Autor: Martin Siedler
3. Advent
Predigt zum 3. Advent, 14. Dezember 2025
Liebe Mitchristen!
Unser Predigttext (Lukas 3, 1-14+18-20) beginnt mit einer Reihe von Regierungsdaten: Die großen und mächtigen Männer der damaligen Zeit werden da genannt: Der römische Kaiser Tiberius. Sein Statthalter Pontius Pilatus. Herodes, der in Galiläa regierte und viele mehr. Einige dieser Namen klingen in unseren Ohren: „Gelitten unter Pontius Pilatus.“ Mit diesen Worten bekennen wir unseren christlichen Glauben- immer wenn wir das apostolische Glaubensbekenntnis sprechen. Ja, Pontius Pilatus war der, der Jesus foltern und kreuzigen ließ. Und Herodes- war das nicht der, der die Kinder in Bethlehem hat ermorden lassen? Nein, das war ein anderer Herodes. Aber dieser Herodes hier, der schreckte vor Mord auch nicht zurück. Johannes den Täufer ließ er ins Gefängnis werfen. So erfahren wir es am Ende unseres Predigttexts. Dort sollte Johannes nicht mehr lebend herauskommen. Herodes ließ ihn hinrichten. Ja, große und mächtige Männer werden genannt am Anfang und am Ende unseres Predigttexts. Und von denen, deren Namen uns auf Anhieb bekannt vorkommen, wissen wir: An ihren Händen klebte Blut.
Ich denke an die großen und mächtigen Männer, die in unserer Zeit die Großmächte regieren. Die mit Waffengewalt, Krieg und Einschüchterung ihren Einflussbereich, ihr Gebiet und ihre Macht vergrößern wollen. Ein Menschenleben zählt da wenig. Ja, nicht einmal Tausende und Abertausende Kriegstote, Verletzte und Traumatisierte. Wie wenig hat sich doch geändert in der Welt in den letzten 2000 Jahren, denke ich. Ein frustrierender Gedanke ist das. Ein Gedanke, der einen lähmen und hoffnungslos machen kann. Aber unser Predigttext bricht diese Hoffnungslosigkeit auf. Er will uns lösen aus der Erstarrung des „Man kann ja doch nichts machen.“
In unserem Predigttext hören wir Johannes den Täufer. Er war ein Prediger in der Wüste, der für seine unbequemen Worte am Ende mit seinem Leben bezahlt hat, so wie Jesus selbst. Johannes der Täufer war der Vorläufer von Jesus. Seine Worte waren so hart und kompromisslos wie sein Leben. Johannes der Täufer lebte in der Wüste, ohne ein Dach über dem Kopf. Johannes hatte kein Haus und kein Zelt. Nachts über seinem Kopf das Himmelszelt, das war ihm genug. Viele Gedanken gingen Johannes durch den Kopf, dort in der Einsamkeit der Wüste. Die raue Wüstenlandschaft ließ ihn raue Sätze daraus formen: „Ihr Schlangenbrut! Wer hat euch auf den Gedanken gebracht, dass ihr dem bevorstehenden Gericht Gottes entgeht? Zeigt durch euer Verhalten, dass ihr euer Leben wirklich ändern wollt! Die Axt ist schon an die Baumwurzel gelegt. Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.“ (Lukas 3, 7-9)
Harte Worte sind das. Eine unbequeme Botschaft ist es, die Johannes der Täufer verkündet. Von heimeliger Adventsstimmung ist da nichts zu spüren. Frieden auf Erden- davon singen und reden wir im Advent und an Weihnachten. Johannes der Täufer erinnert uns daran: Frieden auf Erden gibt es nicht allein durch schöne Reden und gute Vorsätze: Ihr müsst schon was dafür tun, sagt Johannes. Und Gott wird euch einmal danach fragen, was ihr dafür getan habt, wenn ihr vor ihm stehen werdet und Rechenschaft geben sollt über euer Leben. Eine unbequeme Botschaft ist das, und Johannes der Täufer predigt diese Botschaft an einem unbequemen Ort: In der Wüste. Jenseits von aller Gutbürgerlichkeit und Advents-Gemütlichkeit. Die Botschaft des Täufers ist radikal. Er packt die Probleme an der Wurzel an. Ausflüchte wie „Man kann ja doch nichts machen“ lässt er nicht gelten. Die Predigt von Johannes dem Täufer ist eine Zumutung- heute am 3. Advent genauso wie damals in seiner Zeit.
Aber eines finde ich wirklich erstaunlich an diesem Predigttext: Obwohl die Predigt des Täufers eigentlich zum Davonlaufen ist- die Leute damals liefen ihm zu: „Die Menschen kamen in Scharen zu Johannes heraus, um sich von ihm taufen zu lassen“, heißt es da (Lukas 3, 7). Johannes hatte Zulauf. Die Menschen nahmen den unbequemen Weg in die Wüste auf sich, um die unbequemen Worte von Johannes zu hören. Sie kamen, weil sie ihr Leben ändern wollten. Als Zeichen dafür ließen sie sich von Johannes taufen. Würde Johannes der Täufer heute in unserer Zeit auch solchen Zulauf haben mit seiner Botschaft und seinem Tauf-Angebot? Ich wage es zu bezweifeln. Und doch spricht er heute zu uns durch diesen Predigttext. Seine harten Worte sind nicht in Vergessenheit geraten. Sie stehen in unserer Bibel und fordern uns heraus.
Johannes der Täufer hat für jeden eine Botschaft- besonders für die Menschen in Machtpositionen. Herodes ist so ein Mensch in Machtposition. Aber er ist nicht bereit, auf die Botschaft des Johannes zu hören. Er will Johannes mundtot machen. Andere aber, die auch in Machtpositionen sind, machen sich auf den Weg zu Johannes dem Täufer und fragen ihn: „Was sollen wir denn tun?“ (Lukas 3, 10) Da sind die Zolleinnehmer, die am Stadttor sitzen und Geld kassieren. Ob sie mehr verlangen als vorgeschrieben, das kontrolliert keiner. Und an den Zolleinnehmern kommt niemand vorbei. Dann sind da die Soldaten. Damals wie heute nehmen sie Städte ein und bekommen dabei Macht über die Bewohner dieser Städte. Was sollen wir machen mit unserer Macht? fragen sie. Johannes antwortet ihnen: Missbraucht eure Macht nicht! Haltet euch an die Gesetze- auch da, wo sie niemand kontrolliert! „Misshandelt und erpresst niemanden!“ (Lukas 3, 14)
Und die anderen Menschen, die zu Johannes kommen, deren Beruf wir nicht erfahren? Die sind auch mächtig. Auch wir, die wir heute die Worte von Johannes dem Täufer hören, sind mächtig. Denn auch Geld und Besitz sind eine Macht. Geld und Besitz sind ungerecht verteilt in unserer Welt. Die einen werden immer reicher, und die anderen haben nicht einmal genug zum Leben. Das kennen wir aus unserer Zeit. Und auch Johannes der Täufer wusste darum. Er, der ohne jeglichen materiellen Besitz in der Wüste lebte, ermahnt alle, die auf Gottes Wort hören und ihr Leben ändern wollen: „Wer zwei Hemden hat, soll dem eines geben, der keines hat. Wer etwas zu essen hat, soll auf die gleiche Weise handeln.“ (Lukas 3, 11)
Mit diesen Worten hat Johannes der Täufer bei mir einen Nerv getroffen. Ich habe nämlich einen ganzen Kleiderschrank voller Kleider und nicht nur zwei Hemden. Und ich habe einen Kühlschrank und einen Vorratsschrank voller Lebensmittel und nicht nur zwei Teller voll. Von Johannes lerne ich: Es ist besser, nicht zu viel Besitz zu haben. Es ist besser, loszulassen und das, was ich nicht unbedingt benötige, zu verschenken. Teilen macht in der Regel nicht ärmer, sondern glücklicher. Johannes der Täufer hat mich nachdenklich gemacht. Ich möchte mir seine Worte zu Herzen nehmen, so rau und herb sie auch klingen. Auch wenn ich es sicherlich nie schaffen werde, alles bis auf das letzte Hemd herzugeben, so wie Johannes das gemacht hat.
Aber einen Anfang möchte ich machen, und mich so vorbereiten auf Weihnachten- auf das Kommen unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. Johannes der Täufer war nur sein Vorläufer. Und so arm, wie Johannes gelebt hat, so arm ist auch Jesus Christus zur Welt gekommen: In einem armen Stall auf hartem Stroh in einer Futterkrippe hat er gelegen. Und an einfachen Windeln sollten die Hirten dieses kleine Kind als den Heiland und Retter der Welt erkennen, so sagen es ihnen die Engel. Auf sein Kommen will ich mich vorbereiten in diesen Adventstagen, so wie es Johannes der Täufer gesagt hat: „Macht den Weg bereit für den Herrn, ebnet ihm die Straße. Was krumm ist, muss gerade werden und die unebenen Wege eben. Alle Welt soll sehen, dass Gott die Rettung bringt.“
Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer
12.12.2025 Kinoabend

Herzlich laden wir ein zur Sitzung des Kirchengemeinderates
am Mittwoch, 10.12.2025 um 19:00 Uhr im Gemeindesaal in Wehingen.
Folgende Tagesordnung ist vorgesehen:
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Öffentlicher Teil |
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Top 1 19:00 |
Begrüßung Andacht |
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Top 2 |
Festlegung und Ergänzung der Tagesordnung |
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Top 3 |
Öffentliches Protokoll der letzten Sitzung vom 10.11.2025 |
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Top 4 |
a. Mitteilungen und Anregungen b. Rückblick:
c. Ausblick: Ø Musikalische Begleitung der Weihnachtsgottesdienste |
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Top 5 |
Bauprojekt Kirchensanierung: Stand der Dinge |
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Top 6 |
Verschiedenes |
Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer Wolfgang Klein, 2. Vorsitzender
21.2.2026 Skiausfahrt
Ewigkeitssonntag
Predigt zum Totensonntag, 23. November 2025
Liebe Mitchristen!
Heute ist Totensonntag. Wir denken an unsere Verstorbenen, die wir in diesem Jahr zu Grabe tragen mussten. Der Totensonntag hat aber auch noch einen anderen Namen: Ewigkeitssonntag. Denn gerade auch heute halten wir uns fest an der Hoffnung, die wir als Christinnen und Christen haben: Dass mit dem Tod eben nicht alles aus und vorbei ist. Dass das Leben weitergeht, bei Gott- in Gottes neuer Welt, in Gottes Ewigkeit. Dass unsere Verstorbenen bei Gott sind. Und dass Gott auch uns nicht allein lässt. Keinen Tag, keine Stunde lässt er uns allein. Und auch am Ende unseres Lebens ist er für uns da: Wenn wir gestorben sind, hat Gott einen Platz für uns in seinem ewigen Reich. Ja, für die, die von uns gegangen sind, beginnt Gottes Ewigkeit schon jetzt.
Aber einmal wird der Tag kommen, da wird Gottes Ewigkeit für alle erkennbar sein. Da wird alle Not ein Ende haben: alle Tränen, alles Leid; ja, sogar der Tod. Da wird Gott alles neu machen. Und allen wird es klar vor Augen stehen: Gott ist für uns da. Das wird ein Fest! Ja, die Bibel sagt uns: Wie ein Hochzeitsfest wird es sein. Wie wenn zwei, die sich lieben, ihre Hochzeit feiern; und alle feiern mit.
Aber die Zeit wird lang bis dahin. Krieg und Aggression bestimmen die Welt. Es gilt das Recht des Stärkeren. Konflikte werden militärisch ausgetragen. Die Mächtigen dieser Erde teilen Gebiete untereinander auf und nennen das einen Friedensplan. Wann ist es endlich so weit, dass wir das große Fest des Friedens feiern- alle miteinander und auf Augenhöhe? Ja, die Zeit wird lang bis zu Gottes großem Fest. Wir denken an unsere Lieben, die in diesem Jahr gestorben sind. Still ist es geworden in unserem Haus. Und da ist dieser eine Platz, der leer bleibt- der eine leere Platz am Esstisch, auf dem Sofa. Diese Leere schmerzt. Nichts kann sie ausfüllen. Nichts kann diesen einen vertrauten Menschen, der nicht mehr unter uns ist, ersetzen. Wann ist es endlich so weit, dass wir uns alle wiedersehen- in Gottes neuer Welt, bei Gottes großem Fest.
Wie ein Hochzeitsfest wird es sein, sagt die Bibel. Aber die Bibel weiß auch darum, wie es ist, wenn die Zeit lang wird bis zu diesem Fest. Jesus erzählt davon im Gleichnis von den zehn Brautjungfrauen, die auf den Bräutigam warten, der lange ausbleibt. „Wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.“ (Matthäus 25,13) Mit diesen Worten endet dieses Gleichnis.
„Wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.“ Manche Menschen können gar nicht mehr richtig schlafen, wenn ein geliebter Mensch gestorben ist. Zu aufwühlend waren die Ereignisse. Zu ungewiss ist, wie es nun weitergehen soll. Andere Menschen fallen in einen tiefen Schlaf, den Schlaf der Erschöpfung. Zu anstrengend war die Pflege des schwer erkrankten oder gebrechlichen Angehörigen in den letzten Monaten und Jahren. Der Körper verlangt nach Schlaf, nach endlich wieder nachts durchschlafen können nach so langer Zeit. Wieder andere Menschen wollen morgens gar nicht mehr aufstehen, wenn ein geliebter Mensch gestorben ist. Alles scheint sinnlos, seit er nicht mehr da ist, und es fällt unendlich schwer, den neuen Tag ohne ihn zu beginnen.
„Wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.“ Was ist damit gemeint? Gemeint ist: Haltet die Hoffnung wach auf Gottes neue Welt. Haltet fest an dem Glauben, dass Gott einmal alles gut machen wird und Trauer und Leid ein Ende haben werden. Haltet fest an dem, was ihr habt. An Gottes Wort. Es ist wie ein Licht in der Nacht. „Jeden Abend habe ich mit meiner Frau das Vaterunser gebetet.“ So hat es mir ein Witwer beim Trauergespräch erzählt. Und ich kann mir vorstellen: Es ist schwer, das jetzt, ohne sie weiter zu tun und jeden Abend allein das Vaterunser zu beten. Noch schwerer ist es womöglich, jetzt neu damit zu beginnen: Jeden Abend ein Vaterunser beten, gerade jetzt in der Zeit der Trauer. Gerade jetzt, wo ich den leeren Platz am Esstisch und auf dem Sofa immer vor Augen habe. Ja, schwer ist es. Und doch kann es helfen: Jeden Abend bete ich ein Vaterunser. Anfangs spüre ich nichts dabei. Anfangs muss ich mich dazu zwingen. Aber irgendwann ist es soweit: Ich spüre, ich bin nicht allein. Ich kann es wirklich glauben: Mein Vater im Himmel ist bei mir und begleitet mich auf diesem schweren Weg.
„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.“ So heißt es in der Bibel in Psalm 119,105. Bibelworte, die ein Licht sind auf meinem Weg- das sind für mich Worte wie das Vaterunser oder der 23. Psalm, wo es heißt: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Solche Bibelworte sind für mich wie Lampen, die ganz mit Öl gefüllt sind und noch einen Ölvorrat dabeihaben. Die auf meinem Weg leuchten auch in dunkler Zeit. Auch wenn ich mich frage: Wann ist es endlich soweit mit deiner neuen Welt, Gott? Warum erkenne ich nichts von dir, Gott? Warum spüre ich nicht, dass du für mich da bist? Warum musste dieser geliebte Mensch sterben?
Im Gleichnis von den zehn Brautjungfrauen in Matthäus 25 sitzen da diese jungen Frauen oder Mädchen und warten und warten. Es wird dunkel. Nichts passiert. Weit und breit ist nichts zu sehen vom Bräutigam. Und das, obwohl doch heute Abend Hochzeit gefeiert werden soll. Wird der Bräutigam überhaupt kommen? Ist ihm etwas zugestoßen? Hat er es sich womöglich anders überlegt? Und was wird dann aus der Braut? Was wird aus uns, den Brautjungfern? Ängstlich und verunsichert schlafen die Mädchen ein. Aber dann auf einmal, als es keiner mehr erwartet hat, ist es soweit: Der Bräutigam kommt! Jubelrufe schallen durch das Tal. Jetzt schnell- nichts wie los! Wir sollen ihm doch voranziehen im Hochzeitszug. Seid ihr alle bereit? Nein, nicht alle sind bereit. Fünf von ihnen haben den Ölvorrat für die Lampen vergessen. Ihre Lampen verlöschen. Sie kommen nicht mit.
Wie ein unerschöpflicher Ölvorrat für unsere Lebenslampe- so ist das Wort Gottes. So sind die altvertrauten Gebete, die wir von Jugend auf gelernt haben. So sind tröstliche Worte der Bibel wie diese: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (Apokalypse 21,4) Halten wir uns fest an diesen Worten- gerade auch in der Nacht der Trauer, des Zweifels und der Angst. Diese Worte wollen uns durchtragen durch die Nacht. Halten wir uns fest an der Hoffnung auf Gottes neue Welt. Setzen wir unsere Hoffnung auf Jesus Christus, der für uns gestorben und auferstanden ist. Eines Tages wird er wiederkommen und alles zurechtbringen, und wir werden unsere Lieben wiedersehen. Das wird ein Fest!
Ihre Pfarrerin Dr. Dorothee Kommer







