Gedanken zum Sonntag

  • Ewigkeitssonntag

    Predigt zum Ewigkeitssonntag, 22. November 2020

    Offenbarung 21, 1-7: Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.

    Liebe Mitchristen!

    Es ist Herbst. Die Blätter fallen, die Bäume werden kahl. Das Grün des Sommers und die Farben der Blumen sind nur noch Erinnerung. Wenn wir Abschied nehmen müssen von einem geliebten Menschen, dann fühlt sich das an wie Herbst. Was war, ist nicht mehr. Der Klang der vertrauten Stimme, das gemeinsame Lachen, die Gespräche, die Nähe. „Der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr“, sagt das Bibelwort aus Apokalypse 21.

    Apokalypse. Weltuntergang. Mit jedem Menschen, der stirbt, geht eine eigene Welt unter. Die Blätter, die von den Bäumen fallen, kommen nicht wieder zurück. Auf dem Herbstbild, das ich mitgebracht habe, ist ein Zaun im Vordergrund. Da ist eine Grenze, die wir nicht überwinden können. Sie haben diese Grenze erlebt, als sie Abschied nehmen mussten von Ihren Angehörigen. Corona war so eine Grenze. Wie ein unsichtbarer Zaun um das Krankenhaus und das Altenheim herum, und sie konnten nicht hinein zu Ihren Angehörigen, konnten nicht Abschied nehmen. Der Tod ist so eine Grenze, wie ein Zaun, der uns trennt von unseren Lieben. Sie sind jetzt dort auf der anderen Seite des Zaunes, und wir bleiben hier zurück auf dieser Seite. Zwischen Diesseits und Jenseits ist ein Zaun, für uns Menschen unüberwindlich.

    Am Zaun hängt ein Blatt und leuchtet in sonnigem Goldgelb, in der Farbe des Sommers. „Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst.“ Gott macht alles neu. Er stillt unseren Durst nach Leben, nach Farben, nach Berührungen und Wärme. Das goldgelbe Blatt am Zaun erinnert mich daran. Wie ein Blatt im Wind, so zerbrechlich und verletzlich ist Gott selbst geworden. Ein Blatt, das hängen bleibt am Zaun, an der Grenze zwischen Diesseits und Jenseits. Jesus Christus hängt am Kreuz und stirbt. Sein Leben ist zu Ende, wie bei dem Herbstblatt, das vom Baum gefallen ist. Und doch ist es Gott selbst, der da am Kreuz sein Leben gibt für uns. Golden erstrahlt das Herbstblatt vor dem ewigen Blau des Himmels. Gott ist für uns da. Sein Himmel steht uns offen. Gold und Blau. Beides ist untrennbar verbunden. Der Zaun dazwischen spielt keine Rolle mehr. Die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits ist überwunden. Jesus Christus ist auferstanden von den Toten.

    Apokalypse. Weltuntergang. Mit jedem Menschen, der stirbt, geht eine eigene Welt unter. Die biblische Apokalypse weist über diesen Weltuntergang hinaus. Nach dem Tod geht es weiter. Gott schafft eine neue Welt. Für uns und für unsere Lieben, die durch den Tod von uns getrennt wurden. Dann werden wir wieder vereint sein, alle beieinander, und Gott wird uns allen so nahe sein wie der Freund im Nachbarhaus. Dann ist der graue Zaun, der uns trennt, endgültig von der Bildfläche verschwunden. Dann verschwindet das dunkle Grau von Trauer und Schmerz, und keine Tränen verschleiern mehr unseren Blick. Dann ist alles in Gottes goldenes Licht getaucht, im ewigen Blau seines Himmels, der uns offen steht. So wie es uns in Apokalypse 21 versprochen ist:

    „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen; und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen.“

    Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer