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Gedanken zum Sonntag

Exaudi

Predigt zu Sonntag Exaudi, 17. Mai 2026

 

Liebe Mitchristen!

„Verträge müssen eingehalten werden.“ Das wusste man schon im alten Rom, woher dieses Sprichwort stammt. Eigentlich ist das ja auch selbstverständlich: Wenn ich einen Vertrag abschließe- einen Mietvertrag zum Beispiel oder einen Arbeitsvertrag- dann erwarte ich, dass sich mein Vertragspartner an die vertraglich festgelegten Vereinbarungen hält. Dasselbe erwartet mein Vertragspartner auch von mir.

Unser Predigttext spricht von einem Vertrag Gottes mit seinem Volk Israel (Jeremia 31, 31-34). Er spricht in eine Zeit, die für das Volk Israel katastrophal war. Die Oberschicht ist verschleppt worden ins ferne Babylon, und die, die zurückgeblieben sind, stehen ganz buchstäblich vor einem Trümmerhaufen. Alles liegt in Schutt und Asche. Nichts ist mehr, wie es war. Viele Menschen fragten sich damals: Hat Gott uns verlassen? Hat er uns denn ganz vergessen? Oder ist es, weil wir Gott vergessen hatten? Weil wir keinen Vertrag mehr mit ihm haben wollten. Weil uns seine Gebote nicht mehr interessiert haben, und jeder nur seinen eigenen Vorteil gesucht hat. Deswegen bestraft Gott uns jetzt. So dachten die Menschen damals, in dieser Zeit der Katastrophe.

Wie sieht es in unserer Zeit mit den Verträgen aus? „Verträge müssen eingehalten werden.“ Wie steht es heute mit dieser alten Regel, die seit der Antike ihre Gültigkeit hat? „Verträge müssen eingehalten werden.“ In unserer Zeit ist das keine Selbstverständlichkeit mehr. Dabei wissen wir genau, dass die Welt nur so funktioniert und ein friedliches Zusammenleben zum Wohle aller nur durch Verträge möglich ist. Sicherlich- wenn ich einen Vertrag abschließe, kann ich nicht alle meine Interessen durchsetzen- ob beim Mietvertrag oder beim Arbeitsvertrag. Da sind unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen. Aber auch wenn ich manche Kröte schlucken muss und mein Vertragspartner auch: Durch den Vertag haben wir geregelt, wie es miteinander funktionieren kann. Wir müssen nicht dauerhaft im Clinch miteinander liegen. Daher halten wir uns in der Regel auch an unsere Verträge, die wir abschließen- Mietverträge, Kaufverträge und andere mehr.

Auch in der großen Politik gibt es weiterhin solche Verträge, die eingehalten werden- Gott sei Dank! Und doch ist da vieles unsicherer geworden. Die Großmächte in Ost und West setzen sich über das Völkerrecht hinweg und fangen Kriege an, die kein Ende nehmen wollen. Statt internationalen Abkommen zählt für sie nur das Recht des Stärkeren. „Wer sich vertragen will, der muss Verträge schließen.“ So hat es der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt gesagt, als es um die Ostverträge ging. Heute leben wir in einer anderen Zeit. Statt Abrüstung erleben wir Aufrüstung, und in den Nachrichten hören wir nicht von geplanten Verträgen, sondern von Planungen für den militärischen Bedarf in einem bewaffneten Konflikt. Nichts ist mehr, wie es war. Seit internationale Verträge nicht mehr eingehalten werden, steht die Welt vor einem Trümmerhaufen. Immer mehr Länder liegen in Schutt und Asche, und die Menschen dort müssen um ihr Leben bangen- in der Ukraine, im Iran, im Nahen Osten, im Sudan und vielen weiteren Regionen.

„Du sollst nicht töten.“ So heißt eine wichtige Regel, die Gott uns Menschen in der Bibel in den 10 Geboten gegeben hat. Die 10 Gebote- das ist Gottes Vertrag, Gottes Bund mit uns Menschen. Viele Menschen fragen heute nicht mehr nach Gott, wollen keinen Vertrag mehr mit Gott haben. Wenn uns aber Gottes Gebote nicht mehr interessieren, und jeder nur seinen eigenen Vorteil sucht, dann liegt kein Segen auf unserem Leben. Frieden und Freiheit, Wohlstand und Glück sind dann gefährdet. In solch einer Zeit der Gefährdung leben wir heute. In einer Zeit, in der Verträge gebrochen werden- Verträge zwischen Staaten, und auch der Vertrag zwischen Gott und den Menschen.

Was gibt es für Möglichkeiten, wenn ein Vertrag gebrochen wird? Gibt es da nur die Einbahnstraße der Eskalation? Gibt es da nur die Spirale der Gewalt, die sich mit tödlicher Präzision immer weiter nach oben schraubt? Unser Predigttext zeigt uns hier einen anderen Weg: „Siehe, es kommt die Zeit, da werde ich einen neuen Bund schließen,“ lässt Gott durch den Propheten Jeremia den nach Babylon verschleppten Israeliten ausrichten (Jeremia 31, 31).

Gott geht einen anderen Weg. Gott durchbricht die Spirale der Gewalt. Gott zeigt den Ausweg aus der Einbahnstraße der Eskalation. Die Menschen haben den Vertrag gebrochen. Sie haben sich nicht an den Bund gehalten, den Gott mit den Menschen geschlossen hat. Gottes gute Gebote haben sie missachtet. Wenn ein Vertrag gebrochen wird, dann ist das Vertrauen zerstört zwischen den Vertragspartnern. Enttäuschung, Wut, Resignation sind dann die Gefühle. Gefühle, aus denen selten etwas Gutes kommt. Auch Gott ist enttäuscht von den Menschen, die den Vertrag mit ihm gebrochen haben. Aber Gott resigniert nicht. Nein- Gott macht einen neuen Vertrag mit den Menschen.

Gott lässt seine Menschen nicht allein- nicht die nach Babylon verschleppten Israeliten damals, und auch nicht uns, in unserer heutigen schwierigen Zeit. Gott überlässt uns Menschen nicht einfach unserem Schicksal. Gott wendet sich uns Menschen zu. Gleich viermal heißt es in unserem Predigttext: „Es spricht der HERR.“ Und was Gott da verspricht, das ist etwas Großartiges. Gott verspricht einen Neuanfang. Einen neuen Bund will Gott schließen mit den Menschen. Dieser neue Vertrag, den Gott mit den Menschen schließt, hat eine Besonderheit. Er ist kein Vertrag zwischen gleichen Partnern. Gott allein schließt diesen Bund. Gott verspricht: Er wird treu bleiben, unter allen Umständen. Dazu vergibt er den Menschen alle Schuld und denkt nicht mehr an ihre Sünden. Braucht es dann überhaupt noch Regeln? Ja – Gottes gute Gebote bleiben der Inhalt dieses Bundes. Aber Gott gibt sein Gesetz den Menschen in ihr Herz und schreibt es in ihren Sinn, sagt der Prophet Jeremia. Das heißt: Ein Vertrag, der nicht aus Gehorsam oder gar Angst vor Strafe befolgt wird, sondern der ins Herz geschrieben ist. Wenn Gott diesen Vertrag mit den Menschen ganz umsetzt, dann werden alle Gott kennen, Freund wie Feind. Und keiner wird mehr den anderen über den Willen Gottes belehren. Denn jeder weiß Bescheid.

„Siehe, es kommt die Zeit.“ Diese Ankündigung hat Gott seinem Propheten Jeremia in den Mund gelegt. Es werden Tage kommen, an denen nur Gutes passiert. Wie schön, dass es solche Nachrichten auch gibt. Wir sind gewohnt, von Tagen zu hören, an denen sich vor allem Schlechtes ereignet. Tage, die uns sorgenvoll in die Zukunft blicken lassen: Wie lange werden die Kriege noch andauern, die die Großen dieser Welt vom Zaun gebrochen haben? Wie lange werden wir in unserem Land noch in Frieden leben können in dieser angespannten weltpolitischen Lage? Wann wird es endlich Friedensverträge geben- Verträge, die eingehalten werden? Wann werden wir unser Geld wieder in Wohlstand statt in Waffen investieren?

Ja, gerade in unserer Zeit brauchen wir die Zuversicht, dass Gott uns im Blick hat. Dass er gute Nachrichten für uns hat. Dass wir zuversichtlich leben können. Denn wir leben im Bund mit Gott. Durch Jesus Christus sind wir in Gottes Bund mit hineingenommen. Er ist für uns gekreuzigt und auferstanden. Ja, Gottes Vertrag mit uns steht. Nichts und niemand kann diesen Vertrag aufheben. In all unsere Lebensgeschichten hinein spricht Gott, was er uns von Anfang an in der Taufe versprochen hat: „Ich vergebe dir alle Schuld, und ich will mich neu mit dir verbünden. Ich will dein Gott sein. Ich bin bei dir alle Tage bis ans Ende der Welt.“ Darauf können wir uns verlassen, egal was kommt.  

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

 

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Gedanken zum Sonntag

Konfirmation

 

Konfirmationspredigt vom Sonntag, 10. Mai 2026

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. So beginnt der Psalm 23. Und so habt ihr auch auf eurem großen Plakat zu malen begonnen. Als erstes war da der Hirtenstab auf dem Bild. Ein Krummstab ist es geworden. Ob die wirklichen Hirten, die hier auf dem Heuberg ihre Schafe weiden, auch einen solchen Stab haben? Ganz genau weiß ich das nicht, dazu kenne ich mich mit dem Alltag von Hirten zu wenig aus. Bei dem Krummstab, wie ihr ihn gemalt habt, denke ich aber erstmal nicht an die Hirten draußen auf der Weide. Den Krummstab kenne ich von woanders her. Bischof Nikolaus hat so einen, wenn er am 6. Dezember den Kindern Geschenke bringt, ja überhaupt die Bischöfe. Trotzdem ist es ein Hirtenstab. Er erinnert uns daran, dass die Bischöfe, Pfarrerinnen und Pfarrer auch Hirten sind. Und tatsächlich- vor einiger Zeit habe ich mal einen Mann getroffen, den ich nicht kannte, der sagte zu mir: „Ich bin eines Ihrer Schäfchen.“ Da war mir klar: Er gehört zu meiner Kirchengemeinde. Er kennt mich, weil ich seine Pfarrerin bin.

Vom Glauben erzählen und für andere da sein- das ist aber nicht nur etwas für Leute wie mich, die hier im Talar auf der Kanzel stehen und predigen. Alle, die getauft sind und zur Kirche gehören, haben diese Aufgabe. Eine Aufgabe also auch für Euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, denn heute sagt Ihr Euer eigenes Ja zu Eurer Taufe. Dieser Gedanke des Priestertums aller Getauften war Martin Luther ganz wichtig und hat unsere evangelische Kirche geprägt. Der Hirtenstab auf Eurem Bild ist allerdings ganz schön mächtig. Gut, dass ich den auch als Pfarrerin nicht alleine schleppen muss. Gut, dass Gott da ist, der unser aller Hirte ist und den Hirtenstab für uns trägt. Ja, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden: Auch wenn Ihr im Leben große Aufgaben zu bewältigen habt, auch wenn Euch angesichts solcher großen Aufgaben manchmal Angst und Zweifel kommen, ob ihr dieser Aufgabe gewachsen seid: Vertraut auf Gott. Gottes Versprechen gilt auch Euch: „Ich habe dir doch gesagt, dass du stark und mutig sein sollst! Fürchte dich nicht und schrecke vor nichts zurück! Denn der Herr, dein Gott, ist mit dir bei allem, was du unternimmst! (Josua 1,9)

Zu diesem Versprechen von Gott passt auf Eurem Bild die große grüne Wiese und der tiefblaue See- so wie es im Psalm 23 heißt: „Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.“ Ja, Gott sorgt für uns wie ein guter Hirte für seine Schafe sorgt. Wie ein Hirte, der für seine Schafe die saftigsten Wiesen aussucht und das beste, kristallklare Quellwasser. Gott meint es gut mit uns. Er hat ein Herz für uns. Ein Herz voller Liebe. Dafür steht das rote Herz auf Eurem Bild. Es steht für die Barmherzigkeit Gottes. Wir sind Gott nicht egal. Ja, wir sind Gott so wichtig, dass er sein Leben für uns gibt. Am Kreuz ist Jesus Christus für uns gestorben und hat alles weggenommen, was uns von Gott trennt, alle Sünde, alle Schuld. Jesus Christus hat für uns den Weg frei gemacht- den Weg ins Leben, den Weg zu Gott: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben,“ sagt Jesus Christus (Johannes 14, 6a).

 Wer auf diesem Glauben sein Leben gründet, der ist ein richtiger Glückspilz. Ein vierblättriges Kleeblatt habt ihr gemalt als Zeichen für dieses Glück: Da muss ich vor keinem Unglück mehr Angst haben. Egal was auch kommt im Leben, Gott ist bei mir. Auf meinem Lebensweg geht Gott wie ein guter Hirte voraus, damit ich mich nicht verirre. Und wenn es mal unübersichtlich oder schwierig werden sollte in meinem Leben, dann weiß ich: Auf Gott kann ich mich voll verlassen- sogar da, wo das Leben dunkel und gefährlich erscheint. Ich bin nicht allein. Gott, der gute Hirte weiß, wo es langgeht.

„Der Herr ist mein Hirte.“ Unter dieser Überschrift kennen wir den Psalm 23. Und so ist es auch auf Eurem Bild der Hirtenstab, der alles andere überragt. Aber ganz viel Anderes habt ihr auch gemalt: Ein gedeckter Tisch ist da, mit vielen liebevollen Details. Eure Lieblingsessen stehen da auf diesem gedeckten Tisch- leckere Wassermelonenschnitze zum Beispiel. Dazu habt ihr erklärt: „Mir soll es an nichts mangeln, und der Herr schenkt mir voll ein.“ Voll eingeschenkt bis zum Rand ist auch der große Becher, den ihr unten rechts auf Euer Bild gemalt habt. Und was Ihr auch noch dazu erklärt habt: „Der Tisch ist im Angesicht meiner Feinde gedeckt.“

Wenn ich auf Gott vertraue und mein Leben ganz in seine Hand lege, dann kann ich ganz in Ruhe feiern und das Leben genießen, trotz aller Gefahren, die in der Welt auf mich lauern. Auch wenn es da Menschen gibt, die mir Böses wollen, die mich ärgern und mobben. Auch wenn der Frieden in unserem Land zerbrechlich ist und viel Feindschaft da ist zwischen Menschen und Völkern. Das alles ist Grund zur Sorge und zu entschiedenem Handeln. Denn als Christen haben wir die Aufgabe, uns für Frieden und Verständigung einzusetzen zwischen den Menschen und den Völkern. Aber wenn ich auf Gott vertraue und alles, was in meinen Möglichkeiten steht, tue für ein friedliches Zusammenleben, dann müssen mir diese Sorgen nicht nachts den Schlaf rauben. Ja, auch nach einem schwierigen Tag kann ich nach nachts ruhig schlafen, wenn ich abends meine Sorgen im Gebet bei Gott abgebe- so wie es in Psalm 31, 15-17 heißt: „Ich aber vertraute auf dich, HERR: Ich bekannte: Du bist mein Gott! Meine Zukunft liegt in deiner Hand. Rette mich aus der Gewalt meiner Feinde und lass mich meinen Verfolgern entkommen! Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht. Hilf mir und lass mich so deine Güte erfahren.“ 

Und was dann noch auf Eurem Bild kommt, das ist die Krönung von allem. Da habt Ihr Euch gemalt, wie Ihr an diesem reich gedeckten Tisch mit all den leckeren Sachen sitzt, und eine Krone aufhabt: „Der Mensch am Tisch trägt eine Krone, weil er wie ein König behandelt wird, wenn sein Haupt gesalbt wird.“ Dafür steht auch der Krug mit Öl auf dem Bild: Duftendes Salböl ist darin, mit dem der Kopf eingecremt wird- nur vom Feinsten, das Teuerste und Beste ist gerade gut genug. Ja, für Gott seid Ihr alle unendlich viel wert, wie Könige werdet Ihr behandelt. Heute, an Eurem großen Festtag könnt Ihr das spüren: Beim Einzug in die Kirche ist die Gemeinde für Euch aufgestanden, statt rotem Teppich haben wir eine rote Kniebank, und wenn Ihr darauf niederkniet, bekommt Ihr zwar kein Salböl auf den Kopf, aber die Hand aufgelegt zum Segen.

Ja, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Heute an diesem wunderschönen Festtag ist dies für uns alle spürbar, und für Euch, die Hauptpersonen, ganz besonders. Aber auch an all den anderen Tagen, die kommen, soll das spürbar bleiben: Wie ein guter Hirte mit seinem Hirtenstab für die Schafe sorgt, so sorgt Gott für mich. Es ist etwas, woran ihr euch festhalten könnt: Ich bin nicht allein. Gott ist bei mir. Egal, was noch kommt im Leben, Gott verlässt mich nicht. Das wünsche ich Euch, dass Ihr das immer wieder erfahren dürft in Eurem Leben: Gott ist bei Euch, Gott begleitet Euch durchs Leben.

Eure Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

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Gedanken zum Sonntag

Jubilate

Predigt zum Mitarbeiter-Dank-Gottesdienst am 26. April 2026

Liebe Mitchristen!

Für den Mitarbeiter-Dank-Gottesdienst hat unser Vorbereitungsteam aus dem Kirchengemeinderat einen wunderschönen Weinstock gebastelt. Unser aller Namen hängen an diesem Weinstock, geschrieben auf bunte Weintrauben. Bunt und vielfältig ist unsere Gemeinde. Bunt und vielfältig ist auch die Mitarbeit in unserer Gemeinde. Danken möchte ich heute allen, die in unserer Gemeinde mitarbeiten und ihren Teil dazu beitragen, dass der Weinstock Frucht bringt und den Menschen in unserer Gemeinde und darüber hinaus die frohe Botschaft von Jesus Christus nahegebracht wird in Wort und Tat. Jesus Christus ist der wahre Weinstock, und wir sind die Reben. Danke an alle, die hier vor Ort Arbeiter sind im Weinberg des Herrn- ob im Kirchengemeinderat, im Gemeindebüro und der Verwaltung, im Posaunenchor, an der Orgel oder in der Band; ob in den Hauskreisen, im Kreativkreis oder in der Kinderkirche; ob in der Verantwortung für unsere Gebäude als Hausmeister, Mesnerteam, Reinigungdienst oder im Bauausschuss; ob im Besuchsdienst, im Gottesdienst-Team, beim Vorbereiten für Kirchkaffee und Gemeindemittagessen, ob bei der Technik, als Mitarbeiter beim Konfi-Camp, bei Atempause und Osternacht, beim Schmücken des Altars, beim Basteln der Osterkerze oder oder oder…- einfach Danke!

Danke sagen möchte ich auch allen, die wir nicht auf unseren Mitarbeiterlisten führen und die auch ihren Teil dazu beitragen, dass der Weinstock Frucht bringt: Indem sie anderen ihre Zeit schenken, ihnen zuhören und hilfreich zur Seite stehen- die offene Augen, ein offenes Ohr und ein weites Herz haben für die Menschen, die sie gerade brauchen. Wir alle sind die Reben am Weinstock Jesu Christi. Uns allen gilt dieses Wort von Jesus Christus: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15, 5)

Gott schenkt uns Kraft zum Leben. Er ist die Kraftquelle, aus der wir schöpfen. Ohne Gott sind wir saft- und kraftlos, so wie die Reben, die vom Weinstock abgeschnitten sind. Sie haben keine Verbindung mehr zu der Wurzel, die die Nährstoffe aus dem Boden zieht- also verdorren sie. (Joh 15, 6) Ich denke, das ist ein einleuchtendes Bild. Ich möchte noch ein Bild aus unserer Zeit dazustellen, ein Bild aus meinem Alltag. Vor längerer Zeit hatte ich fürs Pfarramt einen neuen Computer bekommen. Der Techniker, der mir den neuen Computer eingerichtet hat, hatte auch den Auftrag, den im Pfarramt vorhandenen Drucker anzuschließen. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass der neue Computer und der etwas ältere Drucker sich nicht miteinander kombinieren lassen. Da der Drucker nun keine Verbindung mehr zu meinem Computer hatte, war er für mich nutzlos geworden. Ich konnte nichts mehr mit ihm ausdrucken. Er brachte für mich keine Frucht mehr- so wie die abgeschnittenen Reben des Weinstocks nutzlos geworden sind. Sie haben keine Verbindung mehr zur Wurzel des Weinstocks. Sie können nicht mehr weiter wachsen und keine Früchte mehr tragen.

Ich denke, dass es uns als Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut tut, daran erinnert zu werden, aus welcher Wurzel wir unsere Kraft zum Leben beziehen; auf welchem Grund wir stehen: Wir gehören zu Jesus Christus. Alles, was wir als Kirchengemeinde sind und als Christen tun, muss kompatibel sein mit dieser Grundlage- sonst ist es vergebens: „Denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ So sagt es Jesus Christus. Das ist ein Anspruch, den wir an alles, was wir tun, stellen müssen- gerade auch als Kirche in einer sich verändernden Gesellschaft. Es ist aber auch ein Zuspruch von Jesus Christus an uns: „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“ Was wir tun, wird nicht fruchtlos sein, wenn wir uns dieser Grundlage bewusst sind; wenn wir mit Jesus Christus in Verbindung bleiben. Dann werden Menschen unsere Kirche und Gemeinde als Ort erleben, an dem sie Kraft zum Leben finden- Kraft aus dem Glauben an Jesus Christus. Er ist der Weinstock, wir sind die Reben.

Bleiben wir bei Jesus Christus! Lassen wir uns nicht irre machen von den zahlreichen Kirchenaustritten, die uns Sorge machen. Lassen wir uns auch nicht irre machen von Menschen, die uns fragen, warum wir überhaupt noch dabei bleiben bei der Kirchengemeinde. Wenn wir hier in der Gemeinde beieinander bleiben und unseren Glauben miteinander bekennen, dann können wir es auch schaffen, unseren Glauben im Alltag zu bekennen. Machen wir uns darum keine Sorgend. Uns trägt der Weinstock Jesus Christus. Seine Kraft durchdringt uns, die Reben, und lässt uns Frucht bringen. Denn nicht aus uns selbst heraus glauben wir, vertrauen wir, leben wir Gottes Liebe in die Welt hinein. Sondern: Jesus Christus glaubt, vertraut und handelt aus uns heraus, wo wir durchlässig werden für seine Liebe und seine Kraft.

In Christus bleiben- wie könnte das heute aussehen? Ja, manche Früchte des kirchlichen Leben, die uns wertvoll und wichtig waren, sind inzwischen abgeschnitten. Wir haben keinen Gottesdienst mehr in Gosheim. Wir haben keinen Kirchenchor mehr und keinen Jugendkreis. Der evang. Johanneskindergarten in Gosheim wird jetzt von der evang. Kirchengemeinde Tuttlingen verwaltet und nicht mehr von unserer Kirchengemeinde. All diese Früchte kirchlichen Lebens haben ihre Zeit gehabt. Aber auch, wenn sie jetzt abgeschnitten sind- der Weinstock geht davon nicht ein. Denn die Lebenskraft des Weinstocks, die schöpferische Kraft Gottes bringt viele Früchte, immer wieder neue: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“

Ein Weinstock kann sehr lange leben, nur seine Reben wachsen und werden abgeschnitten. Ja, der Weinstock bleibt. Jesus Christus ist derselbe- gestern, heute und in Ewigkeit. (Hebräer 13, 8) Wir aber, die Reben am Weinstock Jesu Christi, haben nur eine begrenzte Zeit hier auf dieser Welt. Frucht bringen, die bleibt in Ewigkeit, das können wir nicht aus uns selbst heraus: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ So sagt es Jesus. Mich tröstet dieses Wort. Es ist realistisch. Ja, ich stehe nicht für mich. Ich brauche die Verbindung zu Jesus Christus- so wie mein Drucker die Verbindung braucht zu meinem Computer. Sonst kann er nichts drucken und ist nutzlos und wird weggeworfen.

Frucht bringen- das kann für mich bedeuten: Wahrnehmen, was Gott mir mitgibt, und diese Fähigkeiten entfalten, für und mit anderen. Ja, es gibt viele Fähigkeiten in unserer Mitarbeiterschaft und in unserer Gemeinde, die noch auf Entfaltung warten! Und ich darf darauf vertrauen, dass mir die Kraft zufließen wird für das, was ich anpacke. Frucht bringen kann für uns als Kirchengemeinde auch bedeuten, das, was verdorrt ist, zu verabschieden, und die Kraft dort einzusetzen, wo es lebendig zugeht. Bleiben in Jesus Christus und Frucht bringen gehört zusammen. Denn Früchte sind für den Verzehr bestimmt. Deswegen geht es auch darum, sich in die Welt zu verschenken und die Welt genießbarer zu machen- darin wird Gott verherrlicht! (Joh 15, 8) Und auch unsere Gebete werden nicht fruchtlos bleiben. Denn so hat Jesus Christus es versprochen: „Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.“ (Joh 15, 7)

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

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Palmsonntag

Liebe Mitchristen!

Heute am Palmsonntag feiern wir Konfirmationsjubiläum., endlich ist es so weit. Wie ging es Ihnen, den Konfirmationsjubilaren, damals damit am Tag ihrer Konfirmation? Lange hatten sie sich vorbereitet auf dieses Fest, ein ganzes Konfirmandenjahr lang. Dann endlich kam ihr großer Tag – damals im Jahr 1956, 1966, 1976 oder 2001. Endlich ist es so weit. Festliche Musik erklingt. Die Verwandten und alle, die im Gottesdienst sind, stehen auf. Sie als Konfirmanden ziehen feierlich in die Kirche ein, zusammen mit Ihrem Pfarrer: Pfarrer Karnowski, Pfarrer Autenrieth, Pfarrer Bender und Pfarrer Binder waren das damals hier in Wehingen. Erinnern Sie sich noch daran, wie das war? Ein besonderer, ein feierlicher Moment war das damals ganz sicher für Sie. Ja, es ist etwas ganz Besonderes, so im Mittelpunkt zu stehen.

Heute feiern wir Ihr Konfirmationsjubiläum. Heute, 25, 50, 60 oder sogar 70 Jahre nach Ihrer Konfirmation, sind Sie mit einigen ihrer Mitkonfirmanden von damals wieder diesen Weg durch die Kirche gegangen, bis ganz nach vorne unter den feierlichen Klängen der Musik: 27 Konfirmanden waren Sie bei Pfarrer Karnowski am 25. März 1956.  Kalt war es damals in der Fronhofer Kirche. Der heutige schneereiche Märzsonntag erinnert uns an die kalten und langen Winter, die wir früher hier auf dem Heuberg hatten. Vielleicht hat Pfarrer Bender vor 50 Jahren deswegen die Konfirmation am 7. Juni gefeiert- ein ungewöhnliches Datum, an dem er insgesamt 43 Konfirmanden konfirmiert hat, in zwei Gruppen, getrennt nach Ortschaften. Und alle haben denselben Konfirmationsspruch bekommen, den Zuspruch von Gott: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“ (1. Mose 12,2) Vor 25 Jahren gab es 35 Konfirmanden in unserer Gemeinde. Pfarrer Binder hat sie in zwei Gruppen unterrichtet und an zwei Sonntagen konfirmiert. Am 6. und am 13. Mai haben Sie damals Konfirmation gefeiert. Und auch unsere Diamantenen Konfirmationsjubilare, die an anderen Orten konfirmiert wurden, werden sich sicherlich noch gut erinnern an den Tag ihrer Konfirmation.

Ich denke noch einmal an den Konfirmationsspruch von Ihnen, den goldenen Konfirmanden: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“ Der Segen ist ja das Kernstück der Konfirmation. Wenn alle Katechismustexte aufgesagt sind, und die Anspannung, ob alles klappt oder ob man beim Aufsagen stecken bleibt, langsam weicht- dann kommt der Segen. Ganz bestimmt erinnern Sie sich noch daran, wie Sie an Ihrer Konfirmation vorne am Altar auf der Kniebank gekniet sind und Ihr Pfarrer Ihnen zum Segen die Hand aufgelegt hat. Das bleibt in Erinnerung- mehr als die Worte, die Ihr Pfarrer dazu gesprochen hat.  Denn solche Rituale sagen oft mehr als viele Worte. Weil wir dabei noch auf einer ganz anderen, viel tieferen Ebene angesprochen werden, wenn Gottes Nähe für uns auch körperlich spürbar wird.

Gottes Nähe wird spürbar in der Wärme der Hand, die mich berührt und segnet. Nähe und persönliche Zuwendung, die körperlich spürbar wird. Davon erzählt auch der Predigttext für den heutigen Palmsonntag (Markus 14, 3-9). Da ist eine Frau, die Jesus körperlich nahekommt. Sie salbt seinen Kopf mit Öl. Eigentlich ist Jesus gerade mit Anderem beschäftigt. Er ist bei Jemanden zum Essen eingeladen. Offen und einladend für alle ist das nun absolut nicht. Man könnte sich vorstellen, an der Tür hängt das Schild: Geschlossene Gesellschaft. Aber diese Frau traut sich, durch diese Tür zu gehen. Sie geht zu Jesus. Auch wenn es für sie so aussehen muss, als ob das eine verschworene Gemeinschaft ist, die ihn da umgibt.

Sie kommt mit ihrer Parfümflasche. Kostbares Nardenöl ist da drin. Das war weit und breit das teuerste Duftöl, das es damals gab. 300 Silbergroschen ist es wert, erfahren wir. Das war damals das Jahreseinkommen eines einfachen Arbeiters. Das Jahreseinkommen! Das muss man sich vorstellen. Und dieses Geld verbrennt sie einfach, wirft es zum Fenster raus, leert es Jesus über den Kopf. Komplett, die ganze Parfümflasche. Alles auf einmal, in einem Schwall. Sie bricht den Flaschenhals auf, der seinen kostbaren Inhalt sonst nur tröpfchenweise preisgeben würde. Kein Wunder, dass sich da Widerstand regt: Das Geld hätte man doch besser den Armen geben sollen!

Ich finde, dieser Einwand wiegt schwer. Kriege und Handelsblockaden verhindern, dass Lebensmittel in die armen Länder kommen. In Afrika verhungern die Menschen.  Und auch in unserem Land wird es für die Menschen, die wenig haben, immer schwieriger bei den steigenden Preisen, die wir haben.  Jeden Tag müssen sie schauen, wie ihnen das Geld reicht zum Lebensnotwendigen. Arme habt ihr allezeit, sagt Jesus in unserem Predigttext. Das ist die traurige Wahrheit, bis heute. Ich finde es wichtig, dass wir gerade in dieser schwierigen Zeit die Armen nicht vergessen. Ich denke an die sozial Schwachen, die auf den Tafelladen in Trossingen angewiesen sind. Dort fehlt es an Grundnahrungsmitteln, denn die Zahl der Bedürftigen steigt. Vielleicht können Sie ja helfen mit einer Spende.

Arme habt ihr allezeit, sagt Jesus. Und er weiß auch: Die Armen sind darauf angewiesen, dass wir ihnen Gutes tun. Das ist wichtig. Aber die Sorge um die Armen soll uns nicht den Blick verstellen für das Besondere und Einzigartige. Auch die vielen anderen Sorgen, die wir uns jetzt in dieser Krise machen, sollen uns diesen Blick nicht verstellen. Mich habt ihr nicht allezeit, sagt Jesus. Er weiß, was ihn erwartet – Folterqualen, Schmerzen und Tod. Er weiß, diese Frau salbt ihn zu seinem Begräbnis. Im Blick auf all das Schwere, was er zu erleiden hat, gönnt Jesus sich diesen besonderen Moment der persönlichen Zuwendung. Er genießt die Nähe dieser Frau und den wunderbaren Duft ihres kostbaren Öls.

Jesus macht dieser Frau keine Vorwürfe. Er bezieht Position für diese Frau. Für ihn ist das, was diese Frau macht, eine gute Tag- eine Wohltat, die gut tut; nicht nur ihm, sondern allen, die in diesem Raum sind und diesen Duft riechen können. Und es ist eine gute Nachricht, die diese Frau damit verbreitet: Jesus Christus ist der Gesalbte Gottes- sichtbar für alle, die es sehen wollen, hörbar für alle, die es hören wollen. Das Evangelium, die Gute Nachricht von Jesus Christus, wird davon erzählen und damit auch von dieser Frau mit ihrer guten Tat. Sie hat Jesus geehrt. Sie hat ihm Nähe und Zuwendung geschenkt. Sie hat sich zu ihm gestellt, als er heimlich schon zum Tod verurteilt war.

In der guten Tat dieser Frau leuchtet auf, wie Gott selbst zu uns Menschen steht: Am Ende steht Ostern- nach dem Weg durchs tiefe, dunkle Tal der Leiden und des Todes. Am Ende steht Leben- Leben mit Gott und mit Jesus Christus, seinem Gesalbten. Nach diesem Christus sind wir auch Christen genannt: Gesalbte- konfirmiert zum Tun von guten Taten.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

 

 

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Gedanken zum Sonntag

Judika

Predigt zum Sonntag Judika, 22. 03. 2026

Liebe Mitchristen!

„Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir (Hebräer 13, 12-14). Wir hören diese Bibelworte mit beinah zweitausend Jahren zeitlichem Abstand. Und doch sind sie auch heute wieder erschreckend aktuell. Wie neueste Statistiken belegen, sind Christen die am stärksten verfolgte religiöse Gemeinschaft der Welt. In über 150 Ländern sind sie Zielscheibe von Diskriminierung und gezielten Angriffen- vor allem in Nordkorea, Afghanistan, Somalia und Libyen. Und auch hierzulande weht den Christen zunehmend ein rauer Wind entgegen. Ein Kreuz hängt an der Wand in öffentlichen Gebäuden? Es gibt Religionsunterricht in den Schulen? Was uns früher selbstverständlich war, wird zunehmend in Frage gestellt. Christliche Werte wie die Nächstenliebe und der Schutz für Schwache und Hilfsbedürftige verlieren an Bedeutung in unserer Gesellschaft. Der Ton wird rauer und unbarmherziger. Die Angst, zu kurz zu kommen, wächst, und wird von radikalen Parteien mit ihren einfachen Parolen schamlos ausgenutzt. 

Als Christen leben wir sozusagen im Exil- auch in dem Sinn, dass wir eine Hoffnung haben, die über diese irdische Welt hinausgeht. Eine Hoffnung, die bleibt- auch wenn die beiden großen Kirchen in unserem Land an Mitgliedern verlieren und an Bedeutung. „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ So sagt es der Predigttext aus dem Hebräerbrief. Wir haben in dieser Welt keine Garantie darauf, dass alles so bleibt, wie es ist. Stattdessen sind wir unterwegs auf der Suche nach dem, was unserem Glauben Hoffnung und Zukunft gibt.

Als Christen haben wir eine Hoffnung, die über diese Welt hinausgeht. Das heißt nicht, dass es uns egal ist, wie es in dieser Welt gerade zugeht. Die christliche Hoffnung ist keine Vertröstung auf ein Jenseits, wie uns Christen immer wieder vorgeworfen wurde und wird. Ja- wir haben diese Hoffnung auf Gottes neue Welt, in der einmal alles gut werden wird. Und wir halten fest an dieser Hoffnung. Aber im Sinne Jesu Christi können wir nur dann an dieser Jenseitshoffnung festhalten, wenn wir schon im Hier und Jetzt anfangen, diese Hoffnung zu leben und in die Tat umzusetzen.

Das zeigt die Geschichte von den beiden Jüngern Jakobus und Johannes (Markus 10, 35-40). Jakobus und Johannes haben eine Jenseitshoffnung, die nicht im Sinne Jesu ist: In Gottes neuer Welt, in seiner Herrlichkeit wollen sie neben Jesus Christus sitzen. Neben seinem Thron im Himmel sollen noch einmal zwei Throne für sie stehen- einer rechts von Jesus und einer links von ihm. Eine sehr diesseitige Jenseitshoffnung ist es, die Jakobus und Johannes da haben. Da geht es um Macht und um Einfluss. An der Schaltstelle der Macht wollen diese beiden in Gottes Himmelreich sitzen- direkt neben Jesus. Aber so ist es nicht in Gottes neuer Welt. So soll es auch unter uns Christen in dieser Welt nicht sein. Sondern: „Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“ (Markus 10, 44-45)

Die beiden großen Kirchen in unserem Land verlieren an Mitgliedern und an Bedeutung. Aber ist es denn wirklich unsere Aufgabe als Kirche, hier in dieser Welt an den Schaltstellen der Macht zu sitzen, einflussreich und mächtig zu sein? Geht es nicht vielmehr darum, einen Gegenpol zu setzen gegen die weit verbreitete Meinung, dass Einfluss, Macht und Geld das Einzige ist, was im Leben zählt? Dem haben wir als Christen etwas entgegenzusetzen, auch -ja vielleicht sogar gerade- wenn unser Einfluss und unsere Macht in dieser Welt schwinden: Die christliche Überzeugung, dass jeder Mensch seine eigene Würde und seinen eigenen Wert hat. Auch die Pflegebedürftigen. Auch die Kranken und Behinderten. Als Christen sehen wir sie nicht als Kostenfaktor. Wir sehen sie als Menschen mit Würde und Wert.

„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Im Glauben leben heißt auch: sich in Bewegung setzen. Neue Wege suchen, wie wir mit den Herausforderungen unserer Zeit leben können. Und dabei nicht den Mut verlieren, sondern auf Gott vertrauen. Er ist unsere Zukunft. Auf den ersten Seiten der Bibel ist von einem Mann und einer Frau die Rede, die den Aufbruch wagen (1. Mose 12, 1-6). Abraham und Sara verlassen ihre Heimat, ihre Familie, ihre Gewohnheiten. Sie wagen den Aufbruch in die Fremde. Interessant ist dabei, dass gerade dieser Mann zum Urvater des Glaubens wird. Abraham weiß genauso wenig wie Sara, was sie erwartet. Einzig im Vertrauen auf Gott begeben sie sich auf den Weg. In ihrem Herzen die Zuversicht, dass Gott mit ihnen ist. Das reicht ihnen. Das ist ihre Hoffnung. Darauf setzen sie ihr Vertrauen. Das macht sie stark und selbstgewiss. Da ist es egal, wo und wie sie ankommen werden. Ihr Glaube, ihr Vertrauen zu Gott setzt sie in Bewegung.

Machen wir uns hoffnungsvoll auf und suchen wir nach der zukünftigen Stadt – in einer Welt, in der neue Formen des christlichen Miteinanders nötiger werden denn je. In einer Zeit, die uns vor ungeahnte Herausforderungen stellt – und die größte Herausforderung ist wohl die, dass wir die Hoffnung nicht sinken lassen. Aus der Erstarrung aufbrechen, sich für unsere Mitmenschen stark machen, Trost und Hoffnung verbreiten, sichtbar unseren Glauben leben. All das ist jetzt mehr gefragt denn je.

Unsere christliche Hoffnung trägt auch in schwierigen Zeiten. Sie ist keine Schönwetter-Hoffnung. Sie ist gegründet in Jesus Christus, der alles Elend und Leid der Welt auf sich genommen hat. Und das nicht als allmächtiger Strahlemann, der über dem allen drübersteht. Sondern als einer, der das Elend und Leid versteht, weil er es selber durchgemacht hat. Draußen vor dem Tor der Stadt hat er gelitten, hat er sein Blut vergossen am Kreuz, verachtet und verspottet. Er lässt uns nicht im Stich, egal was kommt. Zu ihm können wir kommen mit unseren Gebeten, gerade auch in schweren Zeiten. Er versteht, wie es uns geht.

Vertrauen wir einem Gott, bei dem Leid und Tod nicht das letzte Wort haben. Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene steht für den neuen Weg, der nicht stehen bleibt bei Althergebrachtem. Aus unserem Glauben an Gott sind wir aufgefordert, nach dem Guten zu streben und darin Jesus nachzufolgen. Wir können das, weil wir glauben dürfen, dass wir auf dem Weg in die zukünftige Stadt sind. Im Vertrauen auf Jesus Christus, der nicht so bleiben wollte, wie er war und der nicht alles beim Alten belassen wollte, können wir getrost in die Zukunft blicken.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

 

 

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Gedanken zum Sonntag

Lätare

Predigtgedanken aus dem Familiengottesdienst zum Abschluss von Konfi 3 am Sonntag, 15.03.2026

Liebe Mitchristen!

Heute feiern wir den Sonntag Lätare. Lätare bedeutet: Freut euch! Freude mitten in der Passionszeit, wo wir an das Leiden und Sterben von Jesus Christus denken? Manchmal liegen Freud und Leid ja nahe beieinander. Die Konfi 3-Kinder haben sich dazu gestern drei kleine Anspiele überlegt, in dem sie von eigenen leidvollen Erfahrungen erzählen, und wie man in solchen Situationen wieder zur Freude finden kann. Wirklich vielfältige Situationen habt ihr uns vorgespielt- Danke! Ja, ganz verschiedene Gründe gibt es dafür, dass wir Trost brauchen: Hinfallen und das Knie ist aufgeschürft, geärgert werden von einem anderen Kind. Beim Fußball oder beim Musizieren zu merken: Es klappt nicht so, andere machen es besser, sind größer oder geübter. Schön, dass ihr Kinder euch dazu auch überlegt habt, wie das dann wieder gut werden kann in so einer Situation, und was es dazu braucht: Ein paar aufmunternde Worte, ein Pflaster auf dem Knie- das sprichwörtliche Trostpflaster eben- eine helfende Hand. Aber das braucht es eben auch, und das habt ihr uns auch gezeigt mit euren Anspielen: Man muss sich auch mit dem Problem selbst auseinandersetzen, das jemanden traurig gemacht hat, und versuchen, es aus der Welt zu schaffen: Sich wieder vertragen, wenn man sich gestritten hat; sich entschuldigen, wenn man zu jemandem gemein war. Dann wird es wieder gut.

Dann sind wir getröstet. Und noch etwas Anderes habt ihr euch gestern bei unserem Konfi 3- Treffen überlegt: Wer tröstet euch, wenn ihr traurig seid? Ganz oft ist das eure Mutter. Schön, dass ihr eure Mütter heute auch mitgebracht habt. So wie eine Mutter ihr Kind tröstet, so will uns auch Gott trösten, wenn wir traurig sind oder verletzt oder wütend: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet,“ sagt Gott in der Bibel (Jesaja 66, 13) Aufgeschrieben hat diesen Spruch ein Mann, der in der Bibel den Namen Jesaja hat. Jesaja sitzt an einem Ort, von wo er die ganze Stadt Jerusalem überblicken kann. Jesaja erinnert sich: Früher war Jerusalem eine schöne Stadt, mit hohen Stadtmauern, großen Stadttoren und schönen Häusern. Aber dann kam der Krieg, und alles ging kaputt. Viele Menschen wurden aus der Stadt Jerusalem vertrieben. Erst nach vielen, vielen Jahren konnten sie wieder zurück. Aber in Jerusalem war nichts mehr so wie früher. Und es war schwer, die Stadt wieder aufzubauen, wenn man nichts hatte: Seht ihr die vielen Häuser, die immer noch kaputt sind, sagte Jesaja, und eine Träne rollte aus seinem Auge. „Keiner kann in ihnen wohnen. Die Dächer haben riesige Löcher, die Wände sind eingestürzt und die Türen fehlen. Ach, es ist so traurig, das alles so kaputt ist.“

Bei Jesaja sitzen viele Menschen- Männer, Frauen und Kinder. Sie hören ihm zu. Jesaja hat ihnen schon oft von Gott erzählt. Sie sind ja alle noch nicht lange wieder hier in der Stadt. Da tut es gut, so nahe beieinander zu sitzen. Denn sie haben eine schwere und gefährliche Zeit hinter sich: Sie waren getrennt voneinander, wurden von Feinden verfolgt, hatten große Angst, Hunger und Durst. Ach je! Noch einmal seufzt Jesaja tief. Dann kommt auf einmal ein Lächeln in sein Gesicht: Aber wir sind hier! Und schaut mal- dort drüben sind schon einige Häuser wieder aufgebaut. Wir haben unsere Stadt zurück! Auf einmal springt Jesaja auf und reißt die Arme in die Höhe: „Freut euch mit Jerusalem!“ ruft er. „Jubelt in der Stadt, alle die ihr sie lieb habt. Seid fröhlich mit ihr, alle, die ihr über sie traurig wart.“ (Jesaja 66, 10) Jesaja setzt sich wieder hin und sagt: Ich erzähle euch jetzt, was Gott uns versprochen hat (Jesaja 66, 11): Wie Babys, die an der Brust der Mutter saugen so sollen wir uns ab jetzt wieder in unserer Stadt fühlen: Satt, warm und sicher. Genau so hat Gott es zu mir gesagt: „Wie einen Strom leite ich den Frieden in die Stadt und den Reichtum der Völker wie einen rauschenden Bach.“ (Jesaja 66, 12) Und trösten will ich euch (Jesaja 66, 13). Trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet: Auf dem Arm tragen, auf den Knien schaukeln. Festhalten, bis es euch wieder gut geht und ihr wieder fröhlich sein könnt. Ja, trösten, wie eine Mutter tröstet, das kann Gott. Es wird uns wieder gutgehen, hier in unserer geliebten Stadt Jerusalem.

So sagt es Jesaja damals den Menschen in der zerstörten Stadt Jerusalem. Auch wenn das Leben dort wirklich traurig war, Jesaja konnte sich auf einmal freuen. Gott hat den Jesaja getröstet- wie eine Mutter, die ihr Kind tröstet. Und die Freude von Jesaja ist ansteckend. Alle haben sich auf einmal mitfreuen können- obwohl ihre Stadt immer noch kaputt war, und es noch ganz lange gedauert hat, bis alles wieder ganz war. Aber die Menschen wussten: Gott ist da. Gottes Liebe strömt in unser Herz, wie das Wasser von einem Bach. Wir sind nicht mehr allein. Gott ist bei uns. Darauf können wir uns verlassen- auch heute: Jesus ist bei uns. Bevor er am Kreuz gestorben ist, hat Jesus seine Jünger getröstet und hat ihnen das Abendmahl geschenkt. Immer, wenn wir Abendmahl feiern, denken wir daran und wissen: Jesus ist für uns da.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

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Gedanken zum Sonntag

Evang. Fastenaktion

Predigt vom Sonntag, 1. März 2026 zur evang. Fastenaktion „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“

Liebe Mitchristen!

„Liebe ist alles.“ So heißt es in einem Lied der Band Rosenstolz. Und doch gibt es Streit- diese Härte, diese Unerbittlichkeit. Ein Streitgespräch, und keine Versöhnung in Sicht. Ja, so unversöhnlich ist unsere Welt geworden, dass oft nicht einmal mehr Streitgespräche geführt werden, sondern nur eisiges Schweigen herrscht. Ja, so unversöhnlich ist unsere Welt geworden, dass oft nicht einmal mehr Streitgespräche geführt werden, sondern nur eisiges Schweigen herrscht. So unversöhnlich, dass der Diplomatie nichts mehr zugetraut wird, sondern nur noch die Waffen sprechen. Schon wieder gibt es einen neuen Krieg in der Welt: Angriff auf den Iran. Und die iranischen Gegenschläge lassen in dieser Logik des Krieges natürlich auch nicht auf sich warten. Die Verhandlungen, die vorher geführt wurden, erscheinen da einmal mehr wie eine Farce.

Wir als Christen sind gerade in der Fastenzeit, dieses Mal zeitgleich mit unseren muslimischen Mitmenschen, die gerade Ramadan haben. „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“ Das ist das Motto der diesjährigen Fastenaktion der evangelischen Kirche. Ein Motto, das irgendwie aus der Zeit gefallen erscheint: Ohne Härte, mit Gefühl, Mitgefühl? Wie passt das in unsere Zeit, in der die Waffenindustrie boomt und Aufrüstung und militärische Härte als unumgänglich angesehen werden? Wie passt das in unsere Zei, wo jeder in seiner eigenen Blase, in seinem Elfenbeinturm lebt, und das Verständnis für anders Denkende und anders Lebende immer geringer wird? Wie passt das in unsere Zeit, in der rechte Parolen und Parteien wieder salonfähig geworden sind?

Der hannoversche Landesbischof und Botschafter der evangelischen Fastenaktion „Sieben Wochen ohne“ meint dazu: „Die Fastenzeit ist eine Unterbrechung des Gewohnten. Sie öffnet neue Türen.“ Türen zu uns selbst, zu unseren eigenen Gefühlen: Freude und Trauer, Wut, Angst und Ekel. Jeder Mensch hat diese Gefühle. So hat Gott uns geschaffen. Wie geht es mir mit meinen Gefühlen? Kann ich sie spüren? Oder sind sie auf stumm geschaltet- weil sie mir aberzogen wurden, weil sie unerwünscht sind oder peinlich? Ja, Gefühle wie Wut oder Angst möchten wir lieber vor anderen nicht zeigen, oft nicht einmal vor uns selbst. Aber das Problem daran ist: Unsere Gefühle lassen sich nur insgesamt auf stumm schalten, nicht jeweils einzeln. Wir können nicht die Wut und die Angst, die tief in uns drinstecken, auf stumm schalten, aber bei der Freude drehen wir den Lautstärkeregler hoch. So funktioniert unsere Seele nicht. Denn Gott hat uns alle unsere Gefühle geschenkt, damit wir sie wahrnehmen und auf sie achten.

So wollen wir mit Gefühl durch diese Fastenzeit gehen- mit der Achtsamkeit für das, was unsere Gefühle uns sagen wollen. Mit Gefühl- das kann man in zwei Worten schreiben oder nur in einem Wort: Mitgefühl heißt das Wort dann. Mit Gefühl oder Mitgefühl- beides gehört zusammen. Denn nur wenn ich auf meine eigenen Gefühle achte, kann ich auch mit anderen Menschen mitfühlen: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Lukas 10,27) So hat es Jesus dem Schriftgelehrten ans Herz gelegt, der ihm gefragt hat, wie er in den Himmel kommen kann. Mitgefühl ist da gefragt: Mit dem anderen mitfühlen. Aber mit wem denn genau? Es gibt so viele Menschen auf der Welt. Da kann ich nicht mit allen mitfühlen. Das würde mich überfordern; kein Mensch kann das schaffen bei all dem Leid und Elend auf dieser Welt.

Aber treten wir deswegen nicht in die Falle, unser Mitgefühl komplett auf stumm zu stellen. Lassen wir uns nicht verhärten, damit die Welt nicht noch härter wird. Es stimmt eben nicht, dass wenn jeder sich selbst der Nächste ist, auch an jeden gedacht ist. Jeder von uns wird in seinem Leben irgendwann einmal eine Situation erlebt haben oder erleben, wo er darauf angewiesen ist, dass andere mitfühlen mit ihm. Diese Woche hat mir jemand erzählt von einem Jungen hier in Wehingen, der schwer mit dem Fahrrad gestürzt ist, mit Knochenbrüchen. Da liegt dieser Junge auf der Straße und erlebt, wie mehrere Autos an ihm vorbeifahren, ohne anzuhalten- bis endlich jemand kommt und den Krankenwagen ruft. Ja, wir brauchen das alle, dass wir uns gegenseitig Mitgefühl entgegenbringen, denn wir alle sind in unserem Leben immer wieder darauf angewiesen, dass andere das auch für uns tun.

Die Geschichte, die Jesus dem Schriftgelehrten erzählt, geht ganz ähnlich (Lukas 10,30-35). Da liegt einer am Straßenrand von der Landstraße von Jerusalem nach Jericho- nackt, verletzt und hilflos. Er hat die volle Brutalität und Härte erlebt, die Menschen sich antun können: Einen Raubüberfall, bei dem er brutal zusammengeschlagen wurde. Ob er überlebt oder nicht, das ist seinen Peinigern egal gewesen. Und auch zwei weiteren Personen war es egal, die da ihres Weges zogen: Ein Priester und ein Tempeldiener- scheinbar fromm, aber ohne Mitgefühl. Sie sagen sich knallhart: Der Gottesdienst im Tempel hat Vorrang. Wir können hier keinen Zwischenstopp einlegen.

Dann kommt ein anderer, Dritter vorbei. Der ist anders als die anderen. Der ist nicht von hier. Der ist aus Samaria und hat einen anderen Glauben. Dieser Samariter hilft. Er übernimmt die Erstversorgung der Wunden des Verletzten. Mit seinem Reittier übernimmt er auch den Krankentransport und sogar die Kosten für die Krankenpflege in der nächsten Herberge, wo er den Verwundeten hinbringt. Solche barmherzigen Samariter gibt es viele, auch in unserem Land. Sie kommen aus Syrien und Afghanistan, aus Osteuropa, dem Iran und vielen anderen Ländern. Viele von ihnen haben einen anderen Glauben. Aber sie leben das, was Jesus wollte: Sie sind da für die Hilflosen und Kranken- in unseren Pflegeheimen, Krankenhäusern und Arztpraxen. Was wären wir ohne sie? Sehen wir sie? Nehmen wir sie wahr, fühlen wir mit ihnen? Sind wir dankbar dafür, dass wir sie in unserem Land haben, damit die Versorgung unserer älter werdenden Gesellschaft gewährleistet bleibt?

„Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte.“ Neulich habe ich in einem christlichen Gesprächskreis über dieses Thema gesprochen. Ein Mann in diesem Gesprächskreis hat erzählt, das ihm dieses Thema aus dem Herzen spricht. Beruflich kommt er in viele Firmen in der Region- und immer, immer wieder hört er dort fremdenfeindliche Parolen, die ihm ganz zuwider sind und seinem christlichen Menschenbild widersprechen. Für Diskussionen ist in seinem beruflichen Rahmen da weder Raum noch Zeit. Ja, auch in anderem Rahmen sind solche Diskussionen in der Regel sehr schwierig oder gar nicht möglich. Mit Gefühl: Dieser Mann konnte in der vertrauten Gruppe über seine Gefühle sprechen und hat dort Mitgefühl und Verständnis erfahren. Und doch wird ihm diese Härte wohl weiterhin entgegenschlagen in seinem beruflichen Alltag.

Sich selbst trotzdem nicht verhärten zu lassen, auch wenn uns Härte entgegenschlägt- wie kann das gelingen?  Wie ist das- auch in anderen Situationen, wenn man im Streit auseinandergeht, und kein Weg der Versöhnung in Sicht ist? Eine Teilnehmerin der Gesprächsgruppe sagte: „Ich bete für diese Menschen, mit denen ich nicht kann. Ich bitte Gott darum, dass er sie segnet.“ Das hat mich beeindruckt. Wichtig finde ich: Meine Gefühle darf ich zu Gott bringen- alle. Egal ob ich sie selbst als gut oder schlecht einschätze. Meine Wut darf ich genauso zu Gott bringen wie die Angst und den Ekel; meine Trauer genauso wie die Freude. Und genauso darf ich den anderen Menschen, meinen Nächsten, Gott anvertrauen- mit allem, was ich über ihn denke und fühle. Und ich darf mich darauf verlassen: Gott kennt diesen Menschen besser als ich. Ich lege ihn in Gottes Hand. Gott wird es schon richten. Auf ihn will ich vertrauen. So sagt es auch Jesus in seinem Gespräch mit dem Schriftgelehrten. Als erstes legt er diesem Mann und uns allen ans Herz: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ (Lukas 10, 27) Ja, wenn ich Gott die Ehre gebe und alle meine Gefühle zu ihm bringe, dann kann auch das Zweite gelingen, das Jesus sagt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

 

 

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Gedanken zum Sonntag

Invocavit

Predigt zum Familiengottesdienst mit dem Evang. Johannes-Kindergarten am 22. Februar 2026

Liebe Kinder, liebe Erwachsene!

Vielen Dank für Eure Geschichte (Jona 1-3). Wir haben gehört von Petula, dem Wal und Jona, dem Propheten. Jona ist weggelaufen. Schnell weg wollte er, mit dem Schiff übers Meer. Innerlich war er ganz aufgewühlt. Denn Jona hatte eine große Aufgabe vor sich. Damals gab es nämlich ein anderes Volk, das das Volk Israel bedrohte, zu dem Jona gehörte. Das war das Volk der Assyrer. Die Assyrer hatten Waffen und viele, viele Soldaten. Ihr König herrschte in der großen und mächtigen Stadt Ninive. Jona zitterte vor Angst, wenn er an die Assyrer dachte, und alle anderen von seinem Volk Israel zitterten auch. Sie dachten: „Hoffentlich kommen die Soldaten aus Ninive nicht zu uns und nehmen unser Land ein.“ Und sie erzählten sich schlimme Geschichten, wie grausam und gottlos die Menschen in der Stadt Ninive sind. Aber Gott hat alle Menschen lieb und will, dass sie gerettet werden. Dazu braucht Gott Menschen, die den anderen von Gott erzählen. Früher, in der Bibel, hat man diese Menschen Propheten genannt.

Jona war so ein Prophet. Er hatte den Menschen schon viel von Gott erzählt- aber immer nur den Menschen aus seinem Volk, den Menschen aus Israel. Aber jetzt hatte Gott einen neuen Auftrag für Jona. Gott hat zu Jona gesagt: „Jona, mache dich auf den Weg! Verlasse dein Land und gehe in die Stadt Ninive! Warne die Menschen dort! Denn sie richten großes Unheil an.“ Jona bekam einen Riesenschreck: „Nach Ninive?“ sagte er sich „Nein, da gehe ich nicht hin, auf gar keinen Fall! Da wohnen doch meine Feinde! Sollen die Menschen dort machen, was sie wollen! Das geht mich doch nichts an. Und außerdem ist es viel zu gefährlich!“ Jona hat Angst. Jona ist sauer auf Gott. Wieso schickt in Gott nach Ninive, wo die bösen Menschen wohnen und die vielen gefährlichen Soldaten? Jona kann es nicht ertragen, diese Aufgabe, die ihm gestellt ist. Das schaffe ich nie, das wächst mir über den Kopf, das will ich einfach nicht wahrhaben. Also laufe ich weg. So macht es Jona. Ganz aufgewühlt steigt er auf ein Schiff und fährt übers Meer.

Manchmal geht es uns ja auch so, wenn uns etwas Angst macht. Dann laufen wir einfach weg. Und man muss es heute nicht einmal mehr so machen wie Jona, dass man wirklich ein Schiff oder ein Flugzeug besteigt und auswandert in ein fernes Land. Man kann sich auch in die Videospiele auf der Spielkonsole oder am Handy flüchten. Fliehen aus der Realität in eine andere Welt. Aber die Angst geht davon nicht weg. Die Probleme verschwinden dabei nicht. Das war auch beim Propheten Jona so. Innerlich ganz aufgewühlt steigt er auf das Schiff, das ihn in ein fernes Land bringen soll- weit weg von Gottes Auftrag, genau in die entgegengesetzte Richtung wie die Stadt Ninive liegt, in die er eigentlich verreisen sollte. Dort im Schiff legte er sich schlafen und träumte wilde Träume.

Aber Jonas Schiffsreise geht gründlich schief. So aufgewühlt, wie Jona innerlich ist, so aufgewühlt ist es auf einmal auch um ihn herum. Jona wird wachgerüttelt. Der Kapitän vom Schiff steht neben ihm. Alles um ihn herum schwankt und dreht sich und es ist ein Riesenlärm. Jona merkt: Das hier ist kein Alptraum mehr. Das ist die Wirklichkeit. Hier auf dem Schiff sind wir in einen furchtbaren Sturm gekommen. Unser Schiff bricht schon beinahe auseinander. Bald werden wir untergehen. Der Kapitän sagt zu Jona: „Jetzt hilft nur noch beten. Auf, Jona, steh auf und bete mit uns!“ Aber Jona denkt: O je! Ich bin doch weggelaufen vor dem Auftrag, den Gott mir gegeben hat. Wie kann ich jetzt zu Gott beten? Jona merkt: Vor Gott kann ich nicht weglaufen, und auch nicht vor meinen Problemen. Aber der Sturm wird immer schlimmer. Die Matrosen haben schon alles ins Meer geworfen, was auf dem Schiff war, damit es nicht auseinanderbricht und untergeht. Aber immer noch ist das Schiff zu schwer. Da werfen die Matrosen das Los: „Einer von uns muss jetzt ins Meer. Sonst schaffen wir es nicht,“ sagen sie.

Das Los fällt auf Jona. „Bist du schuld an dem Sturm?“ fragen die Matrosen Jona. „Ja“, sagt Jona, und erzählt ihnen, wie er vor Gott weggelaufen ist. Die Matrosen wollen Jona nicht ins Meer werfen. Noch lange kämpfen sie gegen die Wellen. Aber schließlich geht es nicht mehr anders. Sie werfen Jona ins Wasser. Sofort hört der Sturm auf. Das Schiff ist gerettet. Und Jona? Eigentlich müsste er jetzt im Meer ertrinken. Aber Gott hat alle Menschen lieb, auch den Jona, obwohl der vor ihm weglaufen wollte und nicht machen wollte, was Gott gesagt hat. Also schickt Gott den Wal, um Jona zu retten. Petula heißt der Wal, so haben wir es vom Kindergarten gehört. Der Wal verschluckt Jona. Und dort, im dunklen Bauch von Petula, dem Wal, kann Jona überleben.

Eine ganz unglaubliche Geschichte ist das. Ja, liebe Gemeinde, liebe Kinder und Erwachsene: Gott kennt Wege, wo wir keine mehr wissen. Der Bauch von Petula, dem Wal war wie ein Grab für Jona. Wie sollte er da noch lebend rauskommen? Aber Jona bekommt von Gott einen Neuanfang geschenkt. Petula, der Wal, schwimmt mit Jona im Bauch durch das Meer. Und Petula der Wal schwimmt in die andere Richtung wie das Schiff, mit dem Jona unterwegs war. Gott zeigt dem Wal die Richtung. Gott lässt Petula ganz in die Nähe von der großen, bösen Stadt Ninive schwimmen. Dort schwimmt Petula ganz nah an die Küste heran und spuckt den Propheten Jona aus.

Jona reibt sich die Augen: Hurra, er lebt! Er bekommt wieder festen Boden unter den Füßen. Er sieht wieder die Sonne. Drei ganze Tage war er im dunklen Walfischbauch. Das, was er erlebt hat in diesen drei Tagen, das hat ihn verändert. Jetzt kann Jona klar sehen. Er sieht seine Aufgabe: Die Aufgabe, nach Ninive zu gehen und die Menschen dort aus ihrer Scheinwelt zu holen und ihnen die harte Wahrheit vor Augen zu führen. Die Krise als Chance begreifen, das ist ja ein Thema auch in unserer Zeit, in der Manches erschüttert wird, was uns bisher selbstverständlich erschienen ist. Manche Aufgabe, die uns gestellt ist, scheint uns schwer in diesen Zeiten. Jona stellt sich seiner schweren Aufgabe. Er nimmt sie an und führt sie aus, im Rahmen seiner Möglichkeiten. Er hat es geschafft. Und wirklich: Die Menschen in Ninive hören, was Jona ihnen sagt. Sie merken: So, wie wir bisher gelebt haben, geht es nicht weiter. Das war böse. Das war falsch. Wir wollen unser Leben ändern. So hat Gott nicht nur den Propheten Jona gerettet, sondern auch die Menschen in Ninive.

Und das alles war nur möglich, weil Gott Petula den Wal zu Jona geschickt hat. Der Wal hat Jona vor dem Ertrinken gerettet und hat ihn an den Ort gebracht, wo er vielen Menschen helfen konnte, das sie zu Gott finden. Ja, Gott hat viele Möglichkeiten, um uns allen zu zeigen: Gott hat uns lieb.

Amen.

 

 

 

 

 

 

 

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Gedanken zum Sonntag

Sexagesimä

Predigt zum Sonntag Sexagesimä, 8. Februar 2026

Liebe Mitchristen!

Essen Sie gerne Süßes? Schokolade zum Beispiel, die so lecker auf der Zunge zerschmilzt. Oder die leckeren Fasnetsküchle und Berliner, die es um diese Jahreszeit gibt. Ja, in der Fasnet gibt es viel Süßes und Kalorienreiches. Der Grund dafür war ursprünglich, dass die Vorräte an diesen Lebensmitteln noch aufgebraucht werden sollten, bevor dann am Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt, in der man auf solch kalorienreiche Lebensmittel verzichtet hat. Süßes, Kalorienreiches und auch Hochprozentiges wird bei uns konsumiert in den närrischen Tagen. Die Welt steht kopf in dieser 5. Jahreszeit: Nicht wer klug und weise gehandelt hat im vergangenen Jahr bekommt da einen Orden verliehen, sondern der, der der größte Narr war.

In der Bibel lesen wir an manchen Stellen auch von Menschen, die sich närrisch verhalten haben- allerdings mit sehr ernstem Hintergrund. Der Prophet Hesekiel oder Ezechiel war einer von ihnen. Offensichtlich mochte der auch Süßes. Süßes- das war in der Zeit der Bibel der Honig. Zucker und Schokolade waren damals noch nicht bekannt. Lecker, denkt der Prophet Ezechiel. Das, was ich gerade in den Mund stecke, das schmeckt süß wie Honig! Ezechiel leckt sich die Lippen und beißt noch einmal ein Stück ab von dieser Leckerei. Aber was ist es, das der Prophet da isst? Ich stelle es mir eigentlich ziemlich trocken und zäh vor, was er sich da in den Mund schiebt: Ein Buch ist es, mit dem Ezechiel seinen Magen füllt; eine Schriftrolle, die hinten und vorne beschrieben ist mit lauter Wehklagen (Ezechiel 2,8-3,3).

Wer war dieser Prophet Ezechiel? Ezechiel war in der Verbannung. Er war ein Priester aus der Oberschicht von Israel. Diese Oberschicht hatte man damals ins ferne und feindliche Babylon verschleppt. Der Krieg mit seinen Toten; der lange und qualvolle Weg von Israel nach Babylon, die die feindlichen Soldaten ihnen aufgezwungen hatten- all diese Bilder des Schreckens sieht Ezechiel vor sich, wenn er die Augen schließt; dort in Babylon in der Fremde, wenn er dort am Fluss sitzt und über das Schicksal seines Volkes nachdenkt: Hatte Gott sie verlassen? Sicherlich war es auch ihre eigene Schuld, dass sie in diese Situation geraten waren, da war sich Ezechiel sicher. Ja, sie hatten Fehler gemacht. Sie hatten sich von Gott abgewandt und auf ihre eigene Stärke vertraut; auf die Stärke ihrer Waffen. Jetzt hatte Gott ihnen einen Denkzettel verpasst. Aber wie sollte es jetzt weitergehen?

Ezechiel schließt wieder die Augen. Aber statt der Bilder von Krieg, Zerstörung und Vertreibung hat er auf einmal ein anderes Bild vor Augen (Ezechiel 1): Er sieht den Thron Gottes in seiner ganzen Herrlichkeit. Engel fliegen auf und ab, und riesige, leuchtende Räder machen den Thron beweglich. Ezechiel versteht: Gottes Thron steht nicht nur in Jerusalem im Tempel, der jetzt so fern und unerreichbar ist. Gottes Thron kann überall sein. Ja, Gott ist da- hier und jetzt. Er ist bei mir, auch in der Fremde, auch in der Verbannung. Ezechiel schaut noch einmal auf. Jetzt sieht er noch mehr: Gott sitzt auf dem Thron. Seine Gestalt reicht bis zum Himmel, blendend hell wie die Sonne. Ezechiel fällt zu Boden, denn das, was er gesehen hat, ist zu viel für einen Menschen.

Da hört er Gottes Stimme: „Du Menschenkind, stelle dich auf deine Füße, so will ich mit dir reden.“ (Ezechiel 2,1) Aber Ezechiel schafft es nicht, alleine aufzustehen. Gottes Geist hilft ihm auf (Ezechiel 2,2). Was er jetzt sieht, ist etwas anderes: Eine Schriftrolle. Diese Schriftrolle ist mehr als nur eine Vision. Ezechiel kann sie nicht nur sehen; er kann sie auch anfassen, fühlen und schmecken. Zuerst liest Ezechiel, was auf dieser Schriftrolle vorne und hinten geschrieben steht. Es sind lauter Wehklagen. Als Ezechiel das liest, wird sein Herz schwer. Denn er weiß, was das zu bedeuten hat: Es werden noch weitere harte Zeiten kommen für sein Volk. Die Verbannung nach Babylon ist noch lange nicht zu Ende. Wie soll er das seinem Volk bloß sagen? Wie soll er ihnen sagen, was er verstanden hat und was Gott ihm aufgetragen hat: Wir sind nicht schuldlos in diese Lage gekommen. Wir müssen bei uns anfangen, wenn es darum geht, die Fehler zu suchen. Es sind nie nur „die anderen“. Welchen Anteil haben wir selbst an dem, was uns widerfahren ist?

Es tut weh, so zu fragen, damals wie heute. So zu fragen, das bedeutet, die Komfortzone zu verlassen, die eigenen Fehler einzugestehen und bereit zu sein, das eigene Leben zu ändern. Auch heute regen sich wieder Geister, die die schmerzhaften Lehren der Vergangenheit in Frage stellen. Wohin wird uns das bringen, wenn Unterschiede gemacht werden zwischen Menschen; wenn die Menschenwürde und die Menschenrechte nicht mehr für alle gleich gelten. Aus Amerika erreichen uns verstörende Bilder von Menschen, die niedergeschossen wurden, weil sie sich für Migranten eingesetzt haben. Aber wie sieht es bei uns aus? Wie gehen wir mit Menschen anderer Herkunft um? Und wohin wird uns das bringen, dass der letzte Atomwaffenvertrag nun ausgelaufen ist und Waffen wieder mehr zugetraut wird als Verhandlungen? Ezechiel hat es in seiner Zeit gespürt, wie der Wind sich drehte, wie die Widerstände mächtiger wurden und der Großmut sich erhob. Hatten sie denn nichts gelernt? Wie konnte das sein: Die Falken griffen erneut nach dem Ruder und verbreiteten einfache Antworten, ohne auf die mahnenden Worte des Propheten zu hören.

Ezechiel wird es ganz flau im Magen. Seine Kräfte schwinden. Wie soll er Gottes Botschaft unter die Leute bringen? Ja, wenn es wenigstens eine hoffnungsvolle Botschaft wäre. Aber seine Botschaft ist hart: Ändert euer Leben, sonst wird es noch schlimmer kommen! So lautet die Botschaft. Wer will eine solche Botschaft hören, damals wie heute? Wer von uns würde auf Wohlstand und die damit verbundenen Annehmlichkeiten verzichten, um die Klimaerwärmung aufzuhalten? Wer will sich für Frieden und Verständigung einsetzen in einer Zeit, wo scheinbar nur die Sprache der Waffen verstanden wird? Wer will sich einsetzen für Menschlichkeit gegenüber den Flüchtlingen aus dem globalen Süden und nicht nur für undurchlässige Grenzen in Europa?

Da schwinden die Kräfte, auch bei uns. Vielleicht braucht es das einfach mal was Süßes, Kalorienreiches, das uns wieder neue Energie gibt. Vielleicht braucht es da eine Zeit wie die Fasnet, wo die Welt kopf steht und man auch das ausspricht, was man sonst eher für sich behält. Kinder und Narren sprechen ja bekanntlich die Wahrheit. Vielleicht braucht es eine solch andere, nicht alltägliche Zeit, um sich dann Zeit zu nehmen, die alten und eingefahrenen Wege noch einmal zu überdenken: Nach der Fasnet kommt die Fastenzeit, die Zeit der Umkehr und Neubesinnung. Werden wir diese Zeit nutzen und uns neu besinnen auf das, was wirklich zählt- Mitmenschlichkeit, Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung? Oder werden die Worte, die zur Umkehr rufen, an uns abprallen? Sind auch wir ein Haus des Widerspruchs, Menschen mit harten Köpfen und verstockten Herzen, so wie damals die Zeitgenossen des Propheten Ezechiel (Ezechiel 2,3-5)?

Gottes Wort ergeht auch an uns. Ob wir es annehmen, ist unsere Entscheidung. Auch der Prophet Ezechiel wusste: Die Menschen werden das nicht hören wollen, wenn er zur Umkehr aufruft. Frustrierend, das von vornherein zu ahnen oder gar zu wissen. Ezechiel wird es ganz flau im Magen. Seine Kräfte schwinden. Aber Gott lässt ihn nicht im Stich; Gott bittet ihn zu Tisch und gibt ihm zu Essen. Gott speist Ezechiel mit seinem Wort. Aber Ezechiel lässt sich ein auf diese Speise. Und er merkt: Das schmeckt ja- süß wie Honig. Nun denke ich nicht, dass das Wort Gottes dem Propheten Ezechiel auf der Zunge zerschmolzen ist wie Schokolade. Die Schriftrolle, die er gegessen hat, war sicherlich eher trocken oder zäh. Da musste er sicherlich lange daran kauen, wie an einem trockenen, harten Stück Brot. Wenn man Brot sehr, sehr lange kaut, dann schmeckt es süß. Man muss dazu gar keinen Honig auf das Brot streichen. Die Süße kommt von selber. So ist es auch mit dem Wort Gottes. Es ist nicht immer leicht verdaulich. Es geht nicht immer runter wie Öl. An manchen Worten habe ich lange zu kauen. Nehmen wir uns diese Zeit. Lassen wir uns ein auf Gottes Wort. Und auch wenn wir manches nicht verstehen: Gott meint es gut mit uns.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

 

 

 

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Gedanken zum Sonntag

3. Sonntag nach Epiphanias

Predigt zur Einführung des neuen Kirchengemeinderats am 25. Januar 2026

Liebe Gemeinde!

„Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge.“ So schreibt der Schweizer Pfarrer und Lyriker Kurt Marti in einem Gedicht.

Ja- wo kämen wir hin? Und wem könnten wir dort begegnen? Welche Menschen kämen in unser Blickfeld? Womöglich wären es Menschen, bei denen wir noch gar nicht auf die Idee kamen, dass sie in Gottes Blickfeld sind. Welche spannenden und überraschenden Erfahrungen könnten wir machen, miteinander und mit Gott? Und wo wären wir eigentlich hingekommen, wenn Gott so an sich selbst genug hätte? Gott hat sich nicht zu seinesgleichen gesellt, sondern zu uns. Wir haben es mit einem Gott zu tun, der sich zu uns auf den Weg gemacht hat. Er, der keiner von uns ist, wird in Jesus Christus einer von uns.

Das alles hatte auch der Apostel Petrus schon oft gepredigt. Er hatte von Jesus erzählt. Was Jesus gesagt hat, wie er gelebt hat und wofür er eingetreten ist mit seinem Leben und mit seinem Sterben. Und doch fiel es Petrus schwer, sich selbst auf den Weg zu machen an diesem Tag, als er zu einem römischen Hauptmann gerufen wurde, denn zu einem Römer ging ein frommer Jude wie er eigentlich nicht. Diese Geschichte von der Bekehrung des römischen Hauptmanns Kornelius, bei der auch Petrus eine Kehrtwende von seinen bisherigen Ansichten macht, lesen wir in der Bibel in Apostelgeschichte 10. Damit Petrus zu diesem ungewöhnlichen, ja nach damaligem Verständnis unerhörten Gang zum Hauptmann Kornelius bereit ist, muss er erstmal runterkommen. Petrus kommt runter vom Obergeschoss seines Hauses, wo er eine Vision hatte. Dieser kräftige Wink des Himmels hat ihm seinen bisherigen Standpunkt eindrücklich zerpflückt. Und so kommt Petrus auch runter vom hohen Ross, dass er meint, vor Gott etwas Besseres zu sein als dieser römische Hauptmann. Ja, Petrus kommt runter und schafft es so, dass er Kornelius auf Augenhöhe begegnet: Er hört zu, fragt nach, versucht zu verstehen. Er kommt nicht mit fertigen Antworten und Glaubenssätzen. Er kommt mit Offenheit. Und er lässt sich überraschen, wo das noch hinführt. Das beeindruckt mich.

Denn Petrus hätte es ja auch anders machen können. Er hätte zu den Boten, die Kornelius zu ihm geschickt hatte, ja auch sagen können: „Na gut, dann geht heim, holt euren Hauptmann, bringt ihn her. Er soll sich auf den Weg zu mir machen. Ich werde ihn in meiner Welt willkommen heißen.“ Aber so funktioniert das nicht, das hat Petrus verstanden: Nicht der andere muss zu ihm kommen. Er selbst muss sich auf den Weg machen. So besucht Petrus den anderen in dessen Welt. Genau so kann Petrus die Botschaft von Jesus Christus rüberbringen. Indem er sich auf den Weg macht, kann er zu Gott einladen, der sich zu uns allen auf den Weg gemacht hat.

Wenn ich den Spuren Jesu folge, führen mich seine Spuren nicht aus der Welt hinaus, sondern in die Welt hinein. Wir haben dieser Welt das Evangelium zu verkündigen. Als Christinnen und Christen können und sollen wir hineinwirken in diese Gesellschaft; mit helfenden Händen und klaren Worten. Das ist unsere Aufgabe- miteinander zu bauen am Reich Gottes. Auch mal ungewöhnliche Wege zu gehen. Nicht immer nur erwarten, dass die Leute zu uns kommen, sondern selber hingehen zu den Leuten. Offen sein für das Wirken des Heiligen Geistes- auch an ungewöhnlichen Orten. Auch bei den Menschen, die wir mit Glauben und Kirche gar nicht in Verbindung gebracht hätten.

Das alles ist eine Aufgabe, die nicht im Alleingang funktioniert. Auch Petrus geht nicht allein zum Hauptmann Kornelius. Einige Gemeindeglieder gehen mit ihm. Immer wieder steht die christliche Kirche vor Herausforderungen. Damals bei Petrus und Kornelius war es die Frage, ob sich die christliche Gemeinde auch für Heiden öffnen sollte oder auf Menschen aus der jüdischen Religion beschränkt bleiben sollte. Heute stehen wir vor anderen Herausforderungen. Unsere Gemeinden werden kleiner. Wie können wir trotzdem fröhlich, liebevoll und kreativ die frohe Botschaft weitertragen und Menschen für das Evangelium von Jesus Christus begeistern? Welche strukturellen Veränderungen braucht es dafür? Welche neuen Wege lohnt es sich zu beschreiten; von welchen alten und liebgewordenen müssen wir uns vielleicht verabschieden?

Petrus war nicht allein unterwegs auf seinem neuen und für die damalige Zeit unerhörten Weg zum römischen Hauptmann Kornelius. Gut, dass wir auch nicht allein unterwegs sind hier in der Gemeinde. Gut, dass wir wieder ein neu gewähltes Leitungsgremium haben- acht Frauen und Männer, die sich in den Kirchengemeinderat haben wählen lassen. Wir wissen es heute noch nicht, welche neuen, ja vielleicht unerhörten Wege wir in den kommenden sechs Jahren miteinander gehen werden in unserer Gemeinde in diesen bewegten Zeiten. Aber wir können uns darauf verlassen: Gott geht mit. Sein Heiliger Geist begleitet uns.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer