Gedanken zum Sonntag

  • Okuli

     

    Predigt zum Sonntag Okuli, 2. März 2024

    1.Petrus 1,18-21: Ihr wisst ja: Ihr seid freigekauft worden von dem sinnlosen Leben, wie es eure Vorfahren geführt haben. Das ist nicht geschehen durch vergängliche Dinge wie Silber oder Gold. Es geschah aber durch das kostbare Blut von Christus, dem fehlerfreien und makellosen Lamm. Dazu war er schon vor Erschaffung der Welt bestimmt. Aber jetzt ist er am Ende der Zeit für euch erschienen. Durch ihn glaubt ihr an Gott, der ihn von den Toten auferweckt und ihm Herrlichkeit verliehen hat. Deshalb könnt ihr nun euren Glauben und eure Hoffnung auf Gott richten.

    Liebe Mitchristen!

    Okuli heißt der Sonntag, den wir heute feiern. Okuli, das ist der Anfang von Psalm 25,15: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“ Und der Wochenspruch für die neue Woche ist ein Jesuswort aus Lukas 9,62: „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Um die Blickrichtung geht es in den Bibeltexten für den heutigen Sonntag Okuli. Es geht darum, dass ich den Blick nach vorne richte- auf Jesus Christus.

    Denn Jesus Christus gehört nicht der Vergangenheit an, auch wenn es schon 2000 Jahre her ist, dass er hier auf der Erde gelebt hat. Jesus Christus ist nicht nur Vergangenheit. Jesus Christus ist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich. Jesus Christus ist schon immer da gewesen, vom Anfang der Welt an. Jesus Christus ist heute da. Im Gottesdienst hören wir auf sein Wort, beten zu ihm und feiern miteinander das Abendmahl, zu dem er uns einlädt. Aber nicht nur sonntags können wir Jesus Christus erfahren. An jedem Tag unseres Lebens ist er für uns da. Auf Jesus Christus richten wir unseren Blick, und es ist ein Blick nach vorne, ein Blick in die Zukunft. Die Zukunft gehört Jesus. Eines Tages wird er wiederkommen, für alle sichtbar. Dann wird alles gut werden. Darauf vertrauen wir als Christinnen und Christen. Dafür hat Gott Jesus Christus von den Toten auferweckt und ihm Herrlichkeit verliehen.

    Nach vorne soll ich schauen- auf Jesus Christus, der meinem Leben Sinn und Ziel gibt. Wenn ich mit dieser Blickrichtung die Hand an den Pflug lege und die Aufgaben angehe, die zu bewältigen sind in meinem Leben, dann wird es gut werden. Dann werde ich keine krummen Furchen pflügen und keine krummen Dinger drehen müssen. Dann kann ich geradlinig durchs Leben gehen. Dann bin ich immer noch keine Heilige. Aber ich kann mich darauf verlassen: Ich bin frei. Alles, was mich bedrückt und quält- meine Not, meine Schuld, die Irrungen und Wirrungen meines Lebenswegs- all das kann mich nicht mehr gefangen nehmen. Ich stehe da drüber. Ich sehe darüber hinaus, denn ich habe eine größere Perspektive vor Augen: Jesus Christus, der am Kreuz sein Leben für mich gegeben hat. Das ist mehr wert als alles Geld und Gold der Welt.

    Ihr seid frei, heißt es im 1. Petrusbrief. Ich stelle mir vor, wie die Menschen damals in den ersten Christengemeinden diese Worte aus dem 1. Petrusbrief gehört haben. Viele von ihnen waren Sklaven. Menschen, denen ein Marktwert zugemessen wurde, je nach ihrer Leistungsfähigkeit. Menschen, die in völliger Abhängigkeit, ja Ausgeliefertheit leben mussten. Manchmal durfte es der eine oder die andere von ihnen erleben, dass sie freigekauft wurden. Dann sagten ihnen ihre Herren: „Du bist frei!“ Und es fing für diese ehemaligen Sklaven ein komplett neues Leben an- ein Leben in Freiheit.

    Es ist ein großes Geschenk, dass niemand von uns heute unter solch prekären Bedingungen leben muss wie damals die Sklaven in der antiken Welt. Und doch wissen wir, dass es auch heute Menschen gibt, die von anderen versklavt werden, auch wenn es gegen alle Gesetze ist. Noch längst hat das Elend der Sklaverei kein Ende. Und auch wir, die wir Gottseidank keine Sklaven sind, machen uns immer wieder abhängig vom Urteil anderer- von dem, wie unsere Leistung, unser Leben bewertet wird. Ja, und auch von unserem eigenen Urteil machen wir uns abhängig. Denn mit uns selbst sind wir oft am unbarmherzigsten. Da bin ich dankbar für unseren Bibeltext, der mir sagt: „Du bist frei.“ Egal, wo du stehst. Egal, ob du deinen eigenen Ansprüchen genügst oder denen der anderen. Egal, wie viel Geld oder Besitz du dein Eigen nennst. Ja, auch wenn du versagt hast, wenn deine Fehler dich bedrücken oder dein Elend dich einholt. Lass dich nicht weiter runterziehen. Die Abwärtsspirale soll dich nicht gefangen halten. Du bist frei. Freigekauft nicht durch Silber oder Gold, sondern durch das kostbare Blut von Jesus Christus, dem fehlerfreien und makellosen Lamm.

    Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer