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Gedanken zum Sonntag

14. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zum 14. Sonntag nach Trinitatis, 6. 9. 2026

Liebe Mitchristen!

In unserem heutigen Predigttext (Lukas 19, 1-10) spielt ein Maulbeerbaum eine wichtige Rolle. In Israel zur Zeit Jesu war dieser Baum weit verbreitet- in vergangenen Jahrhunderten aber auch bei uns in Deutschland. In meinem Urlaub in Mecklenburg bin ich daran erinnert worden. Dort habe ich einen Maulbeerbaum gesehen. Er stand in einem Kirchhof: Alt, knorrig und wohl auch ein bisschen morsch. Ein Schild stand neben dem Baum, das auf seine besondere Geschichte hinwies: Im 19. Jahrhundert wurde er gepflanzt, aus wirtschaftlichen Gründen. Seide war damals wichtig. Man hoffte, sie nicht mehr aus China importieren zu müssen. Man hoffte, in Deutschland eine eigene Seidenproduktion aufbauen zu können. Viele Maulbeerbäume wurden deswegen damals in Deutschland gepflanzt- an öffentlichen Plätzen und in Kirchhöfen. Denn Seidenraupen fressen Maulbeerbaumblätter. Einige wenige dieser Maulbeerbäume stehen noch heute- so wie der, den ich in meinem Urlaub in Mecklenburg gesehen habe. Mit den Seidenraupen hat es allerdings nicht so geklappt an den deutschen Maulbeerbäumen. Die Hoffnung, in der Seidenproduktion von China unabhängig zu werden, hat sich nicht erfüllt. Die Seide musste weiter gegen teures Geld und hohe Zölle aus China eingeführt werden.

Hohe Zölle und der verzweifelte Versuch, dagegen anzukommen- das kennen wir auch aus unserer Zeit. Hohe Zölle machen den Menschen das Leben schwer. Alles wird teurer. Handelswege sind blockiert. Kann ein Maulbeerbaum dagegen helfen? In unserem heutigen Predigttext war der Maulbeerbaum tatsächlich hilfreich. Aber nicht weil Seidenraupen auf ihm saßen, mit denen man zollfrei Seide hätte produzieren können. Nein, der Zöllner selbst saß da auf dem Maulbeerbaum- sogar der Oberste von den Zöllnern. Zachäus war sein Name.

Was für eine verrückte Geschichte: Der Oberzöllner Zachäus sitzt auf einem Maulbeerbaum. Dabei sollte er doch eigentlich am Stadttor von Jericho an seiner Zollstation sitzen und dort Zoll kassieren für die kostbaren Seidenstoffe, die die Händler auf dem Markt verkaufen wollen. Und die Bürger von Jericho wissen: Wenn der Oberzöllner Zachäus dort an der Zollstation sitzt, dann ziehen die Preise an bei allem, was die Händler auf dem Markt verkaufen. Denn Zachäus schlägt noch mal kräftig drauf auf die Zölle, die die römische Besatzungsmacht verlangt. Zachäus arbeitet nicht nur für die verhassten Römer. Er wirtschaftet auch in die eigene Tasche.

Zollpolitik, die die Menschen in wirtschaftliche Bedrängnis bringt- und einer, der die Macht hat, wirtschaftet dabei in die eigene Tasche. Das müssen wir auch heute erleben, in viel größerem Stil in der internationalen Politik. Und so einer ist auch dieser Zachäus, von dem unser Predigttext erzählt. Bis zum Oberzöllner hat er es schon gebracht mit seiner schmutzigen Masche. Die römische Besatzungsmacht hat ihn darin unterstützt, indem sie ihn vom Zöllner zum Oberzöllner befördert hat. „Weiter so“ ist also die Devise. Und reich ist er natürlich auch geworden dabei. Zachäus kann sich ganz sicher eine luxuriöse Villa leisten mit seinem schmutzigen Geld. Aber in dieser luxuriösen Villa ist er allein. Von seinen Landsleuten wird Zachäus geächtet wegen seiner Kollaboration mit den Römern und seinen schmutzigen Machenschaften. Und Zachäus hat noch ein anderes Problem: Er ist kleinwüchsig. Schon allein wegen seines Aussehens wird er oft verspottet.

Aber dann ist Jesus in der Stadt, von dem Zachäus an seiner Zollstation schon viel gehört hat. Als er dort die Gespräche belauscht hat, wie die Leute über Jesus redeten, da hat er gemerkt: Es gibt Dinge, die lassen sich nicht mit Geld erkaufen. Die härteste Zollpolitik und die luxuriöseste Villa, die ich mir von diesem schmutzigen Geld gekauft habe- das alles ist nichts gegen das, was die Menschen haben, die Jesus begegnet sind: Ihre Augen strahlen, wenn sie von Jesus erzählen: „Er hat mir geholfen.“ „Seit er mit mir geredet hat, habe ich wieder neue Hoffnung und kann froh und glücklich sein.“ „Kranke macht er gesund, und Armen schenkt er Trost aus Gottes Wort.“ „Meine Sünden hat er mir vergeben.“ So reden die Menschen an der Zollstation. Und eines Tages heißt es: „Jesus kommt! Er kommt in unsere Stadt Jericho. Er ist schon ganz nahe. In Kürze wird er hier sein!“

Da trifft Zachäus eine Entscheidung. Er verlässt seine Zollstation und läuft in die Stadt hinein: „Hier, auf diesem Platz, da wird Jesus auf jeden Fall vorbeikommen. Und es wächst ein Maulbeerbaum hier. Wenn ich da hochsteige, werde ich Jesus auf jeden Fall sehen, auch wenn ich kleinwüchsig bin.“ So kommt es, dass Zachäus, der Oberzöllner oben im Maulbeerbaum sitzt: „Hier oben kann mir keiner was. Hier bleibe ich unentdeckt.“ So wird Zachäus sicherlich gedacht haben. Aber als Jesus zu diesem Platz kommt, fällt sein Blick als erstes auf den Maulbeerbaum und auf Zachäus dort im Geäst. „Zachäus, komm schnell herunter, denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein,“ sagt Jesus.

Jesus ruft Zachäus beim Namen. Für ihn ist Zachäus nicht der Oberzöllner und Römerfreund, nicht der kleinwüchsige Schurke. Für Jesus ist Zachäus einfach Zachäus, ein Sohn Abraham, ein Kind Gottes. Jesus gibt Zachäus seine Würde zurück- die Würde, ein Sohn Abrahams, ein Kind Gottes zu sein. Diese Würde, die jeder Mensch hat- jede und jeder von uns. Nichts und niemand kann uns diese Würde nehmen, nicht einmal wir selbst mit unserem unwürdigen Verhalten. Ja, Zachäus hat sich unwürdig verhalten- nicht wie ein Sohn Abrahams, nicht wie ein Kind Gottes. Aber Jesus lädt sich zu ihm ein. Jesus kehrt bei Zachäus ein. Zuhause in seiner luxuriösen Villa, da setzt sich Jesus mit ihm an einen Tisch. Und Zachäus freut sich über diese unerwartete, unverdiente Gnade. Auch wenn da ein Raunen durch die Menge geht und ein Kopfschütteln: „Bei so einem kehrt Jesus ein?! Wie kann er nur!“

„Komm Her Jesu, sei unser Gast und segne, was du uns aus Gnaden bescheret hast.“ So heißt es in einem alten Tischgebet. Ja, Gnade ist es, dass wir zu unseren Mahlzeiten an einem reich gedeckten Tisch sitzen. Gnade ist es, wenn wir dazu noch liebe Menschen haben, die mit uns zusammen am Tisch sitzen. Und auch wenn wir unsere Mahlzeiten allein einnehmen: Gnade ist es, dass Jesus uns nie allein lässt. Jesus ist unser Tischgenosse. Jesus begleitet uns durchs Leben. Jesus kennt uns durch und durch. Er weiß auch, wo wir Schurken sind und Halunken. Er weiß, wo wir Menschen übervorteilt oder übergangen haben; wo wir einander nicht gerecht geworden sind.

Jesus fragt Zachäus nicht nach seinen Sünden. Er fordert Zachäus nicht auf, sein Leben zu ändern. Nein- zuerst einmal setzt sich Jesus mit Zachäus an seinen Tisch, dort in der luxuriösen Villa, die Zachäus mit unrechtmäßigen Mitteln erworben hat. Jesus reißt die Schranken ein, die wir Menschen zwischen uns aufrichten: Zollschranken. Schranken des guten Tons. Schranken wie: „Der oder die ist aber kein Umgang für dich.“ Zachäus spürt das. Ohne das Jesus ihn darauf anspricht, spürt er: Nachdem Jesus in mein Haus eingekehrt ist, kann ich nicht einfach so weitermachen wie bisher. „Die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen. Und wenn ich jemanden betrogen habe, so zahle ich es vierfach zurück,“ sagt er zu Jesus. Und Jesus antwortet ihm: „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“

Lassen wir uns ermutigen von dieser Geschichte. Zachäus hat sich verstrickt in ein Netz des Bösen. Zollschranken hat er aufgebaut und immer höher gesetzt. Und auch die Schranken zu seinen Mitmenschen wurden immer höher. Manchmal weiß man nicht mehr, wie man da rauskommen soll aus solchen Verstrickungen. Manchmal braucht es ungewöhnliche Weg, an die wir vorher nicht gedacht hätten. Vielleicht ist das auch in der internationalen Zollpolitik so- wer weiß? Zachäus jedenfalls wählt einen ungewöhnlichen Weg. Er steigt auf einen Maulbeerbaum. Das ist ein Perspektivwechsel. Dort oben lässt er sich von Jesus ansprechen. Er hat Tischgemeinschaft mit Jesus. Er lässt seine Sünden hinter sich und wagt mit Jesus einen Neuanfang.

„Komm Herr Jesu, sei du unser Gast und segne, was du uns aus Gnaden bescheret hast.“ Jesus lädt auch uns heute ein, mit ihm Tischgemeinschaft zu haben. In Brot und Wein schenkt er sich uns. Wir dürfen unsere Sünden hinter uns lassen und mit Jesus einen Neuanfang wagen.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

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18.09.2026 Friedensgebet

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05.05.2027 Kirchentag

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18.09.2026 Jugendchor Distrikt Rottweil

Wir starten einen Jugendchor!

Du bist zwischen 11 und 21 Jahren alt, singst gerne und möchtest dich musikalisch in der Kirche einbringen? Dann komm zu uns in den Jugendchor.

Wir proben jeden Freitagnachmittag außer in den Schulferien im evangelischen Gemeindehaus in der Johanniterstr. 30 in Rottweil. Wir starten gemeinsam mit den Kindern des Kinderchores um 16 Uhr, wärmen unsere Stimmen auf und singen ein paar Lieder zusammen. Von 16.45 bis 17.15 Uhr sind wir unter uns und singen alles, was Spaß macht: aktuelle Popsongs, moderne christliche Musik, Gospel, Filmmusik und bekannte Klassiker – mal gefühlvoll, mal mitreißend. Gemeinsam entdecken wir neue Songs und üben uns auch im Sologesang.

Die erste Probe nach den Sommerferien findet am 18. September statt. Anmeldung und Infos bei: judith.kilsbach@elkw.de
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8. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zum Gottesdienst im Grünen am 26. Juli 2026

Liebe Mitchristen!

Heute feiern wir Gottesdienst an einem besonderen Ort- hier in Wehingen-Harras am Harras-See. Zum ersten Mal feiern wir als evangelische Gemeinde hier unseren Gottesdienst im Grünen. Auch ich selbst war noch nicht oft hier draußen, und so habe ich mir vor einigen Tagen den Platz angeschaut. Ich hatte den Harras-See in Erinnerung, die Wasseroberfläche, das Schilf am Ufer. Auch die Anglerhütte war mir bekannt. Aber als ich hier auf dem Platz vor der Hütte war, fiel mir auf: Man sieht den Harras-See ja gar nicht von hier aus. Der See ist ganz nah, aber das schöne Grün hier vorne verstellt uns den Blick. Wir können den See nicht sehen. Aber können wir vielleicht auf andere Weise wahrnehmen, dass der See ganz nahe ist? Wir haben ja fünf Sinne. Außer dem Sehen sind das auch noch das Hören, Riechen, Schmecken und das Fühlen. Vielleicht sind jetzt nicht alle dieser Sinne hilfreich, um den Harras-See wahrzunehmen. Aber probieren sie es trotzdem mal. Schließen Sie die Augen, wenn es Ihnen möglich ist, und achten Sie darauf, was Sie wahrnehmen. Auch wenn Sie mit geschlossenen Augen vielleicht auch nicht den Harras-See wahrnehmen konnten. Viele andere Dinge, auf die wir vorher nicht geachtet haben, haben wir jetzt wahrgenommen: Das Summen der Insekten, den Wind auf der Haut, das Geräusch der vorbeifahrenden Fahrzeuge, das Singen der Vögel.

Wie ist es aber, wenn man immer nur vier Sinne zur Verfügung hat? Wenn einem das Augenlicht fehlt, und man blind ist? Der Predigttext für den heutigen Sonntag erzählt von einem Mann, der in seinem ganzen Leben noch nie etwas sehen konnte (Johannes 9, 1-7): Die Jünger sind mit Jesus unterwegs. Sie wollen von ihm lernen, wollen Gott und die Welt besser verstehen. An der Straße, auf der sie gerade entlanglaufen, sitzt ein Bettler. Er ist blind. Man sieht es ihm an. So wie er aussieht, hat er diese Behinderung von Geburt an.

Ein behindertes Kind wird geboren. So haben die Eltern sich ihr Kind nicht vorgestellt, als sie sich über die Schwangerschaft gefreut haben. Damals zur Zeit Jesu haben die Eltern bei der Geburt erfahren, dass ihr Kind anders ist als andere. Heute erfahren Eltern das oft schon viel früher. Und stehen dann vor der qualvollen Entscheidung, ob sie ihr Kind austragen oder abtreiben sollen. Wer sich dann für sein Kind entscheidet, muss sich später auf der Straße womöglich anhören: Warum habt ihr das denn nicht getestet?

So beschreibt es die Bilderbuchautorin Birte Müller (in: a tempo 09/2011, S. 11-14): „Neun von zehn Menschen, die erfahren, dass mein Sohn das Down-Syndrom hat, reagieren mit der Frage: „Habt ihr das denn nicht getestet?“ (…) DAS ist doch ein Mensch und dazu noch mein Kind. Und kein Test der Welt hätte seine Behinderung verhindern können. (…) Es ist genau diese „Warum-habt-ihr-das-denn-nicht-getestet-Einstellung“, welche den Müttern (und ja, den Vätern auch) eine Art Eigenverantwortung, ja sogar Schuld an der Behinderung ihres Kindes aufbürdet. Das hart erkämpfte Recht auf Abtreibung wird plötzlich zu einer sozialen „Pflicht“ zur Abtreibung. Wer hat die Schuld an der Behinderung meines Sohnes? Niemand! Schuld ist doch immer etwas Negatives. Schuld entsteht, wenn jemand absichtlich gegen ethische oder gesetzliche Wertvorstellungen verstößt. Aber an der Existenz meines Sohnes ist nichts Schlechtes, es ist eine Spielart des Lebens, wie es sie immer gegeben hat- und hoffentlich immer geben wird. Soll dieser Mensch etwa nicht existieren, weil er uns mehr Arbeit macht und mehr Hilfe benötigt? Weil er wahrscheinlich kein Abitur machen kann? Oder weil er im Café andern Menschen auf die Nerven geht, weil er zu laut ist? (…) Das Leben mit Willi ist (und bleibt es auch) in jeder Beziehung deutlich mühevoller- und oft sind wir überfordert. Aber unser Leben ist durch Willi auch viel intensiver. Jeden Tag fühle ich, dass wir WIRKLICH leben. Wir haben so unvorstellbares Leid erfahren durch Willis Krankheiten und so unendliches Glück durch ein einziges Lachen von ihm! Wir leben irgendwie intensiver, in jeder Hinsicht extremer seither. (…) Ohne Willi wäre es sicher einfacher, aber das würden wir nicht merken. Wir wären nicht glücklicher, im Gegenteil, wir wären so viel ärmer an Liebe. Egal, was Willi die Krankenkasse kosten mag, er bereichert unsere Gesellschaft wie jedes andere Kind um ein Vielfaches mehr. Wir können an ihm lernen ein besserer Mensch zu sein. Was kann es Besseres geben?“

So schreibt Birte Müller. Auch die Jünger von Jesus stellen angesichts des von Geburt an behinderten blinden Mannes am Straßenrand die Frage nach der Schuld: „ Wer war ein Sünder, so dass er blind geboren wurde- dieser Mann oder seine Eltern?“ (Johannes 9, 2) Jesus sagt zu seinen Jüngern: Das hat mit Schuld nichts zu tun. Dieser Blinde ist ein besonderer Man, anders als die anderen. Und gerade deshalb, weil er so ist, kann er uns Gott näherbringen und zeigen: Gott ist wirklich da. Mitten in unserer Welt.

Gut, dass Jesus so mit seinen Jüngern redet und sie wegbringt von der Vorstellung, dass irgendjemand schuld sein müsse an der Behinderung dieses Mannes. Noch besser aber: Jesus redet nicht nur über diesen behinderten Mann. Jesus wendet sich ihm zu. Viel zu oft wird über Behinderte nur geredet statt sie wirklich mit einzubeziehen. Jesus wendet sich diesem blinden Mann zu. Wie ein Apotheker rührt er eine Salbe an. Wie ein Arzt streicht er sie ihm auf die Augen und gibt ihm eine Behandlungsanweisung mit: „Geh und wasch dich im Teich von Schiloach!“ (Johannes 9, 7). Der blinde Mann tut es und wird gesund- interessanterweise erst auf dem Rückweg. Heilung braucht Zeit.

Dieser blinde Mann wurde von Jesus geheilt. Aber in Israel zur Zeit Jesu gab es viele Blinde. Nicht alle hat Jesus geheilt. Jesus hat nicht alle Krankheiten und Behinderungen aus der Welt geschafft mit seinem Wirken. Krankheit und Behinderung gehört zum Leben, zu den Aufgaben, die uns in dieser Welt gestellt sind. Warum heilt Jesus aber gerade diesen Behinderten? Jesus tut es, um ein Zeichen zu setzten: Kein Mensch ist schuld daran, dass jemand behindert ist. Und kein Mensch hat das Recht, sich über behinderte Menschen zu erheben und zu meinen, sein eigenes Leben wäre besser, wertvoller oder lebenswerter. Wir sind alle Kinder Gottes- gewollt und geliebt, so wie wir sind.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

 

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7. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zum 7. Sonntag nach Trinitatis, 19. Juli 2026

Liebe Mitchristen!

Wann haben Sie zuletzt Gäste willkommen geheißen bei sich zuhause? Vielleicht war es bei einem Fest, an Ihrem Geburtstag zum Beispiel. Oder Sie hatten einfach zwei, drei gute Bekannte da, nachmittags zum Kaffee oder abends auf ein Bier. Wahrscheinlich hatten Sie vorher eingeladen, so dass Sie sich auf den Besuch vorbereiten konnten. Und bestimmt waren die Personen, die Sie bei sich zuhause willkommen geheißen haben, keine Fremden für Sie. Bei Abraham, von dem wir in der Bibel lesen (1. Mose 18, 1-16), war das anders: Die drei Männer, die ihn besuchen, kommen unangemeldet. Und Abraham kennt sie nicht. Vielleicht wären die drei sogar einfach weitergelaufen, wenn Abraham sie nicht aufgefordert hätte, bei ihm ein wenig Rast zu machen von ihrem staubigen Weg, und sich zu erfrischen und zu stärken. „Seid meine Gäste,“ sagt Abraham zu den dreien, „hier im Schatten unter dem Baum ist der beste Platz.“ Und Abraham lässt auftafeln für seine unbekannten Gäste: Wasser, um die Füße zu erfrischen, Milch zum Trinken, frisch gebackenes Brot mit Butter und sogar einen Kalbsbraten.

So war das eben damals, könnten wir jetzt sagen. Oder: Im Orient ist das halt so: Orientalische Gastfreundschaft. Und vielleicht hat mancher von uns das auch schon erlebt beim Urlaub in einem orientalischen Land: Diese Herzlichkeit, mit der dort die Gäste bewirtet werden. Und dass Gastfreundschaft Vorrang hat vor allen anderen Aufgaben und Verpflichtungen. Da wird der unerwartet vor der Tür stehende Gast hereingebeten, auch wenn es eigentlich gerade nicht passt und man anderes vorhatte.

Und bei uns? Da ist das eben anders- eine andere Zeit, eine andere Kultur, oder? Vielleicht dachten die Christen im ausgehenden 1. Jahrhundert nach Christus auch so, wenn sie die Geschichte von Abraham und seinen drei Besuchern gehört haben. Seit einigen Jahrzehnten gab es die jungen christlichen Gemeinden schon. Das Christentum hatte sich gefestigt und an manchen Orten etabliert. Aber immer wieder waren die christlichen Gemeinden Anfeindungen ausgesetzt und sogar Verfolgungen. Kann man unter solchen Bedingungen wie damals leben wie Abraham und die fremden Leute da draußen vor der Tür einfach bei sich zu Tisch bitten? Und kann man das in unserer Zeit tun, wo an der Haustür oft Lügengeschichten erzählt werden, die auf die Tränendrüse drücken, aber eigentlich will da einer nur an unser Geld?

In den jungen christlichen Gemeinden konnte es jedenfalls gefährlich werden, wenn man dem Fremden draußen die Tür öffnete und ihn zu sich an den Tisch bat. Denn wer konnte damals schon wissen, ob dieser Fremde nicht ein Gegner des christlichen Glaubens war, einer der Verfolger, die einem Böses wollten? Auch konnte es damals gefährlich werden, die wegen ihres Glaubens Verhafteten im Gefängnis zu besuchen oder die, die wegen ihres Glaubens gefoltert worden waren, gesund zu pflegen. Denn mit all diesen Taten zeigte man ja, dass man selbst auch zur christlichen Gemeinde hielt, und lief somit Gefahr, ebenfalls gefangen genommen oder gefoltert zu werden.

In einer Atmosphäre der Angst wie in der damaligen Zeit ist es schwer, die christlichen Werte der Nächstenliebe und der Gastfreundschaft zu leben. Auch in unserer Zeit wird es zunehmend schwerer, weil diese Werte an Bedeutung verlieren in unserer Gesellschaft. Aber diese christlichen Werte sind nicht verhandelbar. Daran erinnert der Hebräerbrief: „Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht, denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.“ (Hebräer 13, 1-3) Für die Menschen in den ersten christlichen Gemeinden, an die dieser Brief sich ursprünglich richtet, war es eine noch viel größere Zumutung als für uns heute, ihre Häuser zu öffnen für den draußen vor der Tür, die Gefangenen zu besuchen, und die an Körper und Seele Verletzten und Misshandelten zu versorgen. Sie riskierten ihr Leben dafür. Und doch- es geht nicht anders, meint der Verfasser des Hebräerbriefs. Denn ihr seid auch Menschen, die einen Körper haben. Ihr wisst, wie sich Schmerzen anfühlen. Vergesst nicht die Misshandelten. Vergesst nicht die Gefangenen.

Und heute möchte ich noch dazusetzen: Vergesst auch nicht die, die in ihrer Einsamkeit gefangen sind. Die keine Freunde haben, keine echten zwischenmenschlichen Begegnungen, nur die sogenannten sozialen Medien. Ja, die Einsamkeit ist zur Landplage geworden in unserer Zeit. Deshalb: Ladet die Einsamen ein in euer Haus. Nicht nur die, die auf eurer Linie liegen und in eurer Blase leben. Nein, gerade auch die, die ein bisschen anders ticken als ihr. Ihr müsst euch deswegen nicht in Gefahr bringen. Wer bei euch vor der Tür steht und Lügengeschichten erzählt, die auf die Tränendrüse drücken, und eigentlich will er nur euer Geld, der kann ruhig draußen bleiben. Aber wie wäre es, mal die Nachbarin oder den Nachbarn einzuladen, die immer allein sind und die man selten draußen sieht? Wenn ihr eure Tür öffnet, dann könnten sie vielleicht so ein Engel für euch sein, wie im Hebräerbrief beschrieben. So wie bei Abraham damals.

Abraham hat die drei Fremden als Gäste bei sich willkommen geheißen, ohne zu wissen, dass es Engel sind. Er hat mit ihnen gegessen und getrunken, geredet und zugehört. Und so war Abraham ganz Ohr für die Botschaft, die Gott ihm durch diese Drei überbracht hat: Dass er mit seiner Frau Sara einen Sohn bekommen wird, trotz ihres hohen Alters. Ein Engelsbotschaft war das, die sich erfüllt hat. Ja, Träume können wahr werden und das, was wir für unmöglich halten, plötzlich möglich werden, wenn wir ein offenes Haus und ein offenes Herz haben für die Menschen um uns herum. Wer weiß, durch welchen dieser Menschen Gott uns eine wichtige Botschaft überbringen will? Vielleicht gerade durch den, von dem wir das am wenigsten erwarten.

Bleiben wir also fest in der brüderlichen Liebe, und sind wir offen für Gottes Wirken, auch in unserem Alltag. Statt brüderliche Liebe könnte man auch übersetzten: Geschwisterliche Liebe. Dass wir uns als Brüder und Schwestern begegnen- mit Mitgefühl, mit Mitleid und mit tatkräftiger Mithilfe da, wo es nötig ist. Aber es steckt noch mehr drin in der brüderlichen Liebe: Jesus Christus, unser Bruder und Herr. Seine Liebe zu uns macht uns erst fähig dazu, die brüderliche, geschwisterliche Liebe untereinander zu leben- als Glaubensgeschwister, die verbunden sind im Glauben an Jesus Christus. Er hat uns zuerst geliebt. Für unsere Sünden ist er am Kreuz gestorben, allein aus Liebe. Und am dritten Tag hat Gott seinen Engel geschickt, um zu verkünden: Jesus lebt.

Aus dieser Liebe leben wir. Diese Engelsbotschaft trägt uns bis heute. So wie es der Hebräerbrief auf den Punkt bringt: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ (Hebräer 13, 8)

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

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[Einladung KGR-Sitzung] am 24.07.2026


Titel: wehingen

 

 

 

Herzliche Einladung zur Sitzung des Kirchengemeinderates

am Freitag, 24.07.2026 um 18.00 Uhr in Wehingen, Gemeindehaus

Folgende Tagesordnung ist vorgesehen:

 

Öffentlicher Teil

Top 1

18:00 Uhr

Begrüßung

Andacht

 

Top 2

Festlegung und Ergänzung der Tagesordnung

 

Top 3

Öffentliches Protokoll der letzten Sitzung vom 30.06.2026

 

Top 4 

a. Gemeindeleben: Mitteilungen und Anregungen 

  •  

b. Rückblick:  

  • Konficamp 03. – 05.07.2026
  •  

c. Ausblick: 

  • Planung Gottesdienst im Grünen 26.07.2026 am Harrassee
  • neuer Konfirmandenjahrgang und neuer Konfi3-Jahrgang
  • Ökumenischer Gottesdienst zum Patrozinium von Heilig Kreuz Gosheim am 13.9.
  • Stand beim Verkaufsoffenen Sonntag am 20.9.
  • Tischtennisturnier – jetzt am 10.10.2026 ab 15 Uhr
  • Ökumen. Kinderbibeltage in der letzten Sommerferienwoche 2027

 

Top 5 

Ø KGR-Dienste: Planung GD 2026 (Churchtools

Ø Kirchkaffee

Ø  

Top 6 

Bauausschuss

 

Top 7 

Informationen aus Ausschüssen, Distrikt und Kirchenbezirk 

  • Bericht vom Jugend- und Kindergartenausschuss
  •  

Top 8 

Sonstiges 

  • Fahrtkostenerstattung für unsere Ehrenamtlichen
  • Kirchenchor-Neugründung: Wer? Wann? Wo? Wie? Werbung?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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6. Sonntag nach Trinitatis

 

Predigt zum 6. Sonntag nach Trinitatis, 12. Juli 2026

Liebe Mitchristen!

Wer bin ich, und was wird mal aus mir? Was denken andere Menschen über mich? Können sie mich leiden, oder sehen sie auf mich herab? Werde ich ein glückliches Leben haben, geliebt und erfolgreich sein, oder als Versager am Rand stehen? Solche Fragen haben mich umgetrieben, als ich Jugendliche war. Fragen, wie Jugendliche sie haben in ihrem Alter. Es kann belastend sein, wenn einen solche Fragen umtreiben. Man kann ins Grübeln kommen und nur schwer wieder rausfinden. Was mir als Jugendlicher geholfen hat bei meinen Fragen, war der Bibelspruch, der einem bei der Taufe zugesprochen wird: „So spricht der HERR, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ (Jesaja 43, 1) Dieser Bibelspruch sagte mir damals: Gott meint wirklich mich. Gott kennt mich. Gott ruft mich beim Namen. Ich brauche keine Angst vor der Zukunft zu haben. Gott ist für mich da.

Weil der Bibelspruch mir wichtig war, habe ich ihn in meiner Bibel gesucht und gefunden- und war enttäuscht. Denn dort in der Bibel stand: „So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel.“ Aber ich bin doch nicht Jakob und gehöre auch nicht zum Volk Israel, habe ich damals als Jugendliche gedacht. Also meint der Bibelspruch wohl doch nicht mich. Warum hat der Pfarrer das nicht gleich gesagt?

Heute haben wir Taufe gefeiert. Und auch heute haben wir den beiden Taufkindern dieses alte Bibelwort aus dem Jesajabuch zugesprochen. War da richtig so, oder ist dieses Bibelwort eigentlich nur für Israel gedacht, für dieses besondere Volk mit seiner wechselvollen und oft leidvollen Geschichte? In 5. Mose 7, 6-8 heißt es: „Du, Israel bist ein besonderes Volk, du bist heilig für den HERRN, deinen Gott. Der HERR, dein Gott, hat dich erwählt: Als einziges Volk unter allen Völkern der Erde sollst du ihm gehören. Nicht weil ihr zahlreicher seid als alle Völker der Erde, empfindet der HERR Zuneigung zu euch. Nicht deswegen hat er euch ausgewählt. Denn du bist ja das kleinste von allen Völkern. Sondern aus Liebe zu euch hat der HERR es getan.“

Zwei Bibeltexte, eine Frage: Was hat das hier Gesagte und Aufgeschriebene mit mir zu tun? Geht es hier nicht einfach nur um Israel? Zwei Bibeltexte, ein geschichtlicher Hintergrund: Beide Texte wurden in derselben schweren Zeit verfasst. Sowohl der zweite Jesaja, von dem die hinteren Kapitel des Jesajabuchs stammen, als auch der Verfasser des 5. Buchs Mose haben erleben müssen, wie ihre ganze Welt zusammengebrochen ist: Wie Jerusalem von feindlichen Truppen erobert wurde. Wie alle, die Rang und Namen hatten in Israel, verschleppt wurden ins ferne, feindliche Babylon. Wie der Jerusalemer Tempel zerstört wurde- das Allerheiligste, das die Menschen damals kannten; der Ort, wo für sie Gott zuhause war.

Was bleibt, wenn auf einmal alles anders ist? Bleibt uns trotzdem noch unser Glaube? Bleibt Gott auch dann immer noch bei uns, wenn der Ort, an dem wir ihn immer angebetet haben, nicht mehr da ist? Heute haben wir zwei Kinder getauft, hier in unserer Kirche. Ja, wir haben hier eine Kirche und eine Gemeinde, in der wir miteinander von Gott hören und zu ihm beten, ohne dass wir deswegen Verfolgung oder Benachteiligung erleiden müssen. Dafür können wir Gott dankbar sein. Vielen Gläubigen auf der Welt geht es nicht so gut. Kirchen sind zerstört, dort wo Krieg und Terror vorherrschen. Und es gibt viele Länder auf der Welt, in denen der Glaube nicht in Freiheit und Offenheit gelebt werden kann.

Wir können Gott dankbar sein. Und doch fragen wir uns, wenn wir an die beiden Kinder denken, die wir heute getauft haben: Was für eine Kirche wird das sein, in der sie in den Glauben hineinwachsen? Wie wird in 13 oder 14 Jahren der Konfirmandenunterricht aussehen, wenn sie einmal Konfirmation feiern? Wo werden sie als junge Erwachsene Gleichgesinnte treffen, Menschen in ihrem Alter, denen der Glaube an Jesus Christus wichtig ist? Fragen, die wir uns stellen, weil unsere Kirchengemeinden kleiner werden und die Stimme der Kirche immer weniger gehört wird in unserer Gesellschaft. Freilich ist das immer noch etwas Anderes als die kriegerischen Auseinandersetzungen damals zur Zeit des zweiten Jesaja und des Verfassers des 5. Buchs Mose. Wir können Gott dankbar sein, dass wir in unserem Land in Frieden leben. Und wir haben die Aufgabe, alles daran zu setzen, dass die Kriege, die unsere Welt heute erschüttern und zerrütten, ein Ende finden. Aber eines ist doch vergleichbar: Klein und unbedeutend – so hat sich das Volk Israel damals auch erlebt, inmitten der Übermacht der großen Völker ringsum: Wird es bestehen bleiben, dieses kleine Volk? Oder wird es untergehen, und mit ihm auch der Glaube an den einen Gott, der das Kleine und Unbedeutende liebt -gerade dieses kleine Volk Israel. Der Glaube an den Gott, dem es nicht egal ist, wenn Menschen unterdrückt und versklavt werden. Der Glaube an den Gott, der die Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei herausgeführt hat in die Freiheit (5. Mose 7, 8-9).

Ja, Gott liebt und schützt gerade das Kleine und Unbedeutende. Und Gott ist treu. Seine Treue hält 1.000 Generationen, sagt uns die Bibel (5. Mose 7, 9). Deswegen bin ich ganz sicher: Auch seinem Volk Israel hält Gott weiter die Treue. Auch die fragwürdige Politik des Staates Israel, die wir in diesen Zeiten erleben müssen, ändert nichts an Gottes Treue. Gottes Treue bleibt, auch wenn Menschen nicht danach handeln. Gottes Treue deswegen ist kein Freibrief, mit dem ich tun und lassenkann, was ich will. Denn Gottes Treue ist in Stein gemeißelt: Auf den beiden Steintafeln stehen die 10 Gebote- Gottes Regeln für ein gutes Leben in dieser Welt und mit Gott. Wer sich nicht daran hält, wird von Gott zur Rechenschaft gezogen werden. Auch daran erinnert der Bibeltext aus 5. Mose mit mahnenden Worten (5. Mose 7, 10-11).

Warum diese Strenge am Ende dieses Bibeltexts? Eben darum, weil bei Gott das zählt, was in der Welt klein und unbedeutend erscheint: Ein kleines Volk- das Volk Israel. Die kleinen Kinder, die wir heute auf den Namen des dreieinigen Gottes getauft haben. Ein kleiner, unbedeutender Mann aus Galiläa mit Namen Jesus, Gottes Sohn: Klein und elend stirbt er am Kreuz. Aber Gott macht ihn ganz groß, schenkt ihm neues Leben und holt ihn zu sich an seine rechte Seite in den Himmel. Dort sitzt er mit Gott im Regiment und leitet die Geschicke der Welt.

Ja, Gott macht das Kleine groß. Dabei ist Gott kein erbsenzählerischer strenger Richter. Sondern wer bereit ist, vor Gott kleinlaut zu werden und seine Sünden zu bekennen, dem vergibt er durch Jesus Christus, der den Tod auf sich genommen hat für uns. Jesus Christus, der selbst ein Jude war und aus dem Volk Israel stammte. Er hat uns mit hineingenommen in Gottes Geschichte mit seinem Volk Israel. Nicht als Ersatz für das Volk Israel, das weiter Gottes Volk bleibt, sondern als Erweiterung von Gottes großer Gnade auf alle, die an ihn glauben.

Ja, auch wir sind gemeint wenn Gott durch den zweiten Propheten Jesaja spricht: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ Und ich selbst habe es als Jugendliche trotz der Anfechtung beim Bibellesen dann doch so für mich annehmen können. Und ich habe erfahren dürfen, dass Gott mich bis zum heutigen Tag begleitet hat auf meinem Lebensweg, durch alle Höhen und Tiefen hindurch. So kann ich getrost in die Zukunft schauen.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

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18.07.2026 ejw

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4. Sonntag nach Trinitatis

 

Predigt zum 4. Sonntag nach Trinitatis, 28.06.2026

Liebe Mitchristen!

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Dieses Bibelwort aus 1. Korinther 13, 13 ist der Taufspruch von dem Kind, das wir heute taufen. Was bleibt? fragt dieses Bibelwort. Was bleibt, wenn wir mit unserem Latein am Ende sind? Wenn alles Menschenmögliche getan wurde, und wir merken, wie wenig das ist, das Menschenmöglich, das getan werden kann? Viele von uns kennen solche Situationen, in denen wir plötzlich hilflos sind; irgendwo zwischen Hoffen und Bangen. Und vielleicht erinnern wir uns dann daran, was unsere Großeltern in solch einer Situation gesagt haben: „Da hilft nur noch beten,“ haben sie gesagt und das dann auch getan. Sie haben all ihr Hoffen und Bangen in schwieriger Zeit zu Gott gebracht und von ihm Hilfe erbeten. Und vielleicht, ja hoffentlich sogar, erinnern wir uns nicht nur daran, dass unsere Großeltern das so gemacht haben, sondern  machen es selbst auch so, sodass unsere Kinder und Enkel sich später auch daran erinnern und ihr eigenes Hoffen und Bangen in schwierigen Lebenslagen zu Gott bringen.

Denn der Glaube an einen Gott, der mehr kann als nur das Menschenmögliche, der wirklich ein Helfer in der Not ist, dieser Glaube ist eine Kraft, die uns durchs Leben trägt, in guten und in schwierigen Zeiten. Auf diesen Glauben an den dreieinigen Gott- den Schöpfer, der uns das Leben geschenkt hat, den Erlöser, der uns von der Last der Vergangenheit befreit und den Heiligen Geist, der unser Tröster ist, taufen wir heute ein Kind. Warum tun wir das? Nicht nur, weil das eben dazugehört, dass man sein Kind taufen lässt. Sondern auch, weil wir diese Erfahrung gemacht haben, wie das ist, wenn alles Menschenmögliche getan wurde, und man ist zwischen Hoffen und Bangen. Und weil wir die Erfahrung machen dürfen: Die Hoffnung behält Recht. Gott hat alles gut gemacht.

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Glaube und Hoffnung sind wirklich etwas ganz Großes. Noch größer aber ist die Liebe, schreibt der Apostel Paulus, von dem dieser Bibelspruch stammt. Ja, die Liebe ist groß. In Liebe finden Menschen zueinander, und aus Liebe schenkt Gott ihnen Kinder. In Liebe wollen wir unsere Kinder erziehen und durchs Leben begleiten. Vielleicht brauche ich über die Liebe, die Paulus in seinem Bibelwort so groß macht, gar nicht viele Worte verlieren, so selbstverständlich ist sie.

Aber ist es wirklich so einfach mit der Liebe? Der Apostel Paulus hat auch an die Gemeinde in Rom einen Brief geschrieben. Dort schreibt er noch mehr über die Liebe (Römer 12, 9-21). Ganz so einfach ist es also doch nicht mit der Liebe. Denn Liebe, das bedeutet mehr als nur für die eigene Familie da sein. Paulus hat hier einen viel weiteren Horizont: Ein Leben in gutem Miteinander, ein Leben in Frieden, das hat er im Blick. Wie kann das gehen, in Zeiten wie den unseren, in denen Kriege zur Normalität geworden sind und das Freund- Feind- Denken wieder Hochkonjunktur hat? Kann da Liebe helfen? Pass das, was Paulus im Römerbrief schreibt, auch für uns heute?

Paulus hat diesen Brief an die junge christliche Gemeinde in Rom geschickt. Diese Gemeinde gab es erst seit einigen Jahren. Das Umfeld dieser Gemeinde war politisch angespannt und teilweise feindlich. Wenige Jahre später hieß es schon: „Die Christen vor die Löwen!“ und es gab massive Christenverfolgungen in Rom. Aber was den Unterschied machte zwischen dieser  kleinen Christengemeinde und den anderen Gemeinschaften, die es dort im multireligiösen Umfeld gab, das ist die Liebe, von der Paulus schreibt: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem. Habt anderen Menschen gegenüber nur Gutes im Sinn.“ Und auch: „Nehmt nicht selbst Rache. Überlasst das vielmehr dem gerechten Zorn Gottes.“ (Römer 12, 17+19) Also: Lasst Gott mal machen. Ihr braucht das nicht für ihn zu tun. Ja, Gott ist gerecht. Wir müssen uns nicht rächen. Gott ist da. Er wird es richten. Denn es ist nicht egal, wie wir in dieser Welt leben und was wir tun. Das Böse wird nicht ungestraft bleiben. Gott ist gerecht. Was sollen wir nun tun? Unsere Feinde mit dem Nötigsten versorgen, was jedem Menschen zusteht: „Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen. Wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust häufst du glühende Kohlen auf seinen Kopf.“ (Römer 12, 20) Glühende Kohlen, was ist damit gemeint? Der Kopf wird rot. Der Feind ist beschämt. Ja, mit jeder guten Tat an euren Feinde beschämt ihr sie mehr und mehr- und Gott wird über sie richten.

Was bedeutet das nun konkret? Im Großen bedeutet es, dass Politik nur der Logik der Abschreckung, Gewalt und Gegengewalt folgt, die den Feinden in Not nicht hilft oder gar das humanitäre Menschenrecht missachtet, nichts Gutes schaffen kann. Aber Politik, die in den Feinden dennoch Menschen sieht und auch im Krieg das humanitäre Menschenrecht achtet und sich um Frieden bemüht, die sammelt „glühende Kohlen auf den Kopf des Feindes.“ Und all das gilt auch im Kleinen, in unserem Umfeld, für meinen Umgang mit dem schwierigen Nachbarn, dem Kollegen, der mit mir konkurriert und in unseren Familien, wo wir es oft auch nicht leicht haben miteinander.

„Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse mit Gutem.“ (Römer 12, 21) Auf diesen Spitzensatz läuft alles hinaus, was Paulus dort im Römerbrief über die Liebe schreibt. Es ist ein Spitzensatz, der auch gerne als Tauf- oder Konfirmationsspruch gewählt wird. Auch dieser Spruch ist kein Schönwetterspruch, sondern einer der auch in schwierigen Zeiten trägt. Ich erinnere mich an eine Konfirmandin, die diesen Spruch für sich ausgewählt hatte. Es war in der Coronazeit. Ich hatte die Konfirmanden gebeten, mir zu schreiben, warum sie sich für ihren Konfirmationsspruch entschieden hatten. Diese Konfirmandin schrieb: „Diesen Spruch finde ich passend, gerade in dieser Zeit. Durch die häusliche Quarantäne habe ich einen anderen Blick auf die Schule und den Konfirmationsunterricht bekommen. Ein Lächeln, ein kurzer Gruß erlangt nun eine ganz andere Bedeutung.“

Diese Konfirmandin ließ sich nicht blockieren von all dem Schwierigen, was die Coronazeit mit sich brachte. Sie hat sich die Offenheit für das Gute bewahrt, dort wo es ihr begegnet: In einem Lächeln oder einem kurzen Gruß. Diese kleinen Gesten, die wir uns alle schenken können, die erlebt sie jetzt als eine große Hilfe und Bereicherung. Ich finde das sehr ermutigend, auch für uns heute. Und ich erlebe es auch immer wieder selber: Menschen, die mir ein solches Lächeln schenken, und auf einmal sieht die Welt viel freundlicher aus. Menschen, die für andere da sind und helfen, wo es nötig ist. Wir sind nicht ohnmächtig. Wir können etwas tun. „Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse mit Gutem.“

Wir können das, weil Jesus Christus uns die Kraft dazu gibt. Er hat das Böse überwunden. Am Kreuz hat er unsere Schuld weggenommen, und uns einen neuen Anfang geschenkt. Allein aus Liebe hat er das getan. So können wir seine Liebe weitergegen- an die, die uns nah sind, und an die, die uns fern stehen. Wir können es, denn Jesus Christus hat uns zuerst geliebt. Er ist die Hoffnung, an der wir uns festhalten; die Hoffnung für unser Leben und für unsere Welt. Daran glauben wir. Davon leben wir. Daher lieben wir. „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer