Autor: Martin Siedler
Exaudi
Predigt zu Sonntag Exaudi, 17. Mai 2026
Liebe Mitchristen!
„Verträge müssen eingehalten werden.“ Das wusste man schon im alten Rom, woher dieses Sprichwort stammt. Eigentlich ist das ja auch selbstverständlich: Wenn ich einen Vertrag abschließe- einen Mietvertrag zum Beispiel oder einen Arbeitsvertrag- dann erwarte ich, dass sich mein Vertragspartner an die vertraglich festgelegten Vereinbarungen hält. Dasselbe erwartet mein Vertragspartner auch von mir.
Unser Predigttext spricht von einem Vertrag Gottes mit seinem Volk Israel (Jeremia 31, 31-34). Er spricht in eine Zeit, die für das Volk Israel katastrophal war. Die Oberschicht ist verschleppt worden ins ferne Babylon, und die, die zurückgeblieben sind, stehen ganz buchstäblich vor einem Trümmerhaufen. Alles liegt in Schutt und Asche. Nichts ist mehr, wie es war. Viele Menschen fragten sich damals: Hat Gott uns verlassen? Hat er uns denn ganz vergessen? Oder ist es, weil wir Gott vergessen hatten? Weil wir keinen Vertrag mehr mit ihm haben wollten. Weil uns seine Gebote nicht mehr interessiert haben, und jeder nur seinen eigenen Vorteil gesucht hat. Deswegen bestraft Gott uns jetzt. So dachten die Menschen damals, in dieser Zeit der Katastrophe.
Wie sieht es in unserer Zeit mit den Verträgen aus? „Verträge müssen eingehalten werden.“ Wie steht es heute mit dieser alten Regel, die seit der Antike ihre Gültigkeit hat? „Verträge müssen eingehalten werden.“ In unserer Zeit ist das keine Selbstverständlichkeit mehr. Dabei wissen wir genau, dass die Welt nur so funktioniert und ein friedliches Zusammenleben zum Wohle aller nur durch Verträge möglich ist. Sicherlich- wenn ich einen Vertrag abschließe, kann ich nicht alle meine Interessen durchsetzen- ob beim Mietvertrag oder beim Arbeitsvertrag. Da sind unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen. Aber auch wenn ich manche Kröte schlucken muss und mein Vertragspartner auch: Durch den Vertag haben wir geregelt, wie es miteinander funktionieren kann. Wir müssen nicht dauerhaft im Clinch miteinander liegen. Daher halten wir uns in der Regel auch an unsere Verträge, die wir abschließen- Mietverträge, Kaufverträge und andere mehr.
Auch in der großen Politik gibt es weiterhin solche Verträge, die eingehalten werden- Gott sei Dank! Und doch ist da vieles unsicherer geworden. Die Großmächte in Ost und West setzen sich über das Völkerrecht hinweg und fangen Kriege an, die kein Ende nehmen wollen. Statt internationalen Abkommen zählt für sie nur das Recht des Stärkeren. „Wer sich vertragen will, der muss Verträge schließen.“ So hat es der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt gesagt, als es um die Ostverträge ging. Heute leben wir in einer anderen Zeit. Statt Abrüstung erleben wir Aufrüstung, und in den Nachrichten hören wir nicht von geplanten Verträgen, sondern von Planungen für den militärischen Bedarf in einem bewaffneten Konflikt. Nichts ist mehr, wie es war. Seit internationale Verträge nicht mehr eingehalten werden, steht die Welt vor einem Trümmerhaufen. Immer mehr Länder liegen in Schutt und Asche, und die Menschen dort müssen um ihr Leben bangen- in der Ukraine, im Iran, im Nahen Osten, im Sudan und vielen weiteren Regionen.
„Du sollst nicht töten.“ So heißt eine wichtige Regel, die Gott uns Menschen in der Bibel in den 10 Geboten gegeben hat. Die 10 Gebote- das ist Gottes Vertrag, Gottes Bund mit uns Menschen. Viele Menschen fragen heute nicht mehr nach Gott, wollen keinen Vertrag mehr mit Gott haben. Wenn uns aber Gottes Gebote nicht mehr interessieren, und jeder nur seinen eigenen Vorteil sucht, dann liegt kein Segen auf unserem Leben. Frieden und Freiheit, Wohlstand und Glück sind dann gefährdet. In solch einer Zeit der Gefährdung leben wir heute. In einer Zeit, in der Verträge gebrochen werden- Verträge zwischen Staaten, und auch der Vertrag zwischen Gott und den Menschen.
Was gibt es für Möglichkeiten, wenn ein Vertrag gebrochen wird? Gibt es da nur die Einbahnstraße der Eskalation? Gibt es da nur die Spirale der Gewalt, die sich mit tödlicher Präzision immer weiter nach oben schraubt? Unser Predigttext zeigt uns hier einen anderen Weg: „Siehe, es kommt die Zeit, da werde ich einen neuen Bund schließen,“ lässt Gott durch den Propheten Jeremia den nach Babylon verschleppten Israeliten ausrichten (Jeremia 31, 31).
Gott geht einen anderen Weg. Gott durchbricht die Spirale der Gewalt. Gott zeigt den Ausweg aus der Einbahnstraße der Eskalation. Die Menschen haben den Vertrag gebrochen. Sie haben sich nicht an den Bund gehalten, den Gott mit den Menschen geschlossen hat. Gottes gute Gebote haben sie missachtet. Wenn ein Vertrag gebrochen wird, dann ist das Vertrauen zerstört zwischen den Vertragspartnern. Enttäuschung, Wut, Resignation sind dann die Gefühle. Gefühle, aus denen selten etwas Gutes kommt. Auch Gott ist enttäuscht von den Menschen, die den Vertrag mit ihm gebrochen haben. Aber Gott resigniert nicht. Nein- Gott macht einen neuen Vertrag mit den Menschen.
Gott lässt seine Menschen nicht allein- nicht die nach Babylon verschleppten Israeliten damals, und auch nicht uns, in unserer heutigen schwierigen Zeit. Gott überlässt uns Menschen nicht einfach unserem Schicksal. Gott wendet sich uns Menschen zu. Gleich viermal heißt es in unserem Predigttext: „Es spricht der HERR.“ Und was Gott da verspricht, das ist etwas Großartiges. Gott verspricht einen Neuanfang. Einen neuen Bund will Gott schließen mit den Menschen. Dieser neue Vertrag, den Gott mit den Menschen schließt, hat eine Besonderheit. Er ist kein Vertrag zwischen gleichen Partnern. Gott allein schließt diesen Bund. Gott verspricht: Er wird treu bleiben, unter allen Umständen. Dazu vergibt er den Menschen alle Schuld und denkt nicht mehr an ihre Sünden. Braucht es dann überhaupt noch Regeln? Ja – Gottes gute Gebote bleiben der Inhalt dieses Bundes. Aber Gott gibt sein Gesetz den Menschen in ihr Herz und schreibt es in ihren Sinn, sagt der Prophet Jeremia. Das heißt: Ein Vertrag, der nicht aus Gehorsam oder gar Angst vor Strafe befolgt wird, sondern der ins Herz geschrieben ist. Wenn Gott diesen Vertrag mit den Menschen ganz umsetzt, dann werden alle Gott kennen, Freund wie Feind. Und keiner wird mehr den anderen über den Willen Gottes belehren. Denn jeder weiß Bescheid.
„Siehe, es kommt die Zeit.“ Diese Ankündigung hat Gott seinem Propheten Jeremia in den Mund gelegt. Es werden Tage kommen, an denen nur Gutes passiert. Wie schön, dass es solche Nachrichten auch gibt. Wir sind gewohnt, von Tagen zu hören, an denen sich vor allem Schlechtes ereignet. Tage, die uns sorgenvoll in die Zukunft blicken lassen: Wie lange werden die Kriege noch andauern, die die Großen dieser Welt vom Zaun gebrochen haben? Wie lange werden wir in unserem Land noch in Frieden leben können in dieser angespannten weltpolitischen Lage? Wann wird es endlich Friedensverträge geben- Verträge, die eingehalten werden? Wann werden wir unser Geld wieder in Wohlstand statt in Waffen investieren?
Ja, gerade in unserer Zeit brauchen wir die Zuversicht, dass Gott uns im Blick hat. Dass er gute Nachrichten für uns hat. Dass wir zuversichtlich leben können. Denn wir leben im Bund mit Gott. Durch Jesus Christus sind wir in Gottes Bund mit hineingenommen. Er ist für uns gekreuzigt und auferstanden. Ja, Gottes Vertrag mit uns steht. Nichts und niemand kann diesen Vertrag aufheben. In all unsere Lebensgeschichten hinein spricht Gott, was er uns von Anfang an in der Taufe versprochen hat: „Ich vergebe dir alle Schuld, und ich will mich neu mit dir verbünden. Ich will dein Gott sein. Ich bin bei dir alle Tage bis ans Ende der Welt.“ Darauf können wir uns verlassen, egal was kommt.
Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer
Evang. Kirchengemeinde
Wehingen
Finkenweg 12
78564 Wehingen
Tel. 07426/7186
herzlich laden wir zur Sitzung des Kirchengemeinderates
am Mittwoch, 20.05.2026 um 19.30 Uhr im Gemeindesaal ein.
Folgende Tagesordnung ist vorgesehen:
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Öffentlicher Teil |
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Top 1 19:30 Uhr |
Begrüßung Andacht |
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Top 2 |
Festlegung und Ergänzung der Tagesordnung |
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Top 3 |
Öffentliches Protokoll der letzten Sitzung vom 23.04.2026 |
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Top 4
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a. Gemeindeleben: Mitteilungen und Anregungen Ø
b. Rückblick:
c. Ausblick:
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Top 5 |
Rückblick und Weiterarbeit am KGR-WE
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Top 6 |
Ø KGR-Dienste: Planung GD 2026 (Churchtools) |
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Top 7 |
Bauausschuss:
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Top 8 |
Informationen aus Ausschüssen, Distrikt und Kirchenbezirk
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Top 9 |
Sonstiges
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Ø |
13.06.2026 Walk n’ Sing
13.06.2026 Walk n’ Sing
Konfirmation
Konfirmationspredigt vom Sonntag, 10. Mai 2026
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. So beginnt der Psalm 23. Und so habt ihr auch auf eurem großen Plakat zu malen begonnen. Als erstes war da der Hirtenstab auf dem Bild. Ein Krummstab ist es geworden. Ob die wirklichen Hirten, die hier auf dem Heuberg ihre Schafe weiden, auch einen solchen Stab haben? Ganz genau weiß ich das nicht, dazu kenne ich mich mit dem Alltag von Hirten zu wenig aus. Bei dem Krummstab, wie ihr ihn gemalt habt, denke ich aber erstmal nicht an die Hirten draußen auf der Weide. Den Krummstab kenne ich von woanders her. Bischof Nikolaus hat so einen, wenn er am 6. Dezember den Kindern Geschenke bringt, ja überhaupt die Bischöfe. Trotzdem ist es ein Hirtenstab. Er erinnert uns daran, dass die Bischöfe, Pfarrerinnen und Pfarrer auch Hirten sind. Und tatsächlich- vor einiger Zeit habe ich mal einen Mann getroffen, den ich nicht kannte, der sagte zu mir: „Ich bin eines Ihrer Schäfchen.“ Da war mir klar: Er gehört zu meiner Kirchengemeinde. Er kennt mich, weil ich seine Pfarrerin bin.
Vom Glauben erzählen und für andere da sein- das ist aber nicht nur etwas für Leute wie mich, die hier im Talar auf der Kanzel stehen und predigen. Alle, die getauft sind und zur Kirche gehören, haben diese Aufgabe. Eine Aufgabe also auch für Euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, denn heute sagt Ihr Euer eigenes Ja zu Eurer Taufe. Dieser Gedanke des Priestertums aller Getauften war Martin Luther ganz wichtig und hat unsere evangelische Kirche geprägt. Der Hirtenstab auf Eurem Bild ist allerdings ganz schön mächtig. Gut, dass ich den auch als Pfarrerin nicht alleine schleppen muss. Gut, dass Gott da ist, der unser aller Hirte ist und den Hirtenstab für uns trägt. Ja, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden: Auch wenn Ihr im Leben große Aufgaben zu bewältigen habt, auch wenn Euch angesichts solcher großen Aufgaben manchmal Angst und Zweifel kommen, ob ihr dieser Aufgabe gewachsen seid: Vertraut auf Gott. Gottes Versprechen gilt auch Euch: „Ich habe dir doch gesagt, dass du stark und mutig sein sollst! Fürchte dich nicht und schrecke vor nichts zurück! Denn der Herr, dein Gott, ist mit dir bei allem, was du unternimmst! (Josua 1,9)
Zu diesem Versprechen von Gott passt auf Eurem Bild die große grüne Wiese und der tiefblaue See- so wie es im Psalm 23 heißt: „Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.“ Ja, Gott sorgt für uns wie ein guter Hirte für seine Schafe sorgt. Wie ein Hirte, der für seine Schafe die saftigsten Wiesen aussucht und das beste, kristallklare Quellwasser. Gott meint es gut mit uns. Er hat ein Herz für uns. Ein Herz voller Liebe. Dafür steht das rote Herz auf Eurem Bild. Es steht für die Barmherzigkeit Gottes. Wir sind Gott nicht egal. Ja, wir sind Gott so wichtig, dass er sein Leben für uns gibt. Am Kreuz ist Jesus Christus für uns gestorben und hat alles weggenommen, was uns von Gott trennt, alle Sünde, alle Schuld. Jesus Christus hat für uns den Weg frei gemacht- den Weg ins Leben, den Weg zu Gott: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben,“ sagt Jesus Christus (Johannes 14, 6a).
Wer auf diesem Glauben sein Leben gründet, der ist ein richtiger Glückspilz. Ein vierblättriges Kleeblatt habt ihr gemalt als Zeichen für dieses Glück: Da muss ich vor keinem Unglück mehr Angst haben. Egal was auch kommt im Leben, Gott ist bei mir. Auf meinem Lebensweg geht Gott wie ein guter Hirte voraus, damit ich mich nicht verirre. Und wenn es mal unübersichtlich oder schwierig werden sollte in meinem Leben, dann weiß ich: Auf Gott kann ich mich voll verlassen- sogar da, wo das Leben dunkel und gefährlich erscheint. Ich bin nicht allein. Gott, der gute Hirte weiß, wo es langgeht.
„Der Herr ist mein Hirte.“ Unter dieser Überschrift kennen wir den Psalm 23. Und so ist es auch auf Eurem Bild der Hirtenstab, der alles andere überragt. Aber ganz viel Anderes habt ihr auch gemalt: Ein gedeckter Tisch ist da, mit vielen liebevollen Details. Eure Lieblingsessen stehen da auf diesem gedeckten Tisch- leckere Wassermelonenschnitze zum Beispiel. Dazu habt ihr erklärt: „Mir soll es an nichts mangeln, und der Herr schenkt mir voll ein.“ Voll eingeschenkt bis zum Rand ist auch der große Becher, den ihr unten rechts auf Euer Bild gemalt habt. Und was Ihr auch noch dazu erklärt habt: „Der Tisch ist im Angesicht meiner Feinde gedeckt.“
Wenn ich auf Gott vertraue und mein Leben ganz in seine Hand lege, dann kann ich ganz in Ruhe feiern und das Leben genießen, trotz aller Gefahren, die in der Welt auf mich lauern. Auch wenn es da Menschen gibt, die mir Böses wollen, die mich ärgern und mobben. Auch wenn der Frieden in unserem Land zerbrechlich ist und viel Feindschaft da ist zwischen Menschen und Völkern. Das alles ist Grund zur Sorge und zu entschiedenem Handeln. Denn als Christen haben wir die Aufgabe, uns für Frieden und Verständigung einzusetzen zwischen den Menschen und den Völkern. Aber wenn ich auf Gott vertraue und alles, was in meinen Möglichkeiten steht, tue für ein friedliches Zusammenleben, dann müssen mir diese Sorgen nicht nachts den Schlaf rauben. Ja, auch nach einem schwierigen Tag kann ich nach nachts ruhig schlafen, wenn ich abends meine Sorgen im Gebet bei Gott abgebe- so wie es in Psalm 31, 15-17 heißt: „Ich aber vertraute auf dich, HERR: Ich bekannte: Du bist mein Gott! Meine Zukunft liegt in deiner Hand. Rette mich aus der Gewalt meiner Feinde und lass mich meinen Verfolgern entkommen! Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht. Hilf mir und lass mich so deine Güte erfahren.“
Und was dann noch auf Eurem Bild kommt, das ist die Krönung von allem. Da habt Ihr Euch gemalt, wie Ihr an diesem reich gedeckten Tisch mit all den leckeren Sachen sitzt, und eine Krone aufhabt: „Der Mensch am Tisch trägt eine Krone, weil er wie ein König behandelt wird, wenn sein Haupt gesalbt wird.“ Dafür steht auch der Krug mit Öl auf dem Bild: Duftendes Salböl ist darin, mit dem der Kopf eingecremt wird- nur vom Feinsten, das Teuerste und Beste ist gerade gut genug. Ja, für Gott seid Ihr alle unendlich viel wert, wie Könige werdet Ihr behandelt. Heute, an Eurem großen Festtag könnt Ihr das spüren: Beim Einzug in die Kirche ist die Gemeinde für Euch aufgestanden, statt rotem Teppich haben wir eine rote Kniebank, und wenn Ihr darauf niederkniet, bekommt Ihr zwar kein Salböl auf den Kopf, aber die Hand aufgelegt zum Segen.
Ja, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Heute an diesem wunderschönen Festtag ist dies für uns alle spürbar, und für Euch, die Hauptpersonen, ganz besonders. Aber auch an all den anderen Tagen, die kommen, soll das spürbar bleiben: Wie ein guter Hirte mit seinem Hirtenstab für die Schafe sorgt, so sorgt Gott für mich. Es ist etwas, woran ihr euch festhalten könnt: Ich bin nicht allein. Gott ist bei mir. Egal, was noch kommt im Leben, Gott verlässt mich nicht. Das wünsche ich Euch, dass Ihr das immer wieder erfahren dürft in Eurem Leben: Gott ist bei Euch, Gott begleitet Euch durchs Leben.
Eure Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer
Jubilate
Predigt zum Mitarbeiter-Dank-Gottesdienst am 26. April 2026
Liebe Mitchristen!
Für den Mitarbeiter-Dank-Gottesdienst hat unser Vorbereitungsteam aus dem Kirchengemeinderat einen wunderschönen Weinstock gebastelt. Unser aller Namen hängen an diesem Weinstock, geschrieben auf bunte Weintrauben. Bunt und vielfältig ist unsere Gemeinde. Bunt und vielfältig ist auch die Mitarbeit in unserer Gemeinde. Danken möchte ich heute allen, die in unserer Gemeinde mitarbeiten und ihren Teil dazu beitragen, dass der Weinstock Frucht bringt und den Menschen in unserer Gemeinde und darüber hinaus die frohe Botschaft von Jesus Christus nahegebracht wird in Wort und Tat. Jesus Christus ist der wahre Weinstock, und wir sind die Reben. Danke an alle, die hier vor Ort Arbeiter sind im Weinberg des Herrn- ob im Kirchengemeinderat, im Gemeindebüro und der Verwaltung, im Posaunenchor, an der Orgel oder in der Band; ob in den Hauskreisen, im Kreativkreis oder in der Kinderkirche; ob in der Verantwortung für unsere Gebäude als Hausmeister, Mesnerteam, Reinigungdienst oder im Bauausschuss; ob im Besuchsdienst, im Gottesdienst-Team, beim Vorbereiten für Kirchkaffee und Gemeindemittagessen, ob bei der Technik, als Mitarbeiter beim Konfi-Camp, bei Atempause und Osternacht, beim Schmücken des Altars, beim Basteln der Osterkerze oder oder oder…- einfach Danke!
Danke sagen möchte ich auch allen, die wir nicht auf unseren Mitarbeiterlisten führen und die auch ihren Teil dazu beitragen, dass der Weinstock Frucht bringt: Indem sie anderen ihre Zeit schenken, ihnen zuhören und hilfreich zur Seite stehen- die offene Augen, ein offenes Ohr und ein weites Herz haben für die Menschen, die sie gerade brauchen. Wir alle sind die Reben am Weinstock Jesu Christi. Uns allen gilt dieses Wort von Jesus Christus: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15, 5)
Gott schenkt uns Kraft zum Leben. Er ist die Kraftquelle, aus der wir schöpfen. Ohne Gott sind wir saft- und kraftlos, so wie die Reben, die vom Weinstock abgeschnitten sind. Sie haben keine Verbindung mehr zu der Wurzel, die die Nährstoffe aus dem Boden zieht- also verdorren sie. (Joh 15, 6) Ich denke, das ist ein einleuchtendes Bild. Ich möchte noch ein Bild aus unserer Zeit dazustellen, ein Bild aus meinem Alltag. Vor längerer Zeit hatte ich fürs Pfarramt einen neuen Computer bekommen. Der Techniker, der mir den neuen Computer eingerichtet hat, hatte auch den Auftrag, den im Pfarramt vorhandenen Drucker anzuschließen. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass der neue Computer und der etwas ältere Drucker sich nicht miteinander kombinieren lassen. Da der Drucker nun keine Verbindung mehr zu meinem Computer hatte, war er für mich nutzlos geworden. Ich konnte nichts mehr mit ihm ausdrucken. Er brachte für mich keine Frucht mehr- so wie die abgeschnittenen Reben des Weinstocks nutzlos geworden sind. Sie haben keine Verbindung mehr zur Wurzel des Weinstocks. Sie können nicht mehr weiter wachsen und keine Früchte mehr tragen.
Ich denke, dass es uns als Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut tut, daran erinnert zu werden, aus welcher Wurzel wir unsere Kraft zum Leben beziehen; auf welchem Grund wir stehen: Wir gehören zu Jesus Christus. Alles, was wir als Kirchengemeinde sind und als Christen tun, muss kompatibel sein mit dieser Grundlage- sonst ist es vergebens: „Denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ So sagt es Jesus Christus. Das ist ein Anspruch, den wir an alles, was wir tun, stellen müssen- gerade auch als Kirche in einer sich verändernden Gesellschaft. Es ist aber auch ein Zuspruch von Jesus Christus an uns: „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“ Was wir tun, wird nicht fruchtlos sein, wenn wir uns dieser Grundlage bewusst sind; wenn wir mit Jesus Christus in Verbindung bleiben. Dann werden Menschen unsere Kirche und Gemeinde als Ort erleben, an dem sie Kraft zum Leben finden- Kraft aus dem Glauben an Jesus Christus. Er ist der Weinstock, wir sind die Reben.
Bleiben wir bei Jesus Christus! Lassen wir uns nicht irre machen von den zahlreichen Kirchenaustritten, die uns Sorge machen. Lassen wir uns auch nicht irre machen von Menschen, die uns fragen, warum wir überhaupt noch dabei bleiben bei der Kirchengemeinde. Wenn wir hier in der Gemeinde beieinander bleiben und unseren Glauben miteinander bekennen, dann können wir es auch schaffen, unseren Glauben im Alltag zu bekennen. Machen wir uns darum keine Sorgend. Uns trägt der Weinstock Jesus Christus. Seine Kraft durchdringt uns, die Reben, und lässt uns Frucht bringen. Denn nicht aus uns selbst heraus glauben wir, vertrauen wir, leben wir Gottes Liebe in die Welt hinein. Sondern: Jesus Christus glaubt, vertraut und handelt aus uns heraus, wo wir durchlässig werden für seine Liebe und seine Kraft.
In Christus bleiben- wie könnte das heute aussehen? Ja, manche Früchte des kirchlichen Leben, die uns wertvoll und wichtig waren, sind inzwischen abgeschnitten. Wir haben keinen Gottesdienst mehr in Gosheim. Wir haben keinen Kirchenchor mehr und keinen Jugendkreis. Der evang. Johanneskindergarten in Gosheim wird jetzt von der evang. Kirchengemeinde Tuttlingen verwaltet und nicht mehr von unserer Kirchengemeinde. All diese Früchte kirchlichen Lebens haben ihre Zeit gehabt. Aber auch, wenn sie jetzt abgeschnitten sind- der Weinstock geht davon nicht ein. Denn die Lebenskraft des Weinstocks, die schöpferische Kraft Gottes bringt viele Früchte, immer wieder neue: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“
Ein Weinstock kann sehr lange leben, nur seine Reben wachsen und werden abgeschnitten. Ja, der Weinstock bleibt. Jesus Christus ist derselbe- gestern, heute und in Ewigkeit. (Hebräer 13, 8) Wir aber, die Reben am Weinstock Jesu Christi, haben nur eine begrenzte Zeit hier auf dieser Welt. Frucht bringen, die bleibt in Ewigkeit, das können wir nicht aus uns selbst heraus: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ So sagt es Jesus. Mich tröstet dieses Wort. Es ist realistisch. Ja, ich stehe nicht für mich. Ich brauche die Verbindung zu Jesus Christus- so wie mein Drucker die Verbindung braucht zu meinem Computer. Sonst kann er nichts drucken und ist nutzlos und wird weggeworfen.
Frucht bringen- das kann für mich bedeuten: Wahrnehmen, was Gott mir mitgibt, und diese Fähigkeiten entfalten, für und mit anderen. Ja, es gibt viele Fähigkeiten in unserer Mitarbeiterschaft und in unserer Gemeinde, die noch auf Entfaltung warten! Und ich darf darauf vertrauen, dass mir die Kraft zufließen wird für das, was ich anpacke. Frucht bringen kann für uns als Kirchengemeinde auch bedeuten, das, was verdorrt ist, zu verabschieden, und die Kraft dort einzusetzen, wo es lebendig zugeht. Bleiben in Jesus Christus und Frucht bringen gehört zusammen. Denn Früchte sind für den Verzehr bestimmt. Deswegen geht es auch darum, sich in die Welt zu verschenken und die Welt genießbarer zu machen- darin wird Gott verherrlicht! (Joh 15, 8) Und auch unsere Gebete werden nicht fruchtlos bleiben. Denn so hat Jesus Christus es versprochen: „Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.“ (Joh 15, 7)
Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer




