Gedanken zum Sonntag

  • Kantate

     

    Predigt zur Konfirmation am Sonntag Kantate, 15. Mai 2022

    Jesus Christus spricht: Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen. (Mt 5, 9).

    Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, für eure Konfirmation habt ihr ein Bild ausgewählt mit einer Friedenstaube, die aus lauter einzelnen Menschen besteht. Frieden und Gemeinschaft, gegenseitiger Respekt voreinander, Recht auf Frieden, dass niemand im Krieg sein Leben lassen muss und wir inneren und äußeren Frieden haben. Das sind die Wünsche und Hoffnungen, die ihr mit diesem Bild verbindet. Vielleicht hättet ihr ein anderes Bild für Eure Konfirmation ausgewählt, wenn wir diese Bild-Auswahl schon vor dem 24. Februar getroffen hätten. Aber der Krieg, der seit diesem Tag in der Ukraine tobt, zeigt uns allen, wie zerbrechlich und wie wenig selbstverständlich es ist, dass wir in Frieden leben dürfen.

    Frieden passiert nicht von allein. Frieden gibt es nur, wenn Menschen sich aktiv darum bemühen. Und es braucht viele Menschen, die am Frieden arbeiten, damit Frieden wachsen kann. Es braucht uns alle. Daran erinnert Eure Friedenstaube. Sie besteht aus lauter einzelnen Menschen, die den Frieden wollen. Kein einziger von diesen Menschen könnte allein eine Friedenstaube bilden. Nur gemeinsam geht es. Nur, wenn man sich einigt und alle mitmachen. Nur so können wir den Weg des Friedens gehen, wie es Jesus uns aufgetragen hat: „Selig sind die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Ich wünsche euch, dass euer Lebensweg ein solcher Weg des Friedens wird, und dass ihr euch nicht von den Mächtigen dieser Welt in die Knie zwingen lasst. Heute werdet ihr knien, um Gottes Segen zu empfangen, hier vor diesem Altar. Vor Gott sollt ihr knien, nicht vor den Menschen.

    Pfarrer Matthias Storck hat dazu einmal erzählt: „In der Dorfkirche meiner Kindheit wurde beim Abendmahl gekniet. An besonderen Tagen, etwa am Gründonnerstag, kamen viele: fast alle Bauern von der LPG, der Schmied, der Bäcker, sogar die Postfrau, die Frau aus dem Konsum und manchmal die Dorfärztin. Festlich gekleidet und in strenger Reihenfolge gingen sie nach vorn. Und alle knieten nieder. Die großen Männer wirkten unbeholfen am ungewohnten Ort. Wenn sie sich nach dem Segen wieder der Gemeinde zuwandten, lernte ich ihre etwas derben, aber feierlichen Sonntagsgesichter schnell und genau auswendig. Etwas wie ein Bekenntnis stand allen hell und deutlich ins Gesicht geschrieben, wenn sie vom Altar zurück in ihre Bänke gingen: „Vor Gott knie ich. Aber kein Mensch soll je versuchen, mich in die Knie zu zwingen!“ Nie wieder habe ich den tieferen Sinn des Kniens so klar und ohne Wenn und Aber begriffen. Ihr Kniefall vor Gott schützte diese Menschen wirksam und dauerhaft vor jeder Art falscher Demut oder vorauseilendem Gehorsam. Später begriff ich: Diese Menschen übten jedes Mal für den Ernstfall. So hat mich die kleine Abendmahlsgemeinde in der Mark Brandenburg mit ihrem Beispiel vor mancher Feigheit bewahrt.“

    So weit die Erzählung von Pfarrer Storck. Gerade auch euch, den Konfirmandinnen und Konfirmanden, möchte ich das mit auf den Weg geben: Geht euren eigenen Lebensweg. Lasst ihn euch nicht vorschreiben von anderen Menschen. Es ist euer Leben. Macht etwas daraus. Gestaltet es im Rahmen Eurer Möglichkeiten, so dass es gut wird für euch und für eure Mitmenschen. Sagt eure Meinung und steht dazu, auch wenn sie dem Anderen nicht passt. Bleibt trotzdem respektvoll gegenüber dem Anderen, der eine andere Meinung hat als ihr. Denkt dabei an Jesus Christus, der uns gesagt hat: „Selig sind die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Aber lasst euch nicht in die Knie zwingen von Menschen, denn das hat Jesus Christus auch nicht getan. Beugt eure Knie allein vor Gott. Er hat euch das Leben geschenkt. Er will euch auch weiterhin begleiten auf eurem Lebensweg. Gott will, dass euer Leben gut wird. Denkt an Gott und betet zu ihm, wenn ihr Entscheidungen zu treffen habt auf eurem Lebensweg. Und entscheidet euch für das Gute und nicht für das Böse. Auch wenn das Böse manchmal verlockender aussieht als das Gute: Beugt vor ihm nicht die Knie! Bleibt bei Gott. Er wird euch helfen, auch in schwierigen Zeiten.

     

    Gott ist unser Vater, und wir alle sind seine Kinder. Ja, alle Menschen sind Gottes Kinder. Egal, in welchem Land der Erde sie wohnen und welche Sprache sie sprechen. Egal, ob sie arm sind oder reich, jung oder alt, Frauen oder Männer. Jeder Mensch auf dieser Erde ist Gottes geliebtes Kind- ob er das nun weiß und sich daran freut, oder ob er noch nie darüber nachgedacht hat. Alle Menschen sind Gottes Kinder. Wenn Ihr euch das klar macht, dann fällt es leichter, das auch zu leben und sich für den Frieden einzusetzen, wie es Jesus uns aufgetragen hat. Und wenn ihr Friedensstifter seid, dann werden die anderen Menschen euch auch so erleben – als Kinder Gottes:  „Selig sind die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“

    Jesus wollte den Frieden. Er wollte niemanden ausschließen. Ich denke an den reichen und betrügerischen Zöllner Zachäus, der mit den Römern gemeinsame Sache gemacht und an seiner Zollstation in die eigene Tasche gewirtschaftet hat. Zu diesem Zachäus ging Jesus hin und ließ sich von ihm zum Essen einladen. Davon war Zachäus so begeistert, dass er sein Leben geändert hat und den Menschen nichts Böses mehr getan hat, sondern Gutes. Jeder hat bei Gott eine Chance. Keiner ist von vornherein abgeschrieben, auch dann nicht, wenn schon viel schief gelaufen ist in seinem Leben. Wenn ihr so denkt, dann werdet ihr Friedensstifter sein. Auch euer Bild mit der Friedenstaube zeigt das: Ganz verschiedene Menschen sind da auf dem Bild – eine bunte Mischung, so wie auch ihr ganz verschiedene Menschen seid, mit euren Sorgen und Freuden. Mit dem, was ihr schon erlebt habt in Eurem Leben an Gutem und an Schwierigem. So wie ihr seid, seid ihr bei Gott willkommen – ja, wir alle, die wir heute versammelt sind, sind bei Gott willkommen, jeder Mensch auf dieser Erde. Machen wir uns gemeinsam auf den Weg zum Frieden!

    Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer