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Gedanken zum Sonntag

19. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zum 19. Sonntag nach Trinitatis, 11. Oktober 2026

Liebe Mitchristen!

Haben Sie heute Morgen beim Aufstehen überlegt, was Sie anziehen, wenn Sie hierher in den Gottesdienst gehen? Was habe ich denn gestern angehabt- das fragt man sich, wenn man morgens beim Aufstehen über die richtige Kleidung nachdenkt. Gestern, da war Samstag. Vielleicht waren Sie draußen im Garten und haben das Laub zusammengerecht. Dann hatten Sie wohl die abgewetzte Hose und den abgetragenen Pulli an, den Sie immer bei der Gartenarbeit tragen. Nein- diese Kleider haben Sie bestimmt nicht passend gefunden, um damit heute am Sonntag den Gottesdienst zu besuchen. Und falls Sie gestern wirklich im Garten tätig waren, wo jetzt das Herbstlaub fällt, dann haben Sie sich nach getaner Arbeit wahrscheinlich erst mal geduscht und dann frische Kleider angezogen- spätestens heute Morgen, bevor Sie sich auf den Weg zu unserem Gottesdienst gemacht haben.

Manchen von uns ist es noch vertraut, dass man für den Gottesdienstbesuch besondere, festlichere Kleider anzieht als im Alltag die ganze Woche über. „Sonntagshäs“- so sagte meine Großmutter aus Balingen-Endingen zu diesen Kleidungsstücken. Denn die Kleidung, die man unter der Woche bei der Arbeit in der Landwirtschaft oder in der Küche beim Kochen und Backen anhatte, die kam für meine Großmutter für den sonntäglichen Kirchgang nicht in Frage. Für den Kirchgang brauchte man das Sonntagshäs- Kleidung, die nur an Sonn- und Festtagen getragen wurde.

Wir waschen uns. Wir wechseln die Kleider. Wir machen uns schön für Gott. Das ist der Grundgedanke, von dem auch unser heutiger Predigttext (Epheser 4, 22-32) ausgeht. Sich waschen oder gewaschen werden und neue Kleider anziehen: Für die junge christliche Gemeinde damals in Ephesus waren diese alltäglichen Verrichtungen ganz eng mit einem besonderen christlichen Fest verbunden, das jeder von ihnen gefeiert hat- ja und auch jeder von uns heutigen Christen: Das Fest der Taufe. Durch die Taufe sind wir mit hineingenommen in den Tod und die Auferstehung von unserem Herrn Jesus Christus. Alles, was uns von Gott trennt und daran hindert, in seiner Liebe zu leben, geht unter im Wasser der Taufe. Als Getaufte sind wir neue Menschen, auferstanden zum neuen Leben. So wie es der Apostel Paulus an anderer Stelle sagt: Wir sind der Sünde gestorben und leben für Gott in Jesus Christus (Römer 6,11).

Das alles steckt im Wasser unserer Taufe: Kreuz und Auferstehung Jesu Christi und das neue Leben in Gott, das uns dadurch geschenkt ist. In den jungen christlichen Gemeinden wie damals in Ephesus gab es außer dem Taufwasser noch ein weiteres sichtbares Zeichen für dieses neue Leben, das uns durch die Taufe geschenkt ist: Das Taufkleid. Wissen Sie, welche Farbe das Taufkleid hatte? Weiß, ja genau. Das wissen wir heute noch. Denn in vielen Familien gibt es noch so ein weißes Taufkleidchen. Für die Kinder, die getauft werden, wurde es von Generation zu Generation weitergereicht.

Weiß- wofür steht diese Farbe? Weiß ist ein unbeschriebenes Blatt. Weiß ist die sprichwörtlich gewordene weiße Weste. Weiß, das steht für Reset: Neuanfang, das Alte ganz hinter sich lassen dürfen. Wenn man sich damals in Ephesus oder in einer anderen der ersten christlichen Gemeinden taufen lassen hat, dann lief das so ab: Vor der Taufe hat man seine alten Kleider ausgezogen; und nachdem man im Wasser der Taufe gewaschen wurde, hat man die neuen, weißen Taufkleider angezogen. Ja, als neuer Mensch stehe ich vor Gott, wenn ich getauft bin- als ein neuer Mensch mit weißer Weste.

Aber wie geht es dann weiter mit diesem neuen Menschen, der ich durch die Taufe geworden bin? Bleibt die Weste immer weiß, ein Leben lang? Wir alle wissen: Wir sind nur Menschen. Schuld und Versagen sind leider weiterhin Teil unserer Lebensgeschichte, auch wenn wir getauft sind. Jede und jeder von uns könnte dazu seine eigene Geschichte erzählen. Und auch die frühen Christen damals in Ephesus waren keine Engel. Damals wie heute müssen wir erleben: Ich falle zurück in meine alten schlechten Gewohnheiten. Ich schaffe es nicht, immer die Wahrheit zu sagen. Wenn ich wütend bin, kann ich richtig gemein sein zu anderen. Und ist wirklich nichts von dem, was ich mein Eigentum nenne, mit unlauteren Mitteln erworben? Wen habe ich übervorteilt? Wen habe ich übersehen, der meine Unterstützung nötig gehabt hätte? Wo habe ich Menschen verletzt durch unbedachte Worte oder Witze auf Kosten anderer? Oder ich habe andere runtergemacht mit meinem Sarkasmus, meinem Jähzorn, meinem Spott.

Das alles sind die alten schlechten Gewohnheiten. Das alles ist der alte Mensch, der mit unserem neuen Leben als Christen nicht zusammenpasst. So sagt es uns unser Predigttext. Diese alten schlechten Gewohnheiten gilt es abzulegen- so wie man die alten, schmutzigen Kleider ablegt und neue frische Kleider anzieht, wenn man gerade geduscht hat: „Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.“ (Epheser 4, 22-24)

Zieht den neuen Menschen an, sagt uns unser Predigttext. Ihr seid doch reingewaschen durch eure Taufe. Legt die alten schmutzigen Kleider ab: „Legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es
Gnade bringe denen, die es hören. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit.     

“ (Epheser 4, 25,27-29,31)

Ja, dazu sind wir aufgerufen: Das Gute zu tun und dem Bösen zu widerstehen. Und auch wenn wir es gerne vergessen, eigentlich wissen wir doch: Jeder kann hier nur bei sich selbst anfangen. Der einzige Mensch, den ich wirklich ändern kann, bin ich selbst. Das hören wir meist nicht so gern. Und auch solche Ermahnungen, wie sie der Epheserbrief hier gibt, hören wir meist nicht gern. Da sehen wir schnell den erhobenen Zeigefinger und wollen uns wegducken. Aber so ist es nicht gemeint. Diese Bibelworte wollen wirklich Lebenshilfe geben und gute Ratschläge sein. Praktische Lebenstipps, wie sie eigentlich gerade heute Konjunktur haben- ob in der Ratgeberliteratur oder bei Influencern im Internet. „Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.“ (Epheser 4, 26) Das ist so eine Lebensweisheit, von der viele nicht vermuten würden, dass sie in der Bibel steht. Ja, wahrlich ein guter Ratschlag: Am Abend, bevor die Nacht hereinbricht, da ist es dann wirklich an der Zeit, seinen Zorn verrauchen zu lassen und wieder ruhige, versöhnliche Töne anzuschlagen. Denn den Zorn und den Streit mit ins Bett zu nehmen, das ist keine gute Idee. Wenn ihr zornig seid, sollt ihr nicht sündigen, heißt es auch im Epheserbrief (Epheser 4, 26). Und damit ist auch gesagt: Der Zorn und die Wut, das darf seinen Platz haben in unserem Leben. Denn Zorn und Wut sind menschliche Gemütsregungen, die ihre Berechtigung haben. Erst wenn der Zorn kein Ende findet, erst wenn er zerstörerisch wird, erst dann wird er zur Sünde.

Keinen gnadenlos erhobenen Zeigefinger hält uns unser Predigttext vor. Er weiß um die menschlichen Möglichkeiten, Stärken und Schwächen. Er weiß, unser neues Leben hat schon begonnen in der Taufe. Er weiß um die Vergebung durch Jesus Christus, aus der wir jeden Tag neu leben, wie aus der Taufe gehoben. Auch wenn wir nur Menschen sind. Auch wenn wir es nicht schaffen, mit weißer Weste durchs Leben zu gehen. Gottes Heiliger Geist, der uns mit der Taufe zugesprochen wurde, verlässt uns nicht. Gottes Heiliger Geist begleitet uns wie ein Siegel auf unserem Herzen und macht uns bereit für den Tag der Erlösung.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

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Allgemein

[KGR-Sitzung] 19.10.2027

Herzlich laden wir zur Sitzung des Kirchengemeinderates

am Montag, den 19.10.2026 um 19.30 Uhr im Gemeindesaal ein.

Folgende Tagesordnung ist vorgesehen:

 

Öffentlicher Teil

Top 1

19:30 Uhr

Begrüßung

Andacht

Top 2

Festlegung und Ergänzung der Tagesordnung

Top 3

Öffentliches Protokoll der letzten Sitzung vom 16.09.2026

Top 4 

a. Gemeindeleben: Mitteilungen und Anregungen 

  • Information über Neuzugezogene

 

b. Rückblick:  

  • Stand beim Verkaufsoffenen Sonntag am 20.09.2026  

  • Ernte-Dank 04.10.2026

  • Tischtennisturnier am 10.10.2026 ab 15 Uhr 

  • Gemeindewanderung 11.10.2026 ab 14 Uhr

  • Puppentheater 16.10.2026

  • Kinderkirch-Mittag/Abend 17.10.2026

  • Männersonntag, 18.10.2026

  • Konfis/Firmlinge im Tafelladen

 

c. Ausblick: 

  • Reformationsfest mit Gemeindemittagessen am 01.11.2026 – Gottesdienstform?

  • Buß- und Bettag 18.11.2026 mit ökum. Friedensandacht

  • Atempause am 06.12.2026

  • Singnachmittag – Ersatztermin

  • Adventsnachmittag

  • 2. Weihnachtsfeiertag – der Musikverein hat zugesagt

  • KGR-Klausur-Termin

  • Gemeindebrief

  • Jahresplanung 2027 – bitte konkrete Termine und Vorschläge mitbringen

  • Gemeindejubiläum 2028 – Ideensammlung und erste Planung

  • Bildersammlung im DGM unter „Ideensammlung“

Top 5 

Ø KGR-Dienste: Planung GD 2026 (Churchtools) 

Ø Kirchkaffee

Top 6 

Bauausschuss:   

  • Bericht von der Bauschau am 22.09.2026 – Protokolle im DGM

  • Struktur und Organisation des Arbeits- und Gesundheitsschutzes

  • Brandschutz

  • Antwort des OKR zum Bauvorhaben – neue Informationen?

  • Gemeindeversammlung/Infoveranstaltung?

Top 7

Finanzen

  • KGR-Verpflegung

  • Einkäufe für Events

Top 8 

Informationen aus Ausschüssen, Distrikt und Kirchenbezirk 

  • Jugendausschuss

  • KGR-Vorsitzenden-Treffen

  • Kindergartenausschuss

Top 9 

Sonstiges 

  •  

 

 

 

 

 

 

 

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Über den Kirchturm hinaus

17.10.2026 Taize

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Über den Kirchturm hinaus

21.10.2026 Predigtslam

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Gedanken zum Sonntag

Erntedank

Predigt zum Erntedankfest, 4. Oktober 2026

 

Liebe Mitchristen!

 

Auch in diesem Jahr ist der Erntealtar in unserer Kirche wieder reich geschmückt. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich denke an den Sommer, der hinter uns liegt; an die drückende Hitze, die wir selbst hier auf dem Heuberg hatten, wo das Wetter eigentlich etwas rauer ist als unten im Tal. Ich denke an die Trockenheit, wo statt grünen Wiesen nur noch braune, vertrocknete Grasreste zu sehen waren. Ich denke an die Menschen, die unter diesem heißen Sommer zu leiden hatten, besonders an die Hochbetagten, für die dieses Wetter richtig gefährlich war. Ja, und auch unsere Feld- und Gartenfrüchte hatten es schwer bei diesem heißen Sommer. Die Landwirte, die dafür sorgen, dass wir unser tägliches Brot haben, wissen ein Lied davon zu singen.

 

Aber nicht um zu jammern, sind wir heute hier zusammengekommen, sondern um zu danken. Danken dafür, dass wir genug zu essen haben. Danken dafür, dass wir nicht Hunger leiden müssen. Denn das ist keine Selbstverständlichkeit. Wir können dankbar sein, dass wir in einem reichen Land leben, wo die Supermarktregale auch dann gut gefüllt bleiben, wenn die Ernte nicht so gut ausfällt. Und trotz steigender Preise und schwieriger Arbeitsmarktsituation werden die meisten von uns wohl auch genug Geld zur Verfügung haben, um beim Wocheneinkauf den Supermarkt mit einem gut gefüllten Einkaufswagen zu verlassen. Ja, auch das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Grund zur Dankbarkeit.

 

Am vergangenen Mittwoch habe ich mit unseren Konfirmanden und einigen Firmlingen von der katholischen Seelsorgeeinheit den Tafelladen in Trossingen besucht. Es tut weh, zu hören, wie die gespendeten Lebensmittel dort eingeteilt und rationiert werden müssen, weil es viel mehr Bedürftige gibt, die auf diese günstige Einkaufsmöglichkeit angewiesen sind, als Lebensmittelspenden kommen. Es tut weh, dass in unserem reichen Land solche Armut da ist, dass Menschen sich einen normalen Supermarkt-Einkauf nicht mehr leisten können. Mir war es wichtig, mit den Jugendlichen diesen Besuch im Tafelladen zu machen. Denn Armut bleibt zu oft im Verborgenen, und die, die Hunger haben, bleiben unsichtbar und unbemerkt.

 

Bei Jesus war das anders, so erzählt es uns unser Predigttext aus dem Markusevangelium (Markus 8, 1-9). Eine große Menge an Menschen war zu ihm gekommen. Wie Jesus von Gott erzählt und Kranke heilt, das beeindruckt sie. Die Gegend ist einsam. Man kann nicht schnell mal eben zum Laden an der Ecke und dort ein Brot kaufen. Aber die Worte, die Jesus zu sagt, sind diesen Menschen wichtiger als Brot. Drei Tage sind sie schon bei Jesus. Wer drei Tage nichts gegessen hat, der hat richtig Hunger. Jesus bleibt das nicht verborgen. Der Hunger dieser großen Menschenmenge bleibt bei Jesus nicht unbemerkt. Nein, Jesus macht sich Sorgen um die Menschen. Das Elend dieser hungrigen Menschenmenge geht Jesus richtig nahe: „Mich jammert das Volk,“ sagt er. Für Jesus sind diese Menschen keine anonyme Masse. Er denkt an die einzelnen, die von weither gekommen sind, um ihm zuzuhören. Wenn sie jetzt nichts zu essen bekommen, dann schaffen sie den weiten Heimweg nicht mehr. Dann brechen sie unterwegs zusammen und sterben. Jesus lässt das nicht kalt. Es tut ihm weh. Er zeigt Mitgefühl.

 

„Wie viele Brote habt ihr?“ fragt Jesus seine Jünger. Es ist eine Frage, die einen beunruhigen kann. Hier will einer buchstäblich ans Eingemachte, an meine Vorräte, die ich für mich selbst zurückgelegt habe. Und ich muss mich fragen: Wie viel brauche ich wirklich zum Leben? Was brauche ich nicht unbedingt und kann es mit anderen teilen, die es nötiger haben als ich? Wo kann ich Energie sparen und auf alternative Energien umsteigen, um das Klima zu schonen, damit unsere Erde sich nicht immer weiter aufheizt und auch für unsere Kinder und Enkel noch ein lebenswerter Ort ist?

 

„Wie viele Brote habt ihr?“ fragt Jesus. Und er meint damit: Es ist genug für alle da. Jesus wartet nicht, bis er sicher sein kann, dass das Essen für alle reicht. Er lädt ein zum Essen. „Setzt euch zum Essen nieder!“ sagt er der großen Menschenmenge. Denn Jesus weiß: Zum Essen gehört nicht einfach nur ein gedeckter Tisch. Zum Essen gehört Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft stellt Jesus her, indem er die Menschen auffordert, sich zur Mahlzeit zu setzen. Bisher waren sie alle nur auf Jesus fixiert. Jetzt nehmen sie sich gegenseitig wahr.

 

Jesus stillt nicht nur den Hunger nach Nahrung. Jesus stillt auch den Hunger nach Gemeinschaft. Auch in unserer Zeit gibt es diesen Hunger. Ja, was den Hunger nach Gemeinschaft betrifft, sind viele Menschen unterernährt in unserem Land. Und so wollen wir heute in diesem Gottesdienst auch danken für die Gemeinschaft, die wir miteinander haben, und an all die vielen Menschen denken, die einsam sind- oft auch junge Menschen. 

 

Dankbar können wir sein, selbst dann, wenn wir nur wenig haben an Nahrung oder an Gemeinschaft. Jesus macht es uns vor. Die karge Mahlzeit, zu der er die große Menschenmenge eingeladen hat, beginnt er mit einem Dankgebet. Obwohl nur sieben Brote zu ihm gebracht wurden für diese große Menschenmenge von 4.000 Personen- Jesus verzweifelt nicht. Jesus dankt Gott für das, was da ist. Und tatsächlich- gleich nach Jesu Frage „Wie viele Brote habt ihr?“ taucht da noch mehr Essen auf, das verteilt werden kann: Einige Fische gibt es auch noch, erfahren wir aus unserem Predigttext. Und ja- vielleicht haben nicht nur die Jünger, sondern auch die anderen Menschen mal in ihren Taschen nachgeschaut und entdeckt: Da ist ja noch ein Stück Brot. Da ist noch ein kleines Stück Fisch. Das lege ich mit dazu zu dem Wenigen, was da ist. War es so, damals bei Jesus und der Menschenmenge? Wir wissen es nicht. Die Bibel erzählt uns nicht, wie dieses Wunder geschah. Aber das erzählt uns die Bibel: Jesus hat alle satt gemacht, alle 4.000 Menschen. Ja, von dem Essen blieben sogar noch Reste übrig, 7 Körbe voll.

 

Ich denke noch einmal an den Besuch im Tafelladen. Die Konfirmanden und Firmlinge hatten Lebensmittelspenden mitgebracht. Am Ende der eine Spendenkorb, der dafür aufgestellt war, übervoll- so voll, dass Manches sogar danebengelegt werden musste. Dankbarkeit für das Wenige, das da ist, und den Mut, dies auch zu verteilen unter die Bedürftigen- das kann man vom Tafelladen lernen. Denn alles, was uns geschenkt ist- die Nahrungsmittel und die Gemeinschaft- kommt von Gott. All das ist ein Grund, Gott zu danken.

                                                                                        

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

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Über den Kirchturm hinaus

12.10.2026 Treffpunktgottesdienst

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Gedanken zum Sonntag

16. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zum Familiengottesdienst am 20. September 2026

Liebe Kinder, liebe Erwachsene!

„Vom Anfang bis zum Ende hält Gott seine Hände über mir und über dir.“ So haben wir gerade miteinander gesungen. Und ihr, liebe Konfi 3-Kinder, habt mir dabei geholfen, die Geschichte zu erzählen, die ganz am Anfang in der Bibel steht: Adam und Eva kommen in dieser Geschichte vor, außerdem viele Tiere und unsere schöne Welt mit ihren Bäumen und Blumen. All das hat Gott uns Menschen geschenkt, damit wir gut darauf aufpassen- auf die Tiere, die Pflanzen und auch auf die Menschen um uns herum.

Viele von Euch haben vielleicht ein Haustier, und ihr wisst, was für ein treuer Begleiter so ein Haustier sein kann. Wenn ihr einen Hund habt- der merkt auch, wenn ihr traurig seid, und will euch trösten. Aber verstehen, warum ihr traurig seid, das kann ein Hund nicht. Deswegen ist Adam, der erste Mensch, so froh, als Gott einen zweiten Menschen für ihn macht: Eva, die Frau an seiner Seite. Ja, das größte Wunder, das Gott gemacht hat, das sind wir Menschen: Adam sieht ganz anders aus als Eva. Du siehst ganz anders aus als ich. Jeder Mensch ist einmalig. Jeder Mensch ist ein Wunder Gottes; ein Geschenk von Gott: Ein Kind wird geboren. Wenn wir das erleben dürfen, werden wir zu Augenzeugen von Gottes Schöpfung- so wie damals bei Adam und Eva.

„Lass dich fallen, und ich helfe dir auf. Spring, und ich verleihe dir Flügel.“ Dieser Spruch soll eines unserer Taufkinder begleiten auf seinem Lebensweg. Ja, auf Gott können wir vertrauen in jeder Lebenslage. Wenn wir fallen, hilft Gott uns wieder aufzustehen und festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Wenn wir einen Sprung ins Neuland wagen, dann gibt Gott uns Kraft und Mut und beschützt und unter dem Schatten seiner Flügel. So wie es in Psalm 17, 8 heißt: „Beschirme mich wie einen Augapfel im Auge; beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel.“ Gott ist für uns da. Er begleitet uns durchs Leben. Wir sind für ihn unendlich wertvoll und wichtig, jeder und jede einzelne von uns- so wichtig wie ein Augapfel im Auge. Auf den Augapfel im Auge passt man besonders gut auf, denn für uns alle ist es ganz wichtig, dass wir unsere Augen haben, mit denen wir sehen können. Augapfel- heute ein ungewöhnliches Wort. Aber das Auge ist ja rund wie ein Apfel, deswegen sagt man auch Augapfel dazu.

Ja, wunderbar sind wir gemacht von Gott. Das Auge mit dem Augapfel ist ein gutes Beispiel dafür: Was für ein Wunder ist es, dass wir sehen können: Die Bäume, die Blumen, die Farben, die Tiere- und die Menschen um uns herum! Dieses Wunder hat angefangen bei Adam und Eva, als Gott die Menschen und die Welt gemacht hat.

Aber war da bei Adam und Eva nicht noch eine andere Geschichte mit einem Apfel? Ja- so wunderbar hat Gott uns Menschen gemacht, dass wir die Freiheit haben, zu wählen zwischen dem Guten und dem Bösen. Den Apfel an einem der Bäume im Paradiesgarten sollten Adam und Eva nicht essen. Aber genau das haben sie getan- das, was verboten war. Was hilft nun dagegen, dass wir uns zu bösen Taten verführen lassen? Es hilft der Glaube an Gott und an Jesus. Jesus ist den Weg der Liebe für uns gegangen. Er hat unsere Sünden auf sich genommen am Kreuz- allein aus Liebe. Ja, ein noch größeres Wunder als der Mensch ist die Liebe. Die Liebe haben wir von Gott. In Liebe sollen wir einander begegnen. In Liebe sollen wir uns um Gottes Welt kümmern- um die Pflanzen, Tiere und Menschen. So wie es in der Bibel in 1. Johannes 3, 18 heißt: „Lasst uns nicht lieben mit Worten, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.“

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

 

 

 

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Gedanken zum Sonntag

ökum. Gottesdienst

Predigt zum ökumenischen Gottesdienst zum Patrozinium der Kirche Heilig Kreuz in Gosheim

Liebe Mitchristen!

Heilig Kreuz- so heißt die katholische Kirche hier in Gosheim. Und es ist etwas Besonderes, dass wir heute, beim Patrozinium dieser Kirche, ökumenisch zusammenkommen- katholische Christen aus der Seelsorgeeinheit Lember und evangelische Christen aus der evang. Kirchengemeinde Wehingen. Heilig Kreuz: Unter dem Kreuz Jesu Christi kommen wir zusammen. Er, der Gekreuzigte und Auferstandene ist es, der uns zusammenhält. Sein Kreuz ist das Erkennungszeichen für uns Christen.

In den Sommerferien war ich im Urlaub in Mecklenburg. Auf einem ehemaligen Gutshof gab es Kaffee und Kuchen. Wir wurden bewirtet von einem jungen Kellner, der eine Halskette mit einem Kreuz trug. Darauf angesprochen sagte er, er trage das Kreuz aus Überzeugung, er sei evangelischer Christ. Es hat mich beeindruckt, mit welcher Selbstverständlichkeit er das sagte- dort in Mecklenburg, wo die Christen klar in der Minderheit sind und wo durch radikale Parteien die christlichen Werte wie Menschenwürde für alle und Nächstenliebe zunehmend in Frage gestellt werden. Die Begegnung mit diesem jungen Kellner, wie er seine Kette mit dem Kreuz getragen hat, ganz unaufdringlich, aber mit innerster Überzeugung und voller Bereitschaft, sich zu seinem christlichen Glauben zu bekennen- das hat mir Mut gemacht.

Ich denke an das Volk Israel in der Wüste. In der Schriftlesung (4. Mose 21, 4-9) haben wir gehört, wie das damals war- viele, viele Jahre nachdem dem Volk Israel die Flucht aus der Sklaverei in Ägypten gelungen war. Und immer noch waren sie in der Wüste unterwegs. Immer wieder war das Wasser knapp und zu essen gab es immer nur dasselbe: Immer nur Manna, jeden Tag. Dieses eintönige Essen hing ihnen schon längst zum Hals heraus. So verloren die Israeliten den Mut, die Widerstandskraft und die Hoffnung. Sie waren wie gelähmt- wie das Kaninchen vor der Schlange. Für die giftigen Schlangen, die dann im Lager auftauchten, waren diese Menschen leichte Beute. Sie wurden von den Schlangen gebissen, und viele starben. „Hilfe!“ riefen die Israeliten zu Mose und zu Gott. „Hilfe!“ rief Mose zu Gott.

Und Gott half tatsächlich- auf ganz merkwürdige und erstaunliche Weise. Gott gab Mose den Auftrag, aus Metall eine Schlange herzustellen  und diese Schlange im israelitischen Lager für alle gut sichtbar an einer Stange zu befestigen. Wer diese Metall-Schlange anschaute, der würde gerettet. So geschah es. Und tatsächlich: Die Israeliten wurden vor den Schlangen gerettet. Im Evangelium (Johannes 3, 13-17) überträgt Jesus diese Geschichte auf sein Kreuz: So wie die Israeliten in der Wüste zur von Mose aufgerichteten Schlange geschaut haben und gerettet wurden, so sollen wir heute auf das Kreuz Jesu Christi schauen, um gerettet zu werden.

Oft sind wir mutlos und wie gelähmt. Wie die Israeliten vor den Schlangen sehen wir das Unheil heraufziehen. Wir sehen, wie radikale Kräfte stärker werden in unserem Land und die christlichen Werte von Nächstenliebe und Menschenwürde zurückgedrängt werden. Wir sehen, wie in der Weltpolitik zunehmend das Recht des Stärkeren gilt, wie Kriege vom Zaun gebrochen werden und niemand sich in der Lage sieht, sie zu beenden. Wir sehen und spüren, wie das Klima sich verändert- die Sommer immer heißer, die Winter kaum noch Schnee. Wir sehen das alles. Wie das Kaninchen vor der Schlange stehen wir vor diesen Problemen und Gefahren unserer Zeit; wie erstarrt, wie gelähmt. Was kann da helfen?

Schaut auf das Kreuz, sagen uns die Bibeltexte, die wir heute als Lesungen gehört haben. Ja, das Kreuz Jesu Christ kann uns aus dieser Lähmung und Erstarrung herausholen. Denn das Kreuz Jesu Christ zeigt uns: Die Liebe hat das letzte Wort. Nicht das Unheil und nicht das Recht des Stärkeren haben das letzte Wort, sondern die Liebe. Denn allein aus Liebe ist Jesus Christus für uns ans Kreuz gegangen. Aus Liebe ist er diesen elenden Tod gestorben. Alles Elend der Welt, alle Schuld und alles Leid hat er dort am Kreuz auf sich genommen, damit wir leben, damit wir frei sein können. Das Kreuz Jesu Christi ist das Zeichen für die Liebe. Nicht immer muss das Kreuz deswegen hoch und erhaben sein wie wir es hier sehen in der Kirche Heilig Kreuz und an manchen schönen Aussichtspunkten wie dem Weißen Kreuz in Gosheim. Sichtbar als Zeichen der Liebe ist das Kreuz Jesu Christi manchmal gerade da, wo es klein und unscheinbar erscheint. In den Großstädten unserer Welt sind die christlichen Kirchen mit ihren Kreuzen ja längst nicht mehr die höchsten Gebäude. Sie werden überragt von Wolkenkratzern. Hier in unserer Region steht uns das durch den Testturm in Rottweil vor Augen, in dem Aufzüge für solche Wolkenkratzer getestet werden und der die Kirchtürme von Rottweil bei Weitem überragt.

Und doch sind es auch und gerade diese Kirchen, die von anderen Gebäuden überragt werden, die das Kreuz Jesu Christi aufgerichtet haben in unserer Zeit. In New York in Downtown Manhattan gibt es eine solche Kirche: die St. Paul’s Chapel. Auch heute wirkt sie klein und unscheinbar neben den großen Wolkenkratzern, die sie umgeben. Erst recht war dies vor über 25 Jahren so, als St. Paul’s Chapel im Schatten der beiden Zwillingstürme des World Trade Centers stand. Aber der 11. September 2001 änderte alles, als die beiden Zwillingstürme sich nach Terroranschlägen in ein Flammeninferno verwandelten, in Schutt und Asche versanken und Tausende von Menschen dabei den Tod fanden.

Wie durch ein Wunder blieb die direkt am Ground Zero gelegene kleine St. Paul’s Chapel bei dieser Katastrophe verschont. In den Wochen und Monaten danach wurde St. Paul’s ein Zufluchtsort. St. Paul’s war rund um die Uhr geöffnet. Rettungskräfte und Bergungsarbeiter konnten hier essen, schlafen, ausruhen und sich medizinisch versorgen lassen. Die von den schweren Stiefeln der Rettungskräfte zerkratzten Kirchenbänke sind dort noch heute zu sehen- und auch ein Kreuz, das in dieser schweren Zeit vor 25 Jahren entstanden ist. Ein Kreuz aus Metall, das zwei Schmiede aus Virginia damals aus Überresten des World Trade Centers angefertigt haben. Iron Memorial Cross nennen sie dieses Kreuz dort in New York- eisernes Erinnerungskreuz. Für viele Menschen in New York ist dieses Kreuz ein Hoffnungszeichen- damals wie heute. Es hilft ihnen, nicht vor dem Bösen zu erstarren wie das Kaninchen vor der Schlange. Es hilft ihnen, trotz allem Bösen nicht den Mut zu verlieren und nicht den Glauben daran, dass die Liebe letztlich siegt.

Lassen wir uns ermutigen von dieser Geschichte aus dunkler Zeit, die auch in die Dunkelheiten unserer Zeit hinein spricht. Halten wir unseren Blick fest auf das Kreuz Jesu Christi gerichtet. Am Kreuz ist er den Weg der Liebe für uns gegangen- Liebe, die stärker ist als aller Hass und alle Gewalt.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

 

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[öffentl. Kirchengemeinderatssitzung] 16.09.2026

Evang. Kirchengemeinde
WehingenTitel: wehingen

Finkenweg 12

78564 Wehingen

 

Tel. 07426/7186

pfarramt.wehingen@elkw.de

 

09.09.2026

herzlich laden wir zur Sitzung des Kirchengemeinderates

am Mittwoch, 16.09.2026 um 19.30 Uhr im Gemeindesaal ein.

Folgende Tagesordnung ist vorgesehen:

 

Öffentlicher Teil

Top 1

19:30 Uhr

Begrüßung

Andacht

Top 2

Festlegung und Ergänzung der Tagesordnung

Top 3

Öffentliches Protokoll der letzten Sitzung vom 24.07.2026

Top 4 

  • a. Gemeindeleben: Mitteilungen und Anregungen 
  • Besuch von Neuzugezogenen?

 

  • b. Rückblick:  
  • Gottesdienst im Grünen 26.07.2026 am Harrassee  
  • Ökumenischer Gottesdienst zum Patrozinium von Heilig Kreuz Gosheim am 13.9.2026 um 10 Uhr

 

  • c. Ausblick: 
  • Stand beim Verkaufsoffenen Sonntag am 20.9.  
  • Tischtennisturnier am 10.10.2026 ab 15 Uhr 
  • Gemeindewanderung 11.10.2026 ab 14 Uhr
  • Singnachmittag am 29.11.2026
  • Jahresplanung 2027 – bitte konkrete Termine und Vorschläge mitbringen
  • Gemeindejubiläum 2028 – erste Ideensammlung und Planung

Top 5 

Ø KGR-Dienste: Planung GD 2026 (Churchtools) 

Ø Kirchkaffee

Top 6 

Bauausschuss:   

  • Bericht Hr. Allzeit
  • Bauschau am 22.09.2026
  • Antwort des OKR zum Bauvorhaben – weiteres Vorgehen (bitte genau durchlesen und Fragen oder Bemerkungen dazu notieren)

 

Top 7

Finanzen

  • Kosten Kirche Kunterbunt und weitere ökumenische Projekte

Top 8 

Informationen aus Ausschüssen, Distrikt und Kirchenbezirk 

  • Zukunft des Distrikts-Jugendbusses

 

Top 9 

Sonstiges 

  • Elkw-Mailadressen

 

 

Ø Verpflegung 

 

Ø  

 

 

 

 

 

 

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Gedanken zum Sonntag

14. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zum 14. Sonntag nach Trinitatis, 6. 9. 2026

Liebe Mitchristen!

In unserem heutigen Predigttext (Lukas 19, 1-10) spielt ein Maulbeerbaum eine wichtige Rolle. In Israel zur Zeit Jesu war dieser Baum weit verbreitet- in vergangenen Jahrhunderten aber auch bei uns in Deutschland. In meinem Urlaub in Mecklenburg bin ich daran erinnert worden. Dort habe ich einen Maulbeerbaum gesehen. Er stand in einem Kirchhof: Alt, knorrig und wohl auch ein bisschen morsch. Ein Schild stand neben dem Baum, das auf seine besondere Geschichte hinwies: Im 19. Jahrhundert wurde er gepflanzt, aus wirtschaftlichen Gründen. Seide war damals wichtig. Man hoffte, sie nicht mehr aus China importieren zu müssen. Man hoffte, in Deutschland eine eigene Seidenproduktion aufbauen zu können. Viele Maulbeerbäume wurden deswegen damals in Deutschland gepflanzt- an öffentlichen Plätzen und in Kirchhöfen. Denn Seidenraupen fressen Maulbeerbaumblätter. Einige wenige dieser Maulbeerbäume stehen noch heute- so wie der, den ich in meinem Urlaub in Mecklenburg gesehen habe. Mit den Seidenraupen hat es allerdings nicht so geklappt an den deutschen Maulbeerbäumen. Die Hoffnung, in der Seidenproduktion von China unabhängig zu werden, hat sich nicht erfüllt. Die Seide musste weiter gegen teures Geld und hohe Zölle aus China eingeführt werden.

Hohe Zölle und der verzweifelte Versuch, dagegen anzukommen- das kennen wir auch aus unserer Zeit. Hohe Zölle machen den Menschen das Leben schwer. Alles wird teurer. Handelswege sind blockiert. Kann ein Maulbeerbaum dagegen helfen? In unserem heutigen Predigttext war der Maulbeerbaum tatsächlich hilfreich. Aber nicht weil Seidenraupen auf ihm saßen, mit denen man zollfrei Seide hätte produzieren können. Nein, der Zöllner selbst saß da auf dem Maulbeerbaum- sogar der Oberste von den Zöllnern. Zachäus war sein Name.

Was für eine verrückte Geschichte: Der Oberzöllner Zachäus sitzt auf einem Maulbeerbaum. Dabei sollte er doch eigentlich am Stadttor von Jericho an seiner Zollstation sitzen und dort Zoll kassieren für die kostbaren Seidenstoffe, die die Händler auf dem Markt verkaufen wollen. Und die Bürger von Jericho wissen: Wenn der Oberzöllner Zachäus dort an der Zollstation sitzt, dann ziehen die Preise an bei allem, was die Händler auf dem Markt verkaufen. Denn Zachäus schlägt noch mal kräftig drauf auf die Zölle, die die römische Besatzungsmacht verlangt. Zachäus arbeitet nicht nur für die verhassten Römer. Er wirtschaftet auch in die eigene Tasche.

Zollpolitik, die die Menschen in wirtschaftliche Bedrängnis bringt- und einer, der die Macht hat, wirtschaftet dabei in die eigene Tasche. Das müssen wir auch heute erleben, in viel größerem Stil in der internationalen Politik. Und so einer ist auch dieser Zachäus, von dem unser Predigttext erzählt. Bis zum Oberzöllner hat er es schon gebracht mit seiner schmutzigen Masche. Die römische Besatzungsmacht hat ihn darin unterstützt, indem sie ihn vom Zöllner zum Oberzöllner befördert hat. „Weiter so“ ist also die Devise. Und reich ist er natürlich auch geworden dabei. Zachäus kann sich ganz sicher eine luxuriöse Villa leisten mit seinem schmutzigen Geld. Aber in dieser luxuriösen Villa ist er allein. Von seinen Landsleuten wird Zachäus geächtet wegen seiner Kollaboration mit den Römern und seinen schmutzigen Machenschaften. Und Zachäus hat noch ein anderes Problem: Er ist kleinwüchsig. Schon allein wegen seines Aussehens wird er oft verspottet.

Aber dann ist Jesus in der Stadt, von dem Zachäus an seiner Zollstation schon viel gehört hat. Als er dort die Gespräche belauscht hat, wie die Leute über Jesus redeten, da hat er gemerkt: Es gibt Dinge, die lassen sich nicht mit Geld erkaufen. Die härteste Zollpolitik und die luxuriöseste Villa, die ich mir von diesem schmutzigen Geld gekauft habe- das alles ist nichts gegen das, was die Menschen haben, die Jesus begegnet sind: Ihre Augen strahlen, wenn sie von Jesus erzählen: „Er hat mir geholfen.“ „Seit er mit mir geredet hat, habe ich wieder neue Hoffnung und kann froh und glücklich sein.“ „Kranke macht er gesund, und Armen schenkt er Trost aus Gottes Wort.“ „Meine Sünden hat er mir vergeben.“ So reden die Menschen an der Zollstation. Und eines Tages heißt es: „Jesus kommt! Er kommt in unsere Stadt Jericho. Er ist schon ganz nahe. In Kürze wird er hier sein!“

Da trifft Zachäus eine Entscheidung. Er verlässt seine Zollstation und läuft in die Stadt hinein: „Hier, auf diesem Platz, da wird Jesus auf jeden Fall vorbeikommen. Und es wächst ein Maulbeerbaum hier. Wenn ich da hochsteige, werde ich Jesus auf jeden Fall sehen, auch wenn ich kleinwüchsig bin.“ So kommt es, dass Zachäus, der Oberzöllner oben im Maulbeerbaum sitzt: „Hier oben kann mir keiner was. Hier bleibe ich unentdeckt.“ So wird Zachäus sicherlich gedacht haben. Aber als Jesus zu diesem Platz kommt, fällt sein Blick als erstes auf den Maulbeerbaum und auf Zachäus dort im Geäst. „Zachäus, komm schnell herunter, denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein,“ sagt Jesus.

Jesus ruft Zachäus beim Namen. Für ihn ist Zachäus nicht der Oberzöllner und Römerfreund, nicht der kleinwüchsige Schurke. Für Jesus ist Zachäus einfach Zachäus, ein Sohn Abraham, ein Kind Gottes. Jesus gibt Zachäus seine Würde zurück- die Würde, ein Sohn Abrahams, ein Kind Gottes zu sein. Diese Würde, die jeder Mensch hat- jede und jeder von uns. Nichts und niemand kann uns diese Würde nehmen, nicht einmal wir selbst mit unserem unwürdigen Verhalten. Ja, Zachäus hat sich unwürdig verhalten- nicht wie ein Sohn Abrahams, nicht wie ein Kind Gottes. Aber Jesus lädt sich zu ihm ein. Jesus kehrt bei Zachäus ein. Zuhause in seiner luxuriösen Villa, da setzt sich Jesus mit ihm an einen Tisch. Und Zachäus freut sich über diese unerwartete, unverdiente Gnade. Auch wenn da ein Raunen durch die Menge geht und ein Kopfschütteln: „Bei so einem kehrt Jesus ein?! Wie kann er nur!“

„Komm Her Jesu, sei unser Gast und segne, was du uns aus Gnaden bescheret hast.“ So heißt es in einem alten Tischgebet. Ja, Gnade ist es, dass wir zu unseren Mahlzeiten an einem reich gedeckten Tisch sitzen. Gnade ist es, wenn wir dazu noch liebe Menschen haben, die mit uns zusammen am Tisch sitzen. Und auch wenn wir unsere Mahlzeiten allein einnehmen: Gnade ist es, dass Jesus uns nie allein lässt. Jesus ist unser Tischgenosse. Jesus begleitet uns durchs Leben. Jesus kennt uns durch und durch. Er weiß auch, wo wir Schurken sind und Halunken. Er weiß, wo wir Menschen übervorteilt oder übergangen haben; wo wir einander nicht gerecht geworden sind.

Jesus fragt Zachäus nicht nach seinen Sünden. Er fordert Zachäus nicht auf, sein Leben zu ändern. Nein- zuerst einmal setzt sich Jesus mit Zachäus an seinen Tisch, dort in der luxuriösen Villa, die Zachäus mit unrechtmäßigen Mitteln erworben hat. Jesus reißt die Schranken ein, die wir Menschen zwischen uns aufrichten: Zollschranken. Schranken des guten Tons. Schranken wie: „Der oder die ist aber kein Umgang für dich.“ Zachäus spürt das. Ohne das Jesus ihn darauf anspricht, spürt er: Nachdem Jesus in mein Haus eingekehrt ist, kann ich nicht einfach so weitermachen wie bisher. „Die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen. Und wenn ich jemanden betrogen habe, so zahle ich es vierfach zurück,“ sagt er zu Jesus. Und Jesus antwortet ihm: „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“

Lassen wir uns ermutigen von dieser Geschichte. Zachäus hat sich verstrickt in ein Netz des Bösen. Zollschranken hat er aufgebaut und immer höher gesetzt. Und auch die Schranken zu seinen Mitmenschen wurden immer höher. Manchmal weiß man nicht mehr, wie man da rauskommen soll aus solchen Verstrickungen. Manchmal braucht es ungewöhnliche Weg, an die wir vorher nicht gedacht hätten. Vielleicht ist das auch in der internationalen Zollpolitik so- wer weiß? Zachäus jedenfalls wählt einen ungewöhnlichen Weg. Er steigt auf einen Maulbeerbaum. Das ist ein Perspektivwechsel. Dort oben lässt er sich von Jesus ansprechen. Er hat Tischgemeinschaft mit Jesus. Er lässt seine Sünden hinter sich und wagt mit Jesus einen Neuanfang.

„Komm Herr Jesu, sei du unser Gast und segne, was du uns aus Gnaden bescheret hast.“ Jesus lädt auch uns heute ein, mit ihm Tischgemeinschaft zu haben. In Brot und Wein schenkt er sich uns. Wir dürfen unsere Sünden hinter uns lassen und mit Jesus einen Neuanfang wagen.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer