

„Am Ende der Tage“ übersetzt Martin Luther und lässt an Zeiten denken, die in dieser Welt, die wir kennen, nicht mehr erreicht werden können. Das Wort, das im hebräischen Text steht, kann aber auch anders übersetzt werden: „Später“ kann man zum Beispiel auch übersetzen. Das bedeutet dann: Nicht heute, aber irgendwann in der Zeit. Nach den Tagen. Das hebräische Wort, das da im Text steht, kann auch „hinter“ meinen- also nicht nur eine zeitliche, sondern auch eine räumliche Bedeutung haben. Warum „hinter“? Wie passt das in den Zusammenhang? Es hat damit zu tun, dass nach damaliger Vorstellung die Zukunft im Rücken liegt: „Hinter den Tagen“- oder noch genauer: „Auf der Rückseite der Tage“. Diese Übersetzungsmöglichkeit hilft mir, den Text für heute zu verstehen. Die Vorderseite der Tage- das ist das, was wir sehen und vor Augen haben- damals zur Zeit des Propheten Jesaja genauso wie heute: Wir sehen Kriege und Auseinandersetzungen, die Menschenleben und Ressourcen kosten. Wir sehen Heimats- und Identitätsverlust, den Menschen durchmachen. Aber „hinter den Tagen“ liegt eine andere Realität, die wie durch einen Riss hineinblitzt.

 

Mit dem Propheten Jesaja will ich durch diesen Riss schauen. Wenn ich mich darauf einlasse, dann sehe ich Menschen unterschiedlicher Nationen, die zum Zion kommen, der deshalb groß ist, weil Gott da ist. Diese Menschen legen ihre Waffen nieder- nicht wegen eines willkürlichen Befehls, sondern weil sie sie nicht mehr brauchen, weil ihnen Gerechtigkeit getan wird. Langsam, Schlag auf Schlag, wird das Schwert zum landwirtschaftlichen Gerät. Nicht nur Abrüstung, sondern Umrüstung ist das Ergebnis. Kräfte werden frei und Ressourcen können in eine gute Zukunft investiert werden. Hinter den sichtbaren Tagen von Krieg und Unsicherheit liegen diese anderen Tage, von denen die Vision des Propheten Jesaja erzählt. Es ist radikal, was dieser Prophet erzählt. Es trifft die Menschen an der Wurzel ihrer Überzeugung. Viele werden auch damals schon die Köpfe geschüttelt und Jesaja für naiv erklärt haben. Viele werden damals schon abgewunken und gesagt haben: Hier, unter Menschen, ist das sowieso nicht möglich. Aber damals wie heute gab und gibt es Menschen, die voller Hoffnung durch den Riss geblickt und gesagt haben: So kann es auch sein; ja so soll es sein! Menschen, die sich dann die Hände gerieben und die Aufgaben angepackt haben, die vor ihnen liegen auf dem Weg dorthin.

 

Angesichts der Schrecken und Verbrechen des 20. Jahrhunderts haben die Menschen sich auch die Hände gerieben und angepackt. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde die UNO gegründet, mit dem erklärten Ziel der Wahrung des Weltfriedens und der Verständigung zwischen den Völkern. Und obwohl es immer wieder auch zu Brüchen kam, erzählt dieses erklärte Ziel von einer gemeinsamen Vision: So soll es sein. Im Garten des UNO-Hauptquartiers wird der Vision des Jesaja gedacht. Dort steht die Statue vom Schmied, der ein Schwert zu einer Pflugschar umarbeitet. 1959 hat die Sowjetunion der UNO dieses Werk von Jewgeni Wutschetisch geschenkt. Ausgerechnet die Sowjetunion, möchte man angesichts der Aggressivität des Nachfolgestaats sagen. Und ich denke, gerade deshalb ist es gut, dies nicht zu vergessen.

 

Wir wollen nicht vergessen, wie Menschen aus allen Nationen durch den Riss in die anderen Tage geblickt haben. Menschen, die geglaubt haben, dass es möglich ist, dass die Menschen im gerechten Frieden miteinander leben und die globalen Aufgaben gemeinsam anpacken. Viele fanden die Kraft für ihre Überzeugung in dem Glauben, dass Gott den Frieden will für die Menschen auf dieser Welt. Viele haben gehofft, dass dieser Riss immer größer und größer wird- bis das, was heute noch dahinter liegt, „auf der Rückseite der Tage“, eines Tages Realität ist. Ein Weg für Menschen mit langem Atem. Aber ein Weg in eine gute Richtung.

 

Doch jetzt hat auch Europa erreicht, was für viele Menschen auf der Welt schon lange bittere Wahrheit ist: Der Riss, der den Blick auf eine Gesellschaft in Frieden zeigt, scheint sich zu schließen. Das Bild der Friedensvision wird immer kleiner. Immer weniger Menschen gelingt es, diese Friedensvision zu sehen. Immer größer wird der Einfluss der Kopfschüttler über so viel Naivität; immer lauter die Stimmen derer, die die Friedensvision für dumm oder sogar gefährlich halten. Immer weniger Menschen wagen es, die Überzeugung in Frage zu stellen, dass die Welt eben so ist und dass der Krieg eben zum Menschen gehört und im Zweifel eine legitime Form ist, seine eigenen Interessen durchzusetzen.

 

Ich denke an Jesus Christus. Er war in seiner Zeit selbst so eine radikale Stimme, die scheinbar Selbstverständliches in Frage gestellt hat. Und er ist es noch heute. Das Bild vom Friedensreich, das durch Gottes Gerechtigkeit wächst, hatte er nicht nur als Bild „hinter den Tagen“ vor Augen. Er trug es in seinem Herzen und in seine Gegenwart: „Selig sind, die Frieden stiften!“ (Matthäus 5, 9) Viele werden ihn belächelt haben in seiner Zeit und tun es noch heute. Viele werden ihn gefürchtet haben in seiner Zeit und tun es noch heute. Denn er hat mit seiner Botschaft die Machtstrukturen hinterfragt und angegriffen. Damals haben sie ihn getötet deswegen.

 

„Selig sind, die Frieden stiften!“ Das sind Worte aus der Bergpredigt. „Bergpredigt“, das lässt etwas davon ahnen, dass dort eine besondere Gottesnähe zu spüren war. „Ihr seid das Salz der Erde“ und „Ihr seid das Licht der Welt“ sagte Jesus auch dort auf dem Berg (Matthäus 5, 13-14) Wenn wir diese Worte heute hören, dann stehen wir in seiner Nachfolge. Wir haben eine besondere Aufgabe: „Ihr seid das Salz der Erde.“ „Ihr seid das Licht der Welt.“ Ihr könnt die Welt verändern und sollt es tun. Ihr sollt dabei helfen, den Frieden, den Gott versprochen hat, in die Welt zu bringen. Denn ihr wisst von der Rückseite der Tage. Ihr kennt das Versprechen, das zu sehen ist, wenn man durch den Riss dieser Realität blickt: „Hinter den Tagen“ ist Gottes Friedensreich- und es will und wird kommen. Haltet die Bilder wach. Setzt euch ein dafür, dass der Riss größer wird. Helft Menschen, ihn zu sehen. Wer, wenn nicht ihr sollte es tun? Denn ihr seid das Licht der Welt! Ihr seid das Salz der Erde!

 

Heute ist ein Sommertag in einer Welt, in der es an vielen Stellen brennt. Irgendwo kommt gerade in diesem Moment jemand um, weil er an einer Front kämpft. Ganz in der Nähe wird gerade geplant, welche Waffen mit welchen Fähigkeiten beschafft werden müssen. Es werden in diesem Moment Menschen ausgebildet, die diese Waffen bedienen. In der direkten Nachbarschaft schimpft gerade jemand über „die da oben“, und in der eigenen Familie können Tante und Onkel seit Jahren nicht an einem Tisch sitzen, ohne bis aufs Blut miteinander zu streiten.

 

Das ist scheinbar die Realität dieser Tage. Und dahinter gibt es die andere, das Friedensreich. Und manchmal reißt was auf, und es ist zu sehen: Da ist einer mutig am Stammtisch und erinnert daran, dass „die da oben“ auch nur Menschen sind, die sich einsetzen. Da lädt eine doch die alte Nachbarin zum Grillen ein, die ganz verbittert ist in ihrer Einsamkeit. Da entscheidet sich eine für den teuren, aber fairen Kaffee, weil er dabei hilft, dass Menschen gerecht bezahlt werden. Lassen wir uns einladen, durch diesen Riss in eine andere Realität zu blicken. Halten wir uns diese Perspektive offen. Arbeiten wir am Frieden. Dann sind wir das Salz der Erde und das Licht der Welt.

 

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

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Predigt zum 8. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zum 8. Sonntag nach Trinitatis, 10. August 2025 (nach einer Vorlage von Claudia Neuguth)


Liebe Mitchristen!


Heute ist ein schöner, sonniger Sommersonntag. Was werden Sie heute noch machen an diesem Tag? Vielleicht die Koffer packen, weil es morgen in den Urlaub geht? Oder vollends alles vorbereiten für das Grillen heute Abend? Bestimmt auf jeden Fall die Beine hochlegen auf dem Balkon oder im Liegestuhl im Garten. Vielleicht auch noch die Nachrichten sehen oder lesen? Oder doch lieber nicht- denn dann sind sie wieder da, die Bilder. Während hier – Gott sei Dank! die Menschen den Sommer genießen können, fliegen anderen Kugeln um die Ohren, laufen andere um ihr Leben, stürzen Gebäude und Träume ein, fehlt es an Wasser und Brot, nehmen andere schon wieder Abschied von denen, die sie lieben. In diesen sonnigen und friedlichen Sommertag hinein brechen die Bilder aus den Nachrichten. Kaum zu glauben, wie sich die Welt in den letzten Monaten und Jahren verändert hat: Zeitenwende sagen wir dazu. 


Eigentlich möchte ich sie gerne wegschieben, diese Zeitenwende. Ich möchte vergessen, wie viel Grauen sich in unserer Welt ereignet- in der Ukraine, im Gazastreifen und an so viel anderen Orten. Ich möchte von diesen schlechten Nachrichten auch mal Urlaub haben: Mal eine Auszeit von der Angst, dass Krieg auch in unserem Land wieder zur Realität werden könnte. Aber die Nachrichten sind da. Die Bilder von Krieg und Zerstörung bleiben in meinem Gedächtnis. Die Glocke von Hiroshima, die daran erinnert, welches Grauen Atomwaffen anrichten, gellt in meinen Ohren.


In dieser Zeit der Zeitenwende, in der die Atomwaffenverträge auslaufen und nicht erneuert werden, in der wir in Europa wieder diskutieren über Verteidigungshaushalt und Wehrpflicht und in der Abermilliarden in die Rüstung fließen- in dieser Zeit lese ich den Predigttext aus dem Jesajabuch: „Am Ende der Tage wird der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen, und viele Völker werden hingehen und sagen. Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des HERRN, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn vom Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem. Und er wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!“ (Jesaja 2, 2-5)


„Am Ende der Tage“ übersetzt Martin Luther und lässt an Zeiten denken, die in dieser Welt, die wir kennen, nicht mehr erreicht werden können. Das Wort, das im hebräischen Text steht, kann aber auch anders übersetzt werden: „Später“ kann man zum Beispiel auch übersetzen. Das bedeutet dann: Nicht heute, aber irgendwann in der Zeit. Nach den Tagen. Das hebräische Wort, das da im Text steht, kann auch „hinter“ meinen- also nicht nur eine zeitliche, sondern auch eine räumliche Bedeutung haben. Warum „hinter“? Wie passt das in den Zusammenhang? Es hat damit zu tun, dass nach damaliger Vorstellung die Zukunft im Rücken liegt: „Hinter den Tagen“- oder noch genauer: „Auf der Rückseite der Tage“. Diese Übersetzungsmöglichkeit hilft mir, den Text für heute zu verstehen. Die Vorderseite der Tage- das ist das, was wir sehen und vor Augen haben- damals zur Zeit des Propheten Jesaja genauso wie heute: Wir sehen Kriege und Auseinandersetzungen, die Menschenleben und Ressourcen kosten. Wir sehen Heimats- und Identitätsverlust, den Menschen durchmachen. Aber „hinter den Tagen“ liegt eine andere Realität, die wie durch einen Riss hineinblitzt.


Mit dem Propheten Jesaja will ich durch diesen Riss schauen. Wenn ich mich darauf einlasse, dann sehe ich Menschen unterschiedlicher Nationen, die zum Zion kommen, der deshalb groß ist, weil Gott da ist. Diese Menschen legen ihre Waffen nieder- nicht wegen eines willkürlichen Befehls, sondern weil sie sie nicht mehr brauchen, weil ihnen Gerechtigkeit getan wird. Langsam, Schlag auf Schlag, wird das Schwert zum landwirtschaftlichen Gerät. Nicht nur Abrüstung, sondern Umrüstung ist das Ergebnis. Kräfte werden frei und Ressourcen können in eine gute Zukunft investiert werden. Hinter den sichtbaren Tagen von Krieg und Unsicherheit liegen diese anderen Tage, von denen die Vision des Propheten Jesaja erzählt. Es ist radikal, was dieser Prophet erzählt. Es trifft die Menschen an der Wurzel ihrer Überzeugung. Viele werden auch damals schon die Köpfe geschüttelt und Jesaja für naiv erklärt haben. Viele werden damals schon abgewunken und gesagt haben: Hier, unter Menschen, ist das sowieso nicht möglich. Aber damals wie heute gab und gibt es Menschen, die voller Hoffnung durch den Riss geblickt und gesagt haben: So kann es auch sein; ja so soll es sein! Menschen, die sich dann die Hände gerieben und die Aufgaben angepackt haben, die vor ihnen liegen auf dem Weg dorthin. 


Angesichts der Schrecken und Verbrechen des 20. Jahrhunderts haben die Menschen sich auch die Hände gerieben und angepackt. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde die UNO gegründet, mit dem erklärten Ziel der Wahrung des Weltfriedens und der Verständigung zwischen den Völkern. Und obwohl es immer wieder auch zu Brüchen kam, erzählt dieses erklärte Ziel von einer gemeinsamen Vision: So soll es sein. Im Garten des UNO-Hauptquartiers wird der Vision des Jesaja gedacht. Dort steht die Statue vom Schmied, der ein Schwert zu einer Pflugschar umarbeitet. 1959 hat die Sowjetunion der UNO dieses Werk von Jewgeni Wutschetisch geschenkt. Ausgerechnet die Sowjetunion, möchte man angesichts der Aggressivität des Nachfolgestaats sagen. Und ich denke, gerade deshalb ist es gut, dies nicht zu vergessen. 


Wir wollen nicht vergessen, wie Menschen aus allen Nationen durch den Riss in die anderen Tage geblickt haben. Menschen, die geglaubt haben, dass es möglich ist, dass die Menschen im gerechten Frieden miteinander leben und die globalen Aufgaben gemeinsam anpacken. Viele fanden die Kraft für ihre Überzeugung in dem Glauben, dass Gott den Frieden will für die Menschen auf dieser Welt. Viele haben gehofft, dass dieser Riss immer größer und größer wird- bis das, was heute noch dahinter liegt, „auf der Rückseite der Tage“, eines Tages Realität ist. Ein Weg für Menschen mit langem Atem. Aber ein Weg in eine gute Richtung. 


Doch jetzt hat auch Europa erreicht, was für viele Menschen auf der Welt schon lange bittere Wahrheit ist: Der Riss, der den Blick auf eine Gesellschaft in Frieden zeigt, scheint sich zu schließen. Das Bild der Friedensvision wird immer kleiner. Immer weniger Menschen gelingt es, diese Friedensvision zu sehen. Immer größer wird der Einfluss der Kopfschüttler über so viel Naivität; immer lauter die Stimmen derer, die die Friedensvision für dumm oder sogar gefährlich halten. Immer weniger Menschen wagen es, die Überzeugung in Frage zu stellen, dass die Welt eben so ist und dass der Krieg eben zum Menschen gehört und im Zweifel eine legitime Form ist, seine eigenen Interessen durchzusetzen.


Ich denke an Jesus Christus. Er war in seiner Zeit selbst so eine radikale Stimme, die scheinbar Selbstverständliches in Frage gestellt hat. Und er ist es noch heute. Das Bild vom Friedensreich, das durch Gottes Gerechtigkeit wächst, hatte er nicht nur als Bild „hinter den Tagen“ vor Augen. Er trug es in seinem Herzen und in seine Gegenwart: „Selig sind, die Frieden stiften!“ (Matthäus 5, 9) Viele werden ihn belächelt haben in seiner Zeit und tun es noch heute. Viele werden ihn gefürchtet haben in seiner Zeit und tun es noch heute. Denn er hat mit seiner Botschaft die Machtstrukturen hinterfragt und angegriffen. Damals haben sie ihn getötet deswegen. 


„Selig sind, die Frieden stiften!“ Das sind Worte aus der Bergpredigt. „Bergpredigt“, das lässt etwas davon ahnen, dass dort eine besondere Gottesnähe zu spüren war. „Ihr seid das Salz der Erde“ und „Ihr seid das Licht der Welt“ sagte Jesus auch dort auf dem Berg (Matthäus 5, 13-14) Wenn wir diese Worte heute hören, dann stehen wir in seiner Nachfolge. Wir haben eine besondere Aufgabe: „Ihr seid das Salz der Erde.“ „Ihr seid das Licht der Welt.“ Ihr könnt die Welt verändern und sollt es tun. Ihr sollt dabei helfen, den Frieden, den Gott versprochen hat, in die Welt zu bringen. Denn ihr wisst von der Rückseite der Tage. Ihr kennt das Versprechen, das zu sehen ist, wenn man durch den Riss dieser Realität blickt: „Hinter den Tagen“ ist Gottes Friedensreich- und es will und wird kommen. Haltet die Bilder wach. Setzt euch ein dafür, dass der Riss größer wird. Helft Menschen, ihn zu sehen. Wer, wenn nicht ihr sollte es tun? Denn ihr seid das Licht der Welt! Ihr seid das Salz der Erde! 


Heute ist ein Sommertag in einer Welt, in der es an vielen Stellen brennt. Irgendwo kommt gerade in diesem Moment jemand um, weil er an einer Front kämpft. Ganz in der Nähe wird gerade geplant, welche Waffen mit welchen Fähigkeiten beschafft werden müssen. Es werden in diesem Moment Menschen ausgebildet, die diese Waffen bedienen. In der direkten Nachbarschaft schimpft gerade jemand über „die da oben“, und in der eigenen Familie können Tante und Onkel seit Jahren nicht an einem Tisch sitzen, ohne bis aufs Blut miteinander zu streiten. 


Das ist scheinbar die Realität dieser Tage. Und dahinter gibt es die andere, das Friedensreich. Und manchmal reißt was auf, und es ist zu sehen: Da ist einer mutig am Stammtisch und erinnert daran, dass „die da oben“ auch nur Menschen sind, die sich einsetzen. Da lädt eine doch die alte Nachbarin zum Grillen ein, die ganz verbittert ist in ihrer Einsamkeit. Da entscheidet sich eine für den teuren, aber fairen Kaffee, weil er dabei hilft, dass Menschen gerecht bezahlt werden. Lassen wir uns einladen, durch diesen Riss in eine andere Realität zu blicken. Halten wir uns diese Perspektive offen. Arbeiten wir am Frieden. Dann sind wir das Salz der Erde und das Licht der Welt. 


Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

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05.09.2025 Waldbaden

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09.08.2025 Zeltlager in Irndorf

Das Bezirksjugendwerk Tuttlingen hat noch freie Plätze beim Zeltlager in Irndorf: Jungscharcamp vom 09.08.- 18.08.25 für Kinder von 9-13 Jahren

 

 

Last Minute- Angebot:

Zeltlager in Irndorf: Es gibt noch freie Plätze

10 Tage Abenteuer pur. Gelächter und fröhliche Stimmen an allen Ecken und Enden des Zeltplatzes, Rauchschwaden steigen über dem Lagerfeuer auf, ein guter Duft aus der Küche umweht das  Zeltlagergelände.

Das Evangelische Bezirksjugendwerk Tuttlingen, mit Sitz in Spaichingen veranstaltet das Jungscharcamp in Irndorf, ein Zeltlager für Kinder von neun bis dreizehn Jahren. Es gibt dort noch freie Plätze. Das Jungschar-Camp Irndorf findet von 09.08. bis 18.08. 2025 statt.

Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeit findet man online unter www.ejw-bezirktut.de

Veranstalter: Evang. Jugendwerk Bezirk Tuttlingen mit Sitz in Spaichingen, Angerstraße 44 –  Telefon: 07424-5227 – Mail:info@ejw-bezirktut.de

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19.10.2025 Vorstellung der SynodalkandidatInnen

Die Termine zur Vorstellung der SynodalkandidatInnen in unserem Wahlkreis stehen fest:

Diese finden statt am

21.9. um 17:30 Uhr im Gemeindehaus in Balingen

19.10 um 16:00 Uhr im Gemeindehaus in Rottweil.

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6. Sonntag nach Trinitatis

Predigt beim Gottesdienst mit dem Evang. Johannes-Kindergarten Gosheim am 27. Juli 2025

Liebe Kinder, liebe Erwachsene!

Am Donnerstag war ich bei euch Kindergartenkindern im Johannes-Kindergarten, und wir haben zusammen die Geschichte gehört von Johannes dem Täufer (Matthäus 3, 1-17). Nach diesem Johannes aus der Bibel ist euer Johannes-Kindergarten benannt. Dieser Johannes aus der Bibel war ein ganz besonderer Mensch. Er brauchte kein Haus und kein Bett. Er hat einfach im Freien geschlafen, draußen in der Natur. Da habt ihr Kinder am Donnerstag ganz schön gestaunt, als ihr das gehört habt.

Johannes hat den Menschen von Gott und von Jesus erzählt. Johannes wusste nämlich: Durch Jesus können die Menschen zu Gott finden. Johannes konnte auch streng sein zu den Menschen, denen er von Gott erzählt hat. Dann hat er gesagt: „Denkt mal nach über euer Leben! Lebt ihr wirklich so, wie Gott das möchte? Oder seid ihr auch manchmal gemein zu den anderen, anstatt ihnen zu helfen?“ Die Menschen bei Johannes überlegen. Und vielen von ihnen fällt etwas ein: „O je, das war wirklich gemein von mir! Das war schlecht, was ich da gemacht habe. Das hätte ich wirklich anders machen sollen!“ Da fragen die Leute Johannes: „Was sollen wir jetzt machen?“ Johannes antwortet ihnen: „Macht es in Zukunft nicht mehr so!“ „Ja,“ sagen die Leute. „Wir wollen das in Ordnung bringen, was wir falsch gemacht haben. Und wir wollen aufpassen, dass uns in Zukunft so etwas nicht mehr passiert.“ „Gut,“ sagt Johannes. „Dann lasst euch taufen. Die Taufe ist nämlich ein Neuanfang mit Gott. Wer getauft ist, der gehört zu Gott. Und Gott gehört zu ihm. In der Taufe sind wir mit Gott verbunden.“

Viele Menschen lassen sich taufen, als Johannes das sagt. Auch Jesus kommt und will sich taufen lassen. Das bringt Johannes ganz durcheinander. Er denkt: „Ich soll Jesus taufen? Das passt doch gar nicht! Jesus gehört doch schon zu Gott. Niemand ist näher bei Gott als Jesus. Außerdem war Jesus ganz bestimmt nie gemein zu jemanden.“ Johannes fragt Jesus: „Warum soll ich dich taufen?“ Jesus antwortet: „Gott will es so.“ Da tauft Johannes Jesus. Es ist eine sehr besondere Taufe. Nicht nur, weil Johannes Jesus ganz unter Wasser taucht. Das hat man früher immer so gemacht. Heute macht man es anders. Das eigentlich Besondere an der Taufe von Jesus ist etwas anderes: Bei der Taufe von Jesus konnte man den Heiligen Geist sehen und hören.

Der Heilige Geist ist ja immer bei uns. Der Heilige Geist ist Gottes Kraft, die uns beschützt. Aber heute können wir den Heiligen Geist nicht sehen und hören. Wir können ihn aber in unserem Herzen spüren. Bei der Taufe von Jesus war das anders. Da kam der Heilige Geist wie eine Taube vom Himmel heruntergeflogen. So konnte man den Heiligen Geist sehen. Hören konnte man den Heiligen Geist auch bei der Taufe von Jesus. Das hat sich angehört wie eine Stimme vom Himmel. Die Stimme hat über Jesus gesprochen. Sie hat gesagt: „Das ist mein geliebter Sohn.“ (Matthäus 3, 17) Das war etwas ganz Besonderes bei der Taufe von Jesus, dass man den Heiligen Geist hören und sehen konnte.

Heute können wir den Heiligen Geist nicht hören und sehen. Aber der Heilige Geist ist trotzdem immer bei uns, ganz besonders auch dann, wenn wir Taufe feiern, so wie heute in unserem Gottesdienst. In unserem Herzen können wir den Heiligen Geist spüren. Zu jedem von uns sagt er da: „Du bist mein geliebter Sohn. Du bist meine geliebte Tochter.“ Und als ich am Donnerstag bei euch Kindergartenkindern im Johannes-Kindergarten war, da hat mich sehr gefreut, dass ich das nicht nur tief im Herzen gespürt habe, dass ich Gottes geliebtes Kind bin; da habe ich es auch mit meinen Ohren gehört. Ihr Kindergartenkinder habt nämlich ein Lied davon gesungen: „Weißt du nicht, wer ich bin. Ich bin Gottes geliebtes Kind.“

Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

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20.09.2025 Ökumenisches Jugendtreffen in Taizé