Konfirmationspredigt vom Sonntag, 10. Mai 2026
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. So beginnt der Psalm 23. Und so habt ihr auch auf eurem großen Plakat zu malen begonnen. Als erstes war da der Hirtenstab auf dem Bild. Ein Krummstab ist es geworden. Ob die wirklichen Hirten, die hier auf dem Heuberg ihre Schafe weiden, auch einen solchen Stab haben? Ganz genau weiß ich das nicht, dazu kenne ich mich mit dem Alltag von Hirten zu wenig aus. Bei dem Krummstab, wie ihr ihn gemalt habt, denke ich aber erstmal nicht an die Hirten draußen auf der Weide. Den Krummstab kenne ich von woanders her. Bischof Nikolaus hat so einen, wenn er am 6. Dezember den Kindern Geschenke bringt, ja überhaupt die Bischöfe. Trotzdem ist es ein Hirtenstab. Er erinnert uns daran, dass die Bischöfe, Pfarrerinnen und Pfarrer auch Hirten sind. Und tatsächlich- vor einiger Zeit habe ich mal einen Mann getroffen, den ich nicht kannte, der sagte zu mir: „Ich bin eines Ihrer Schäfchen.“ Da war mir klar: Er gehört zu meiner Kirchengemeinde. Er kennt mich, weil ich seine Pfarrerin bin.
Vom Glauben erzählen und für andere da sein- das ist aber nicht nur etwas für Leute wie mich, die hier im Talar auf der Kanzel stehen und predigen. Alle, die getauft sind und zur Kirche gehören, haben diese Aufgabe. Eine Aufgabe also auch für Euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, denn heute sagt Ihr Euer eigenes Ja zu Eurer Taufe. Dieser Gedanke des Priestertums aller Getauften war Martin Luther ganz wichtig und hat unsere evangelische Kirche geprägt. Der Hirtenstab auf Eurem Bild ist allerdings ganz schön mächtig. Gut, dass ich den auch als Pfarrerin nicht alleine schleppen muss. Gut, dass Gott da ist, der unser aller Hirte ist und den Hirtenstab für uns trägt. Ja, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden: Auch wenn Ihr im Leben große Aufgaben zu bewältigen habt, auch wenn Euch angesichts solcher großen Aufgaben manchmal Angst und Zweifel kommen, ob ihr dieser Aufgabe gewachsen seid: Vertraut auf Gott. Gottes Versprechen gilt auch Euch: „Ich habe dir doch gesagt, dass du stark und mutig sein sollst! Fürchte dich nicht und schrecke vor nichts zurück! Denn der Herr, dein Gott, ist mit dir bei allem, was du unternimmst! (Josua 1,9)
Zu diesem Versprechen von Gott passt auf Eurem Bild die große grüne Wiese und der tiefblaue See- so wie es im Psalm 23 heißt: „Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.“ Ja, Gott sorgt für uns wie ein guter Hirte für seine Schafe sorgt. Wie ein Hirte, der für seine Schafe die saftigsten Wiesen aussucht und das beste, kristallklare Quellwasser. Gott meint es gut mit uns. Er hat ein Herz für uns. Ein Herz voller Liebe. Dafür steht das rote Herz auf Eurem Bild. Es steht für die Barmherzigkeit Gottes. Wir sind Gott nicht egal. Ja, wir sind Gott so wichtig, dass er sein Leben für uns gibt. Am Kreuz ist Jesus Christus für uns gestorben und hat alles weggenommen, was uns von Gott trennt, alle Sünde, alle Schuld. Jesus Christus hat für uns den Weg frei gemacht- den Weg ins Leben, den Weg zu Gott: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben,“ sagt Jesus Christus (Johannes 14, 6a).
Wer auf diesem Glauben sein Leben gründet, der ist ein richtiger Glückspilz. Ein vierblättriges Kleeblatt habt ihr gemalt als Zeichen für dieses Glück: Da muss ich vor keinem Unglück mehr Angst haben. Egal was auch kommt im Leben, Gott ist bei mir. Auf meinem Lebensweg geht Gott wie ein guter Hirte voraus, damit ich mich nicht verirre. Und wenn es mal unübersichtlich oder schwierig werden sollte in meinem Leben, dann weiß ich: Auf Gott kann ich mich voll verlassen- sogar da, wo das Leben dunkel und gefährlich erscheint. Ich bin nicht allein. Gott, der gute Hirte weiß, wo es langgeht.
„Der Herr ist mein Hirte.“ Unter dieser Überschrift kennen wir den Psalm 23. Und so ist es auch auf Eurem Bild der Hirtenstab, der alles andere überragt. Aber ganz viel Anderes habt ihr auch gemalt: Ein gedeckter Tisch ist da, mit vielen liebevollen Details. Eure Lieblingsessen stehen da auf diesem gedeckten Tisch- leckere Wassermelonenschnitze zum Beispiel. Dazu habt ihr erklärt: „Mir soll es an nichts mangeln, und der Herr schenkt mir voll ein.“ Voll eingeschenkt bis zum Rand ist auch der große Becher, den ihr unten rechts auf Euer Bild gemalt habt. Und was Ihr auch noch dazu erklärt habt: „Der Tisch ist im Angesicht meiner Feinde gedeckt.“
Wenn ich auf Gott vertraue und mein Leben ganz in seine Hand lege, dann kann ich ganz in Ruhe feiern und das Leben genießen, trotz aller Gefahren, die in der Welt auf mich lauern. Auch wenn es da Menschen gibt, die mir Böses wollen, die mich ärgern und mobben. Auch wenn der Frieden in unserem Land zerbrechlich ist und viel Feindschaft da ist zwischen Menschen und Völkern. Das alles ist Grund zur Sorge und zu entschiedenem Handeln. Denn als Christen haben wir die Aufgabe, uns für Frieden und Verständigung einzusetzen zwischen den Menschen und den Völkern. Aber wenn ich auf Gott vertraue und alles, was in meinen Möglichkeiten steht, tue für ein friedliches Zusammenleben, dann müssen mir diese Sorgen nicht nachts den Schlaf rauben. Ja, auch nach einem schwierigen Tag kann ich nach nachts ruhig schlafen, wenn ich abends meine Sorgen im Gebet bei Gott abgebe- so wie es in Psalm 31, 15-17 heißt: „Ich aber vertraute auf dich, HERR: Ich bekannte: Du bist mein Gott! Meine Zukunft liegt in deiner Hand. Rette mich aus der Gewalt meiner Feinde und lass mich meinen Verfolgern entkommen! Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht. Hilf mir und lass mich so deine Güte erfahren.“
Und was dann noch auf Eurem Bild kommt, das ist die Krönung von allem. Da habt Ihr Euch gemalt, wie Ihr an diesem reich gedeckten Tisch mit all den leckeren Sachen sitzt, und eine Krone aufhabt: „Der Mensch am Tisch trägt eine Krone, weil er wie ein König behandelt wird, wenn sein Haupt gesalbt wird.“ Dafür steht auch der Krug mit Öl auf dem Bild: Duftendes Salböl ist darin, mit dem der Kopf eingecremt wird- nur vom Feinsten, das Teuerste und Beste ist gerade gut genug. Ja, für Gott seid Ihr alle unendlich viel wert, wie Könige werdet Ihr behandelt. Heute, an Eurem großen Festtag könnt Ihr das spüren: Beim Einzug in die Kirche ist die Gemeinde für Euch aufgestanden, statt rotem Teppich haben wir eine rote Kniebank, und wenn Ihr darauf niederkniet, bekommt Ihr zwar kein Salböl auf den Kopf, aber die Hand aufgelegt zum Segen.
Ja, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Heute an diesem wunderschönen Festtag ist dies für uns alle spürbar, und für Euch, die Hauptpersonen, ganz besonders. Aber auch an all den anderen Tagen, die kommen, soll das spürbar bleiben: Wie ein guter Hirte mit seinem Hirtenstab für die Schafe sorgt, so sorgt Gott für mich. Es ist etwas, woran ihr euch festhalten könnt: Ich bin nicht allein. Gott ist bei mir. Egal, was noch kommt im Leben, Gott verlässt mich nicht. Das wünsche ich Euch, dass Ihr das immer wieder erfahren dürft in Eurem Leben: Gott ist bei Euch, Gott begleitet Euch durchs Leben.
Eure Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer
