Predigt zum Mitarbeiter-Dank-Gottesdienst am 26. April 2026
Liebe Mitchristen!
Für den Mitarbeiter-Dank-Gottesdienst hat unser Vorbereitungsteam aus dem Kirchengemeinderat einen wunderschönen Weinstock gebastelt. Unser aller Namen hängen an diesem Weinstock, geschrieben auf bunte Weintrauben. Bunt und vielfältig ist unsere Gemeinde. Bunt und vielfältig ist auch die Mitarbeit in unserer Gemeinde. Danken möchte ich heute allen, die in unserer Gemeinde mitarbeiten und ihren Teil dazu beitragen, dass der Weinstock Frucht bringt und den Menschen in unserer Gemeinde und darüber hinaus die frohe Botschaft von Jesus Christus nahegebracht wird in Wort und Tat. Jesus Christus ist der wahre Weinstock, und wir sind die Reben. Danke an alle, die hier vor Ort Arbeiter sind im Weinberg des Herrn- ob im Kirchengemeinderat, im Gemeindebüro und der Verwaltung, im Posaunenchor, an der Orgel oder in der Band; ob in den Hauskreisen, im Kreativkreis oder in der Kinderkirche; ob in der Verantwortung für unsere Gebäude als Hausmeister, Mesnerteam, Reinigungdienst oder im Bauausschuss; ob im Besuchsdienst, im Gottesdienst-Team, beim Vorbereiten für Kirchkaffee und Gemeindemittagessen, ob bei der Technik, als Mitarbeiter beim Konfi-Camp, bei Atempause und Osternacht, beim Schmücken des Altars, beim Basteln der Osterkerze oder oder oder…- einfach Danke!
Danke sagen möchte ich auch allen, die wir nicht auf unseren Mitarbeiterlisten führen und die auch ihren Teil dazu beitragen, dass der Weinstock Frucht bringt: Indem sie anderen ihre Zeit schenken, ihnen zuhören und hilfreich zur Seite stehen- die offene Augen, ein offenes Ohr und ein weites Herz haben für die Menschen, die sie gerade brauchen. Wir alle sind die Reben am Weinstock Jesu Christi. Uns allen gilt dieses Wort von Jesus Christus: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15, 5)
Gott schenkt uns Kraft zum Leben. Er ist die Kraftquelle, aus der wir schöpfen. Ohne Gott sind wir saft- und kraftlos, so wie die Reben, die vom Weinstock abgeschnitten sind. Sie haben keine Verbindung mehr zu der Wurzel, die die Nährstoffe aus dem Boden zieht- also verdorren sie. (Joh 15, 6) Ich denke, das ist ein einleuchtendes Bild. Ich möchte noch ein Bild aus unserer Zeit dazustellen, ein Bild aus meinem Alltag. Vor längerer Zeit hatte ich fürs Pfarramt einen neuen Computer bekommen. Der Techniker, der mir den neuen Computer eingerichtet hat, hatte auch den Auftrag, den im Pfarramt vorhandenen Drucker anzuschließen. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass der neue Computer und der etwas ältere Drucker sich nicht miteinander kombinieren lassen. Da der Drucker nun keine Verbindung mehr zu meinem Computer hatte, war er für mich nutzlos geworden. Ich konnte nichts mehr mit ihm ausdrucken. Er brachte für mich keine Frucht mehr- so wie die abgeschnittenen Reben des Weinstocks nutzlos geworden sind. Sie haben keine Verbindung mehr zur Wurzel des Weinstocks. Sie können nicht mehr weiter wachsen und keine Früchte mehr tragen.
Ich denke, dass es uns als Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut tut, daran erinnert zu werden, aus welcher Wurzel wir unsere Kraft zum Leben beziehen; auf welchem Grund wir stehen: Wir gehören zu Jesus Christus. Alles, was wir als Kirchengemeinde sind und als Christen tun, muss kompatibel sein mit dieser Grundlage- sonst ist es vergebens: „Denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ So sagt es Jesus Christus. Das ist ein Anspruch, den wir an alles, was wir tun, stellen müssen- gerade auch als Kirche in einer sich verändernden Gesellschaft. Es ist aber auch ein Zuspruch von Jesus Christus an uns: „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“ Was wir tun, wird nicht fruchtlos sein, wenn wir uns dieser Grundlage bewusst sind; wenn wir mit Jesus Christus in Verbindung bleiben. Dann werden Menschen unsere Kirche und Gemeinde als Ort erleben, an dem sie Kraft zum Leben finden- Kraft aus dem Glauben an Jesus Christus. Er ist der Weinstock, wir sind die Reben.
Bleiben wir bei Jesus Christus! Lassen wir uns nicht irre machen von den zahlreichen Kirchenaustritten, die uns Sorge machen. Lassen wir uns auch nicht irre machen von Menschen, die uns fragen, warum wir überhaupt noch dabei bleiben bei der Kirchengemeinde. Wenn wir hier in der Gemeinde beieinander bleiben und unseren Glauben miteinander bekennen, dann können wir es auch schaffen, unseren Glauben im Alltag zu bekennen. Machen wir uns darum keine Sorgend. Uns trägt der Weinstock Jesus Christus. Seine Kraft durchdringt uns, die Reben, und lässt uns Frucht bringen. Denn nicht aus uns selbst heraus glauben wir, vertrauen wir, leben wir Gottes Liebe in die Welt hinein. Sondern: Jesus Christus glaubt, vertraut und handelt aus uns heraus, wo wir durchlässig werden für seine Liebe und seine Kraft.
In Christus bleiben- wie könnte das heute aussehen? Ja, manche Früchte des kirchlichen Leben, die uns wertvoll und wichtig waren, sind inzwischen abgeschnitten. Wir haben keinen Gottesdienst mehr in Gosheim. Wir haben keinen Kirchenchor mehr und keinen Jugendkreis. Der evang. Johanneskindergarten in Gosheim wird jetzt von der evang. Kirchengemeinde Tuttlingen verwaltet und nicht mehr von unserer Kirchengemeinde. All diese Früchte kirchlichen Lebens haben ihre Zeit gehabt. Aber auch, wenn sie jetzt abgeschnitten sind- der Weinstock geht davon nicht ein. Denn die Lebenskraft des Weinstocks, die schöpferische Kraft Gottes bringt viele Früchte, immer wieder neue: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“
Ein Weinstock kann sehr lange leben, nur seine Reben wachsen und werden abgeschnitten. Ja, der Weinstock bleibt. Jesus Christus ist derselbe- gestern, heute und in Ewigkeit. (Hebräer 13, 8) Wir aber, die Reben am Weinstock Jesu Christi, haben nur eine begrenzte Zeit hier auf dieser Welt. Frucht bringen, die bleibt in Ewigkeit, das können wir nicht aus uns selbst heraus: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ So sagt es Jesus. Mich tröstet dieses Wort. Es ist realistisch. Ja, ich stehe nicht für mich. Ich brauche die Verbindung zu Jesus Christus- so wie mein Drucker die Verbindung braucht zu meinem Computer. Sonst kann er nichts drucken und ist nutzlos und wird weggeworfen.
Frucht bringen- das kann für mich bedeuten: Wahrnehmen, was Gott mir mitgibt, und diese Fähigkeiten entfalten, für und mit anderen. Ja, es gibt viele Fähigkeiten in unserer Mitarbeiterschaft und in unserer Gemeinde, die noch auf Entfaltung warten! Und ich darf darauf vertrauen, dass mir die Kraft zufließen wird für das, was ich anpacke. Frucht bringen kann für uns als Kirchengemeinde auch bedeuten, das, was verdorrt ist, zu verabschieden, und die Kraft dort einzusetzen, wo es lebendig zugeht. Bleiben in Jesus Christus und Frucht bringen gehört zusammen. Denn Früchte sind für den Verzehr bestimmt. Deswegen geht es auch darum, sich in die Welt zu verschenken und die Welt genießbarer zu machen- darin wird Gott verherrlicht! (Joh 15, 8) Und auch unsere Gebete werden nicht fruchtlos bleiben. Denn so hat Jesus Christus es versprochen: „Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.“ (Joh 15, 7)
Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer
