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Gedanken zum Sonntag [7. Sonntag nach Trinitatis]

Predigt beim Gottesdienst im Grünen am 23. Juli 2023

 

Apg 2,41: Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen.

Und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen.

 

Auf dem Bild ist ein Herz aus Menschen ist da zu sehen. 3000 Menschen? So viele sind das wohl eher nicht. So viele waren wir auch in unserer Gemeinde noch nie. Da waren wir mal über 2000 getaufte Christen. Jetzt sind wir noch etwas mehr als 1500. Zahlen, die traurig machen. Hinter jedem Kirchenaustritt steht ja eine persönliche Geschichte. Manche dieser Geschichten kennen wir, andere können wir nur erahnen. 3000, 2000, 1500 Menschen. Was bedeuten uns diese Zahlen? Was ist es, das zählt für uns? Schauen wir noch einmal auf das Bild. Menschen sind da, die ein Herz bilden. Können Sie diese Menschen zählen? Versuchen Sie es einmal. Es ist gar nicht so einfach. Denn manche dieser Menschen stehen im Hintergrund und sind nur schattenhaft erkennbar. Aber auch diese Menschen zählen. Ich denke an die vielen Menschen, denen wir nicht in unseren Gottesdiensten und Gemeindeangeboten begegnen. Auch sie sind getauft und gehören zur Gemeinde. Und mit ihrer Kirchenmitgliedschaft bekennen sie sich zum christlichen Glauben – in einer Zeit, in der es nicht mehr selbstverständlich ist, zur Kirche zu gehören.

 

Apg 2,42: Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. 

 

Was ist für Sie das wichtigste Wort in diesem Satz? Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und unterstreichen Sie es. Welches Wort haben Sie unterstrichen? Bleiben, beständig sein: Ja, wir brauchen Menschen, die dranbleiben am christlichen Glauben, die sich nicht entmutigen lassen davon, dass wir nicht mehr so viele sind wie früher. Lehre der Apostel: Das ist der Boden, auf dem wir stehen und der Grund, der uns trägt. Die frohe Botschaft von Gottes Liebe zu uns Menschen, wie sie die Apostel verkündigt haben. Gemeinschaft, Brotbrechen, Gebet: So leben wir unseren Glauben, gemeinsam statt einsam. Wenn wir miteinander leben, glauben, beten und Abendmahl feiern, dann ist das ein Stück vom Himmel hier auf Erden, jetzt hier und heute.

 

Apg 2,44: Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

 

Schauen Sie noch einmal das Bild an. Wo sehen Sie sich selber auf diesem Bild? Mit welcher der dargestellten Personen können Sie sich identifizieren? Wenn Sie Ihre Person auf dem Bild gefunden haben, dann machen Sie mit Bleistift einen Kreis um sie. Jetzt verlieren Sie Ihre Person nicht mehr aus dem Blick. Wie sehen Sie aus auf dem Bild? Sind Sie grün oder blau, rot oder gelb, groß oder klein? Stehen Sie allein, oder sind Sie in Kontakt mit der Person neben Ihnen? Sind Sie in Bewegung oder stehen Sie still? Ist Ihr Platz innerhalb des Herzens oder außerhalb? Sind Sie womöglich gerade dabei, Ihren Platz zu verändern?

 

Wo wir auch stehen und wer wir auch sind, wir gehören zusammen. Wir gehören zu Jesus Christus, der uns heute in diesen Gottesdienst gerufen hat. Bunt und farbig ist das Leben, das er uns versprochen hat- ein Leben in Freiheit. Frei von den seelischen Lasten, die uns bedrücken und unser Leben grau und traurig machen. Jesus Christus ist unsere Freiheit. Die Lasten unseres Lebens legen wir unter sein Kreuz: Unsere Schuld und unser Versagen. Unsere Angst und unsere Sorge. Auch die Sorge um unsere Gemeinde, die kleiner wird- mit weniger Räumen und weniger Menschen. Denn was wir an Jesus Christus haben, lässt sich nicht in Zahlen messen. Leben wir unseren Glauben in der Freude an unserem Herrn Jesus Christus! Und schenken wir diese Freude weiter. Denn geteilte Freude ist doppelte Freude. Es wird genug für uns da sein- viel mehr, als wir brauchen! Was wir haben, können wir verschenken- ja, auch so manche materiellen Güter, die andere nötiger haben als wir. Uns wird es an nichts fehlen. Gott ist ja da.

 

Gott ist es, der uns zusammenhält. Gott ist das Herz auf dem Bild- das Herz aus Menschen. Denn Gott ist die Liebe. Ganz verschiedene Menschen sind es, die auf diesem Bild das Herz formen. Ganz verschiedene Menschen sind wir. Und doch sind wir alle zusammen Gottes Gemeinde, der Leib Christi. Ganz verschiedene Meinungen haben wir. Und doch sind wir einmütig, denn einer macht uns Mut- Jesus Christus. Miteinander leben wir als Gemeinde Jesu Christi. Miteinander bilden wir dieses Herz aus Menschen, dieses Herz aus Gott. Nein, dieses Herz ist kein lebloses und kaltes Herz. Es ist ein lebendiges Herz. Es ist ein Herz, das in Bewegung ist- ein Herz, das schlägt. Zu dieser Lebendigkeit gehört es, dass wir uns verändern. Eine lebendige Gemeinschaft bleibt nicht immer gleich. Auf unserem Bild sehen wir das. Da gibt es die, die kommen, und die, die gehen. Altes geht zu Ende. Neues kommt. Heute müssen wir schweren Herzens Abschied nehmen von Sophie Heinzelmann, die unsere Gemeinde so viele Jahre lang geprägt hat. Aber im Herzen bleiben wir miteinander verbunden, und in der großen Gemeinde der weltweiten Christenheit. Denn Jesus Christus wird uns alle begleiten auf unseren Wegen.

 

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer