Kategorien
Gedanken zum Sonntag

7. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zum 7. Sonntag nach Trinitatis, 19. Juli 2026

Liebe Mitchristen!

Wann haben Sie zuletzt Gäste willkommen geheißen bei sich zuhause? Vielleicht war es bei einem Fest, an Ihrem Geburtstag zum Beispiel. Oder Sie hatten einfach zwei, drei gute Bekannte da, nachmittags zum Kaffee oder abends auf ein Bier. Wahrscheinlich hatten Sie vorher eingeladen, so dass Sie sich auf den Besuch vorbereiten konnten. Und bestimmt waren die Personen, die Sie bei sich zuhause willkommen geheißen haben, keine Fremden für Sie. Bei Abraham, von dem wir in der Bibel lesen (1. Mose 18, 1-16), war das anders: Die drei Männer, die ihn besuchen, kommen unangemeldet. Und Abraham kennt sie nicht. Vielleicht wären die drei sogar einfach weitergelaufen, wenn Abraham sie nicht aufgefordert hätte, bei ihm ein wenig Rast zu machen von ihrem staubigen Weg, und sich zu erfrischen und zu stärken. „Seid meine Gäste,“ sagt Abraham zu den dreien, „hier im Schatten unter dem Baum ist der beste Platz.“ Und Abraham lässt auftafeln für seine unbekannten Gäste: Wasser, um die Füße zu erfrischen, Milch zum Trinken, frisch gebackenes Brot mit Butter und sogar einen Kalbsbraten.

So war das eben damals, könnten wir jetzt sagen. Oder: Im Orient ist das halt so: Orientalische Gastfreundschaft. Und vielleicht hat mancher von uns das auch schon erlebt beim Urlaub in einem orientalischen Land: Diese Herzlichkeit, mit der dort die Gäste bewirtet werden. Und dass Gastfreundschaft Vorrang hat vor allen anderen Aufgaben und Verpflichtungen. Da wird der unerwartet vor der Tür stehende Gast hereingebeten, auch wenn es eigentlich gerade nicht passt und man anderes vorhatte.

Und bei uns? Da ist das eben anders- eine andere Zeit, eine andere Kultur, oder? Vielleicht dachten die Christen im ausgehenden 1. Jahrhundert nach Christus auch so, wenn sie die Geschichte von Abraham und seinen drei Besuchern gehört haben. Seit einigen Jahrzehnten gab es die jungen christlichen Gemeinden schon. Das Christentum hatte sich gefestigt und an manchen Orten etabliert. Aber immer wieder waren die christlichen Gemeinden Anfeindungen ausgesetzt und sogar Verfolgungen. Kann man unter solchen Bedingungen wie damals leben wie Abraham und die fremden Leute da draußen vor der Tür einfach bei sich zu Tisch bitten? Und kann man das in unserer Zeit tun, wo an der Haustür oft Lügengeschichten erzählt werden, die auf die Tränendrüse drücken, aber eigentlich will da einer nur an unser Geld?

In den jungen christlichen Gemeinden konnte es jedenfalls gefährlich werden, wenn man dem Fremden draußen die Tür öffnete und ihn zu sich an den Tisch bat. Denn wer konnte damals schon wissen, ob dieser Fremde nicht ein Gegner des christlichen Glaubens war, einer der Verfolger, die einem Böses wollten? Auch konnte es damals gefährlich werden, die wegen ihres Glaubens Verhafteten im Gefängnis zu besuchen oder die, die wegen ihres Glaubens gefoltert worden waren, gesund zu pflegen. Denn mit all diesen Taten zeigte man ja, dass man selbst auch zur christlichen Gemeinde hielt, und lief somit Gefahr, ebenfalls gefangen genommen oder gefoltert zu werden.

In einer Atmosphäre der Angst wie in der damaligen Zeit ist es schwer, die christlichen Werte der Nächstenliebe und der Gastfreundschaft zu leben. Auch in unserer Zeit wird es zunehmend schwerer, weil diese Werte an Bedeutung verlieren in unserer Gesellschaft. Aber diese christlichen Werte sind nicht verhandelbar. Daran erinnert der Hebräerbrief: „Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht, denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.“ (Hebräer 13, 1-3) Für die Menschen in den ersten christlichen Gemeinden, an die dieser Brief sich ursprünglich richtet, war es eine noch viel größere Zumutung als für uns heute, ihre Häuser zu öffnen für den draußen vor der Tür, die Gefangenen zu besuchen, und die an Körper und Seele Verletzten und Misshandelten zu versorgen. Sie riskierten ihr Leben dafür. Und doch- es geht nicht anders, meint der Verfasser des Hebräerbriefs. Denn ihr seid auch Menschen, die einen Körper haben. Ihr wisst, wie sich Schmerzen anfühlen. Vergesst nicht die Misshandelten. Vergesst nicht die Gefangenen.

Und heute möchte ich noch dazusetzen: Vergesst auch nicht die, die in ihrer Einsamkeit gefangen sind. Die keine Freunde haben, keine echten zwischenmenschlichen Begegnungen, nur die sogenannten sozialen Medien. Ja, die Einsamkeit ist zur Landplage geworden in unserer Zeit. Deshalb: Ladet die Einsamen ein in euer Haus. Nicht nur die, die auf eurer Linie liegen und in eurer Blase leben. Nein, gerade auch die, die ein bisschen anders ticken als ihr. Ihr müsst euch deswegen nicht in Gefahr bringen. Wer bei euch vor der Tür steht und Lügengeschichten erzählt, die auf die Tränendrüse drücken, und eigentlich will er nur euer Geld, der kann ruhig draußen bleiben. Aber wie wäre es, mal die Nachbarin oder den Nachbarn einzuladen, die immer allein sind und die man selten draußen sieht? Wenn ihr eure Tür öffnet, dann könnten sie vielleicht so ein Engel für euch sein, wie im Hebräerbrief beschrieben. So wie bei Abraham damals.

Abraham hat die drei Fremden als Gäste bei sich willkommen geheißen, ohne zu wissen, dass es Engel sind. Er hat mit ihnen gegessen und getrunken, geredet und zugehört. Und so war Abraham ganz Ohr für die Botschaft, die Gott ihm durch diese Drei überbracht hat: Dass er mit seiner Frau Sara einen Sohn bekommen wird, trotz ihres hohen Alters. Ein Engelsbotschaft war das, die sich erfüllt hat. Ja, Träume können wahr werden und das, was wir für unmöglich halten, plötzlich möglich werden, wenn wir ein offenes Haus und ein offenes Herz haben für die Menschen um uns herum. Wer weiß, durch welchen dieser Menschen Gott uns eine wichtige Botschaft überbringen will? Vielleicht gerade durch den, von dem wir das am wenigsten erwarten.

Bleiben wir also fest in der brüderlichen Liebe, und sind wir offen für Gottes Wirken, auch in unserem Alltag. Statt brüderliche Liebe könnte man auch übersetzten: Geschwisterliche Liebe. Dass wir uns als Brüder und Schwestern begegnen- mit Mitgefühl, mit Mitleid und mit tatkräftiger Mithilfe da, wo es nötig ist. Aber es steckt noch mehr drin in der brüderlichen Liebe: Jesus Christus, unser Bruder und Herr. Seine Liebe zu uns macht uns erst fähig dazu, die brüderliche, geschwisterliche Liebe untereinander zu leben- als Glaubensgeschwister, die verbunden sind im Glauben an Jesus Christus. Er hat uns zuerst geliebt. Für unsere Sünden ist er am Kreuz gestorben, allein aus Liebe. Und am dritten Tag hat Gott seinen Engel geschickt, um zu verkünden: Jesus lebt.

Aus dieser Liebe leben wir. Diese Engelsbotschaft trägt uns bis heute. So wie es der Hebräerbrief auf den Punkt bringt: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ (Hebräer 13, 8)

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

Kategorien
Allgemein

[Einladung KGR-Sitzung] am 24.07.2026


Titel: wehingen

 

 

 

Herzliche Einladung zur Sitzung des Kirchengemeinderates

am Freitag, 24.07.2026 um 18.00 Uhr in Wehingen, Gemeindehaus

Folgende Tagesordnung ist vorgesehen:

 

Öffentlicher Teil

Top 1

18:00 Uhr

Begrüßung

Andacht

 

Top 2

Festlegung und Ergänzung der Tagesordnung

 

Top 3

Öffentliches Protokoll der letzten Sitzung vom 30.06.2026

 

Top 4 

a. Gemeindeleben: Mitteilungen und Anregungen 

  •  

b. Rückblick:  

  • Konficamp 03. – 05.07.2026
  •  

c. Ausblick: 

  • Planung Gottesdienst im Grünen 26.07.2026 am Harrassee
  • neuer Konfirmandenjahrgang und neuer Konfi3-Jahrgang
  • Ökumenischer Gottesdienst zum Patrozinium von Heilig Kreuz Gosheim am 13.9.
  • Stand beim Verkaufsoffenen Sonntag am 20.9.
  • Tischtennisturnier – jetzt am 10.10.2026 ab 15 Uhr
  • Ökumen. Kinderbibeltage in der letzten Sommerferienwoche 2027

 

Top 5 

Ø KGR-Dienste: Planung GD 2026 (Churchtools

Ø Kirchkaffee

Ø  

Top 6 

Bauausschuss

 

Top 7 

Informationen aus Ausschüssen, Distrikt und Kirchenbezirk 

  • Bericht vom Jugend- und Kindergartenausschuss
  •  

Top 8 

Sonstiges 

  • Fahrtkostenerstattung für unsere Ehrenamtlichen
  • Kirchenchor-Neugründung: Wer? Wann? Wo? Wie? Werbung?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kategorien
Gedanken zum Sonntag

6. Sonntag nach Trinitatis

 

Predigt zum 6. Sonntag nach Trinitatis, 12. Juli 2026

Liebe Mitchristen!

Wer bin ich, und was wird mal aus mir? Was denken andere Menschen über mich? Können sie mich leiden, oder sehen sie auf mich herab? Werde ich ein glückliches Leben haben, geliebt und erfolgreich sein, oder als Versager am Rand stehen? Solche Fragen haben mich umgetrieben, als ich Jugendliche war. Fragen, wie Jugendliche sie haben in ihrem Alter. Es kann belastend sein, wenn einen solche Fragen umtreiben. Man kann ins Grübeln kommen und nur schwer wieder rausfinden. Was mir als Jugendlicher geholfen hat bei meinen Fragen, war der Bibelspruch, der einem bei der Taufe zugesprochen wird: „So spricht der HERR, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ (Jesaja 43, 1) Dieser Bibelspruch sagte mir damals: Gott meint wirklich mich. Gott kennt mich. Gott ruft mich beim Namen. Ich brauche keine Angst vor der Zukunft zu haben. Gott ist für mich da.

Weil der Bibelspruch mir wichtig war, habe ich ihn in meiner Bibel gesucht und gefunden- und war enttäuscht. Denn dort in der Bibel stand: „So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel.“ Aber ich bin doch nicht Jakob und gehöre auch nicht zum Volk Israel, habe ich damals als Jugendliche gedacht. Also meint der Bibelspruch wohl doch nicht mich. Warum hat der Pfarrer das nicht gleich gesagt?

Heute haben wir Taufe gefeiert. Und auch heute haben wir den beiden Taufkindern dieses alte Bibelwort aus dem Jesajabuch zugesprochen. War da richtig so, oder ist dieses Bibelwort eigentlich nur für Israel gedacht, für dieses besondere Volk mit seiner wechselvollen und oft leidvollen Geschichte? In 5. Mose 7, 6-8 heißt es: „Du, Israel bist ein besonderes Volk, du bist heilig für den HERRN, deinen Gott. Der HERR, dein Gott, hat dich erwählt: Als einziges Volk unter allen Völkern der Erde sollst du ihm gehören. Nicht weil ihr zahlreicher seid als alle Völker der Erde, empfindet der HERR Zuneigung zu euch. Nicht deswegen hat er euch ausgewählt. Denn du bist ja das kleinste von allen Völkern. Sondern aus Liebe zu euch hat der HERR es getan.“

Zwei Bibeltexte, eine Frage: Was hat das hier Gesagte und Aufgeschriebene mit mir zu tun? Geht es hier nicht einfach nur um Israel? Zwei Bibeltexte, ein geschichtlicher Hintergrund: Beide Texte wurden in derselben schweren Zeit verfasst. Sowohl der zweite Jesaja, von dem die hinteren Kapitel des Jesajabuchs stammen, als auch der Verfasser des 5. Buchs Mose haben erleben müssen, wie ihre ganze Welt zusammengebrochen ist: Wie Jerusalem von feindlichen Truppen erobert wurde. Wie alle, die Rang und Namen hatten in Israel, verschleppt wurden ins ferne, feindliche Babylon. Wie der Jerusalemer Tempel zerstört wurde- das Allerheiligste, das die Menschen damals kannten; der Ort, wo für sie Gott zuhause war.

Was bleibt, wenn auf einmal alles anders ist? Bleibt uns trotzdem noch unser Glaube? Bleibt Gott auch dann immer noch bei uns, wenn der Ort, an dem wir ihn immer angebetet haben, nicht mehr da ist? Heute haben wir zwei Kinder getauft, hier in unserer Kirche. Ja, wir haben hier eine Kirche und eine Gemeinde, in der wir miteinander von Gott hören und zu ihm beten, ohne dass wir deswegen Verfolgung oder Benachteiligung erleiden müssen. Dafür können wir Gott dankbar sein. Vielen Gläubigen auf der Welt geht es nicht so gut. Kirchen sind zerstört, dort wo Krieg und Terror vorherrschen. Und es gibt viele Länder auf der Welt, in denen der Glaube nicht in Freiheit und Offenheit gelebt werden kann.

Wir können Gott dankbar sein. Und doch fragen wir uns, wenn wir an die beiden Kinder denken, die wir heute getauft haben: Was für eine Kirche wird das sein, in der sie in den Glauben hineinwachsen? Wie wird in 13 oder 14 Jahren der Konfirmandenunterricht aussehen, wenn sie einmal Konfirmation feiern? Wo werden sie als junge Erwachsene Gleichgesinnte treffen, Menschen in ihrem Alter, denen der Glaube an Jesus Christus wichtig ist? Fragen, die wir uns stellen, weil unsere Kirchengemeinden kleiner werden und die Stimme der Kirche immer weniger gehört wird in unserer Gesellschaft. Freilich ist das immer noch etwas Anderes als die kriegerischen Auseinandersetzungen damals zur Zeit des zweiten Jesaja und des Verfassers des 5. Buchs Mose. Wir können Gott dankbar sein, dass wir in unserem Land in Frieden leben. Und wir haben die Aufgabe, alles daran zu setzen, dass die Kriege, die unsere Welt heute erschüttern und zerrütten, ein Ende finden. Aber eines ist doch vergleichbar: Klein und unbedeutend – so hat sich das Volk Israel damals auch erlebt, inmitten der Übermacht der großen Völker ringsum: Wird es bestehen bleiben, dieses kleine Volk? Oder wird es untergehen, und mit ihm auch der Glaube an den einen Gott, der das Kleine und Unbedeutende liebt -gerade dieses kleine Volk Israel. Der Glaube an den Gott, dem es nicht egal ist, wenn Menschen unterdrückt und versklavt werden. Der Glaube an den Gott, der die Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei herausgeführt hat in die Freiheit (5. Mose 7, 8-9).

Ja, Gott liebt und schützt gerade das Kleine und Unbedeutende. Und Gott ist treu. Seine Treue hält 1.000 Generationen, sagt uns die Bibel (5. Mose 7, 9). Deswegen bin ich ganz sicher: Auch seinem Volk Israel hält Gott weiter die Treue. Auch die fragwürdige Politik des Staates Israel, die wir in diesen Zeiten erleben müssen, ändert nichts an Gottes Treue. Gottes Treue bleibt, auch wenn Menschen nicht danach handeln. Gottes Treue deswegen ist kein Freibrief, mit dem ich tun und lassenkann, was ich will. Denn Gottes Treue ist in Stein gemeißelt: Auf den beiden Steintafeln stehen die 10 Gebote- Gottes Regeln für ein gutes Leben in dieser Welt und mit Gott. Wer sich nicht daran hält, wird von Gott zur Rechenschaft gezogen werden. Auch daran erinnert der Bibeltext aus 5. Mose mit mahnenden Worten (5. Mose 7, 10-11).

Warum diese Strenge am Ende dieses Bibeltexts? Eben darum, weil bei Gott das zählt, was in der Welt klein und unbedeutend erscheint: Ein kleines Volk- das Volk Israel. Die kleinen Kinder, die wir heute auf den Namen des dreieinigen Gottes getauft haben. Ein kleiner, unbedeutender Mann aus Galiläa mit Namen Jesus, Gottes Sohn: Klein und elend stirbt er am Kreuz. Aber Gott macht ihn ganz groß, schenkt ihm neues Leben und holt ihn zu sich an seine rechte Seite in den Himmel. Dort sitzt er mit Gott im Regiment und leitet die Geschicke der Welt.

Ja, Gott macht das Kleine groß. Dabei ist Gott kein erbsenzählerischer strenger Richter. Sondern wer bereit ist, vor Gott kleinlaut zu werden und seine Sünden zu bekennen, dem vergibt er durch Jesus Christus, der den Tod auf sich genommen hat für uns. Jesus Christus, der selbst ein Jude war und aus dem Volk Israel stammte. Er hat uns mit hineingenommen in Gottes Geschichte mit seinem Volk Israel. Nicht als Ersatz für das Volk Israel, das weiter Gottes Volk bleibt, sondern als Erweiterung von Gottes großer Gnade auf alle, die an ihn glauben.

Ja, auch wir sind gemeint wenn Gott durch den zweiten Propheten Jesaja spricht: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ Und ich selbst habe es als Jugendliche trotz der Anfechtung beim Bibellesen dann doch so für mich annehmen können. Und ich habe erfahren dürfen, dass Gott mich bis zum heutigen Tag begleitet hat auf meinem Lebensweg, durch alle Höhen und Tiefen hindurch. So kann ich getrost in die Zukunft schauen.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

Kategorien
Über den Kirchturm hinaus

18.07.2026 ejw

{CAPTION}
Kategorien
Gedanken zum Sonntag

4. Sonntag nach Trinitatis

 

Predigt zum 4. Sonntag nach Trinitatis, 28.06.2026

Liebe Mitchristen!

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Dieses Bibelwort aus 1. Korinther 13, 13 ist der Taufspruch von dem Kind, das wir heute taufen. Was bleibt? fragt dieses Bibelwort. Was bleibt, wenn wir mit unserem Latein am Ende sind? Wenn alles Menschenmögliche getan wurde, und wir merken, wie wenig das ist, das Menschenmöglich, das getan werden kann? Viele von uns kennen solche Situationen, in denen wir plötzlich hilflos sind; irgendwo zwischen Hoffen und Bangen. Und vielleicht erinnern wir uns dann daran, was unsere Großeltern in solch einer Situation gesagt haben: „Da hilft nur noch beten,“ haben sie gesagt und das dann auch getan. Sie haben all ihr Hoffen und Bangen in schwieriger Zeit zu Gott gebracht und von ihm Hilfe erbeten. Und vielleicht, ja hoffentlich sogar, erinnern wir uns nicht nur daran, dass unsere Großeltern das so gemacht haben, sondern  machen es selbst auch so, sodass unsere Kinder und Enkel sich später auch daran erinnern und ihr eigenes Hoffen und Bangen in schwierigen Lebenslagen zu Gott bringen.

Denn der Glaube an einen Gott, der mehr kann als nur das Menschenmögliche, der wirklich ein Helfer in der Not ist, dieser Glaube ist eine Kraft, die uns durchs Leben trägt, in guten und in schwierigen Zeiten. Auf diesen Glauben an den dreieinigen Gott- den Schöpfer, der uns das Leben geschenkt hat, den Erlöser, der uns von der Last der Vergangenheit befreit und den Heiligen Geist, der unser Tröster ist, taufen wir heute ein Kind. Warum tun wir das? Nicht nur, weil das eben dazugehört, dass man sein Kind taufen lässt. Sondern auch, weil wir diese Erfahrung gemacht haben, wie das ist, wenn alles Menschenmögliche getan wurde, und man ist zwischen Hoffen und Bangen. Und weil wir die Erfahrung machen dürfen: Die Hoffnung behält Recht. Gott hat alles gut gemacht.

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Glaube und Hoffnung sind wirklich etwas ganz Großes. Noch größer aber ist die Liebe, schreibt der Apostel Paulus, von dem dieser Bibelspruch stammt. Ja, die Liebe ist groß. In Liebe finden Menschen zueinander, und aus Liebe schenkt Gott ihnen Kinder. In Liebe wollen wir unsere Kinder erziehen und durchs Leben begleiten. Vielleicht brauche ich über die Liebe, die Paulus in seinem Bibelwort so groß macht, gar nicht viele Worte verlieren, so selbstverständlich ist sie.

Aber ist es wirklich so einfach mit der Liebe? Der Apostel Paulus hat auch an die Gemeinde in Rom einen Brief geschrieben. Dort schreibt er noch mehr über die Liebe (Römer 12, 9-21). Ganz so einfach ist es also doch nicht mit der Liebe. Denn Liebe, das bedeutet mehr als nur für die eigene Familie da sein. Paulus hat hier einen viel weiteren Horizont: Ein Leben in gutem Miteinander, ein Leben in Frieden, das hat er im Blick. Wie kann das gehen, in Zeiten wie den unseren, in denen Kriege zur Normalität geworden sind und das Freund- Feind- Denken wieder Hochkonjunktur hat? Kann da Liebe helfen? Pass das, was Paulus im Römerbrief schreibt, auch für uns heute?

Paulus hat diesen Brief an die junge christliche Gemeinde in Rom geschickt. Diese Gemeinde gab es erst seit einigen Jahren. Das Umfeld dieser Gemeinde war politisch angespannt und teilweise feindlich. Wenige Jahre später hieß es schon: „Die Christen vor die Löwen!“ und es gab massive Christenverfolgungen in Rom. Aber was den Unterschied machte zwischen dieser  kleinen Christengemeinde und den anderen Gemeinschaften, die es dort im multireligiösen Umfeld gab, das ist die Liebe, von der Paulus schreibt: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem. Habt anderen Menschen gegenüber nur Gutes im Sinn.“ Und auch: „Nehmt nicht selbst Rache. Überlasst das vielmehr dem gerechten Zorn Gottes.“ (Römer 12, 17+19) Also: Lasst Gott mal machen. Ihr braucht das nicht für ihn zu tun. Ja, Gott ist gerecht. Wir müssen uns nicht rächen. Gott ist da. Er wird es richten. Denn es ist nicht egal, wie wir in dieser Welt leben und was wir tun. Das Böse wird nicht ungestraft bleiben. Gott ist gerecht. Was sollen wir nun tun? Unsere Feinde mit dem Nötigsten versorgen, was jedem Menschen zusteht: „Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen. Wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust häufst du glühende Kohlen auf seinen Kopf.“ (Römer 12, 20) Glühende Kohlen, was ist damit gemeint? Der Kopf wird rot. Der Feind ist beschämt. Ja, mit jeder guten Tat an euren Feinde beschämt ihr sie mehr und mehr- und Gott wird über sie richten.

Was bedeutet das nun konkret? Im Großen bedeutet es, dass Politik nur der Logik der Abschreckung, Gewalt und Gegengewalt folgt, die den Feinden in Not nicht hilft oder gar das humanitäre Menschenrecht missachtet, nichts Gutes schaffen kann. Aber Politik, die in den Feinden dennoch Menschen sieht und auch im Krieg das humanitäre Menschenrecht achtet und sich um Frieden bemüht, die sammelt „glühende Kohlen auf den Kopf des Feindes.“ Und all das gilt auch im Kleinen, in unserem Umfeld, für meinen Umgang mit dem schwierigen Nachbarn, dem Kollegen, der mit mir konkurriert und in unseren Familien, wo wir es oft auch nicht leicht haben miteinander.

„Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse mit Gutem.“ (Römer 12, 21) Auf diesen Spitzensatz läuft alles hinaus, was Paulus dort im Römerbrief über die Liebe schreibt. Es ist ein Spitzensatz, der auch gerne als Tauf- oder Konfirmationsspruch gewählt wird. Auch dieser Spruch ist kein Schönwetterspruch, sondern einer der auch in schwierigen Zeiten trägt. Ich erinnere mich an eine Konfirmandin, die diesen Spruch für sich ausgewählt hatte. Es war in der Coronazeit. Ich hatte die Konfirmanden gebeten, mir zu schreiben, warum sie sich für ihren Konfirmationsspruch entschieden hatten. Diese Konfirmandin schrieb: „Diesen Spruch finde ich passend, gerade in dieser Zeit. Durch die häusliche Quarantäne habe ich einen anderen Blick auf die Schule und den Konfirmationsunterricht bekommen. Ein Lächeln, ein kurzer Gruß erlangt nun eine ganz andere Bedeutung.“

Diese Konfirmandin ließ sich nicht blockieren von all dem Schwierigen, was die Coronazeit mit sich brachte. Sie hat sich die Offenheit für das Gute bewahrt, dort wo es ihr begegnet: In einem Lächeln oder einem kurzen Gruß. Diese kleinen Gesten, die wir uns alle schenken können, die erlebt sie jetzt als eine große Hilfe und Bereicherung. Ich finde das sehr ermutigend, auch für uns heute. Und ich erlebe es auch immer wieder selber: Menschen, die mir ein solches Lächeln schenken, und auf einmal sieht die Welt viel freundlicher aus. Menschen, die für andere da sind und helfen, wo es nötig ist. Wir sind nicht ohnmächtig. Wir können etwas tun. „Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse mit Gutem.“

Wir können das, weil Jesus Christus uns die Kraft dazu gibt. Er hat das Böse überwunden. Am Kreuz hat er unsere Schuld weggenommen, und uns einen neuen Anfang geschenkt. Allein aus Liebe hat er das getan. So können wir seine Liebe weitergegen- an die, die uns nah sind, und an die, die uns fern stehen. Wir können es, denn Jesus Christus hat uns zuerst geliebt. Er ist die Hoffnung, an der wir uns festhalten; die Hoffnung für unser Leben und für unsere Welt. Daran glauben wir. Davon leben wir. Daher lieben wir. „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

 

 

 

Kategorien
Einladung zur öffentlichen KGR Sitzung

Donnerstag, 30.06.2026 um 19.30 Uhr im Gemeindesaal in Wehingen

 

Öffentlicher Teil 

 

 

Top 1 

19:30 Uhr 

Begrüßung 

Andacht  

 

Pfrin. D. Kommer / U. Marquart 

Top 2 

Festlegung und Ergänzung der Tagesordnung 

B 

W. Klein 

Top 3 

Öffentliches Protokoll der letzten Sitzung vom 20.05.2026 

B 

W. Klein 

Top 4 

 

 

Weiterarbeit am KGR-WE: 

Thema Jugendarbeit mit Distrikts-Jugendreferent Maximilian Schleicher 

 

 

I/ D/B 

M. Schleicher/ W. Klein/ PfrinD. Kommer 

Top 5 

  • a. Gemeindeleben: Mitteilungen und Anregungen 

  •  

  • b. Rückblick:   

  • Pfingstmontag 25.05.2026 

  • ökumenische KGR-Sitzung 09.06.2026  

  • KGR-Abend am 12.06.2026 in Trossingen 

  • Kirche Kunterbunt 14.06.2026 

  • Kiki-Picknick 20.06.2026 

  • Atempause 21.06.2026 

  • Gemeindewanderung 28.06.2026  

  •  

  • c. Ausblick: 

  • Konficamp 03. – 05.07.2026 

  • Planung Gottesdienst im Grünen 26.07.2026, Spielplatz Deilingenund Harrassee sind angefragt 

  • Beteiligung am verkaufsoffenen Sonntag 20.09.2026??? 

 

I/D/B 

W. Klein/ PfrinD. Kommer/H. v. Stackelberg 

 

Top 6 

  • KGR-Dienste: Planung GD 2026 (Churchtools) 

  • Opfer zählen am 30.08.2026  

  • Kirchkaffee  

I 

Pfrin D. Kommer 

Top 7 

Bauausschuss:   

  • Hr. Allzeit kommt am 14.07.2026 

  • Bericht (liegt vor) vom Kämmerer zum Vor-Ort-Termin wg. Fenstern und Fensterläden am Pfarrhaus 

 

I/D/B 

Pfrin. D. Kommer / W. Klein 

Top 8 

Informationen aus Ausschüssen, Distrikt und Kirchenbezirk 

 

I/ D/B  

PfrinD. Kommer/ U. Marquart, H. v.Stackelberg 

Top 9 

Sonstiges 

  •  

 

 

Pfrin D. Kommer /  W. Klein 

 

  • Verpflegung 

 

D. Denz 

Kategorien
Allgemein

[öffentl. Kirchengemeinderatssitzung] 30.06.2026

Titel: wehingenEvang. Kirchengemeinde
Wehingen

Finkenweg 12

78564 Wehingen

 

Tel. 07426/7186

pfarramt.wehingen@elkw.de

 

13.05.2026

Herzliche Einladung zur Sitzung des Kirchengemeinderates

am Dienstag, 30.06.2026 um 19.30 Uhr im Gemeindesaal.

Folgende Tagesordnung ist vorgesehen:

 

Öffentlicher Teil

Top 1

19:30 Uhr

Begrüßung

Andacht

Top 2

Festlegung und Ergänzung der Tagesordnung

Top 3

Öffentliches Protokoll der letzten Sitzung vom 20.05.2026

Top 4 

 

 

Weiterarbeit am KGR-WE:

 Thema Jugendarbeit mit Distrikts-Jugendreferent Maximilian Schleicher

Top 5 

  • a. Gemeindeleben: Mitteilungen und Anregungen 
  • b. Rückblick:  
  • Pfingstmontag 25.05.2026
  • ökumenische KGR-Sitzung 09.06.2026 
  • KGR-Abend am 12.06.2026 in Trossingen
  • Kirche Kunterbunt 14.06.2026
  • Kiki-Picknick 20.06.2026
  • Atempause 21.06.2026
  • Gemeindewanderung 28.06.2026
  •  
  • c. Ausblick: 
  • Konficamp 03. – 05.07.2026
  • Planung Gottesdienst im Grünen 26.07.2026, Spielplatz Deilingen und Harrassee sind angefragt
  • Beteiligung am verkaufsoffenen Sonntag, 20.09.2026???

 

Top 6 

Ø KGR-Dienste: Planung GD 2026 (Churchtools

Ø Opfer zählen am 30.08.2026

Ø Kirchkaffee

Top 7 

Bauausschuss:   

  • Hr. Allzeit kommt am 14.07.2026
  • Bericht (liegt vor) vom Kämmerer zum Vor-Ort-Termin wg. Fenstern und Fensterläden am Pfarrhaus

 

Top 8 

Informationen aus Ausschüssen, Distrikt und Kirchenbezirk 

 

Top 9 

Sonstiges 

  •  

 

 

 

 

 

 

 

Kategorien
Gedanken zum Sonntag

1. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zum 1. Sonntag nach Trinitatis, 7. Juni 2026

Liebe Mitchristen!

Wie können wir als Christen und Gemeinden heute unseren Glauben überzeugend leben und andere Menschen dafür gewinnen? Zu dieser Frage möchte ich etwas ausholen und mit Ihnen ans andere Ende der Welt blicken. Im Studium habe ich ein Auslandssemester in Neuseeland verbracht. Zu einer damaligen Mitstudierenden habe ich bis heute Kontakt- brieflich oder per Mail. Janet ist inzwischen im Ruhestand und lebt in Australien in der Nähe von Melbourn, wo ihre Enkel wohnen. Dort in ihrer Straße gibt es eine Baptistengemeinde, der sie sich jetzt angeschlossen hat, so schrieb sie mir neulich. Für mich war das unerwartet, denn ich kannte Janet als Presbyterianerin- hier in Deutschland würden wir sagen: Evangelische Landeskirche.

Was hat meine alte Bekannte auf der Südhalbkugel also bewogen, sich den Baptisten anzuschließen? Auch wenn Janet Theologie studiert hat wie ich, waren es offensichtlich keine dogmatischen Fragen. Es ging ihr nicht darum, ob es richtig ist, Kinder zu taufen oder ob die Taufe erst im Erwachsenenalter erfolgen sollte, wie bei Baptisten üblich. Was Janet dazu gebracht hat, sich dieser Gemeinde anzuschließen, beschreibt sie so: „Es ist eine bemerkenswerte Gemeinde. Groß ist sie nicht. Sie betreiben einen Kleiderladen, eine Anlaufstelle für Prostituierte, ein Wohnheim für obdachlose junge Frauen, die so von der Straße geholt werden. Sie haben Wohnungen, die sie an Menschen vermieten, die sich die marktüblichen Mietpreise nicht leisten können. Sie machen Beratung für Leute, die mit der Bürokratie nicht zurechtkommen. Viele ihrer Gemeindemitglieder setzen sich für soziale Gerechtigkeit ein- für die indigene Bevölkerung, für Asylsuchende oder die Befreiung Palästinas. Eingeladen gefühlt habe ich mich durch das Regenbogen-Poster für die Rechte Homosexueller und das Schild am Fenster, das jeden willkommen heißt- alle eingeschlossen.“ So beschreibt meine alte Bekannte Janet in Australien ihre neue Gemeinde. Ganz begeistert ist sie.

Ich denke daran, wie es bei den ersten Christen war, damals an Pfingsten. Da war auch Begeisterung da- durch die feurige Pfingstpredigt des Petrus, durch die am Pfingsttag 3.000 Menschen zum Glauben gekommen sind und die erste christliche Gemeinde gebildet haben. Und auch in der darauffolgenden Zeit sind täglich neue Menschen zur Gemeinde dazugekommen, erfahren wir in der Apostelgeschichte (Apg. 2, 47). Die Apostelgeschichte liefert dafür eine Erklärung: Es waren nicht nur die Predigten der Apostel, es war auch das soziale Engagement der ersten Gemeinde, das damals so viele Menschen vom christlichen Glauben überzeugt und zur Gemeinde geführt hat. Ganz ähnlich also, wie es heute meine alte Bekannte in Australien erlebt.

Die ersten Christen haben so miteinander gelebt, dass keiner Not leiden musste. Ja, es wurden sogar Grundstücke und Häuser verkauft, und das Geld den Armen gegeben. Josef Barnabas war einer von denen, der sein Grundstück verkauft und das Geld für die Armenfürsorge zur Verfügung gestellt hat (Apg. 4-36-37). Ich denke an Dietrich Bonhoeffer, der einmal gesagt hat: „Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie für andere da ist.“ Mit diesem Ausspruch hat Bonhoeffer die Diakonie mit auf den Weg gebracht. Innere Mission- so hat man die Diakonie anfangs genannt. Eine Missionierung im Inneren, im eigenen Land sollte es sein, dieses Sich-Kümmern um die Armen, die Kranken, die Bedürftigen in unserem Land. Ja, es ist gut, dass es die Diakonie gibt. Und für viele Menschen in unserem Land, die von der Diakonie Hilfe erfahren- in Beratungsstellen, Tafelläden, Krankenhäusern und vielem mehr-  ist die Diakonie das Gesicht unserer Kirche.

Und doch bleibt ein ungutes Gefühl bei mir. Die Warteschlange vor dem Tafelladen in Trossingen wird immer länger. Die Lebensmittel, die dort zu vergünstigten Preisen ausgegeben werden, reichen bei weitem nicht mehr für alle. Oft gibt es Streit, und die Tafelladen-Mitarbeiter müssen schlichten. Und an der Autobahnraststätte steht einer vor dem großen Mülleimer und fischt dort in der Tiefe nach Pfandflaschen. In der Zeitung lese ich: Eigentlich wäre genug Geld da für eine gute Rente für alle. Aber das Geld konzentriert sich bei den Reichen, die immer reicher werden. Die 5.000 reichsten Menschen in Deutschland besitzen mehr als ein Viertel des Finanzvermögens in Deutschland, Tendenz steigend. In unserem Land werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Um im Alter würdig leben zu können, ist es inzwischen notwendig, eine private Rentenvorsorge aufzubauen. Für ärmere Menschen ist dies aber finanziell nicht möglich. Die Altersarmut steigt. Und wer ein Eigenheim hat und dies im Alter verkauft, damit dort eine junge Familie einziehen kann, wird in unserem Land finanziell dafür bestraft, wenn er pflegebedürftig wird.

Gut, dass es die Diakonie gibt, kann man bei alldem sagen. Aber das Wort von Bonhoeffer: „Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie für andere da ist“ meint nicht: Lass mal die Diakonie machen, die regelt das schon, die kümmert sich ja um die Bedürftigen. Nein, das Wort von Bonhoeffer meint uns alle- uns als christliche Gemeinde und uns als Christinnen und Christen in der Welt- jeder und jede einzelne von uns ist gemeint. Das bedeutet, die eigene Komfortzone zu verlassen und offen zu sein für die Not der anderen. Ja- das haben wir schon in vielen Predigten gehört, dass wir die Not der anderen sehen sollen. Aber Sehen allein genügt ja nicht, ich muss auch was tun gegen die Not der anderen. Einfach ist das sicherlich nicht. Aber einfach war das auch in der ersten Christengemeinde nicht. Auch wenn es in der Apostelgeschichte heißt: „Die ganze Gemeinde war ein Herz und eine Seele“ (Apg. 4, 32). Gleich im Anschluss an die Geschichte von Josef Barnabas, der sein Grundstück verkauft und das Geld für die Armenfürsorge zur Verfügung stellt erfahren wir, was für Probleme die Regelung, Äcker und Häuser zugunsten der Armen zu verkaufen, in der ersten Gemeinde gemacht hat. Da gab es ein Ehepaar namens Hananias und Saphira in der Gemeinde, die von dem Verkaufserlös ihres Grundstücks etwas für sich zurückbehalten hatten, und die Folgen waren fatal (Apg. 5, 1-11). Ja, Geben muss freiwillig bleiben. Wenn sich jemand dazu gezwungen fühlt und es nicht aus Überzeugung tut, dann wird es schwierig.

Und doch: Wenn die Flamme der Liebe Christi in uns weiterbrennen soll, dann kann uns unser armer Nächster nicht egal sein. Von unserem Verhältnis zu den Bedürftigen und unserem Einsatz für Gerechtigkeit hängt die Existenz unserer Gemeinden ab. Ich denke noch einmal an meine alte Bekannte Janet in Australien. Die konkrete Hilfe für Bedürftige und der Einsatz für soziale Gerechtigkeit hat sie dazu bewogen, sich der dortigen Baptistengemeinde anzuschließen. An diesem Maßstab werden wir als Kirche gemessen, nicht an dogmatischen Richtigkeiten. So wie Dietrich Bonhoeffer sagte: „Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie für andere da ist.“

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer

 

 

 

Kategorien
Über den Kirchturm hinaus

14.06.2026 Taize

Kategorien
Allgemein

[Gedanken zu Pfingsten] Pfingstmontag

Predigt zum ökumenischen Gottesdienst am Pfingstmontag, 25. Mai 2026

Liebe Mitchristen!

„Jeder knüpft am eignen Netz.“ So haben wir gerade miteinander gesungen. Ja- jeder ist mit seinem eigenen Leben beschäftigt. Mein Leben ist begrenzt durch den Rahmen, in dem ich lebe: Mein privates und berufliches Umfeld, die Ortschaft, die Kirchengemeinde, meine Kultur, Sprache und Nationalität. „Wir knüpfen aufeinander zu, wir knüpfen aneinander an, wir knüpfen miteinander, Shalom, ein Friedensnetz.“ So heißt es weiter in dem Lied. Frieden und Verständigung zwischen den Menschen und den Völkern- das ist ein großes Vorhaben, gerade in unserer Zeit, in der mehr von militärischen Fähigkeiten die Rede ist als von der Fähigkeit zum Frieden. Aber wir sind heute hier zusammengekommen- aus unterschiedlichen Kirchengemeinden und Ortschaften, und mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund. Heute wollen wir zusammen an diesem Friedensnetz knüpfen: Bunt gewebt, wie ein Flickenteppich darf es werden, dieses Friedensnetz. Und der Webrahmen dafür steht schon bereit. Damit das gelingen kann, das aneinander Anknüpfen und aufeinander zugehen, brauchen wir Gottes Geist. Rein aus eigener Kraft schaffen wir das nicht.

Nun ist es ja schwer zu erfassen, was Gottes Geist bewirken kann. Nehmen wir deshalb das Bild der Malerin Christel Holl zur Hand. Gerade Gemälde unterliegen der Begrenzung durch vier Seiten: oben unten, links und rechts- so wie auch unser Webrahmen hier vorne. Was darüber hinausgeht, ist abgeschnitten oder jedenfalls nicht sichtbar, aber zugleich offen für unsere Fantasie. Auch mein Leben spielt sich inmitten eines begrenzten Rahmens ab. Oben, unten, links, rechts. Leben ist begrenzt. Einerseits durch die uns gesetzte Lebenszeit, andererseits auch einfach durch die alltäglichen Abläufe, durch die gewohnten und bewährten Gedankengänge, die wir uns angewöhnt haben: Das, was ich schon immer gedacht und gemacht habe. Mein Leben wird begrenzt durch den Horizont meiner Einstellungen und Gefühle, meiner Ansichten und meines Wissens. Aber was ist mit dem, was über diesen begrenzten Rahmen hinausgeht? Blende ich es aus oder bin ich neugierig auf Neues, auf Veränderung?

Ich denke an die Jünger Jesu kurz vor der Ausgießung des Heiligen Geistes: Begrenzt durch die vier Wände des Hauses, in das sie sich zurückgezogen hatten- nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich: Verbarrikadiert, so dass sie nicht über ihre Denkgewohnheiten hinausgehen konnten. Sie konnten sich einfach nicht vorstellen, dass und wie es nach Ostern weitergehen sollte mit ihnen und ihren Leuten. Das ist die Ausgangslage von Pfingsten.

Vielleicht ist es das, was die Künstlerin mit dem kräftigen blauen Farbfleck in der unteren Hälfte des Bildes und den nur schemenhaft angedeuteten Personen meint. Die Personen bilden keine Einheit, sondern wirken wie ein verschreckter Haufen. Wie kann da etwas Neues ins Leben kommen? Das ist ja auch die Frage an uns heute. Gottes Geist ist es, der das Neue und die Veränderung in unser Leben bringt- gewissermaßen von außerhalb der vier Seiten des Gemäldes. Die Bibel beschreibt den Geist Gottes wie eine Taube oder wie Feuerflammen. Beide Motive finden wir auch im Bild von Christel Holl. Da ist die Taube, die von oben herunterkommt und Veränderung bewirkt: Während die Personen im unteren Drittel des Bildes noch etwas verwirrt nach links und rechts schauen, da erheben die anderen, die zur Mitte des Bildes hin stehen, ihre Arme. Sie erheben ihre Häupter und schauen auf den Geist Gottes, der von oben herabkommt.

Was für den Heiligen Geist gilt, der von oben, von Gott herkommt, gilt so aber noch lange nicht für die Kirche. Es ist jedenfalls ein gefährliches Bild für Kirchen- und Gemeindeleitungen. Sie könnten nämlich der Gefahr erliegen, es dem Geist Gottes gleich tun zu wollen und von oben nach unten durchzuregieren.

Wohl deswegen hat die Künstlerin ihr Bild „Netzwerk des Geistes“ genannt- ganz ähnlich, wie wir es im Lied vom Friedensnetz gesungen haben. Denn mit dem Begriff des „Netzwerkes“ lässt sich wunderbar beschreiben, was der Geist Gottes in dieser Welt bewirkt. Auf dem Bild ist in den herabfallenden Feuerflammen mit einigen Längs- und Querstrichen ein Netz angedeutet: Der Geist Gottes vernetzt. Das ist die Wirkung des Heiligen Geistes. Er schafft Verbindungen- der Menschen untereinander und mit Gott. Der beschränkte Horizont eines jeden wird aufgesprengt. So ist Kirche entstanden und besteht bis heute: Der Geist Gottes bindet uns ein in das große weltumspannende Netz der Christenheit ein, die jetzt Pfingsten feiert. Und der Geist Gottes verbindet uns auch mit den Christinnen und Christen, die vor uns da waren, und die an diesem Netzwerk gewebt haben über die Jahrhunderte hinweg. Jede und jeder bringt sich auf seine Weise ein und webt seinen Faden in dieses Netzwerk. Welche Gaben hat uns der Geist Gottes gegeben, die wir einbringen können? Kein Beitrag zu diesem Netzwerk ist zu gering, keine Idee zu verrückt, kein Vorhaben zu gewagt. Es kommt nur darauf an, endlich damit anzufangen und miteinander ein Friedensnetz zu knüpfen.

Das klingt ja an sich ganz einfach. Aber warum tun wir uns damit doch so schwer, im Großen wie im Kleinen? Warum fällt es uns offensichtlich leichter, im anderen den Gegner zu sehen als den Mitmenschen? Der Apostel Paulus würde jetzt sagen: Das liegt alles nur daran, weil ihr immer noch natürliche Menschen und keine geistlichen Menschen seid (1. Kor 2, 14-15). Das klingt hart, nicht wahr? Aber die Frage ist doch: Hat Paulus recht oder nicht? Paulus treibt nämlich dieselbe Frage um wie uns heute: Woran liegt es bitte schön, dass der Geist Gottes so wenig Wirkung zeigt bei den Christinnen und Christen? Also was tut der Geist Gottes denn eigentlich? Im 1. Brief an die Korinther schreibt Paulus fast beiläufig: „Wir haben den Geist empfangen, damit wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist.“ (1. Kor 2, 12) Daran also hat der Geist Gottes im Verborgenen gearbeitet: Wissen, was uns von Gott geschenkt ist. Der Geist hat gewissermaßen die Stelle eines Dolmetschers, eines Übersetzers von Gott zu Mensch und von Mensch zu Gott: Der Geist Gottes öffnet uns das Verständnis von Gottes Wort. Und der Geist Gottes ist es auch, der uns vor Gott mit unaussprechlichem Seufzen vertritt, wie der Apostel Paulus an anderer Stelle schreibt (Röm 8, 26). Der Geist Gottes wird von uns oft unterschätzt. Doch es ist an der Zeit, den Heiligen Geist zu bitten, zu uns zu kommen- tun wir das gemeinsam, heute an diesem Pfingstfest.

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer (nach Predigtgedanken von Dr. Thomas Melzl)