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Gedanken zum Sonntag

Predigt zum Altjahrsabend, 31. 12. 2022

Röm 8, 31b-39: Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? 

Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt.

Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?  Wie geschrieben steht (Ps 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.«

Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Liebe Mitchristen!

Wir blicken zurück auf das Jahr 2022, das weltweit betrachtet, für viele Menschen kein gutes Jahr war. Der Krieg in der Ukraine hat uns die Sicherheit genommen, dass wir mit unseren Nachbarländern in Nah und Fern in friedlichem Miteinander leben können. Waffen werden geliefert, Flüchtlinge müssen versorgt werden, und die Not der in der Ukraine verbliebenen Menschen gelindert. Alles wird teurer, und das Heizmaterial wird knapp. In den Apotheken und Kinderkrankenhäusern fehlen die Medikamente. Dinge, die für uns bisher selbstverständlich waren, wie die Versorgungssicherheit, haben ihre Selbstverständlichkeit verloren. Viele schauen der Zukunft mit Sorge entgegen. Zeitenwende, das ist das Wort, das in diesem Jahr geprägt wurde für dieses neue Lebensgefühl. Zeitenwende. Die letzten Stunden und Minuten des alten Jahres werden heruntergezählt. Ein neues Jahr bricht an. Was wird es uns bringen in diesen unsicheren Zeiten? Können wir mit Zuversicht in dieses neue Jahr gehen, oder doch nur mit Sorge?

„Fürchte dich nicht,“ sagt uns Gott. Wir sollen wissen und darauf vertrauen: Was auch immer war, was auch immer kommen wird: Unser Gott hält zu uns. In ihm sind wir geborgen, unser Leben lang und darüber hinaus! Unser heutiger Predigttext aus dem Römerbrief will uns dieses Vertrauen tief in unsere Herzen pflanzen. 

Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen, sagt uns der Apostel Paulus. Und er nennt uns einen Grund dafür: Jesus Christus. Mit ihm ist die Zeitenwende angebrochen – nicht eine Zeitenwende hin zu schwierigeren Zeiten, so wie wir das in diesen Tagen immer wieder hören, sondern die Zeitenwende hin zum guten Leben. Denn alles, was uns von Gott trennt, hat Jesus Christus ein für alle Mal beseitigt. Der Damm ist gebrochen. Gottes Liebe fließt in unser Leben. So hat es der Apostel Paulus erfahren in seinem Leben. Und so singt er sein Loblied auf Gottes Liebe: 

Gottes Liebe ist so groß, dass Gott seinen eigenen Sohn für uns dahingegeben hat. Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen. Gott vergibt uns unsere Sünden durch Jesus Christus, der für uns gestorben ist. Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen. Jesus Christus hat den Tod überwunden und tritt bei Gott für uns ein. Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen. Das ist die Zeitenwende, die wir in allen unseren christlichen Festen feiern: Jesus Christus ist da!

Paulus hat an alles gedacht: Gott hat seinen Sohn nicht verschont, er hat ihn in die Welt gesandt. Das feiern wir jetzt in der Weihnachtszeit. Gott hat seinen Sohn für uns dahingegeben. Jesus Christus ist gestorben. Das ist Karfreitag. Gott hat Jesus Christus auferweckt von den Toten. Das ist Ostern. Jesus Christus sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein. Das feiern wir an Himmelfahrt. Alle unsere Christusfeste sind abgedeckt mit diesen Worten des Paulus – angefangen vom Weihnachtsfest, von dem wir gerade herkommen bis hin zum Himmelfahrtstag. Paulus hat nichts vergessen. Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen. 

Aber ist das wirklich eine Zeitenwende? Schau doch mal aus dem Fenster, Paulus! Oder höre die Nachrichten, was alles Furchtbares in der Welt passiert! Krieg ohne Ende, Armut und Not. Menschen sterben, sind auf der Flucht oder am Verzweifeln. Was sagst du dazu, Paulus? Paulus sagt: Ja, das sehe ich. Das kenne ich sogar aus eigener Erfahrung: Niedergeschlagenheit und Angst, Verfolgung, Hunger und Mittellosigkeit, Gefahr und Gewalt. 

Was hat das vergangene Jahr gebracht? Weltweit hat es viel Schweres gebracht. Wie war es für Sie, in Ihrem persönlichen Leben? War es ein gutes und schönes Jahr, oder ein schwieriges und schweres Jahr? Für einige, die heute abend hierher gekommen sind, wird das vergangene Jahr auch schwere Erfahrungen mit sich gebracht haben, Erfahrungen, die einen an Gott verzweifeln lassen könnten. 

Erfahrungen, vor denen menschliche Worte verstummen, weil sie doch nur billiger Trost wären. Auch Paulus kennt solche abgrundtiefen Erfahrungen, die ihn verstummen lassen. Die eigenen Worte tragen nicht mehr. Deshalb leiht sich Paulus andere Worte, die Worte eines alten Klagepsalms: „Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe“. Da ist nichts zu spüren von Gottes Liebe, in solch schwerer Erfahrung. 

Trotzdem bleibt Paulus dabei: Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen. Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur. Nichts, aber auch gar nichts kann uns von Gottes Liebe trennen. Nichts von all dem, was das vergangene Jahr gebracht hat, weder das Schöne noch das Schwere. Nichts von all dem, was das neue Jahr bringen wird. „Aber in all dem überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.“ So sagt es Paulus. Denn Gottes Liebe ist zu uns gekommen. Gott ist Mensch geworden. Jesus Christus ist hier, der uns vor Gott vertritt. Gott ist für uns. Das betont Paulus immer und immer wieder. Es ist eine Aussage, die unerschütterlich und fest steht wie ein Fels in der Brandung. Gott will, dass wir froh und frei, vertrauensvoll und hoffnungsvoll in das neue Jahr gehen. Es will ein Anno Domini werden, ein Jahr des Herrn. Denn unser Herr Jesus Christus hat die Zeitenwende eingeläutet, die Zeitenwende hin zum guten Leben. Gottes Liebe, die er uns in Jesus Christus schenkt, diese Liebe wird uns begleiten und bewahren, auch im neuen Jahr. Amen.